postmoderne Medienaneignung
1. Einleitung
Ziel dieser Arbeit ist es die theoretischen Ausgangspunkte für ideologiekritische Medienaneignungspraxen anhand von mehreren Texten, welche zu
Grundlagentexten der Cultural Studies wurden, die, trotz partieller Unterschiede, bis heute bearbeitet werden, zu beschreiben. Hauptaugenmerk soll dabei auf die Massenmedien gelegt werden, die zu einem (post)modernen Verständnis der Medien und in weiterer Folge auch zu neuen gesellschaftlichen Konzeptionen geführt haben. Im Folgenden soll vor diesen Hintergründen, mit speziellem Augenmerk auf die Foucaultschen Raum-Theorien, in den Grundzügen dargestellt werden, was eine „Medien-Heterotopie“ ist und wie sich diese massenmedial äußert.
2. Hauptteil
„Der Raum ist dem Ort was die Ewigkeit der Zeit ist!“ Joseph Joubert
Raum und Zeit sind die grundsätzlichen Kategorien menschlicher Wahrnehmung, sie sind schicksalhaft gekreuzt und haben eine Geschichte die so alt ist wie die Menschheit selbst. (vgl. Foucault 1992: S.34) Als Eckdaten unseres Lebens prägen sie dieses, in Form biologischer Lebenszeit, begrenzt durch Geburt und Tod. Der Ort unserer Geburt ist das was uns als Menschen ausmacht. Dieser Ort stiftet Identität und definiert uns. Räume sind wesentliche Erfahrungen im Prozess der Zivilisation, die Menschen orientieren sich schon immer in ihnen, sie entwickeln Imagination, Gedächtnis und Sozialisierung innerhalb grundlegender räumlicher Strukturen. (vgl. Assmann 2006: S.150) Historisch betrachtet bildete der Ort ein Zufluchts- und Sicherheitsspektrum, während hingegen Räumlichkeit nur in negativer Abgrenzung zum sicheren Ort, als unvorstellbarer Raum gedacht werden konnte. Eine Raumkonzeption prägte aber bereits die vormodernen Menschen der
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(griechischen) Antike: die Erfahrung „anderer Räume“ (Foucault 1992: S.34) die sich als „Heterotopien“ (ebd. S. 39) in Form von Spektakeln wie der Olympischen Spiele oder blutiger Kriege manifestierten, mit welchen die Machthabenden ihre Überlegenheit zur Schau stellen konnten. (vgl. Kellner 2005: S.188) Michel Foucault beschreibt diese ‚anderen Räume‘, als „Heterotopien“, als Gegenentwürfe zu Utopien, als Orte der Reproduktion der ideologischen Gesinnungen der Mächtigen. (vgl. Foucault 1992: S.39ff) Auffinden können wir diese Stätten noch heute als geronnene Speicher verdichteter Zeichen und Spuren, die historisch lesbar sind und nach Entzifferung die Ideologien vergangener Zeiten dokumentieren. (vgl. Assmann: S.150) Bis ins hohe Mittelalter waren diese Räume indes fremd und mussten erst durch ‚Verortung‘ in Besitz genommen werden. (vgl. Dinzelbacher: S.609 f) Ab diesem Zeitpunkt galten Selbige nun als Territorien die es zu besetzen bzw. zu verteidigen galt. (vgl. Assmann 2006: S.150) Das ist geblieben. Neu sind allerdings die Konzeptionen der Räume der Moderne die als „Epoche des Raumes“ (Foucault: 1992: S.34), aufgrund der massenmedialen Kreuzung von Raum und Zeit mediale, unendliche Alternativräume, mit neuen „Medienspektakeln“ (Kellner 2005: S.187) hervorgebracht hat. Heterochron und rhizomartig vernetzten sich die medialen Räume zu einer postmodernen Wissensorganisation (vgl. Hardt/Negri 2003: S.309) die durch ein Nebeneinander, heterogener medialer Gefüge, die sich zwischen „Strategien“ (de Certeau: 1988: S.87) als Orte der Reproduktion dominanter Ideologien einerseits, sowie als „Taktiken“ (ebd.) in Form von subversiven