sie müssen begründet werden. Der Regress von Kriterien oder Gründen für Kriterien und Gründe ist leicht zu erkennen.
Es scheint jedoch so, dass wir Menschen wirklich Wissen haben. In vielen Fällen können wir es jedoch nicht begründen. Wir wissen, dass wir existieren, andere Personen auch existieren, wir heute Morgen gefrühstückt haben und Barmherzigkeit eine Tugend ist. Selbstverständlich besteht die logische Möglichkeit, dass jede dieser Aussagen falsch sein könnte, aber außerhalb des Seminarraums für Philosophie missachtet man diesen Umstand geflissentlich.
Irgendetwas muss also an den Forderungen des Skeptikers nicht stimmen, mit denen er an den Wissensbegriff herantritt. Es muss eine Alternative zu ihnen geben. Eine, die wir im Alltag häufig verwenden, beginnt mit unsicheren Dingen, die wir ohne Voraussetzungen zu wissen meinen, und folgern aus ihnen andere Dinge. 1
Wir wählen im Alltag, ganz intuitiv, einen dem des Skeptikers entgegengesetzten Ansatz. Anstatt nur das als „Wissen“ zu bezeichnen, worin wir uns nicht täuschen können, halten wir etwas für Wissen, solange wir keine guten Gründe dafür haben, dass wir uns (wahrscheinlich) täuschen. Wie das aussieht, soll gleich erläutert werden. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wir Wissen von dem Maßstab des Skeptikers (der 100%ige Sicherheit fordert) lösen. Aber der Skeptiker kann darauf einiges erwidern. Wie verteidigt man diesen Ansatz gegen den Vorwurf des Skeptikers, zirkulär zu argumentieren, indem man den zu begründenden Punkt (das wir etwas wissen) einfach für bestimmte Dinge voraussetzt? Wenn der Skeptizismus eine ernst zunehmende Position sein soll, dann muss der Skeptiker ihn begründen. Woher nimmt er jedoch die Gründe, wenn er nichts wirklich weiß? Also muss auch er Wissen voraussetzen. Er muss z.B. wissen, dass wir uns in allem täuschen können und dass 100%ige Sicherheit eine notwendige Bedingung für Wissen ist. Man befindet sich folglich in keiner schlechteren Position als der Skeptiker. Man kann ihn auf diese Weise zwar nicht widerlegen, aber dennoch zurückweisen, indem man ihn auf die Probleme seines Ansatzes aufmerksam macht und sich darum bemüht den eigenen zu stärken.
Ein weiterer Vorwurf, den der Skeptiker erheben kann, ist, dass die Möglichkeit der Täuschung eigentlich ein hinreichender Grund ist, um uns Wissen in diesem Sachverhalt abzusprechen. Ob das wirklich sinnvoll ist, soll an einem Beispiel überprüft werden. Beispielsweise könnte jemand behaupten, er wisse, dass der Saft einer tropischen Pflanze einen Wirkstoff gegen nahezu alle Krebserreger enthalte. Grund für diese Behauptung sei
1 Ein Beispiel wäre das Wissen, dass Mord ist falsch ist. Daraus könnte gefolgert werden, dass bewusstes Fahren auf der falschen Straßenseite auch falsch ist.
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Arbeit zitieren:
Jan Hoppe, 2009, Können wir etwas wissen?, München, GRIN Verlag GmbH
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