Inhaltsangabe:
1. Einleitung 2
2. Charakteristische Merkmale des Dörperlieds
2.1 Natureingang 3
2 2 S o m m e r l i e d 4
2 3 W i n t e r l i e d 6
3. „Klassische“ Motive im Dörperlied
3.1 Darstellung der Dörper 9
3.2 Erotische Motive 11
4. Fazit: An wen richtete Neidhart seine Dörperlieder und mit welcher Intention? 14
Literatur - und Quellenverzeichnis 16
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1. Einleitung
Der Minnesang stellte eine der typischsten Erscheinungen der höfischen literarischen Kultur des Mittelalters. Das Leitmotiv dieser Lieder war oft die unerwiderte Liebe des Sängers zu einer Dame. Wie auch immer der Sänger die Schönheit seiner Angebeteten zu preisen versuchte, stets blieb die Reaktion der vornehmen Dame gleich - die Zuneigung wurde nicht erwidert, worauf der Sänger natürlich verletzt reagierte und des öfteren seinem Minnedienst abschwor. Die Handlung spielte sich meistens am Hofe ab und beide, der todtraurige Sänger und seine unerwiderte Liebe, kamen aus den Adelskreisen, wenn auch nicht immer aus gleich hohen. Vorgetragen wurden solche Lieder ebenfalls am Hofe und dienten wohl der Unterhaltung der feinen Gesellschaft. Die bedeutendsten Minnesangdichter waren unter anderem Der Kürenberger, Hartmann von Aue, Walther von der Vogelweide, Konrad von Würzburg oder Der Tannhäuser. Im 13. Jahrhundert änderten sich mit Neidhart Motive und Thematik des höfischen Minnelieds. Neidhart verlagerte die Handlungen des typischen Minnelieds vom Hofe in eine bäuerliche Dorfwelt und schuf damit eine neue Gattung, das sogenannte dörper-Lied. In der vorliegenden Arbeit soll diese neue Gattung vorgestellt und beschrieben werden. Neidharts Lieder weisen immer wiederkehrende Merkmale und Strukturen auf, die im nächstfolgenden Kapitel erläutert werden sollen. Im Kapitel 3 sollen die neuen Protagonisten und Motive näher betrachtet werden. Es sind ja, wie bereits erwähnt, nicht mehr Angehörige der erlesenen höfischen Kreise, sondern die aus der damaligen Sicht eher die primitive und einfache Dorfbevölkerung. Das Verhältnis zwischen der Angebeteten und dem Sänger und das zwischen den Dörpern und dem Sänger, ebenso wie die vielfältigen erotischen Motive, die durch ihre Direktheit die zaghaften Anspielungen des klassischen Minnelieds weit hinter sich lassen, sollen an Hand von einigen ausgewählten Bespielen aus Neidharts Liedern vorgestellt und analysiert werden.
Im letzten Kapitel soll der Frage nachgegangen werden, für wen Neidhart seine Lieder dichtete und welche Position diese neue Gattung gegenüber der alten eingenommen hatte. Das Leben Neidharts soll nicht Gegenstand dieser Arbeit werden, da dies deutlich weit über den Rahmen gehen würde.
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2. Charakteristische Merkmale des Dörperlieds
2.1 Natureingang
Neidharts Dörper-Lieder weisen fast ausnahmslos eine Reihe von Merkmalen, die es erst ermöglichen, diese Gattung als eine eigene zu erfassen. Als das auffälligste Merkmal Neidhartscher Lieder, unabhängig davon, ob es sich um ein Sommer- oder ein Winterlied handelt, kann man den Natureingang bezeichnen. Fast obligatorisch fangen die Lieder Neidharts mit der Beschreibung der Natur an. 1 Diu zît ist hie. ine gesachs vor mangem jâre schoener nie. ende hât der winder kalt. des vreut sich manc herze, daz sîn sêre enkalt. 2 aber geloubet stât der walt.
Neidhart zelebriert hier den Anfang des Frühlings und das Ende des kalten Winters und fährt weiter fort mit der Beschreibung der Ereignisse, die der Frühling mit sich bringt: Dez meien zil
bringt vogele sanc und schoener bloumen vil. wartet, wie diu heide stât achône in liehter varwe und wünnclîcher wât! 3 leides sî vergezen hât.
