Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
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2. Entwicklung der Forschungsfrage und der Hypothesen
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2.1 Hypothesen
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2.2 Begrifflichkeiten
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3. Methoden
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3.1 Qualitative Sozialforschung
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3.2 Problemzentriertes Interview nach Witzel
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3.3 Grounded Theory
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4. Feldzugang und Erhebung der Daten
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4.1 Feldzugang und Sampling
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4.2 Interviewdurchführung
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4.3 Transkription
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5. Auswertung der Ergebnisse
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6. Fazit und Ausblick
7. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
„Betrachtet man die Haushaltsgröße, so zeigt sich, dass der Anteil an Einzelkin- dern,die den Ganztag besuchen, höher ist als aus Mehrkindfamilien.“ (Prein u.a., S. 85), daher wird vermutet, dass die Entscheidung für oder gegen eine Anmeldung des Kindes an einer Ganztagsschule von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und vom Umfang der Erwerbstätigkeit abhängen (vgl. ebd.). Zu beachten ist aber auch, dass die Ganztagsschule für einen Teil der Eltern „auf Grund der spezifischen historischen Traditionen des reformpädagogischen Diskurses über ganztägige Beschulung in Deutschland keine Schule für alle“ (Reh, S.69) ist. Oft wird unterstellt, „Eltern seien nicht mehr in der Lage, die erziehlichen Aufgaben zu übernehmen“. In der Ganztagsschule sollen spezifische familiäre Defizite kom- pensiertwerden. Es geht darum, Bildungsdefizite und bildungsarme Milieus zu kompensieren, damit Kinder, die keine ausreichende schulisch relevante Förderung in den Familien erhalten, im Hinblick auf das Erreichen schulischer Abschlüsse nicht benachteiligt werden. (vgl. ebd. S. 68). Viele Eltern halten die Ganztagsschule daher zwar für nötig, aber eben nur für soziale Notlagen und für Eltern, die „aus welchen Gründen auch immer - nicht für einen guten, den grundsätzlich möglichen gesellschaftlichen Stand der „Humanvermögensbildung“ entsprechenden Umgang mit ihren Kinder sorgen können.“ (Reh, S.69) , aber nicht für die eigenen Kinder. Die ganztägige Betreuung von Kindern in der Schule ist also in Deutschland immer noch mit einer Abwertung von Familien bestimmter Milieus verbunden und behindert so den Kompensationsgedanken. (vgl. ebd.). Hier findet sich eine Forschungslücke, die als Ansatz für die hier vorliegende Hausarbeit dient. Welche weiteren Faktoren spielen eine Rolle dabei, dass sich eine Mutter gegen die Anmeldung ihres Kindes/ihrer Kinder an einer Ganztagsschule entscheidet? Welche Rolle spielen ihre eigenen Kindheits-/Schulerfahrungen und ihr „Familienverständnis“? Welche anderen Bildungsangebote zieht sie vor bzw. nutzt sie und warum?
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2. Entwicklung der Forschungsfrage und Hypothesen „Beobachtungen bilden gewissermaßen den Beginn der empirischen Sozial- forschung.Viele Forschungen gehen auf irritierende Anfangsbeobachtungen zurück, an die sich gezielte methodische Erhebungen sowie theoretische Erklärungen anschließen.