Gliederung:
1. Einleitung. 1
2. Hauptteil
2.1 Was versteht man unter „Infotainment“? - Begriffsbestimmung
2.1.1 Definition. 2
2.1.2 Entstehungsbedingungen und Ursachen von Infotainment. 3
2.1.3 Information und Unterhaltung als Dimensionen von Medien-
angeboten. 5
2.1.4 Funktionen von Medienunterhaltung und Infotainment. 6
2.1.5 Formen und charakteristische Merkmale von Infotainment. 8
2.2 Erläuterung des Begriffs „Mediendidaktik“
2.2.1 Definition. 10
2.2.2 Mediendidaktische Gestaltungsmittel bei Infotainmentformaten. 11
2.2.3 Information und Unterhaltung als interaktive Zuschreibungen. 12
2.3 Die Rolle der Milieutheorie
2.3.1 Das Positionierungsmodell der Sinus-Milieus. 13
2.3.2 Die Milieucharakterisierung der Mediennutzung nach Schulze. 15
2.4 Mediendidaktische Folgerungen für die Gestaltung von Lernmitteln. 18
2.5 Mit Infotainment verbundene Chancen und Risiken. 19
3. Resümee 22
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1. Einleitung
Die modernen Massenmedien stellen seit jeher einen besonderen Rahmen für Wissensvermittlung dar. Eine herausgehobene Stellung hat hierbei das Medium Fernsehen, welches seit der ersten Fernsehausstrahlung in Deutschland im Jahr 1952 stets mit positiven als auch negativen Erwartungen besetzt wurde. Der Programmauftrag, der an das Fernsehen dabei gestellt wurde und wird, ist im Wesentlichen dreigeteilt: Fernsehen soll der Bildung, Information und schließlich auch der Unterhaltung der Rezipienten gerecht werden (vgl. Dörr, 1997, S. 7). In den letzten Jahren hat sich allerdings eine Tendenz abgezeichnet, die eine klare Grenzziehung zwischen medialen Informations- und Unterhaltungsangeboten zunehmend erschwert und zu der relativ modernen Bezeichnung des „Infotainment“ für diese Art von Mischgenre geführt hat. „Es sind neue Formate entstanden, die u. a. als ‚Docudrama’, ‚Faction’ oder ‚Reality-TV’ bezeichnet werden.“ (Schicha und Brosda, 2002, S. 12).
Als Ursache für diese Entwicklung kann das Zusammenspiel vielfältiger Veränderungen in politischen, gesellschaftlichen und sozialen Bereichen betrachtet werden. Jedoch ist für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Infotainment“ nicht nur der Blick auf die Ursachen und Hintergründe interessant, sondern auch eine Perspektive hinsichtlich der Auswirkungen, speziell für die medienpädagogische Didaktik solcher Formate, zeigt sich als aufschlussreich. Des weiteren soll in der folgenden Arbeit neben den bereits erwähnten Aspekten auch die Rolle milieuspezifischer Geschmacksmuster bei der Rezeption von Medienformaten mit unterschiedlicher Gewichtung der Informations- und Unterhaltungselemente berücksichtigt und näher beleuchtet werden. Schließlich folgt zusammenfassend eine Erläuterung der mit Infotainment verbundenen Chancen und Risiken, die in eine weitergehende Reflexion mündet.
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2. Hauptteil
2.1 Was versteht man unter „Infotainment“? - Begriffsbestimmung
2.1.1 Definition
Zunächst muss festgehalten werden, dass der Begriff des Infotainment keineswegs einheitlich verwendet wird. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes „Kofferwort“, welches sich aus den beiden englischen Begriffen „Information“ und „Entertainment“ zusammensetzen lässt und prägnanterweise die unterhaltsame Vermittlung von Informationsinhalten bezeichnet.
