Einleitung. 1
1. Das Funktionssystem Erziehung. 1
2. Erziehung und Sozialisation im Erziehungssystem. 3
2.1 Die Absicht der Erziehung 4
3. Lernen als sozialer Mechanismus 6
3.1 Lernfähigkeit und Ziel des Lernens. 8
4. Lernen im Interaktionssystem Unterricht. 10
4.1 Selektion innerhalb des Erziehungssystems 12
Fazit. 14
Literaturverzeichnis 16
II
Einleitung
Das Ziel dieser Arbeit soll eine systemtheoretische Auseinandersetzung mit dem Thema Lernen auf der Grundlage der Schriften Niklas Luhmanns sein. Es soll dargestellt werden, wie Lernen durch Erziehung und Sozialisation im Erziehungssystem wirksam wird.
Die Arbeit gliedert sich in vier Abschnitte: Im ersten Teil erfolgt eine kurze Einführung in das Funktionssystem Erziehung (Erziehungssystem). Es soll ein Überblick über die Rahmenbedingungen, in denen das Lernen stattfindet, gegeben werden. Im zweiten Teil wird der Begriff Sozialisation in Abgrenzung zur Erziehung erläutert, um zu zeigen, dass Lernen innerhalb des Erziehungssystems in verschiedenen Dimensionen stattfindet. Die Erziehung, insbesondere die Absicht der Erziehung, wird ausführlich erläutert, um die Differenz zwischen Erziehen und Lernen darzustellen. Diese Differenz ist ein Kernpunkt der Luhmannschen Auseinandersetzung zum Thema Lernen.
Der dritte Teil widmet sich dann explizit der Auffassung des Lernens nach Niklas Luhmann. Zunächst wird Lernen als sozialer Mechanismus erklärt und abschließend das Ziel des Lernens dargestellt: die Lernfähigkeit und das Lernen des Lernens. Im letzten Abschnitt „Interaktionssystem Unterricht“ werden die Bedingungen des Lernens in der Schule vorgestellt. Denn durch Unterricht nimmt der Nachwuchs aktiv am Erziehungssystem teil und lernt das Lernen des Lernens. Der Nachwuchs wird somit auf den Prozess des lebenslangen Lernens vorbereitet.
1. Das Funktionssystem Erziehung
Die Gesellschaft besteht, aus systemtheoretischer Betrachtungsweise, aus differenzierten Funktions- bzw. Subsystemen, die sich gegenseitig zur Umwelt haben und nach jeweils eigenen Logiken funktionieren. Die Einheit der modernen Gesellschaft, der funktional differenzierten Gesellschaft, ist die Differenz dieser Funktionssysteme. Die Hauptfunktion der einzelnen Systeme besteht dabei in der Reduktion von Komplexität, da die Gesamtgesellschaft durch die Subsysteme geordnet wird und Aufga-
1
ben so zielgerichtet verteilt werden können. Eines dieser Funktionssysteme der Gesellschaft ist das Erziehungssystem. 1
Systeme haben nach Luhmann drei Systemreferenzen: Funktion, Leistung und Reflexion. Im Erziehungssystem ist mit dem Funktionsaspekt der Bezug auf die Gesellschaft gemeint, mit dem Leistungsaspekt der Bezug auf andere Systeme und mit Reflexion der Bezug des Systems auf sich selbst. Die Leistung des Erziehungssystems besteht insbesondere darin, psychische Systeme so zu verändern, dass sie zu Teilnehmern aller anderen Funktionssysteme werden können. Luhmann bezeichnet das als Inklusion. 2 Die Kommunikation, die innerhalb eines Subsystems, also auch innerhalb des Erziehungssystems, stattfindet, ist durch binäre Codes organisiert. Im Funktionssystem Erziehung wird in die Gegensätze „besser“ und „schlechter“ selektiert.
