Inhalt
„Lass uns essen gehen.“ 3
Der lange Weg:
Die deutsch- italienischen Beziehungen vom Mittelalter bis zum Zweiten Weltkrieg. 4
Das Mittelalter 5
Bildungsreisen 5
Italien, Deutschland und der Faschismus. 6
Zwischenfazit : Geschichte 7
Urlaub und Werbung. 7
Migranten. 10
Italiener in Deutschland 10
Soziale Beweggründe 13
Fazit 14
Literatur. 16
Onlinequelle 17
Anhang 18
Anhang 18
Anhang 18
Anhang 18
Anhang 18
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Anhang 18
Anhang 18
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„Lass uns essen gehen.“
Will man heute in unseren Breiten essen gehen, so stellt sich nicht mehr nur die Frage, wo man isst, sondern auch die Frage, was man isst. Sei es nun die regionale Küche, die griechische, chinesische, spanische oder italienische, es gibt eine große Auswahl. Gerade die Letztgenannten, also die Vertreter der einstmals so exotischen Küche, haben die Diskussionen rund um das „Essen gehen“ enorm erweitert. Längst sind diese Küchen nicht mehr fremd, sondern gehören ganz einfach ins Bild 1 , angefangen hat die Adaption und Etablierung fremder Küchen in der BRD mit der italienischen. Diese Arbeit widmet sich daher der Frage, wie es der italienischen Küche gelingen konnte, so erfolgreich Fuß auf deutschem Boden zu fassen 2 , gilt sie doch als Wegbereiter für die ausländische Küche 3 . Darüber hinaus konnte sie ihre Stellung sogar soweit festigen, dass sie heute, gerade bei den jungen Menschen, fester Bestandteil ihrer (deutschen) Essgewohnheiten ist. So gelang es der Pizza 2003 mit 29% 4 , das absolute Lieblingsgericht von Berliner Schülern zu werden 5 .
Mit Blick auf die Frage wird die These vertreten, dass es zum einen eine ganze Reihe verschiedener Faktoren gibt, welche in den sozio-ökonomischen und kulturellen Lebensbedingungen der (BRD)Deutschen zu suchen sind, zum anderen spielt die enorme Vielfalt der italienischen Küche an sich eine eminente Rolle, um eben jenen Erfolg erklären zu können.
Aufbauend auf dieser These wird sich die Arbeit so strukturieren, dass entlang der Kapitel Der lange Weg, Migranten, Urlaub und Werbung, Soziale Beweggründe die spezifischen sozio-ökonomischen und kulturellen Bedingungen untersucht werden, dies aber mit besonderem Blick darauf, inwieweit die Vielfalt der italienischen Küche den Prozess der Etablierung verstärkt und oder ergänzt hat.
1 Köstlin, Konrad, Im Food Court ist das eigene so exotisch wie das Ferne. Vom Entscheidenmüssen, in:
Muri, Gabriela/Renggli, Cornelia/Unterweger, Gisela (Hg.), Die Alltagsküche. Bausteine für das alltägliche
und festliche Essen, Zürich 2005, S. 32.
2 Gemeint ist hier in erster Linie die BRD, also Westdeutschland nach 1945, besser ab dem 23.Mai 1949.
3 Möhring, Maren, Gastronomie in Bewegung. Migration, kulinarischer Transfer und die
Internationalisierung der Ernährung in der Bundesrepublik Deutschland, in: Comperativ. Zeitschrift für
Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung 17 (2007) Heft 3, S. 68-‐85., hier S. 72.
4 Ermittelt durch eine nichtrepräsentative Umfrage im September 2003 an Berliner Schulen.
5 Thoms, Ulrike, Sehnsucht nach dem guten Leben. Italienische Küche in Deutschland, in: Mohrmann, Ruth
(Hg.), essen und Trinken in der Moderne, Münster 2006, S. 23-‐61, hier S. 23.
