dass monotonale statische Töne (Beispiel H* und T*) akzentuiert wahrgenommen werden können. Akzenttöne können aber auch aus zwei bitonalen Tönen bestehen und somit einen Anstieg oder Fall der Grundfrequenz beschreiben. Die Akzenttöne können sowohl eine hohe Grundfrequenz mit einem abfallenden, tiefen Begleitton (H*T) haben, aber auch mit einem tiefen Akzentton beginnen und einen steigenden Begleitton (T*H) aufweisen. 3
Akzenttöne fungieren als Fokusmerkmal eines Wortes oder eines Satzes und unterliegen sowohl Regelmäßigkeiten der deutschen Sprache als auch der bewussten „Benutzung“ des Sprechers. Dieser mögliche Widerspruch wird später noch näher beleuchtet.
2.2. Wortakzent
Wenn in einem mehrsilbigen Wort der Eindruck entsteht als sei eine der Silben prominenter als die anderen, handelt es sich um einen Wortakzent. 4 Jetzt stellt sich die Frage nach welchen Regelmäßigkeiten sich diese Akzente realisieren. Können wahllos Akzente gesetzt werden? Aus welchen Gründen werden Akzente gesetzt und wie werden Akzente realisiert?
2.2.1. Nach welchen Regelmäßigkeiten werden Akzente realisiert?
Sprachtypologisch wird die deutsche Sprache als Sprache beschrieben, die einen freien Wortakzent besitzt. 5
Bedeutet dies nun, dass der Sprecher in Worten und Sätzen einen Fokus setzen kann, wie er möchte?
Die hauptsächliche Akzentposition für das Deutsche ist die Penultima. Das bedeutet, dass meist die vorletzte Silbe eines Wortes akzentuiert wird. Auch Kohler (1995) ist der Meinung, dass die Tendenz bestehe, die vorletzte Silbe eines Wortes zu
3 Ebd.:S. 16-17
4 Mengel, A.: Deutscher Wortakzent.-Symbole, Signale.Lübeck:2000.S.16
5 Ebd.:S.11
2
akzentuieren, wenn diese einen akzentuierungsfähigen Vokal besitze. 6 In zweisilbigen Wörtern kommt es jedoch oft vor, dass die erste Silbe (Prima) durch einen Akzent hervorgehoben wird. 7 Die Prima und die Penultima konkurrieren sozusagen in der hauptsächlichen Akzentuierungsposition des Deutschen. 8 Herrscht in der deutschen Sprache überhaupt eine Regelmäßigkeit?
Der freie Wortakzent im Deutschen drückt zunächst aus, dass ein starker Gegensatz zu anderen Sprachen, die einen festen Wortakzent haben, zu finden ist. Diese Sprachen setzen fast ausnahmslos auf einer numerisch beschriebenen Position ihre Akzente. 9
Im Spanischen beispielsweise herrschen strikte Akzentuierungsregeln. Sollte dennoch in einem spanischen Wort eine veränderte Akzentposition eingenommen werden als bisher (um beispielsweise eine semantische Änderung des Wortes hervorzurufen), wird die neue Akzentposition durch ein Apostroph über dem Vokal der akzentuierten Silbe markiert. Außerdem löst im Deutschen im Vergleich zu anderen Sprachen eine Akzentverschiebung keine semantische Änderung des Wortes aus. Nur wenige Ausnahmen zeigen, dass es auch im Deutschen sein kann, dass der richtig gesetzte Akzent nötig ist, um die Bedeutung des Wortes nachvollziehen zu können. In dem Wort „umfahren“ wird nicht auf Anhieb nicht klar, ob es darum geht, ein Hindernis zu umfahren und diesem auszuweichen oder jemanden oder etwas umzufahren. In diesem Fall ist der Akzent ausschlaggebend dafür, welche Bedeutung auf diesem Wort liegt. 10
Erwähnenswert ist, dass der Akzent nur auf einer Silbe liegen kann, die anderen Silben sind somit unakzentuiert. 11 Allerdings bezieht sich die Akzentuierung schwerpunktmäßig auf den Reim und den Vokal der akzentuierten Silbe. 12 Der Einsatz der akzentuierten Silbe wird kaum stärker akzentuiert als in nichtakzentuierten Silben.
