Inhalt
1. Einleitung 1
2. Quellen und Forschungsstand 2
3. Bauweise und Standort des Prytaneion 3
4. Der Hestiakult im Prytaneion 3
5. Ehrungen im Prytaneion 5
6. Weitere Funktionen des Prytaneion 8
7. Ein Sonderfall: Die athenische Tholos 11
8. Bedeutung 12
9. Schlussbetrachtung 13
Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Nachdem Sokrates verurteilt worden war, hatte er immer noch die Möglichkeit, mit dem Leben davonzukommen. Eine Geldstrafe oder Verbannung wären erzielbare Kompromisse gewesen, doch der Philosoph brachte mit den zitierten Worten seine Zuhörer unwiderruflich gegen sich auf, und wurde in einem zweiten Durchgang zum Tode verurteilt. 2 Einem heutigen Betrachter ohne tieferem Verständnis der Sache wird sich die Frage stellen, worin der Frevel der von Sokrates gewählten Worte liegt. Verstehen lässt sich diese Episode nur, wenn man sich eingehender mit dem von Sokrates angesprochenen Prytaneion beschäftigt. Es handelt sich dabei um ein Gebäude, welches in seiner Bedeutung und Vielfältigkeit in der griechischen Welt unikal gewesen sein dürfte. Wie in den sokratischen Worten unschwer zu erkennen ist, wurden u.a. die Sieger von Pferderennen im Prytaneion verköstigt. Diese Bewirtung, eine besondere Form der Auszeichnung, ist die von Sokrates als für ihn gerechtfertigt bezeichnete Sitesis. Den provokativen Charakter seiner Proposition erfasst nur, wer sich mit der symbolischen Bedeutung und dem Stellenwert der Sitesis im Prytaneion auseinandersetzt.
Es ist daher Ziel dieser Arbeit, eben dies zu tun. Zunächst gilt es, ein generelles Verständnis zu verschaffen, was ein Prytaneion eigentlich ist. Welche Funktionen erfüllte es? Welche Bedeutung hatte es für die Griechen? Wo befand sich ein Prytaneion in einer griechischen Stadt? Bezüglich der Sitesis ist zu fragen, wie sie konkret ausgestaltet war, wem diese Form der Ehre zuteil wurde und warum. Baumaße und Grundriss sollen dabei nicht im Mittelpunkt stehen; der Fokus soll vielmehr auf Bedeutung und Funktion eines Prytaneions liegen, da es Meinung des Verfassers ist, dass diese eindeutig mehr zum Verständnis einer griechischen Stadt in der Antike beitragen als eine Vielzahl an Abmessungen und Rekonstruktionszeichnungen.
1 Zit. nach Miller, S. G., The Prytaneion. Its Function and Architectural Form, Berkeley 1978, S. 147.
2 Richard, C. J., Zwölf Griechen und Römer, die Geschichte schrieben, Darmstadt 2005, S. 113f.
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2. Quellen und Forschungsstand
In seiner Einleitung beanstandet Miller, dass es nur eine allgemeine Untersuchung zum Prytaneion gebe, und in der Tat finden sich vor seiner Monographie lediglich Beiträge mit spezifischem Fokus. 3 Umso begrüßenswerter ist die akribische Arbeit, mit der sich Miller dem Prytaneion gewidmet hat. Seine Quellen sind vor allem literarischer und epigrafischer Natur. Trotz ihres Alters darf seine Studie bis heute als Standardwerk gelten, ohne das eine würdige Diskussion des Prytaneions kaum denkbar ist. Besonders die Zusammentragung der antiken Quellen 4 im Anhang ist als besonderes Verdienst Millers zu werten. Hier wird auch eine Besonderheit der Prytaneionforschung auffällig: Obwohl seine genaue Lage bis heute nicht bekannt ist, dominiert das athenische Prytaneion die antiken Quellen. Es ist den Ausführungen Pausanias zu verdanken, dass eine ungefähre Lokalisierung dennoch möglich ist. 5 Erst vor wenigen Jahren erschien ein Aufsatz, der vermuten lässt, dass das Prytaneion von Athen (beziehungsweise sein exakter Standort) nun doch gefunden wurde. 6 Insgesamt gibt es nur drei bekannte Prytaneia, die als gesichert gelten dürfen. Miller nennt weitere Bauwerke, die für potentielle Prytaneia gehalten wurden oder werden, die er anhand eines Kriterienkatalogs, den er zuvor entwickelt und darstellt, zu überprüfen gilt. Er kommt dabei zu dem Urteil, dass nur wenige von ihnen in der Tat als legitime Prytaneia zu betrachten oder zumindest als eng verwandte Gebäude einzustufen sind. Für die Qualität der Monographie Millers spricht, dass bis heute kein vergleichbares Werk erschienen ist - dies scheint auch nach gegenwärtigem Stand nicht erforderlich, sieht man einmal von den neuen Entwicklungen bezüglich des athenischen Prytaneions ab.