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Besonders hervorzuheben sind im Rahmen dieser Arbeit die Artikel von Ulrike Thoms: „Sehnsucht nach dem guten Leben. Italienische Küche in Deutschland“ 6 und die Arbeit von Möhring, Maren: Gastronomie in Bewegung. Migration, kulinarischer Transfer und die Internationalisierung der Ernährung in der Bundesrepublik Deutschland 7 . Der erstgenannte Artikel stellt einen guten Überblick für die Thematik dar und beinhaltet auch einige harte Zahlen und Fakten, welche die These untermauern. Der zweitgenannte gibt, wie der Titel schon vermuten lässt, sehr gut Auskunft darüber, wie sich die Ernährung der BRD zunehmend internationalisiert, und arbeitet dabei auch die spezifische Funktion der italienischen Küche auf. Ergänzt werden beide Artikel durch eine Reihe weiter Werke, welche vor allem Detailinformationen zu den einzelnen Kapiteln liefern.
Der lange Weg: Die deutsch-italienischen Beziehungen vom Mittelalter bis zum Zweiten Weltkrieg
Die deutsch-italienische Geschichte ist geprägt durch eine lange Kontinuität wechselseitiger Beziehungen. Um an dieser Stelle ein paar Schlaglichter zu geben, seien erstens die engen Verknüpfungen im Mittelalter genannt (zum Beispiel: Friedrich Barbarossa und wenig später sein Enkel Friedrich II. 8 ), zweitens die Bildungsreisen einiger Privilegierter im 18. und 19. Jahrhundert (zum Beispiel: Goethe, welcher sich von 1786 bis 1788 in Italien aufhielt) 9 , drittens die Beziehung zwischen Hitler und Mussolini und der damit verbundene Ausbau der Deutschland-Italien-Beziehungen (zum Beispiel: die „Kraft-durch-Freude“-Reisen der NS-Zeit, welche seit 1938 auch nach Italien gingen 10 , sowie die Tatsache, dass sich auf Grund gestiegener Nachfrage der italienische Export von Früchten und Gemüsen zwischen 1934 und 1938 verdoppelte und ein Großteil davon direkt
6 Thoms, S. 23-‐61.
7 Möhring, S. 68-‐85.
8 Vgl. Ganshof, Francois Louis, Reich und Papsttum zur Zeit Friedrich Barbarossas und Reich und Papsttum
zur Zeit Friedrichs II., in: Propyläen Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte, Band 5, Mann, Golo/
Nitschke, August (Hg.) Berlin 1991, hier S. 432-‐438 und S. 459-‐463.
9 Vgl. Aurnhammer, Achim, Goethes "Italienische Reise" im Kontext der deutschen Italienreisen, in: Goethe-‐
Jahrbuch. Göttingen, Band. 120, 2003, S. 72-‐86.
10 Mandel, Brigit, „Amore ist heißer als Liebe“. Das Italien-‐Urlaubsimage der Westdeutschen in den 50er und
69er Jahren, in: Goldstrand und Teutonengrill. Kultur-‐ und Sozialgeschichte des Tourismus in Deutschland
1945 bis 1989, Spode, Hasso (Hg.) Berlin 1996, S. 149.
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nach Deutschland ging), viertens der stark anziehende Tourismus der 50er, 60er und auch noch 70er Jahre 11 sowie fünftens die "Vereinbarung über die Anwerbung und Vermittlung von italienischen Arbeitskräften nach der Bundesrepublik Deutschland“ vom 20. Dezember 1955 12 .
Die Punkte vier und fünf sollen an dieser Stelle nicht interessieren, sie werden an späterer Stelle in gesonderten Kapiteln eingehend behandelt. Folgerichtig stehen damit die Punkte eins bis drei im Zentrum dieses Kapitels, wenn auch, mit Blick auf die starke Aktualität des Themas, mit unterschiedlicher Gewichtung.
Das Mittelalter
Fest steht, dass, nimmt man Kochbücher und Rezepte der damaligen Zeit als Indikator, das Interesse an italienischer Küche vor dem Zweiten Weltkrieg marginal war, obgleich bereits im Mittelalter einige Nahrungsmittel und im noch geringeren Umfange Gerichte, begünstigt durch den regen Fernhandel, nach Deutschland fanden. Vor allem der mit dem Christentum verbreitete Wein, aber auch Zitronen und Käse sind hier zu nennen 13 . Sieht man von diesen konkreten Beispielen einmal ab, so lässt sich auch im ganz Allgemeinen eine Verschmelzung der griechisch-römischen mit der keltischen und germanischen Kultur erkennen und das bereits im Frühmittelalter 14 . Eine Tatsache, welche zwar auf nahezu ganz Europa zutrifft, aber an dieser Stelle eine Bemerkung verdient, weil es das Europa und damit auch das Deutschland, so wie wir sie heute kennen, ohne diese Verschmelzung gewiss derart nicht geben würde.
