INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitende Bemerkungen
S. 1
2. Kloster „Oberschönenfeld“ und seine Abteikirche
S. 2
2.1 Name „Oberschönenfeld“
S. 2
2.2 Geschichte des Klosters von 1211-1994
S. 4
2.3 Klosterkirche „Mariä Himmelfahrt“
S. 10
3. Elementare Strukturen
S. 12
3.1 Vorerfahrungen der Kinder
S. 12
3.2 Einordnung in den Lehrplan
S. 13
3.3 Fächerübergreifende Exkursion
S. 14
4. Kirchenpädagogische Zugänge
S. 15
4.1 Umgebungserkundung
S. 16
4.2 Erkundung der Kirche von außen
S. 18
5. Meinung der Verfasserin
S. 20
Literaturverzeichnis S. 22
Anhang S 23
1
1. Einleitende Bemerkungen
Im SS 2002 besuchte ich das Seminar „Kirchenerkundungen“, das sowohl theoretisch als auch praktisch in die Kirchenpädagogik einführte. Zusammen mit drei weiteren Kommilitoninnen versuchte ich, den Teilnehmern des Seminars einen kirchenpädagogischen Zugang zum Kloster Oberschönenfeld und seiner Abteikirche zu verschaffen:
Nach einer kurzen Einführung in die Umgebung des Klosters und seiner Geschichte ging es an die Erkundung der Abteikirche `Mariä Himmelfahrt´. Mit Hilfe von meditativer Musik und einem Teelicht, das während der „Entdeckungsreise“ das Leitmotiv darstellte, brachten wir den Seminarteilnehmern den Innenraum der Kirche näher. Folgende vier Gliederungsschritte bestimmten unser Referat: Annähern, Entdecken, Vertiefen und Ablösen. 1
Nachdem der Schwerpunkt unseres mündlichen Beitrags auf dem Innenraum der Klosterkirche lag, soll dieser nun in dem praktischen Teil meiner Seminararbeit auf die Umgebung des Klosters und seine Außenansicht verlagert werden. Zu Beginn der Arbeit soll die Entstehung des Namens Oberschönenfeld aufgezeigt werden. Es folgt ein kurzer Abriss über die Geschichte des Klosters und seiner Abteikirche. Im Anschluss an diesen sogenannten `theoretischen Teil´ werden die elementaren Strukturen erläutert. Dabei wird zunächst auf die Vorerfahrungen der Kinder in der Grundschule eingegangen, dann die Jahrgangsstufe vorgestellt, mit der die Erkundung durchgeführt werden soll. Zudem findet eine Einordnung in den Lehrplan des Gymnasiums statt. Des Weiteren wird dem Leser die fächerübergreifende `Erkundungs-Exkursion´ vorgestellt.
Nun folgen die kirchenpädagogischen Zugänge zur Umgebung des Klosters und zur Kirche, der man sich von außen nähert. Den Schluss der Arbeit bildet ein Kommentar der Verfasserin.
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1 Das Paper des Referats über die Abteikirche „Mariä Himmelfahrt“ ist im Anhang dieser Arbeit zu finden.
2
2. Kloster „Oberschönenfeld“ und seine Abteikirche
Mit diesem Teil der Arbeit soll sich der Leser ein umfangreiches theoretisches Wissen aneignen, von dem er im praktischen Teil (siehe 4.) profitieren wird. Denn der Außenstehende hat bereits ein grobes Wissen über die Umgebung des Klosters, seine Geschichte und die seiner Abteikirche (siehe 2.).
2.1 Name „Oberschönenfeld“
Fährt man auf der Kreisstraße A3 zwischen Gessertshausen und Schwabmünchen, so fällt dem Autofahrer ein kleines Schild am Straßenrand mit der Aufschrift „Oberschönenfeld“ ins Auge. „Ob den Vorbeifahrenden etwas Zeit bleibt, über diesen Namen nachzudenken? Nähern sie sich einem „Schönen Feld“?“ Diese Fragen leiten das Buch des Freundeskreises Oberschönenfeldes über seine gleichnamige Abtei ein. 2 Im Folgenden soll darauf eine Antwort gegeben werden.
