S.50). Noch genauer formulieren es Spies und Tredop: Vergleicht man Kinder verschiedener sozialer Herkunft, die gleiche kognitive Grundfähigkeiten und Lesekompetenzen aufweisen, „sind die gymnasialen Chancen von Kindern aus der oberen Dienstklasse um fast das Vierfache höher als bei Facharbeiterkindern“ (Spies/Tredop 2006, S.70) Hier wirkt ein leistungsunabhängiger sozialer Filter, der Kinder sozial schwächerer Milieus benachteiligt, zu diesem Ergebnis kamen auch die Studien PISA und LAU. Gründe hierfür liegen zum einen darin, dass Lehrer selbst Angehörige der Mittel- und Oberschicht sind. Hier wirkt die soziale Nähe zu Kindern aus gut situierten Elternhäusern, denn sie weisen einen ähnlichen Habitus auf wie ihre Lehrer, auch wehren sich Eltern mittlerer und oberer Sozialmilieus heftiger gegen den sozialen Abstieg ihrer Kinder. Die Ausgangslage des Schülers bei Eintritt in die Schule und am Übergang von der Grundschule in das dreigliedrige Schulsystem ist somit abhängig vom, mit der sozialen Herkunft verbundenen, „Kapital“ der Eltern, also von ihren Ressourcen zur Beeinflussung des gesellschaftlichen Geschehens. So ist die Wahrscheinlichkeit, die Schule letztendlich ohne Abschluss zu verlassen, „bei Jugendlichen aus Arbeiterfamilien 4,7mal, (und) bei Jugendlichen aus Beamten- und Angestelltenfamilien 1,6mal höher als bei Jugendlichen aus Familien von Selbstständigen“ (Geßner 2002, S.63). Reymond Boudon hat zwei Ursachenkomplexe herausgestellt, die auf die Bildungschancen und Erfolge der Kinder wirken: Er nennt hier primäre und sekundäre Effekte der sozialen Herkunft. Als primäre Effekte wirken demnach Ausstattung, Erziehung und gezielte Förderung der Eltern. Kinder aus höheren sozialen Milieus sind dadurch mit günstigen Voraussetzungen ausgestattet, die in der Schule von Vorteil sein können - Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben demgegenüber aufgrund ihrer Herkunft oft kognitive Nachteile in der Schule. Mit sekundären Effekten der sozialen Herkunft bezeichnet Boudon die elterlichen Bildungsentscheidungen im Familien- und Haushaltskontext, die ausschlaggebend für den weiteren Bildungsweg des Kindes sind, diese Entscheidungen sind abhängig von ökonomischen Ressourcen der Familie und variieren demnach je nach Milieuzugehörigkeit (Becker/Lauterbach 2007, S.14). Gemeinsam mit Hartmut Esser erklärt Boudon anhand der Rational-Choice-Theorie das Investitionsverhalten, welches Eltern gegenüber der Bildung ihrer Kinder äußern. Demnach investieren Eltern nur so lange in die Bildung des Kindes, wie der zu erwartende Nutzen die in die Bildung investierten Kosten übersteigt (vgl. Becker/Lauterbach 2007, S.17).
Pierre Bourdieu schließlich entwickelte eine Theorie, in der drei Kapitalarten den Kampf der Familien um sozialen Rang und schließlich die Position in der Gesellschaft erklären: Er
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Arbeit zitieren:
Hanna Ruehle, 2010, Reproduktion sozialer Ungleichheit im Bildungssystem, München, GRIN Verlag GmbH
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