Bei eingehender Betrachtung versteht Wittwen (1995, S. 24) unter Infotainment „(...) alle Möglichkeiten zur unterhaltenden Aufbereitung von Informationen, geschehe dies durch die thematische Auswahl, deren optische oder sprachliche Realisierung.“ Zudem stellt Wittwen heraus, dass Infotainment nicht nur im medialen Bereich des Fernsehens eine sprachliche Verwendung findet, sondern dass dem Begriff im wesentlichen fünf Hauptbedeutungen zugeordnet werden können: Zum einen handelt es sich dabei um einen Fachbegriff, der im Zusammenhang mit dem Internet, also im Computerbereich verwendet wird. Des Weiteren gilt Infotainment als modernes Schlagwort, das, wie bereits erwähnt wurde, die Vermischung von Information und Unterhaltung in der modernen Medienindustrie bezeichnet. Zudem kommt die Begrifflichkeit auch in anderen Sektoren außerhalb des Medienbereichs, also beispielsweise in Musik, Malerei, Politik und Sport als sogenanntes Modewort zum Einsatz. Daneben gilt Infotainment schlichtweg auch als Sammelbegriff aller Möglichkeiten zu unterhaltenden Aufbreitung von Informationen. Schließlich dient es zusätzlich als Oberbegriff für diverse Sendungsformate (vgl. Wittwen, 1995). Hingegen geht Bosshart von einer noch stärker rezipientenorientierten Definition aus:
„Der Begriff ‚Infotainment’ sollte nicht nur als Mischung von Information und Unterhaltung definiert, sondern auch als Rezeptionsqualität in einem angeregten (Information) und erregten (Unterhaltung) Zustand aufgefasst werden. Es geht um das Wechselspiel von Kognition und Affekt, um das Spannungsfeld zwischen Nachrichtenwerten und Gefühlsfaktoren“ (Bosshart, 1991, S. 3).
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Allgemein lässt sich also festhalten, dass der Unterhaltungsaspekt in
Informationsformaten auch in Zukunft zunehmend in den Vordergrund rücken wird und die Informationsvermittlung selbst an Bedeutung verlieren könnte. Unterhaltung nämlich wird neuerdings in verstärktem Maß als eine gewichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Informationsangebot verstanden (vgl. Schicha und Brosda, 2002, S. 15). Schon Kübler stellte 1975 fest, dass Unterhaltung der Ästhetisierung von Information dienen kann: „(...) despotisch beherrscht der Zwang zur Popularität (...) die tägliche Fernsehpraxis, wo er sich ummünzt in attraktive Aufmachung, faszinierende Arrangements, technischen Aufwand, Schau und Unterhaltung“ (Kübler, 1975, S. 303). Hier klingt bereits an, dass gewisse Entwicklungen und Sachzwänge in der Medienlandschaft in den vergangenen Jahrzehnten diesen Trend der Infotainisierung besonders stark initiiert haben. Welche spezifischen Ursachen und Hintergründe im Einzelnen hierfür aufgeführt werden können, soll im Folgenden näher beleuchtet werden.
2.1.2 Entstehungsbedingungen und Ursachen von Infotainment
Zu den Wegbereitern und Ursachen von Infotainment zählen mehrere Faktoren, die sich unterschiedlich stark auswirken konnten. Als gewichtigster Grund gilt zweifellos die 1982 stattgefundene Kommerzialisierung des deutschen Fernsehens. Zu diesem Zeitpunkt wurden in der deutschen TV-Landschaft die privaten Fernsehsender eingeführt. Folglich entstand eine neue Dualität zwischen öffentlichrechtlichen und privaten Sendern, wodurch nun eine verschärfte Wettbewerbs- und Konkurrenzdynamik auftauchte (vgl. Lauffer und Volkmer, 1995, S.121). Allgemein kann konstatiert werden, dass es zu einer Deregulierung gekommen ist, die den an den Rundfunkstaatsvertrag gebundenen gebühren-finanzierten Sendern eine werbefinanzierte Konkurrenz entgegenbrachte. Diese zeichneten sich vor allem
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durch ein verstärktes Eingehen auf Zuschauerbedürfnisse und eine konsumentenorientierte Ausrichtung aus (vgl. Mangold, Vorderer und Bente, 2004, S. 532).