Als historisch gesichert gilt, dass um die Wende des 12. Jahrhunderts in Oberhofen (anfangs „Oberhoven“), am heutigen Weiherhof, fromme Frauen, sogenannte Beghinen, in einer Art klösterlichen Gemeinschaft lebten. 3 Im Jahre 1202 verbanden sich die Frauen noch enger miteinander, indem sie sich dem Zisterzienserorden anschlossen. 4 Sie beschlossen, in ein neues Gotteshaus überzusiedeln, das eine halbe Wegstunde talwärts lag. Der Ort der Übersiedelung war genau der, an dem heute das Kloster Oberschönenfeld zu finden ist. Es bekam den Namen „Unserer lieben Frau von Schönenfeld“. So mancher Leser mag sich vielleicht fragen, warum damals gerade dieser Name für das neue Gotteshaus gewählt wurde.
Vergleicht man andere Namensgebungen von damaligen Zisterzienserklöstern, so ist einiges auffällig: Die damaligen Vereinigungen wählten sich bedeutsame und sinnvolle
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2 Freundeskreis Öberschönenfeld e.V. (Hrsg.): Abtei Oberschönenfeld. Ein Zisterzienserinnenkloster in Schwaben. Weißenhorn: Anton H. Konrad Verlag 1985, S.17.
3 Der Freundeskreis Oberschönenfeld will sogar den Namen „Obernhofen“ als geschichtlich bezeugt wissen. Vgl. ebd., S.17.
4 Zisterzienser, röm.-kath. Orden, 1098 von dem Benediktinerabt Robertus von Molesme gestiftet, wahrscheinlich als Protest gegen den Aufwand des Cluniazenserklöster. Großer Aufschwung durch den Eintritt von Bernhard von Clairvaux. Ideale der Zisterzienser waren klösterliche Armut und das Leben in der Art der alten Einsiedlermönche. Nach zwei Jh. Verfall, Wiederbelebung der alten Regel durch den Abt von Rancé im Kloster La Trappe. Übernommen aus: Ulrich Mohr: Das große Lexikon in Farbe. Weinheim: Zweiburgen Verlag 1985, S. 501.
3
Namen aus, denn diese waren Auftrag. „Die Cistercienser liebten es auch, im Namen ihrer Abtei den Namen der himmlischen Herrin aufklingen zu lassen: Marienstatt (Westerwald), Marienstern (Sachsen),..., Marienthal (Braunschweig).“ 5 Doch nicht nur der Name „Maria“ ist auffällig, sondern auch die Bezeichnung Feld oder Camp, die sehr häufig die Namensgebung der Klöster bestimmt. Das älteste Zisterzienserkloster am Niederrhein trägt den Namen Camp bei Rheinberg. Des Weiteren gibt es z.B. Marienfeld in Westfalen, Fürstenfeld in Oberbayern und Neuencamp in Pommern. „Der Name Camp erinnert an die Worte des Hohenliedes: „...Ich bin eine Blume des Feldes, eine Lilie des Talgrundes“ und: „...ein Garten...ein Hegtum...ein Hain...ist meine Schwester Braut“.“ 6 In der Braut des Hohenliedes erblickt die Liturgie Maria. Das „Schöne Feld“ wurde also Maria als Wohnstätte zugedacht.
Ein anderer Gesichtspunkt der Namensgebung könnte das „Labora“ der Zisterzienser gewesen sein. Denn die Aufgabe bestand darin, das Land in fruchtbaren Boden zu verwandeln, d.h. in ein „schönes Feld“. „Ihr „Ora“ und ihre Askese ist die Wandlung der Seelen in fruchtbaren Acker zur Aufnahme des göttlichen Samenkorns. Mystische Gottesminne, hohe Liebfrauenminne des Mittelalters fanden den Namen, um Maria, der Mutter des Herrn, um dem Herrn selbst eine Heimstatt zu errichten, in ihrem Kloster, in ihrem Herzen.“ 7
Der Name Oberschönenfeld bestand also nicht gleich von Anfang an. Er ist gewachsen wie eine Blume, ..., aus einer Frauengemeinschaft heraus, die sich nach dem Hirten ihres Lebens sehnte. 8 Von einer direkten Ableitung aus dem Namen Oberhofen kann nicht gesprochen werden. Aber eine indirekte Mitbestimmung bis zur heutigen Ortsbezeichnung Oberschönenfeld kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Besonders die erste Silbe des Namens, „Ober“, erinnert an den früheren Ort der Frauenvereinigung. Das Tal der Schwarzach ist in der Tat ein schönes Feld und trägt mit Recht seinen Namen „Oberschönenfeld“. Dies können besonders Wanderer bemerken und bestätigen, die an jenen Ort gelangen und Muße zum Nachsinnen haben.
