Abkürzungsverzeichnis
BCG Boston Consulting Group
DEA Data Envelopment Analysis
EVA Economic Value Added
FuE Forschung und Entwicklung
GE General Electric
IBM IBM ‐ International Business Machines Corp.
IRR Internal Rate of Return
NPD New Product Development
NPV Net Present Value
PDMA Product Development and Management Association
R&D Research and Development
ROI Return on Investment
TU Technische Universität
VCM Value Creation Model
VDMA Verband Deutscher Maschinen‐ und Anlagenbau
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Ansätze des Portfoliomanagements 8
Abbildung 2: Betrachtete Themenfelder der untersuchten Studien 15
III
1. Einführung
1.1 Die Bedeutung von Forschung und Entwicklung für Unternehmen
Trotz der Wirtschaftskrise stiegen die Forschungs‐ und Entwicklungsausgaben in Deutschland im Jahr 2008 auf einen neuen Höchststand. Sie betrugen knapp 57 Milliarden Euro, wobei circa 80% der unternehmensinternen Forschung und Entwicklung (FuE) zuzuschreiben sind. 1 Zusätzlich zu diesen Zahlen zeigt die „Hightech Strategie 2020“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die enorme Bedeutung von Innovationen für den Wirtschafts‐ und Wissenschaftsstandort Deutschland. Auch deshalb wurde im Jahr 2008 im Rahmen der Lissabon‐Strategie das Ziel festgelegt, spätestens im Jahre 2015 mindestens 3% des Bruttoinlandsprodukts für FuE aufzubringen. 2
Um diese Zielsetzung zu erreichen und mit den gegebenen Mitteln möglichst effizient umzugehen, benötigen Unternehmen klar strukturierte Innovationsprozesse mit einem strategischen Bezug. 3 Besonders vor dem Hintergrund steigenden Wettbewerbsdrucks, zunehmender Technologiekomplexität, wachsendem Kostendruck und immer kürzeren Produktlebenszyklen ist dies von entscheidender Bedeutung. Cooper und Edgett (2010) stellen jedoch fest, dass es den meisten Unternehmen nach wie vor an einer klar definierten Technologie‐ und Innovationsstrategie mangelt. Besonders die Anwendung des Portfoliomanagements auf Innovationen findet in der Praxis nur vereinzelt statt. 4 Dies ist insofern überraschend, als das gezielte Management von vielen parallelen Innovationsaktivitäten als ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Innovationsmanagement zu sehen ist.
Es wurde schon in den 1980er Jahren festgestellt, dass auch immaterielle Ressourcen, wie beispielsweise transferierbares Wissen, Humankapital oder Innovationsprozesse nachhaltige Wettbewerbsvorteile generieren können. 5 Besonders aufgrund der aktuell vermehrt aufkommenden Diskussion über dynamic capabilities 6 sollten Innovationsprozesse und ihre
1 Vgl. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (2011), S. 1.
2 Vgl. BMBF (2010), S. 5f.
3 Vgl. Mikkola (2001), S. 423.
4 Vgl. Cooper/Edgett (2010), S. 33.
5 Vgl. Amit/Schoemaker (1993), S. 35; Wernerfeldt (1984), S. 171; Barney (1991), S. 106ff.
6 Vgl. grundlegend zum Konzept der dynamic capabilities: Teece et al. (1997).
1
Steuerung, sowie die dynamische Anpassung des Innovationsportfolios, wieder stärker in den Fokus der Unternehmenspraxis aber auch der Forschung rücken. 7
1.2 Zielsetzung der Arbeit
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über das Thema Innovationsportfolio‐ Management zu geben: sowohl aus Sicht der Wissenschaft als auch aus dem Blickwinkel der unternehmerischen Praxis.
Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Zunächst erfolgt in Kapitel 2.1 eine Definition des Begriffs Innovation und in Kapitel 2.2 eine Darstellung des Begriffs Innovationsportfolio‐ Management. Da in der Literatur noch keine eindeutige begriffliche Abgrenzung stattgefunden hat, ist es nötig, die unterschiedlichen Auffassungen des Begriffs darzustellen und anschließend eine für diese Arbeit passende Definition abzuleiten. In Kapitel 3.1 werden verschiedene theoretische Werkzeuge und Methoden des In‐ novationsportfolio‐Managements beschrieben. Anschließend werden in Kapitel 3.2 empirische Studien vorgestellt, welche unter anderem die Verbreitung der beschriebenen Methoden, beziehungsweise die allgemeine Verbreitung eines Innovationsportfolio‐ Managements in der Unternehmenspraxis untersuchen. Um Forschungslücken im Bereich der empirischen Forschung aufzudecken, werden die Studien in Kapitel 3.3 evaluiert. Die Handlungsempfehlungen aus den Studien werden zusätzlich in Kapitel 3.4 durch Best Practice Beispiele gestützt.