Hinzu kommt, dass neuere empirische Untersuchungen folgenden Sachverhalt offen legten: Gemäß ihrem staatlich auferlegten Bildungsauftrag verwendeten die öffentlichen Rundfunkanstalten oftmals für die Informationsverarbeitung eher hinderliche Vermittlungsformate. „Als für Verstehen und Behalten nachteilige Faktoren wurden etwa der dominierende Pyramidenstil, ein (zu) komplexer Satzbau, die häufige Verwendung schwieriger Wörter und eine zu große Darbietungsgeschwindigkeit der Inhalte (…) genannt“ (Mangold, Vorderer und Bente, 2004, S. 531). Durch eine Boulevardisierung mittels diverser Infotainment-Elemente, die später eingehender behandelt werden, sollte dieser Erkenntnis also Rechnung getragen werden. Zudem geraten die öffentlich-rechtlichen Sender neuerdings in eine Art Legitimierungsdilemma aufgrund sinkender Werbeeinnahmen, was eine marktstrategische und massenpublikumsorientierte Ausrichtung zum Erhalt der Finanzierung und schließlich auch der eigenen Zukunft als Resultat nach sich zieht (vgl. Lauffer und Volkmer, 1995, S. 122). Außerdem wird die gesteigerte Konsumhaltung vieler Menschen als weiterer Grund für den „Vormarsch“ von Infotainment-Formaten betrachtet. Der moderne Mensch in der viel zitierten Dienstleistungs-/ Informationsgesellschaft wird immer mehr daran gewöhnt, dass ihm jeglicher Service, jegliche Information und ähnliches bereits für ihn perfekt zugeschnitten und somit „mundgerecht serviert“ wird. Somit müssen auch Informationssendungen im Fernsehen mit einem relativ geringen mentalen Aufwand und einer gewissen Alltagsrationalität aufgenommen und verarbeitet werden können, um interessant für den Rezipienten zu bleiben. Eine zusätzliche Ursache für die obig beschriebene Tendenz sehe ich in der individualisierten Gesellschaft, in der wir heutzutage leben. TV wird mehr und mehr als „Gesamtöffentlichkeit“ interpretiert. Dies bedeutet, dass eine starke Ausdifferenzierung der individuellen Lebenslagen und Interessen der Menschen vom Fernsehprogramm best möglichst mittels Infotainment abgedeckt werden möchte, um alle gesellschaftlich relevanten Lebensbereiche quotenträchtig repräsentieren zu können. Dadurch entsteht beim Rezipienten der Eindruck, dass Infotainment-
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Fernsehen ein reales Spiegelbild der Gesellschaft darstellt, was folglich dessen Attraktivität erhöht. Zusammenfassend stellt die Entwicklung zum Infotainment hin schlichtweg eine Anpassung an die Erfordernisse des Nachfrageverhaltens seitens der Rezipienten dar. Allerdings blieb in der bisherigen Ausführung immer noch ungeklärt, wie eine Klassifikation der unterschiedlichen Medienangebote aussehen könnte. Das soll im folgenden Abschnitt exemplarisch erläutert werden.
2.1.3 Information und Unterhaltung als Dimensionen von Medienangeboten
Für ein besseres Verständnis der Gesamtthematik können die medialen Gestaltungsformen „Information“ und „Unterhaltung“ als so genannte Dimensionen von Medienangeboten angesehen werden. Dabei geht man von einem zweidimensionalen Koordinatensystem aus, in dem die horizontale x-Achse aus den Polen „Langeweile“ und „Unterhaltung“ besteht, während sich die vertikale y-Achse aus den Polen „Desinformation“ und „Information“ zusammensetzt. Infotainment ist dabei im rechten, oberen Sektor anzusiedeln, weil logischerweise dort „Information“ und „Unterhaltung“ überwiegen, wohingegen die Dimensionsausprägungen „Langeweile“ und „Desinformation“ eher weniger vorzufinden sind. Gleiches gilt übrigens auch für das mit Infotainment verwandte Format des „Edutainment“, das eher bei computerunterstützten Lernprozessen aufgefunden werden kann. Als klassisches Gegenbeispiel zu Infotainment könnte man hingegen in dieser Einordnung exemplarisch die Börsennachrichten des Senders N-TV anbringen. Diese Nachrichten dürften von der Mehrzahl der Rezipienten eher im linken, oberen Sektor positioniert werden. Zwar ist der Informationsgehalt dieser Sendeformate hoch, jedoch gilt dies auch für den Grad der „Langeweile“, außer bei einem Rezipienten der per se aufgrund einer eigenen Aktienanlage ein gewisses (finanziell orientiertes)
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Arbeit zitieren:
Andrea Walser, 2008, Infotainment als didaktisches Mittel, München, GRIN Verlag GmbH
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