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modernen Axiomatik arbiträre Festsetzungen. Husserl beschreibt die Theorie als ein in sich schlüssiges System von Sätzen einer Wissenschaft, als
„eine systematische Verknüpfung von Sätzen in Form einer systematisch
einheitlichen Deduktion.“ 2
Eine mögliche Definition von Wissenschaft wäre also, dass Wissenschaft als ein bestimmtes Universum von Sätzen verstanden wird, welche der theoretischen Forschung entstammen und untereinander widerspruchslos verknüpft sind. Weiterführend ist das Postulat der Freiheit von dogmatischen Einflüssen Grundbedingung für die garantierte Objektivität eines theoretischen Systems.
Tendenziell führt dieser Begriff von traditioneller Theorie zu einem rein mathematischen Zeichensystem. Die logischen Operationen werden in den Naturwissenschaften soweit rationalisiert, dass die Bildung einer Theorie auf eine mathematische Konstruktion reduziert wird. Exemplifizieren kann man dies an der zunehmenden Substitution empirischer Gegenstände durch mathematische Symbole. Dieser Entwicklung folgen unter dem Vorbild der Naturwissenschaft auch die Geisteswissenschaften.
Bei der Vorrangstellung der Verwendbarkeit der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse, scheint die Ausformulierung abstrakter Prinzipien obsolet aufgrund fehlender Verwertungsmöglichkeit.
Nach Ansicht einiger Empiriker ist eine Theorienbildung deswegen problematisch, da die Vielfältigkeit sowie Komplexität der Gesellschaftsprobleme kaum zu bewältigen sei; bei einer Ausarbeitung allgemeiner Prinzipien muss diese im direkten Umgang mit dem Material stattfinden und kann sich erst weiterführend bzw. später mit einer theoretischen Darstellung beschäftigen. Hier finden die Methoden exakter
Formulierung und mathematischer Verfahrensweisen Anwendung, sie korrelieren im engsten mit dem oben gezeichneten Theorienbegriff. Einige Empiriker verwehren sich so einer von oben her entworfenen Metatheorie, welche ohne speziellen Umgang mit Problemen einer empirischen Fachwissenschaft konzipiert wurde. Ferner ist die primäre Methodik die der Induktion, da praktische Forschung vor allem mit der Deskription
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sozialer Phänomene zu beginnen habe und erst sekundär im Vergleich abstrakte Begriffe gebildeten werden können.
„Ob nun aber die höchsten Prinzipien durch Auswahl, durch Wesensschau oder durch reine Festsetzung gewonnen werden, bedeutet hinsichtlich ihrer Funktion im idealen theoretischen System keinen Unterschied. Gewiß ist, daß der Wissenschaftler seine mehr oder minder allgemeinen Sätze an die neu
auftretenden Tatsachen als Hypothesen heranbringt.“ 3
Hierin dient die Hypothese als theoretische Erklärung, soll heißen als Verknüpfung zwischen der Wahrnehmung eines Sachverhalts und der begrifflichen Wissensstruktur. Prägnant ist die Dialektik des gedanklich formulierten Wissens und des konkreten Sachverhalts, wobei zweites dem ersten untergeordnet wird. In Max Webers ‚Theorie der objektiven Möglichkeit’, wird die Aufgabe eines Geisteswissenschaftlers darin beschrieben, dass sie im Kennzeichnen des Zusammenhangs zwischen speziellen, für den historischen Verlauf relevanten, Bestandteilen des Ereignisses und singulären determinierenden Prozessen besteht und eben nicht in möglichst umfassender Aufzählung aller partizipierenden Umstände. Konstruiert man also eine bestimmte historische Ursache, so ist implizit, dass beim Fehlen dieser, sich unter Anwendung der bekannten Erfahrungsregeln unter den bekannten Umständen eine völlig differierende Wirkung zeigt. Bei Anwendung dieser Erfahrungsregeln wird der wahrscheinliche Verlauf konstruiert, jedoch wird das Ergebnis weggelassen und an seiner Stelle das Erklärende eingesetzt. Die Anwendung dieser Regeln ist eine Operation mit Konditionalsätzen, solches Kalkulieren ist Teil der logischen Basis der Natur- und Geschichtswissenschaften.
Das Ziel der Theorie ist der Umgang mit der physischen Natur und mit bestimmten ökonomischen sowie sozialen Mechanismen, wobei diese durch ein Ordnungsgefüge aus Hypothesen vermittelt sind. In so einer Funktionalisierung sind Wissenschaft und technischer Fortschritt der bürgerlichen Ordnung keine unverbundenen Koexistenzen, sondern sich untereinander bevorteilende Gebiete, wobei Tatsachen für das Wissen fruchtbar gemacht werden und das Wissen auf die Tatsachen angewandt wird. In Horkheimers Ausführung besteht in diesem Austausch das Potenzial einer
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voranschreitenden Umwälzung und Entwicklung der materiellen Grundlage der Gesellschaft.
„Soweit der Begriff der Theorie jedoch verselbständigt wird, als ob er etwas aus dem inneren Wesen der Erkenntnis oder sonstwie unhistorisch zu begründen sei, verwandelt er sich in eine verdinglichte, ideologische Kategorie.“ 4
Es muss beachtet werden, dass die Relevanz neuer tatsächlicher Zusammenhänge für die Neuordnung bestehender Ansichten oder Theorien und dessen Anwendung auf bestehende Sachverhalte, nie lediglich auf logisch, methodologische Elemente zurückgeführt werden darf; die Bedeutung muss notwendig im Zusammenhang mit den realen gesellschaftlichen Prozessen stehen und impliziert so auch einen konkret historischen Zusammenhang. Spezielle alltägliche Forschungsprobleme fallen auch unter die Abhängigkeit der Veränderungen wissenschaftlicher Strukturen von der sozialen Situierung. Folgend ist der epistemologische Begriff der Zweckmäßigkeit von Definitionen nicht nur auf die Einfachheit und Folgerichtigkeit eines Systems bezogen, sondern ist deutlich differenzierter, unter anderem von Richtung und Ziel der Forschung abhängig, wobei diese weder aus der Forschung selbst erklärt bzw. abgeleitet werden können. Die gegenseitige Beeinflussung von Material auf Theorie und Theorie auf Material ist wie oben gezeigt, eben nicht nur innerwissenschaftlicher Prozess, sondern auch gesellschaftlicher.
Die Verbindung von Theoretischem und Praktischem, von wissenschaftlicher Arbeit und Lebensprozess der Gesellschaft wird am deutlichsten in der Philosophie des Positivismus und der des Pragmatismus, da hier die Verwendbarkeit der Resultate, bezogen auf ihre Prognosefähigkeit, als Aufgabe und Ziel der Wissenschaft formuliert wird. Diese Philosophien führen jedoch zu einer zirkulären Argumentation, da einerseits an unabhängiges Wissen und andererseits an die soziale Bedeutung ihrer Aussagen geglaubt wird. Hierbei wird schnell übersehen, dass ihre Leistungen eine Selbsterhaltung und eine ständige Reproduktion von Bestehendem sind, da die Wissenschaftler selbst in das gesellschaftliche System eingeschlossen sind. In der sozialen Arbeitsteilung werden Tatsachen/Sachverhalte in begriffliche Ordnungen eingegliedert und somit systematisiert, sodann ein jeder, welcher sich dieser Ordnung
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Arbeit zitieren:
Jacques Lantin, 2011, Max Horkheimer - Was ist traditionelle Theorie?, München, GRIN Verlag GmbH
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