Definition und Aneignung der Berufsrolle sowie
Sozialisation von Journalisten und Journalistinnen,
insbesondere durch Anpassung an die Hausordnung
1 Einleitung 4
2 Berufsrolle des Journalisten 5
2.1 Außensicht 5
2.2 Selbstsicht 7
2.2.1 Anforderungen, Eigenschaften und Tätigkeitsbereiche 8
2.2.2 Rollenselbstverständnis 9
2.2.2.1 Journalistisches Selbstverständnis allgemein 9
2.2.2.2 Journalistisches Selbstverständnis von Frauen 10
2.3 Wissenschaftliche Beurteilung der Berufsrolle 11
3 Anpassung an die Berufsrolle durch Sozialisation 12
3.1 Berufssozialisation 13
3.2 Anpassung an die Hausordnung 13
3.2.1 Stufen der Anpassung 14
3.2.2 Gründe für die Anpassung 15
3.3 Frauenspezifische Probleme bei der Sozialisation 17
4 Fazit - Bleibt der Journalismus ein Traumberuf, auch für Frauen? 18
Literaturverzeichnis 20
3
1 Einleitung
“Der Journalist [...] gehört zu einer Art von Pariakaste, die in der “Gesellschaft” stets nach ihren ethisch tiefstehenden Repräsentanten sozial eingeschätzt wird. Die seltsamsten Vorstellungen über die Journalisten und ihre Arbeit sind daher landläufig. Daß eine wirklich gute journalistische Leistung mindestens soviel “Geist” beansprucht wie irgendeine Gelehrtenleistung [...] ist nicht jedermann gegenwärtig.” 1
Der Beruf Journalist gehört zu den wenigen Professionen, die keine bestimmte Ausbildung voraussetzen. Der Zugang zum Beruf ist offen, dies leitet sich direkt aus Artikel 5 GG, dem Recht der freien Meinungsäußerung, ab. Es wurde versucht, Berufsbilder zu formulieren, so etwa vom Deutschen Journalistenverband (DJV). Danach sind Journalisten “diejenigen, die eigenschöpferisch produktiv und dispositiv tätig sind.” 2 Außerdem zeichnen Tätigkeiten wie Sammeln, Prüfen, Auswählen und Berichten den Beruf aus, also solche, durch die unmittelbar journalistische Produkte hergestellt werden. Dennoch gibt es verschiedene Bilder von Journalisten, je nachdem, wie sie sich selbst definieren oder aus welcher Sicht sie beurteilt werden. Je nach den Erfahrungen, die zum Beispiel das Publikum, Politiker oder andere Gruppen mit Journalisten gemacht haben, gewinnen sie verschiedene Eindrücke. So entstehen auch die “seltsamsten Vorstellungen” über die Profession, wie Weber sich ausdrückt. Politiker haben gelernt, die Medien strategisch für ihre Politik zu nutzen, Stars stehen in einem Spannungsfeld zwischen Presse, die ihre Berühmtheit vergrößern kann, und der Regenbogenpresse, die in die tiefsten Sphären ihres Privatlebens einzudringen versucht. Der einzelne Bürger kennt verschiedene Bilder von Journalisten, wobei hier sowohl nach Alter, Schulbildung und Region unterschieden werden kann. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass die jeweilige Beurteilung auch von der persönlichen Beziehung zum betrachteten Berufsstand abhängt. Diese Arbeit soll sich in einem ersten Schritt der Definition der Berufsrolle aus verschiedenen Richtungen annähern. Ich möchte zeigen, wie Journalisten von außen gesehen werden und wie sie sich selbst sehen. Außerdem werde ich darauf eingehen, inwiefern die einzelnen Beurteilungen aus wissenschaftlicher Sicht haltbar sind. Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit der Aneignung der Berufsrolle, also mit der Sozialisation von Journalisten. Insbesondere werde ich dabei die Anpassung an die Hausordnung be-handeln, ein Thema, das zwar in der Wissenschaft bearbeitet, jedoch von Journalisten und Publikum oft übersehen wird. In diesem Punkt möchte ich auch frauenspezifische Probleme in der Redaktion aufzeigen. Denn obwohl Journalistinnen nur selten in der
1 Weber, Max: Politik als Beruf. Berlin: Duncker & Humblot 1993. S. 33f.
2 o. Verf.: DJV-Berufsbild Journalist. In: journalist 1996, Ausgabe 5. S. 62 - 64.
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Literatur über die Berufsrolle extra berücksichtigt werden, ergeben sich für Frauen in diesem Beruf oft ganz andere und speziellere Probleme als für ihre männlichen Kollegen.
2 Berufsrolle des Journalisten
Die Berufsrolle von Journalisten war nicht immer diejenige, die im Folgenden skizziert werden soll. Dieter Paul Baumert entwarf eine Studie, in der er vier Phasen der journalistischen Geschichte unterscheidet. Seine “Entstehung des deutschen Journalismus” von 1928 ist allgemein anerkannt. Für Baumert beginnt die präjournalistische Periode Ende des 15. Jahrhunderts. Sie wird abgelöst vom korrespondierenden Journalismus, der vom
16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts vorherrschte. Mitte des 18. Jahrhunderts siedelt Baumert den schriftstellerischen Journalismus an, der Mitte des 19. Jahrhunderts in den redaktionellen Journalismus übergeht. Während sich bereits im 17. Jahrhundert so etwas wie eine Berufsrolle herausbildet, werden Redaktionen mit Redakteuren und Korrespondenten erst ab dem 18. Jahrhundert eingerichtet. Im 19. Jahrhundert schließlich findet die Spaltung zwischen dem Verleger, bei dem das unternehmerische Interesse dominiert, und dem abhängig beschäftigten Redakteur statt. 3 Der Journalist, der sich sowohl vom Verleger, als auch vom philosophischpolitischen Journalisten, den Nipperdey 4 nach 1830 ansiedelt, getrennt hat, bildet sich erst im Nachmärz heraus. Damit beginnt die moderne Massenkommunikation zu entstehen, die den heutigen Journalisten hervorbringt.
