1. Einleitung
Auf der Weltkonferenz der UNESCO in Mexiko-City (1982) wurde erklärt, dass der Mensch erst durch seine je eigene Kultur befähigt wird, über sich selbst und seine Umwelt nachzudenken und nach bestimmten Normen und Werten zu handeln. Der Mensch drückt sich über seine jeweilige Kultur aus und wandelt sich so zu einem rational handelnden Wesen. Die Konferenz legte fest, dass „alle Kulturen Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit“ sind.
Das deutsche Bildungswesen integrierte die Bedeutung von Kultur, aufgezeigt durch die obige Erklärung: Kindern und Jugendlichen muss der „Eigenwert und die Würde einer jeden Kultur bewusst [gemacht werden]“ (Bräuer, S.8). Eine Negierung kultureller Unterschiede oder der undifferenzierte Umgang mit verschiedenen Orientierungssystemen resultiert häufig in Vorurteilen und/oder in der Nicht-Akzeptanz ausländischer Jugendlicher. Daher sollen die Schüler und Schülerinnen (SuS) auf die unterschiedlichen Lebenswelten aufmerksam gemacht und ein differenzierter Umgang mit eben diesen eingeübt werden. Die Ziele interkultureller Bildung, sowie internationale Schülerbegegnungen, sind Gegenstand dieser Seminarsarbeit. Zusätzlich wird das Lernen im Tandem als Methode interkultureller Bildungsarbeit während
internationaler Schülerbegegnungen vorgestellt.
Zunächst wird der Begriff des interkulturellen Lernens definiert (Kap. 2). Sowohl die Ziele, als auch der Wert internationaler Begegnungen sollen aufgezeigt werden. Kapitel drei stellt die Bedeutung internationaler Schüleraustausche für die interkulturelle Kompetenz dar. Zum einen wird auf die Erklärung der Kultusministerkonferenz von 1996 und zum anderen auf die Möglichkeiten und Grenzen interkultureller Schülerbegegnungen eingegangen. Schließlich erfolgt eine Darstellung des Lernens im Tandem. Die beiden unterschiedlichen Formen des Tandemlernens und deren Integrationsmöglichkeiten in den schulischen Fremdsprachenunterricht werden erläutert. Abschließend erfolgen eine kurze Zusammenfassung des Themas und eine eigene Stellungsnahme.
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2. Interkulturelles Lernens
Der gesellschaftlichen Pluralität wird häufig nicht gemäß menschenrechtlicher Normen begegnet, da der Mehrwert an Erfahrungen und Wissen, den eine heterogene Gesellschaft mit sich bringt, zumeist nicht erkannt wird. Im Gegenteil, so Krüger-Potratz, Pluralität wird immer noch als Störfaktor wahrgenommen (Krüger-Potratz, S. 13). Aufgrund der stets heterogener werdenden Gesellschaft, in Folge von Globalisierung und internationaler Migration, stellt interkulturelle Bildungsarbeit heutzutage eine Notwendigkeit dar. Seit den 1990er Jahren entwickelte sich ein immer stärker werdender Trend zu interkultureller Arbeit. Diese findet mittlerweile sowohl in der Wirtschaft, im Journalismus, in der Philologie und insbesondere auch im Bildungswesen statt (Krüger-Potratz, S. 15). Der oft übliche monokulturelle (Fremdsprachen-)Unterricht reicht nicht aus, um die interkulturelle Kompetenz der SuS zu fördern. So bedeutsam es auch ist, über andere Kulturen 1 und über Besonderheiten interkulturellen Handelns informiert zu sein, theoretisches Wissen allein reicht nicht aus, um im interkulturellen Miteinander erfolgreich bestehen zu können. Nach Thomas findet interkulturelles Lernen dann statt, „wenn eine Person bestrebt ist, im Umgang mit fremden Menschen einer
anderen Kultur deren spezielles Orientierungssystem der Wahrnehmung,
des Denkens, Wertens und Handelns zu verstehen, in das eigenkulturelle
Orientierungssystem zu integrieren und auf ihr Denken und Handeln im
fremdkulturellen Handlungsfeld anzuwenden“ (Bräuer, S. 8f).
Demnach ist die Aufgabe von Bildungsinstitutionen die SuS zu befähigen, Kulturen und unterschiedliche Lebensformen zunächst wertfrei betrachten zu können, damit anschließend ein reflektierter Umgang mit diesen möglich ist.
Aufgrund der rahmengebenden Themenstellung dieser Seminararbeit wird im Folgenden ausschließlich auf die interkulturelle Bildungsarbeit im Schulwesen, speziell bei internationalen Schülerbegegnungen Rücksicht genommen.
2.1. Die zwei Dimensionen interkulturellen Lernens
Die erste Dimension interkulturellen Lernens besteht darin, dass Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunftskulturen im Gegenüber Gemeinsamkeiten erkennen sollen, die schließlich zum Gegenstand der interkulturellen Lernprozesse gemacht werden. So erfahren die SuS, dass Emotionen, wie Angst, Freude oder Ablehnung, kulturneutral sind. Diese Erkenntnis hilft ihnen Vorurteile abzubauen und Empathie für das Gegenüber zu entwickeln.
Die zweite Dimension interkulturellen Lernens beschäftigt sich mit kulturellen Unterschieden. Die Bewusstmachung dieser Heterogenität und der respektvolle Umgang damit ist ein entscheidender Schritt hin zur interkulturellen Kompetenz.
