Corporate Governance und Unternehmensmitbestimmung Seite 1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Corporate Governance 3
2.1 Was ist Corporate Governance? 3
2.2 Der principal-agent-Konflikt 4
2.3 Der Deutsche Corporate Governance Kodex 6
3. Mitbestimmung in Deutschland 7
3.1 Die gesetzlichen Grundlagen 7
3.2 Die Kritik an der Unternehmensmitbestimmung 8
3.3 Die Replik der Befürworter 10
4. Corporate Governance und Unternehmensmitbestimmung 11
4.1 Ansprüche einer guten Corporate Governance an den Aufsichtsrat 11
4.2 Zwischen Anspruch und Wirklichkeit 12
5. Fazit 14
Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
Zwei Themen stehen seit einigen Jahren im Zentrum der wissenschaftlichen aber auch der tagespolitischen Diskussion: Corporate Governance und Unternehmensmitbestimmung. Für sich genommen geht es bei der in den späten neunziger Jahren aufgekommenden Debatte um Corporate Governance vereinfachend um die Etablierung von Systemen guter und effizienter Unternehmensführung und -überwachung. Der Diskurs um die
Unternehmensmitbestimmung in Deutschland, der in den letzten Jahren wieder Aufwind bekam, kann dahingegen auf eine lange Tradition seit der Einführung des Mitbestimmungsgesetzes 1976 zurückblicken. Im Kern geht es um die Frage, ob das deutsche System der Arbeitnehmerpartizipation im Aufsichtsrat in Zeiten der Internationalisierung von Wirtschaftsräumen einen Standortnachteil für Deutschland darstellt. Besonders stark diskutiert werden die Vor- und Nachteile der Mitbestimmung auch im Zusammenhang des Integrationswettbewerbs der Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle in der Europäischen Union.
Diese Arbeit wird die beiden Dikussionen um Corporate Governance und Unternehmensmitbestimmung verknüpfen und aufzeigen, welche Folgen das deutsche Mitbestimmungssystem für eine gute Corporate Governace hat. Im Detail geht es um die Frage, ob eine gute Corporate Governance durch die Beteiligung der Arbeitnehmer eingeschränkt wird oder ob sie eventuell sogar profitieren kann. Dafür sollen zunächst einige einführende Bemerkungen und Erklärungen zum Begriff der Corporate Governance gegeben werden. Was ist Corporate Governance und warum ist sie überhaupt nötig? Im Anschluss daran soll dergleichen für das deutsche System der Unternehmensmitbestimmung geschehen. Andere Bereiche der Arbeitnehmerpartizipation dahingegen, wie etwa die betriebliche Mitbestimmung oder die Rolle der Gewerkschaften, können allerdings aufgrund des beschränkten Rahmens dieser Arbeit nicht angesprochen werden 1 . Im weiteren Verlauf werden die Pro- und Contra-Argumente der Mitbestimmungsdebatte kurz skizziert, wobei eine abschließende Bewertung der Argumente nicht vorgenommen wird. Es geht dabei auch keinesfalls um eine rechtliche Bewertung dieser Thematik, sondern vielmehr um die Gegenüberstellung ökonomischer und sozialer Argumente. Nach diesen grundlegenden Darstellungen der beiden Diskussionen folgt die Verknüpfung der Themen. Da sich die Unternehmensmitbestimmung hauptsächlich im
1 Die Problematik dieser Auslassung aufgrund der Verzahnung der verschiedenen Mitbestimmungsebenen ist allerdings durchaus bewusst. Sollte es sich als nötig erweisen auch auf die anderen Ebenen einzugehen, wird
dies in der nötigen Kürze sodann auch geschehen.
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Aufsichtsrat abspielt, soll zunächst ein Überblick auf die Anforderungen einer guten Corporate Governance in diesem Gremium gegeben werden. Im Anschluss daran folgt die Beantwortung der Frage, ob die Unternehmensmitbestimmung den Ansprüchen gerecht werden kann. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen dabei vor allem Aktiengesellschaften, die unter das Mitbestimmungsgesetz von 1976 fallen und somit einen quasiparitätisch besetzten Aufsichtsrat vorweisen, da eine Drittelbeteiligung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat weniger Auswirkungen auf das System der Corporate Governance hat. Schlussendlich sollen die erzielten Ergebnisse fazitiert und bewertet werden.
2. Corporate Governance
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung und Europäisierung der Wirtschaft kam Mitte der neunziger Jahre in Deutschland eine Debatte um Corporate Governance auf, die durch zahlreiche internationale und nationale Unternehmensskandale und -insolvenzen (z.B. Enron, Worldcom, Holzmann AG) weiter beflügelt wurde 2 . Bevor genauer auf die Auswirkungen der Debatte - der Erstellung des Deutschen Corporate Governance Kodexeingegangen wird, soll allerdings zunächst der schillernde Begriff der Corporate Governance näher erläutert werden.