2.1 Außensicht
“Stress und Flasche bilden ein Duo, das den beruflichen Alltag begleitet - im Bewusstsein der Öffentlichkeit [...]” 5 Dies ist eine Sichtweise, die in der Bevölkerung häufig vertreten wird und die nach Weischenberg kein unbegründetes Vorurteil ist. Für Bernd
3 vgl. Weischenberg, Siegried: Journalistik. Theorie und Praxis aktueller Medienkommuniktaion. Band 2: Medientechnik, Medienfunktionen, Medienakteure. Opladen: Westdeutscher Verlag 1995. S. 383.
4 vgl. Nipperdey. Thomas: Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat. München: Beck, 1983 6 . S. 593 f.
5 Weischenberg, Siegried: Journalistik. Theorie und Praxis aktueller Medienkommuniktaion. Band 2: Medientechnik, Medienfunktionen, Medienakteure. Opladen: Westdeutscher Verlag 1995. S. 405.
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Blöbaum gehört das Publikum zum System Journalismus. 6 Deshalb spielt das Bild, das sich die Bevölkerung vom Journalisten macht, auch in dieser Arbeit eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Laut Blöbaums Aussage steht der Leser der Zeitung als Abonnent, Konsument und aufgeklärter Bürger gegenüber. Als Abonnent sichert er durch einen Vertrag die wirtschaftliche Basis für die Zeitung, als Konsument ist er sowohl das Ziel von Anzeigen als auch Abnehmer der Dienstleistung, die die Zeitung bietet. Diese Position dient ebenfalls der Ökonomie der Zeitung. Die Tatsache, dass der Leser ein “aufgeklärter Bürger” ist, sieht Blöbaum als eine kulturelle und politische Leistung. Die daraus resultierende Aufmerksamkeit dient der Zeitung als Grundlage für die Notwendigkeit des Publizierens.
Für Gottschlich und Karmasin ist es unerlässlich, die Häufigkeit zu untersuchen, mit der Medien genutzt werden, wenn es um das Urteil des Publikums geht. In ihrer Untersuchung klassifizieren sie die so genannte Z-Gruppe, das sind Leser von Tageszeitungen und mindestens einem Magazin. 7 Es hat sich nämlich herausgestellt, dass diese Gruppe Journalisten im Allgemeinen höher schätzt als andere Rezipienten. Denn nach der Untersuchung von Gottschlich und Karmasin ist die Wertschätzung von Journalisten in der Bevölkerung eher gering, was auch erhöhtes Interesse am journalistischen Produkt nicht ändert. Die Erklärung finden die Autoren darin, dass über die genauen Tätigkeitsbereiche des Journalisten in der Öffentlichkeit oft Unwissenheit herrscht, was zu Unsicherheit im Umgang mit der Berufsgruppe führt. 8
In seinem Buch “Einstieg in den Journalismus” 9 , das vor allem zur Ausbildung von schweizerischen Journalisten konzipiert ist, gibt Hermann Schlapp Berufsanfängern sogar Tipps für das Auftreten in der Öffentlichkeit. Er beschreibt den Dresscode wie folgt: “Provozierend gekleidete Journalisten begehen nicht nur einen Affront, sie werden bei dem anwesenden Publikum auch auf Ablehnung stossen (sic!).” 10 Außerdem weißt Schlapp darauf hin, dass Rücksicht und Zurückhaltung bei Terminen geboten ist, insbe-
6 vgl.Blöbaum, Bernd: Journalismus als soziales System. Geschichte. Ausdifferenzierung und Verselbständigung. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1994. S. 308ff
7 vgl. Gottschlich, Maximilian; Karmasin, Fritz: Beruf: Journalist. Eine Imageanalyse - Bevölkerung, Politiker, Journalisten urteilen. Hg. von Kurt Papié, Fritz Karmasin und Maximilian Gottschlich. Wien: Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft o. J.. S. 31f.
8 vgl. Gottschlich, Maximilian; Karmasin, Fritz: Beruf: Journalist. Eine Imageanalyse - Bevölkerung, Politiker, Journalisten urteilen. Hg. von Kurt Papié, Fritz Karmasin und Maximilian Gottschlich. Wien: Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft o. J.. S. 44.
9 Schlapp, Hermann: Einstieg in den Journalismus. Ein Leitfaden zum Handwerk. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Hg. vom Medienausbildungszentrum Luzern. Aarau/Frankfurt am Main: Verlag Sauerländer, 1997. (= Schriften zur Medienpraxis Band 4). S.120ff.
10 Schlapp, Hermann: Einstieg in den Journalismus. Ein Leitfaden zum Handwerk. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Hg. vom Medienausbildungszentrum Luzern. Aarau/Frankfurt am Main: Verlag Sauerländer, 1997. (= Schriften zur Medienpraxis Band 4). S.121.
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Emily Mühlfeld, 2001, Definition und Aneignung der Berufsrolle und Sozialisation von Journalisten und Journalistinnen, insbesondere durch Anpassung an die Hausordnung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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