Gegenbewegungen, die Erstere für eigene Zwecke umfunktionieren, andererseits, gekennzeichnet sind. „Es handelt sich dabei um Kämpfe zwischen den Starken und Schwachen“ (de Certeau 1988: S.84), oder um in John Fiskes Worten zu sprechen: „es geht um einen Kampf um Bedeutungen“ (Winter 2001: S.181) in welchem die Machthabenden die Fiske als „power-block“ (Fiske 1999: S.246) bezeichnet, neue Räume erobern indem sie durch die Medien ihre Ideologien verbreiten. Fiskes Einsicht in die Heterogenität und Multiakzentuiertheit medialer Texte (vgl. Winter 2001: S.194) ferner die Abhängigkeit der Medienaneignung von jeweiliger sozialer Situiertheit der Rezipienten, zieht eine Interpretationsvariabilität bei der Aufnahme medialer Texte in der Gesellschaft nach sich, die sich jeglicher Kontroller der Produzenten
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entzieht, welche in weiterer Folge heterogene Publika (vgl. Fiske 1999: S.249) und marginalisierte, subordinierte Gegenpole zur Macht hervorbringt, die Fiske als „the people“ (vgl. Winter: 2001: S.192) bezeichnet. Somit setzt die Existenz einer Pluralität von Ideologien, „Strategien“ voraus die Räume hervorbringen, innerhalb welcher sich Machtstrukturen über bestimmte Diskursstrategien ausbreiten können. Dafür werden mediale Inhalte die durch eine spezielle Themen und Bilderwahl einerseits, abgebildete Klischees andererseits sowie durch planvolle, strategische Verwendung spezifischer sprachlicher Elemente kodiert, die die gewünschten Diskursstrategie reproduzieren. (vgl. Hall 1989: S.159) Das ermöglicht es den Nutzern Selbige auf eigene Erfahrungen zu beziehen was Medienideologien zu handlungs-und interpretationsanleitenden Determinanten menschlicher
Wahrnehmung machen. Die ständige Reproduktion dieser Ideologien, welche auf deren Praktikabilität zurückführbar ist, zieht eine Zirkulation Selbiger nach sich, infolgedessen wir diese nicht mehr wahrnehmen, sondern die Ideologien als „naturalisierte Strategien“ unhinterfragt weiter reproduzieren (vgl. Hall: 1989: S. 158) und (vgl.de Certeau: 1988: S.86) und dadurch die diskursiven Räume unbewusst erweitern.
Als Reproduktion lässt sich die kommunikative Rezeption medialer Texte, durch welche die Rezipienten die ihnen vermittelten Diskurse, durch Wiederholung und sprachlichen Gebrauch in die persönliche Lebenswelt übertragen, bezeichnen. Das Faksimilieren von Texten differenziert Hall in drei Textebenen: 1. der ursprüngliche Text
2. die Art wie der Text von verschiedenen Publika aktiviert und in den eigenen Sprachgebrauch integriert wird sowie 3. die Texte die die Zuschauer als produzieren (Stuart Hall). Somit entfalten mediale Texte erst durch Integration und Reproduktion innerhalb reeller Strukturen ihre kulturelle Bedeutsamkeit, und erzeugen aufgrund ihrer Identifikationspotenziale, symbolische Handlungen innerhalb derer sich ihre diskursiven Wirkungen zeigen. Michel de Certeau bezeichnet diese Vorgehensweisen als „Gebrauch der Sprache und ein Operieren mit der Sprache, die durch ein Tun produziert wird und durch die Dynamik der Relation modifiziert wird.“ (de Certeau: 1988: S.84) Durch die Kombination der rezipierten „Strategie“ mit eigenen Erfahrungen im Gebrauch schaffen sich die Rezipienten
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Arbeit zitieren:
MMag. Catrin Neumayer, 2010, Massenmedien als Orte für postmoderne Medienaneignung, München, GRIN Verlag GmbH
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