3 Für eine allgemeine Darstellung der Speisung im Prytaneion siehe Schöll, R., Die Speisung im Prytaneion zu Athen, in: Hermes 6 (1872), S. 14-54; auf einige Schwachstellen dieser Arbeit verweist Preuner, E., Zum Attischen Gesetz über die Speisung im Prytaneion, in: Hermes 61 (1926), S. 470-474, bes. S. 471; mit dem Hestia-Kult beschäftigt sich eingehend Merkelbach, R., Der Kult der Hestia im Prytaneion der griechischen Städte, in: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 37 (1980), S. 77-92; mit diversen Aspekten des olympischen Prytaneion setzt sich Ludwig Weniger auseinander: Weniger, L., Olympische Forschungen. Die Frühlingsreinigung, in: Klio 6 (1905), S. 1-33. Ebenfalls spezifisch zum olympischen Prytaneion, mit Fokus auf Bauweise, Entstehungsgeschichte sowie Lage des Gebäudes: Miller, S. G., The Prytaneion at Olympia, in: Mitteilungen des DAI, Athenische Abteilung 86 (1971), S. 79-107.
4 Die Quellen hat Miller selbst übersetzt, sich dabei jedoch auf Standardwerke gestützt: „The translations of the
testimonia are my own, although I have consulted, with regard to some of the literary sources, both the Loeb Classical Library and R. E. Wycherley’s The Athenian Agora III: The Literary and Epigraphical Testimonia.” Miller, Prytaneion, S. 133. Die Quellenzitate in dieser Arbeit stützen sich dank dieser akribischen Vorarbeit vorwiegend auf seine Übertragungen.
5 Pausanias war in der glücklichen Lage, die Gebäude im intakten Zustand zu sehen, die heute lediglich als Ruinen zu sehen sind. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass das Griechenland, das er beschreibt, zu diesem Zeitpunkt seit drei Jahrhunderten unter römischer Besatzung stand; Pausanias lebte bekanntlich im zweiten Jahrhundert nach Christus. Vgl. Lacarrière, J., …als die Säulen noch standen. Spaziergänge mit Pausanias in Griechenland, Frankfurt am Main, Berlin, Limes 1991., S. 5f.
6 Schmalz, G. C. R., The Athenian Prytaneion discovered?, in: Hesperia 75 (2006), S. 33-81.
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3. Bauweise und Standort des Prytaneion
Ein Prytaneion befand sich auf oder zumindest in der Nähe der Agora, unweit religiöser Stätten. Im Ausnahmefall, wie es in Athen der Fall war, gab es einen „prytaneionannex“ auf der Agora, so Miller. 7 In besonders alten Städten kann das Prytaneion statt auf der Agora anderswo gewesen sein, doch in Städten, in denen vorherrschende Strukturen es nicht verhinderten (hier ist vor allem an Kolonien und nach großer Zerstörung wieder auf erbauten Städte zu denken), darf das Prytaneion in aller Regel auf der Agora vermutet werden. 8 In einem Nachschlagewerk wird dem Prytaneion der „Charakter eines repräsentativen Wohnhauses“ 9 zugeschrieben. Wichtig ist hier das Adjektivattribut „repräsentativ,“ denn obwohl „the form of the prytaneion, as well as its quality of construction, was essentially that of a private house,“ 10 war ein Gebäude von solch großer Bedeutung, das zudem als Empfangsort für Gäste diente, mit Sicherheit qualitativ besser gebaut als ein gewöhnliches Haus. Ein konkreter Bautyp kann für das Prytaneion nicht festgemacht werden. Die Forschung ging anfangs davon aus, dass Prytaneia in verschiedenen Städten zwangsläufig ähnlich gebaut sein müssen. Müller hingegen weist darauf hin, dass eher die Aufteilung der Räumlichkeiten sowie deren Nutzung als Indikatoren für die Identität eines Gebäudes als Prytaneion gelten dürfen. So kann man, Miller folgend, nachstehende Kriterien zu Grunde legen: Ein Prytaneion wird zwei Haupträume haben, einen Speisesaal und den Herdraum mit der Flamme der Hestia; darüber hinaus einen Hof, der unter Umständen durch Vorzimmer mit den beiden genannten Räumen verbunden ist; schließlich eine unbestimmte Anzahl von weiteren Räumen mit diversen Funktionen, von einer Art Abstellkammer bis zur Nutzung als Ausstellungsraum etc. 11
4. Der Hestiakult im Prytaneion
Mit dem Prytaneion ist immer der Kult der Hestia verbunden. Sie war die Göttin des Herdes, und ihre Kultorte befanden sich neben dem Prytaneion auch in Rat- und Privathäusern. 12 Den Menschen galt sie „als die älteste der Götter.“ 13 Ihr heiliges Feuer
7 Miller, Prytaneion, S. 38.
8 Ebd., S. 30.
9 Gottlieb, G., s.v. Prytaneion, in: Lexikon der alten Welt, S. 2465.
10 Miller, Prytaneion, S. 28.
11 Vgl. Ebd., 36f.
12 Graf, F., s.v. Hestia, in: DNP 5, S. 512f.
13 Merkelbach, Kult, S. 77.
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Arbeit zitieren:
Peter Gelhorn, 2009, Das Prytaneion - Bedeutung und Funktion eines griechischen Verwaltungsgebäudes, München, GRIN Verlag GmbH
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