2.1 Was ist Corporate Governance?
Was versteckt sich hinter dem Begriff der Corporate Governance? Versuche den Begriff schlicht mit Unternehmensverfassung, Unternehmensführung oder Unternehmenskontrolle zu übersetzen sind abzuweisen, da sie dem komplexen Bedeutungsgefüge des Terminus nicht gerecht werden 3 . Neben der Komplexität des Begriffs bereitet auch die Vielfalt der Perspektiven Probleme bei der Definition. Alles in allem lassen sich zwei Hauptinterpretationen herausfiltern: der rechtlich-institutionelle Ansatz und der ökonomischinteraktive Ansatz 4 .
Der rechtlich-institutionelle Ansatz zielt dabei vor allem auf die Aufbau- und Ablauforganisation der Unternehmen ab. Brocker fasst in diesem Sinne Corporate Governance wie folgt auf: „Der rechtliche und faktische Ordnungsrahmen der Leitung und Überwachung von Unternehmen [...]. Im Einzelnen geht es also um die Funktionsweise der Leitungsorgane, ihr Zusammenwirken sowie die Kontrolle ihres Verhaltens durch
2 Vgl. dazu unter anderem: Dörner/Orth (2003), S. 5.
3 Vgl. dazu beispielsweise die Ausführungen von Littger (2006), S. 47f.
4 Vgl. Dörner/Orth (2003), S. 6; Zobl (2002), S. 10.
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Marktkräfte, institutionelle und regulatorische Vorkehrungen“ 5 .
Während der erste Ansatz also vordergründig auf die Innenverhältnisse der Unternehmen abzielt, beschäftigt sich die ökonomisch-interaktive Interpretation mit den Außenbeziehungen der Unternehmen: Es geht um Kommunikation und Transparenz. Ziel dieses Ansatzes ist es, Abläufe und Entscheidungen im Unternehmen für interessierte Personen (Anteilseigner, Arbeitnehmer, Kunden etc.) transparent zu machen 6 . Dieser zweite Ansatz ist auch Mittelpunkt der aktuellen Debatte um Corporate Governance.
2.2 Der principal-agent-Konflikt
Zobl sieht in der Corporate Governance-Diskussion die „Konkretisierung des prophylaktischen Anlegerschutzes“ 7 . Warum aber besteht überhaupt Bedarf nach Schutz? Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus den principal-agent-Beziehungen. In einem Unternehmen fungiert das Management als Agent und arbeitet im Auftrag der Anteilseigner, den Prinzipalen. Neben den Anteilseignern zählen allerdings auch noch andere Personengruppen zu den Prinzipalen: Arbeitnehmer, Kunden, Fremdkapitalgeber, kurzum alle Interessengruppen des Unternehmens. Das Problem des principal-agent-Konfliktes ergibt sich aus den unterschiedlichen Interessen zwischen Agenten und Prinzipalen. Während die Prinzipalen gemäß ihrer Rolle an einer Vermehrung des Kapitals, einer hohen Rendite oder einem sicheren und langfristigen Arbeitsplatz interessiert sind, verfolgen die Agenten gemäß dem Modell des homo oeconomicus egoistische Strategien. Sie handeln risikoavers und opportunistisch. Dabei sind die Agenten durch ihren Informationsvorsprung gegenüber den Prinzipalen immer imVorteil 8 .
Wie kann dieser Konflikt nun aufgelöst werden? Mehrere Strategien bieten sich hier an. Die Überwindung der Informationsasymmetrie ist eine davon, allerdings eine wenig attraktive, da sie zum einen niemals ganz aufgelöst werden kann und zum anderen hohe Kosten auf Seiten der Prinzipalen verursacht, die sogenannten „agency costs“. Eine weitere Strategie stellt die Harmonisierung der Interessen der beteiligten Parteien dar. So könnte das Management durch Gewinnbeteiligungen auf den Erfolg des Unternehmens fixiert werden. Aber auch hier würden hohe „agency costs“ entstehen. Eine dritte Strategie ist die Bildung von Vertrauensverhältnissen, gleichwohl hier klar sein sollte, dass dies konträr zur Annahme
5 Bröcker (2006), S. 20.
6 Vgl. Zobl (2002), S. 11.
7 Zobl (2002), S. 11.
8 Vgl. Littger (2006), S. 33f; Brocker (2006), S. 38f.
Arbeit zitieren:
Marcel Rüttgers, 2008, Corporate Governance und Unternehmensmitbestimmung, München, GRIN Verlag GmbH
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