Auffällig ist außerdem, dass akzentuierte Silben durchschnittlich komplexere Reime haben als unakzentuierte. 13 Sie unterscheiden sich von unakzentuierten Silben in der Onset- als auch in der Nukleus-, Coda-, Reim- und Gesamtkomplexität. Daraus lässt
6 Altmann, H. (et al.).: Zur Intonation von Modus und Fokus im Deutschen. Tübingen:1989.S. 39-40
7 Ebd.:S. 39-40
8 Mengel, A.: Deutscher Wortakzent.-Symbole, Signale.Lübeck:2000.S.124
9 Ebd.:S.11
10 Ebd.:S.177
11 Ebd.:S.12,S.19
12 Ebd.:S.114
13 Ebd.:S.171
3
sich schließen, dass die Komplexität des Reimes einer Silbe die Akzentuierung insofern beeinflusst, dass immer die schwerste Silbe des Wortes akzentuiert wird. 14 Trotz Tendenzen, die die deutsche Sprache im Hinblick auf die Akzentuierung besitzt, gibt es dennoch eine Vielzahl von Ausnahmen.
2.2.2. Aus welchen Gründen werden Akzente gesetzt?
Die Wortakzentposition hat, wie in anderen Sprachen auch, eine bestimmte Funktion in einer Äußerung. Das soll nicht bedeuten, dass die semantische Bedeutung der einzelnen Wörter nur mit der richtigen Akzentposition verstanden werden kann, diese Funktion bezieht sich eher auf die inhaltliche Aussage und den Kontext. Wie bereits erwähnt ist die Akzentuierung eines Wortes in den meisten Fällen nicht bedeutungsunterscheidend. Mit einer Akzentuierung kann jedoch der Kontext näher bestimmt und wichtige Informationen in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Akzentuierung ist dementsprechend das Informationsmedium, mit dem eine Kommunikation zu dem Zuhörer hergestellt werden kann. Es gibt verschiedene Arten des Wortakzentes. Zum einen gibt es den Hauptakzent eines Wortes, der in einem zweisilbigen Wort meistens auf der Prima, in einem mehrsilbigen Wort in der Regel auf der Penultima liegt. Außerdem lassen sich Intensitätsakzent, Kopulativakzent und Kontrastakzent unterscheiden. 15 Der Intensitätsakzent soll in einer Aussage eine Verstärkung der semantischen Bedeutung eines Wortes auslösen. Adjektive, die durch eine akzentuierte Hervorhebung den Kontext eines Satzes schon näher bestimmen können, werden durch den Intensitätsakzent, der meist vor dem ursprünglichen Adjektiv liegt, näher bestimmt und beschrieben. Die Beispiele „schneeweiß“ und „blutrot“ sollen zeigen, dass die Intensitätsakzente auf den Silben „schnee“ und „blut“ die Farben weiß und rot noch näher bestimmen sollen um den Empfängern der Aussage die Intensität der Farben verdeutlichen zu können. Die Akzentuierung liegt demnach auf den Silben „schnee“ und „blut“ und hauptsächlich auf den Vokalen „e“ in „schnee“ und „u“ in „blut“. 16 Kopulativakzente, wie beispielsweise in dem Wort „Nordwest“ oder „schwarzweiß“ bestehen aus Komposita. Dementsprechend kann nicht gesagt
14 Ebd.:S.120
15 Ebd.:S.22-24
16 Ebd.:S.22-24
4
Arbeit zitieren:
Luise Ostendoerfer, 2008, Zur Intonation von Akzentuierung im Deutschen, München, GRIN Verlag GmbH
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