Vergessen ist der leidvolle Winter, die Zuhörer werden dazu angehalten, sich die schöne Natur anzusehen, die Blumen blühen, die Vögel singen. Der Sänger ist voll positiver Energie. Dass der Natureingang nicht immer nur positive Gefühle zu vermitteln weiß, lässt sich an einem anderen Gedicht erkennen: Mir tuot endelîchen wê, daz den winder niemen des erwenden mac, er entwinge uns abe beide bluomen unde klê, dar zuo mangen liehten wünneclîchen tac (deist mîn ungehabe). die beginnent leider alle truoben. hin gescheiden ist ir zil. bickelspil 4 wil sich aber in der stuben uoben.
Hier tritt der Winter als ein ganz großer Spielverderber auf - nicht nur dass er Blumen und Klee eingehen lässt, viel mehr beraubt der Winter die Menschen der hellen Freudentage. Vorbei ist die Heiterkeit und Ausgelassenheit, was bleibt ist das Würfelspiel im Haus. Die Stimmungslage des Sängers variiert also ganz deutlich je nach Jahreszeit. Während sich die Handlung eines Sommerlieds um ein Liebesglück dreht, bereitet der Natureingang des Winterlieds
1 Hübner, G.: Minnesang im 13. Jahrhundert. Eine Einführung, Tübingen 2008, S. 48.
2 Beyschlag, S.: Die Lieder Neidharts. Der Textbestand der Pergament-Handschriften und die Melodien, Darmstadt 1975, SL10,I, S. 22. 3 Beyschlag: SL10,II, S. 22. 4 Beyschlag: WL2,I, S. 124.
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auf ein Liebesleid vor, welches vom Sänger im Verlauf des Lieds geklagt wird. 5 Hugo Kuhn sah in dem vorangestellten Natureingang mehr als nur eine bloße Naturbeschreibung, viel mehr sollte der Natureingang „die Dialektik von fröide und leit, von erhöhter Stimmung und Minneklage, der Liebesschilderung vorbilden“ 6 .
Aber nicht nur aufgrund der im Natureingang gewählten Thematik fröide oder leit unterscheiden sich Sommer- von den Winterliedern. Es lassen sich eine Reihe von typischen Konstanten in den Winterliedern beobachten, die sich wesentlich von den Merkmalen der Sommerlieder unterscheiden und deshalb, so Fritsch, eine jeweils veränderte Motivik bedienen. 7 Diese unterschiedlichen Motive sollen im Folgenden näher betrachtet werden.
2.2 Sommerlied
Das Geschehen der Sommerlieder Neidharts findet meistens unter freiem Himmel statt. Tanzen, Ballspielen, Feiern passieren draußen in einer Umwelt erfüllt von Vogelsang und Sonnenwärme. Wol dem tage, der al der werlde hôchgemüete trage und il manegem herzen vröude mêret! 8 winder sî genêret!
Außer in solch einem positiven Natureingang ähneln sich die Sommerlieder auch in der Themenwahl. Zum einen sei hier der Dialog zwischen dem Mädchen und seiner Mutter genannt. Die junge, ungestüme Tochter ist ganz hin und weg von einem Ritter und möchte diesen unbedingt durch ihren Tanz oder besonders schöne Kleidung beeindrucken: Ich hân, deist âne lougen, einen ritter tougen an gesehen mit beiden mînen ougen 9 .
Die Mutter ist natürlich alles andere als begeistert von der Wahl ihrer Tochter und reagiert ihrerseits empört: Tohter, sage, von wannen er sî, der uns beide will der triuwen scheiden! 10 kint, erwint und volge dîner eiden!
Dieses Motiv kommt wiederholt auch in einigen anderen Sommerliedern vor. SL 16, SL 18, SL 23 seien hier exemplarisch genannt. Jedes Mal brennt die Tochter darauf, sich beim Tanzen ihrem Auserwählten zu präsentieren, und jedes Mal warnt die Mutter ihre Tochter vor den
5 Warning, J.: Neidharts Sommerlieder. Überlieferung und Autoridentität, Tübingen 2007, S. 47f.
6 Kuhn, H.: Minnesangs Wende, Tübingen 1967, S. 74.
7 Fritsch, B.: Die erotischen Motive in den Liedern Neidharts, Göppingen 1976, S, 113. 8 Beyschlag: SL19,I, S. 44.
9 Beyschlag: SL19,IV, S. 46. 10 Beyschlag: SL19,VI, S. 46.
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Arbeit zitieren:
M.A. Wladimir Danilow, 2011, Neidharts Dörperlieder, München, GRIN Verlag GmbH
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