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5 Abtei Oberschönenfeld (Hrsg.): Abtei Oberschönenfeld. Ältestes Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland 1211-1961. Eine Rückschau auf 750 Jahre. Donauwörth: Buchdruckerei Ludwig Auer 1961, S.17.
6 Vgl. ebd., S.18.
7 Vgl. ebd., S.18.
8 Vgl. ebd., S.15.
4
2.2 Geschichte des Klosters von 1211-1994
Ein urkundlich gesichertes Gründungsdatum gibt es für Oberschönenfeld zwar nicht, doch die Tradition überliefert 1211 als Zeitpunkt der Entstehung. Ebenfalls kann historisch keine Stifterpersönlichkeit eindeutig ausgemacht werden. Allerdings stimmen sämtliche Legenden in ihrem Kern überein. 9
Eine davon erzählt, wie ein Graf Mangold IV. von Wird bei einer Jagd in die Reischenau am Hungerberg einen Einsiedler fand. Dies soll sich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ereignet haben. Für sein Leben als zurückgezogener Büßer gab der Eremit folgende zwei Gründe an: Seine Verfehlungen und die seines Vaters wolle er sühnen. Aus diesem Grund habe er das Pilgerkleid genommen und sei ins Heilige Land gewallfahrtet. Nun wolle er aber bis ans Ende seines Lebens als Büßer in der Einsiedelei zubringen. Nachdem der Eremit gestorben war, baute die Gattin Würga des Grafen Mangold über dessen Grab eine Kapelle. Hier entstand bald darauf eine Vereinigung frommer Frauen, die ein Leben nach Art der Beghinen führten. 10 Nach dem Tode ihres Gatten legte Würga mit zwei ihrer Edelfräulein selbst den Grund zu dieser Frauenvereinigung. Zwei andere Frauen aus dem Grafengeschlecht der Dillinger bauten den drei Frauen einen festen Wohnsitz neben der Kapelle. Dieser Ort trug den Namen Oberhofen. Im Jahre 1202 verbanden sich die Beghinen durch den Anschluss an den Zisterzienserorden noch enger miteinander und beschlossen eine Verlegung ihrer bisherigen Wohnstätte an den heutigen Ort des Klosters Oberschönenfeld. Der neue Bau wurde durch Schenkungen der Grafen von Dillingen und des Augsburger Bischofs Siegfried III. von Rechberg ermöglicht.
So kam es laut dieser Legende zur Gründung des heutigen Klosters Oberschönenfeld. 11
Obwohl bei einem Vergleich zwischen Überlieferung und Urkundenlage die Tradition einen Zeitraum umfasst, der vor den schriftlichen Dokumenten liegt, folgte man dem Ergebnis
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9 Vgl. Werner Schiedermair (Hrsg.): Kloster Oberschönenfeld. Donauwörth: Ludwig Auer GmbH 1995, S. 16.
10 Beghinen ist die mittelalterliche Bezeichnung für Frauen, die die üblichen Frauenrollen ablehnten, um eine neue Lebensform zu wählen. Ihr Ziel war es, für ein intensives Frömmigkeitsleben frei zu sein ohne lebenslänglich an monastische Gelübde gebunden zu sein (Vgl. ebd., S. 192.).
11 Vgl. Abtei Oberschönenfeld (Hrsg.): Abtei Oberschönenfeld. Ältestes Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland 1211-1961. Eine Rückschau auf 750 Jahre. Donauwörth: Buchdruckerei Ludwig Auer 1961, S.15f..
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der klösterlichen Geschichtsschreibung und ging von dem Jahr 1211 als Gründungsjahr aus. Die erste Urkunde hatte dabei
weitreichende Folgen für den Fortbestand der Oberschönenfelder Vereinigung. Papst Innozenz IV. verlieh dem Kloster in diesem Dokument die Privilegien des Zisterzienserordens. Diese Inkorporation brachte eine strenge Klausur mit sich: In wirtschaftlichen und geistlichen Fragen war die Aufsicht eines Vaterabts zu akzeptieren. Eine weitere Folge davon war Abb. 1: Urkunde vom 28. August 1248 12 die wirtschaftliche und politische Festigung des Klosters.