Pommerin-Götz erklärt, dass es drei verschiedene Grundrichtungen in der interkulturellen Lehre gibt. So intendieren die gängigen Konzepte auch die Erziehung zur Mehrsprachigkeit, sie integrieren Fremdheitserfahrungen und sind Bestandteil der gegenwärtigen Schulreformen. Gegen Ende dieser Seminararbeit wird das Lernen im Tandem vorgestellt. Eine Methode, die diese drei Grundrichtungen integriert (Pommerin-Götz, S. 978).
2.2. Ziele interkulturellen Lernens
Bräuer fasst das Ziel interkulturellen Lernens wie folgt zusammen: Der Zweck dieses Lernens sei die Handlungskompetenz sowohl in der eigenen als auch in der fremden kulturellen Umgebung. Dies umfasse die Fähigkeit die fremde Kultur nicht nur als Gegenstück, sondern auch als Ergänzung zur eigenen Kultur zu sehen (Bräuer, S.9). Dieser Vollzug wird in der Pädagogik Selektive Aneignung genannt: Das Individuum erkennt die Fremdartigkeit der anderen Kultur an und betrachtet die Übernahme von Einstellungen und Verhaltensweisen in das eigene Orientierungssystem als Bereicherung und Mehrwert im Leben.
Da sich Lernen stets in einer Veränderung des Verhaltens und Erlebens äußert, wirkt sich interkulturelle Bildungsarbeit in der Schule auch auf den außerschulischen Bereich aus (Grosch, Leenen, S. 29).
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2.3. Interkulturelles Lernen durch Begegnung
Interkulturelle Kompetenz besteht nicht aus rein theoretischem, sondern auch aus praktischem Handlungswissen. Daher muss zunächst bedacht werden, dass es sich hierbei auch um einen informellen Bildungsprozess handelt. Dies bedeutet, dass interkulturelles Lernen nicht nur in einem hierfür festgelegten Rahmen, sondern insbesondere natürlich, das heißt außerhalb organisierter Bildung, stattfindet. Grosch und Leenen weisen auf empirische Befunde hin, die belegen, dass die interkulturelle Begegnung allein im natürlichen Kontext nicht ausreicht. Ein erfolgreicher Lernprozess kann ihnen zu Folge nur unter bestimmten Rahmenbedingungen und in bestimmten Interaktionsformen stattfinden. Hierzu gehören:
• die Freiwilligkeit der am Bildungsprozess Teilnehmenden
• die „Statusgleichheit
• die Intensität […]
• sowie die institutionelle bzw. normative Unterstützung“ (Grosch, Leenen, S. 30).
Darüber hinaus ist auch die personale Ebene der Individuen von großer Bedeutung. So ist „emotionale Stabilität, Offenheit für neue Erfahrungen oder ein geringes Ausmaß an ethnozentrischen 2 Einstellungen bei den Beteiligten“ (Grosch, Leenen, S.30) mindestens so wichtig wie die situativen Voraussetzungen.
3. Internationale Schüleraustausche
Durch die Kultusministerkonferenz von 1996 wurden interkulturelle Kompetenzen als Schlüsselkompetenzen im Lehrplan aller Schulen verankert. Nicht nur, aber insbesondere im Fremdsprachenunterricht bieten sich Anknüpfungspunkte, um die SuS in diesen Kompetenzen zu fördern.
So sollen die SuS nicht nur die Fähigkeit erhalten in der jeweiligen Fremdsprache zu kommunizieren und landeskundliches Wissen über die jeweiligen Länder erwerben, da solch ein rein theoretischer Umgang mit fremden Bräuchen, Sitten, Religionen, etc., wie bereits oben dargestellt, nicht ausreicht. Interkulturelles Lernen zielt hin auf eine veränderte Wahrnehmung der eigenen und fremden Kulturen und äußert sich in einem veränderten sozialen Handeln und Urteilen. Es findet nicht automatisch statt sobald sich verschiedene Kulturen begegnen, sondern es bedarf bestimmter didaktischer Methoden.
3.1. Die Kultusministerkonferenz
Seit 1996 ist interkulturelle Bildung als Schlüsselkompetenz im Schulcurriculum durch die Kultusministerkonferenz (KMK) festgelegt. Auernheimer fasst die vier zentralen Motive einer interkulturellen Pädagogik, festgelegt durch die KMK, zusammen:
• Thematisierung des Motivs der Fremdheit und der Verstehensproblematik
• Thematisierung der Anerkennung, die auf die Identitätsproblematik verweist
• Das Engagement für Gleichheit und gegen Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund von Ethnisierung und Rassen-Konstrukten
• Das Motiv der interkulturellen Verständigung in globaler Verantwortung (Auernheimer, S. 20)
Insbesondere ein nach diesen Motiven organisierter Fremdsprachenunterricht zeigt Möglichkeiten auf, um die Jugendlichen/SuS auf die Pluralität in der Gesellschaft vorzubereiten, denn gerade das Erlernen einer Fremdsprache unterstützt Perspektivenwechsel und zeigt kulturelle Unterschiede auf.
3.2. Interkulturelles Lernen in internationalen Schülerbegegnungen Anfangs eher eine Eigeninitiative elitärer Familien sind internationale Schüleraustauschprogramme heutzutage an den meisten Schulen üblich. Meist werden diese Projekte durch die Fremdsprachenlehrer organisiert
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Arbeit zitieren:
Britta Wirth, 2008, Interkulturelles Lernen, München, GRIN Verlag GmbH
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