Den Ursprung des Erziehungssystems bilden, nach Luhmann, das Religionssystem und das Familiensystem; sie sind die „Herkunftsbereiche der Ausdifferenzierung eines autonomen Erziehungssystems.“ 3 Vor dieser Ausdifferenzierung eines autonomen Erziehungssystems war zwangsläufig auch die Gesellschaft selbst anders organisiert. Jegliche Prozesse der Sozialisation haben durch den Übergang zu funktionaler Differenzierung eine weit reichende Veränderung erfahren. 4 Der Nachwuchs wird jetzt in einem Sondersystem für andere Systeme erzogen. Von Herkunft wird auf Zukunft umgestellt; die Bindung eines Menschen an seine soziale Schicht tritt in den Hintergrund, es kommt auf die schulischen Leistungen an, die erbracht werden. Erst in diesem Stadium der gesellschaftlichen Entwicklung, wird die Erziehung eines Menschen als „universale Spezialfunktion“ 5 relevant: „Es beginnt eine Entwicklung, die am Ende die Gesamtbevölkerung in doppelter Weise am Erziehungsprozess beteiligt: Jeder Einzelne wird selbst in einem ausdifferenzierten Erziehungssystem erzogen, und jeder Einzelne kann im Kontakt mit jedem anderen voraussetzen, dass auch dieser erzogen worden ist.“ 6
1 „Das System der modernen Gesellschaft ist durch funktionale Differenzierung charakterisiert. Das heißt: es bildet seine primären (keineswegs alle!) Subsysteme durch Bezug auf spezifische Funktionen. Das Erziehungssystem ist eines dieser Funktionssysteme.“ Luhmann, N. 2002 13/14
2 „Inklusion heißt also nicht: Mitgliedschaft in der Gesellschaft, sondern heißt als Modus vollwertiger Mitgliedschaft: Zugang eines jeden zu jedem Funktionssystem.“ Luhmann/ Schorr S.31
3 Luhmann, N./ Schorr, K.E. 1979 S.68
4 Vgl. Luhmann, N./ Schorr, K.E. 1979 S.25
5 Luhmann/ Schorr S.28
6 Ebd. S. 28
2
Das Thema des Erziehungssystems ist, nach Luhmann, das Lernen. Zur Konkretisierung liefert er systemtheoretische Beschreibungen von Bedingungen, die das Lernen organisieren und beobachtet die Ausführung dieser Organisation. Weiterführend betrachtet Luhmann auch, wie diese Organisation von jenen aufgefasst wird, die sie betreiben. Das Thema des Erziehungssystems ist aber auch die Erziehung selbst. Denn innerhalb des Erziehungssystems unterscheidet Luhmann zwischen sozialem System (Kommunikation 7 ) und psychischem System (Bewusstsein). Es besteht also eine Differenz zwischen Erziehen und Lernen. Lernen gehört zum psychischen, Erziehen, als soziale Inszenierung, zum sozialen System. Diese Differenz ist von entscheidender Bedeutung in der systemtheoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Lernen. Nicht die Einheit von Erziehen und Lernen, sondern gerade die Differenz charakterisiert Luhmanns Auffassung. Sie ist somit ein zentraler Faktor seiner Theorie zum Lernen innerhalb des Erziehungssystems.
Das Ziel der Erziehung ist es, den Nachwuchs kommunikationsfähig zu machen. Luhmann nennt das „Erziehung zur Person“: „Menschen werden geboren. Personen entstehen durch Sozialisation und Erziehung.“ 8
Die Gesellschaft besteht im Sinne Luhmanns nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikationen. 9 Diese muss gelernt werden, damit das Individuum am Gesellschaftsprozess überhaupt erst teilnehmen kann. Die Kommunikationsfähigkeit gilt als unabdingbare Voraussetzung für Inklusion.
2. Erziehung und Sozialisation im Erziehungssystem
Wahrnehmen, Lernen und Verhalten sind psychische Grundformen, die durch Sozialisation und Erziehung ausgeprägt und schließlich wirksam werden. Durch Sozialisation werden natürliche wie auch soziale Verhaltensbedingungen dem Nachwuchs als Selbstverständlichkeiten vermittelt. Das wiederum kann im sozialen
7 Luhmann betrachtet Kommunikation, also das soziale System, als geschlossenes, autopoietisches System, womit gemeint ist, dass im Erziehungssystem nur pädagogisch relevante Operationen verwendet werden können und diese in einem rekursiven Netzwerk solche Operationen selbst erzeugen. Siehe 2002 S.114
8 Luhmann, N. 2002 S.38
9 „Wie kann man ernsthaft behaupten, die Gesellschaft bestehe aus Menschen, wenn der Bestand innerhalb einer relativ kurzen Zeit, die sich nach der Lebensdauer der Menschen bemisst, komplett ausgewechselt wird?“ Ebd. S.48
3
Arbeit zitieren:
Claudia Schacht, 2007, Lernen innerhalb des Erziehungssystems - Der Begriff des Lernens nach Niklas Luhmann, München, GRIN Verlag GmbH
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