In den folgenden Jahrzehnten gelang es durch Stiftungen und Zukäufe den Klosterbesitz stetig zu vermehren. Der frühe Wohlstand machte sich durch den Bau der Kirche `Mariä Himmelfahrt´ offenkundig. Diese sogenannte Gründungsperiode dauerte bis etwa 1286. Die nächsten 200 Jahre bis hin zur Reformation waren wiederum von stetigem Wachstum und Beständigkeit gekennzeichnet. Stiftungen und Schenkungen machten dies jedoch erst möglich. Die bis zu diesem Zeitpunkt friedliche Entwicklung wurde durch den sogenannten Städtekrieg unterbrochen. In diesem verbündete sich die Kommune Augsburg mit Ulm und stritt gegen die bayerischen Herzöge und Graf Eberhard, den Greiner von Württemberg. Die Auseinandersetzung setzte sich bis in das Jahr 1388 fort. Unter den Unruhen litt besonders auch das Kloster. Die Nonnen mussten sich ihren Lebensunterhalt erbetteln und in ihrem ruinierten Kloster leben. Doch auf Grund des starken Zusammenhaltes der
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12 Die erste Urkunde, datiert vom 28. August 1248 aus: Werner Schiedermair (Hrsg.): Kloster Oberschönenfeld. Donauwörth: Ludwig Auer GmbH 1995, S. 17. Der Wortlaut der zweiten Nennung vom 13. März 1251 ist im Anhang dieser Arbeit zu finden.
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Schwestern konnte die Krise überwunden werden. Aus den gemachten Erfahrungen lernten die Nonnen: Sie kümmerten sich in verstärktem Maße um das Wohlwollen politischer Mächte. Ein erreichtes Ziel war hierbei die Erlangung des Augsburger Bürgerrechtes. Auf dem Konstanzer Konzil bestätigte Kaiser Sigismund mit einer Urkunde im Jahre 1417 alle bisherigen Rechte des Klosters und versprach kaiserlichen Schutz. Eine andere Äbtissin erreichte, dass Papst Sixtus IV. alle Freiheiten Oberschönenfelds bestätigte.
Dadurch entstand in Oberschönenfeld bald sowohl ein wirtschaftlich als auch geistlich gut geordnetes Haus. Doch diese wiedereingekehrte Ruhe sollte nicht lange anhalten. Im Jahre 1525 überfielen Bauern das Kloster und verwüsteten es durch Plünderung. Die Schwestern flohen nach Augsburg in ihren sogenannten „Schönenfelder Hof“. Im Juli 1546 musste der Konvent erneut die Flucht ergreifen: Die Reformationskriege erreichten das Schwarzachtal. Erst 1547 konnten die Nonnen zurückkehren. Sie waren zusehends verarmt und in ihrer Anzahl stark geschwunden. Trotz der großen Not hielten die übrig gebliebenen drei Schwestern an ihrem katholischen Glauben fest und schafften den Wiederaufbau ihres Hauses. Die Äbtissin Agnes V. trug maßgeblich dazu bei, indem sie die Aufnahme bürgerlicher Kandidatinnen, sogenannten Laienschwestern, in das Kloster durchsetzte. Die Ordensregel kam erst unter Äbtissin Barbara II. Elchinger wieder voll zur Geltung. Sie stellte die klösterliche Zucht wieder her, indem sie die Klausur verschärfte. In sogenannten Gebetsverschwisterungen schlossen sich die süddeutschen Zisterzienserklöster zur oberdeutschen Zisterzienserkongregation zusammen und verstärkten so ihren Zusammenhalt. War nun die Gemeinschaft wieder gefestigt, konnte sich die Äbtissin anderen Aufgaben zuwenden, wie z.B. Baumaßnahmen, die zur Wiederherstellung des Klosters dienen sollten. Auf diese Weise verdiente sich Barbara den Beinamen „Wiederherstellerin des Klosters“. Bis zu ihrem Tod vermehrte und schützte sie den Besitz des Klosters.
Doch dann erreichte der seit 1618 in Europa tobende Dreißigjährige Krieg Oberschönenfeld: Der Einmarsch des schwedischen Königs Gustav Adolf traf die Nonnen im Wesentlichen unvorbereitet. Ihnen blieb erneut nur noch die Flucht. Erst drei Jahre später konnte eine Rückkehr hinter die Klostermauern erfolgen. Wieder war das Kloster geplündert und glich einer Ruine. Auch dieses Mal schafften die Schwestern aus eigener Kraft den Wiederaufbau. Dies dauerte bis in das Jahr 1649.
Arbeit zitieren:
Monika Reichert, 2002, Kirchenpädagogischer Zugang zur Abtei Oberschönenfeld, München, GRIN Verlag GmbH
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