Bildungsreisen
Aus heutiger Sicht deutlich besser nachzuvollziehen und in ihrer Bedeutung für das positive Verhältnis der Deutschen zu Italien zu wichten sind die Bildungsreisen deutscher Bürger im 18. und 19. Jahrhundert. Durch sie prägte sich das deutsche Bild Italiens als das einer von Relikten einer vergangen besseren Zeit durchsetzten traumhaften Landschaft 15 . Freilich waren Bemerkungen zu Speis und Trank in allen Reiseberichten selten, war es doch primär die Kultur, welche interessierte, aber vor allem die Fülle an frischem Obst
11 Was an dieser Stelle den stark einseitigen Tourismus von Deutschen nach Italien meint.
12 Im Detail nachzulesen unter: http://www.angekommen.com/italiener/Dokumente/Abkommen.html
(Stand: 31.08.09)
13 Thoms, S. 34f.
14 Dirlmeier, Ernährung, in: LexMa Band , S. 2161-‐2176, hier S. 2162.
15 Mandel, S. 148f.
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und Gemüse sowie das reichhaltige Fischangebot fielen den Besuchern auf. So schreibt Goethe: „Die Fülle der Pflanzen- und Fruchtgehänge über Mauern und Hecken, an Bäumen herunter, ist unbeschreiblich.“ 16 Die Kombination aus vergangener Hochkultur, gutem Wetter, schöner Landschaft und einem überreichen Angebot an frischem Obst und Gemüse machte Italien genau zu jener Projektionsfläche von Wünschen und Sehnsüchten, welches es bis in die 70er 17 Jahre des 20. Jahrhunderts für viele Deutsche bleiben würde 18 .
Italien, Deutschland und der Faschismus
Offiziell waren die Jahre 1933 bis 1945 geprägt von einer Rückbesinnung auf die deutsche Küche, was eine deftige, stark fleischlastige Küche meint. Im Gegensatz dazu kam jedoch die „auf Gemüse, Getreide, Brot sowie Obst und weniger auf Fleisch“ 19 basierende italienische Küche dem Ideal nationalsozialistischer Ernährung deutlich näher. Zeitgleich ist diese Ernährung auch deutlich billiger, was den Autarkiebemühungen des Dritten Reichs entgegenkam. Als Folge dessen verdoppelte sich etwa der italienische Export von Gemüse und Obst zwischen 1934 und 1938 und der Hauptteil davon ging nach Deutschland. Vor allem die Tomate erfreute sich großer Beliebtheit. Sie war bereits seit dem 16. Jahrhundert in Europa bekannt und stammt ursprünglich aus Lateinamerika und nicht Italien 20 . Trotzdem schaffte sie es, auf Grund ihrer häufigen Verwendung in der italienischen Küche sowie der für sie dort günstigen Anbaubedingen zu etwas typisch Italienischem zu werden. Über diesen reinen Export hinaus waren es wohl vor allem Soldaten, welche, stationiert in Italien, mit den dortigen Speisen und Essgewohnheiten näher in Kontakt kamen. Die einfache aber gesunde italienische Kost etablierte sich zunehmend als Bestandteil der Heeresspeisung und „einmal akzeptiert, etablierten sich viele der Speisen in den Fünfzigerjahren endgültig, vor allem die schon früher bekannte Tomatensauce, Tomatensuppe mit Reis, Risi e bisi und die in den Grundkochbüchern jener Jahre stereotyp auftauchenden Schinkennudeln, ein Nudelauflauf.“ 21
16 Aurnhammer, S. 86.
17 Was vor allem mit Blick auf den boomenden Italien-‐Tourismus der Nachkriegszeit wichtig ist.
18 Mandel, S. 149.
19 Thoms, S. 37.
20 Peer schmidt
21 Thoms S. 38.
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Arbeit zitieren:
Philipp Berner, 2009, Deutschland und seine Vorliebe für italienisches Essen , München, GRIN Verlag GmbH
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