“ (Brüsemeister, 2011, S.25). Im Jahr 2010 beobachtete man, dass sich die gesamte Elternschaft einer Klasse geweigert hat, ihre Kinder auf eine Schule zu schicken, die seit dem Schuljahr 2007/08 mit der Genehmigung des Kultusministeriums Baden-Württemberg eine vorläufig teilgebundenen Form des Ganztagsbetriebs eingeführt hatte. Seither wurde die Schule schrittweise zur vollgebundenen Ganztagsschule ausgebaut. Im Schuljahr 2010/11 wurden an der Schule ca. 430 Kinder in zwanzig Klassen von 20 Klassenlehrern und 13 Fachlehrern 1 unterrichtet. Viele Eltern, deren Kinder im Schuljahr 2011/2012 in die Schule kommen sollen, haben sich dennoch wieder dagegen gewehrt, ihr Kind auf diese Schule zu schicken. Schließlich wurden die Schulbezirke innerhalb der Stadt aufgehoben und die Eltern können jetzt "frei" wählen in welche Schule ihr Kind geht. Auffallend dabei war der hohe Anteil von Mehrkindfamilien, die das Angebot der Ganztagsschule ablehnten, woraus sich die Forschungsfrage entwickelte. Mit der „Einführung der Ganztagsschule (sollen) die Familien gestärkt und Eltern darin unterstützt werden, die für sie jeweils bestmögliche Balance zwischen Familientätigkeit und Erwerbstätigkeit zu finden. Damit die Ganztagsschule die an sie gestellten Erwartungen erfüllen kann, muss eine Reihe von Voraussetzungen gegeben sein, die sich auf die Gestaltung ganztägiger Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebote insbesondere aus der Perspektive der betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie der Eltern beziehen.“ (Bundesministerium für Familien, Seni-oren, Frauen und Jugend, S. 4). Somit stellt sich die Frage nach welchem Prinzip Eltern ihre Entscheidung treffen und ein solches Angebot ablehnen? Nach Hartmut Esser müssen soziale Prozesse als Folge verschiedener Ursachen erklärt werden. Dazu ist Folgendes zu beachten: 1. „Logik der Situation“: Sie ver-
1 Anmerkung:Die Anzahl der weiblichen Lehrbeauftragten überwiegt stark: 3 Klassenlehrer / 17 Klassenleh-
rerinnen, 2 Fachlehrer / 11 Fachlehrerinnen
3
bindet „die Erwartungen und die Bewertungen des Akteurs mit den Alternativen und den Bedingungen in der Situation“. 2. Die „Logik der Selektion“: Sie verknüpft „die Akteure und das soziale Handeln“, nach dem Akteure je nach Situation eine „bestimmte Alternative“ wählen. 3. „Die Logik der Aggregation“: Sie führt zur „Verknüpfung zwischen den individuellen Handlungen und den kollektiven Folgen - dem eigentlich interessierenden soziologischen Explanandum“ (Esser, 1999, S.94ff). Das „Ziel ist es, theoretische Erklärungen für die beobachteten sozi- alenPhänomene zu finden.“ (Brüsemeister, 2011, S.28). Aus einer soziologischen Perspektive und mit Hilfe des problemzentrierten Interviews nach Witzel soll hier versucht werden die Motive einer Mutter mit mehreren Kindern eine Entscheidung gegen eine Anmeldung an einer Ganztagsschule zu treffen, zu erklären. Die Forschungsfrage lautet dementsprechend:
Welche Motive einer Mehrfachmutter sprechen gegen eine Anmeldung an einer Ganztagsschule?
Die Formulierung der Fragestellung beeinflusst das gesamte Forschungsdesign. Sie darf daher weder zu breit noch zu eng gehalten werden. Ist sie zu breit gehal- ten,gibt sie keine „Orientierung bei der Planung und Umsetzung der Studie“. (Flick, 2010, S.259). Eine zu eng gehaltene Fragestellung verhindert dagegen eher die „Entdeckung des Neuen“ (siehe Flick, ebd.). „Fragestellungen sollten so for- muliertwerden, dass sie (im Rahmen der geplanten Studie und mit den zur Verfü- gungstehenden Ressourcen) beantwortbar sind“ (Flick, 2010, S. 259). „Die Begriffe „Überprüfung“ und „Entdeckung“ bezeichnen den Hauptunter- schied,aus dem sich alle weiteren Unterschiede zwischen den Methoden ergeben.“ (Brüsemeister, 2011, S.28). Da in diesem bestimmten Fall noch keine Theorie besteht, die das Entscheidungsverhalten der Mehrfachmütter hinreichend erklärt und es noch keine Studie gibt, die Antworten auf die Forschungsfrage geben könnte, könnte hier also Neues entdeckt werden. Qualitative Forschung kann offen „für das Neue im Untersuchten, das Unbekannte im scheinbar Bekannten“ sein (Flick, 2010. S. 17). Aus diesem Grund wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt.
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Arbeit zitieren:
Nadine Yahyaijan, 2011, Die Akzeptanz von Ganztagsschulen bei Mehrkindfamilien, München, GRIN Verlag GmbH
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