Kapitel 4 leitet Implikationen für die Wissenschaft und die Unternehmenspraxis ab und Kapitel 5 schließt die Arbeit mit einem Ausblick ab.
7 Vgl. Salomo et al. (2008), S. 562.
2
2. Begriffliche Grundlagen
2.1 Innovationen in Technologieunternehmen
Der Innovationsbegriff wird in der Literatur als unscharf beschrieben. 8 Es mangelt an einer klaren interdisziplinären Definition. 9 Erschwerend kommt hinzu, dass Innovationen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, von verschiedenen Forschungsdisziplinen und für diverse Branchen betrachtet werden. 10 Dennoch soll an dieser Stelle der Begriff Innovation definiert, zur Invention abgegrenzt und in den Kontext der vorliegenden Arbeit eingebettet werden.
Innovation definiert sich nach dem UK Department of Trade and Industry (1998) und nach Baumol (2002) wie folgt:
Innovation is “the successful exploitation of new ideas“. 11
Innovation is “the recognition of opportunities for profitable change and the pursuit of those opportunities all the way through to their adoption in practice”. 12
Im Zuge dieser Arbeit soll auf eine aktuelle Definition von Baregheh et al. (2009) zu‐ rückgegriffen werden. Diese versteht Innovation eher als mehrstufigen Kernprozess, mit dem Ziel der Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb und lautet wie folgt:
“Innovation is the multi‐stage process whereby organizations transform ideas into new / improved products, service or processes, in order to advance, compete and differentiate themselves successfully in their marketplace.” 13
Die Definitionen zeigen, dass Innovationen immer mit Markterfolg verbunden sind. Tritt der Erfolg - zum Beispiel einer technischen Neuheit - am Markt nicht ein, so handelt es sich um
8 Vgl. Adams et al. (2006), S. 22.
9 Vgl. Baregheh et al. (2009), S. 1323f.
10 Vgl. Baregheh et al. (2009), S. 1330; Damanpourm/Schneider (2006), S. 216.
11 Department of Trade and Industry (1998), zitiert nach Adams et al. (2006), S. 22.
12 Baumol (2002), S. 10.
13 Baregheh et al. (2009), S. 1334.
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eine Invention. Man unterscheidet Produkt‐, Prozess‐ und Serviceinnovationen sowie Geschäftsprozessinnovationen. 14
In der vorliegenden Arbeit soll besonders die Anwendung des Innovationsportfolio‐ Managements auf die ersten drei Typen im Kontext eines produzierenden Technolo‐ gieunternehmens betrachtet werden.
2.2 Innovationsportfolio‐Management und dessen Einordnung in den New Product Development Process
Viele traditionelle Märkte durchlaufen radikale Veränderungsprozesse. Daher ist es notwendig, ein System zu finden, welches die zahlreichen Innovationsideen eines Unternehmens besser zu strukturieren und zu bewerten vermag. Ziel mss es sein, die bestehen Produktentwicklungsprozesse mit möglichst aussichtsreichen Projekten zu speisen. 15
Zahlreiche Unternehmen praktizieren erfolgreich einen Ansatz zur Neuproduktentwicklung, wie beispielsweise den Stage‐Gate‐Prozess. 16 Innerhalb dieses Prozesses werden die einzelnen Projekte regelmäßig und unabhängig voneinander auf die Einhaltung ihres zeitlichen und finanziellen Rahmens sowie auf ihre Performance hin überprüft. Beim Stage‐ Gate‐Prozess handelt es sich jedoch mehr um ein operatives Entscheidungsinstrument und weniger um ein Strategieinstrument. 17 Daher versuchen Unternehmen vermehrt diesen Prozess effektiver zu gestalten und Abhängigkeiten zwischen den Projekten besser zu erkennen. Eine immer häufiger genutzte Möglichkeit ist es, das Portfoliomanagement in den Produktentwicklungsprozess zu integrieren. 18 Daher fassen die betreffenden Unternehmen Innovationsprojekte zu einem Projektportfolio zusammen. 19
Es existieren zahlreiche Definitionen zum Thema Projektportfolio‐Management. Allen gemein ist, dass es sich beim Projektportfolio‐Management um einen dynamischen Entscheidungsprozess handelt, in welchem andauernd aktuelle und zukünftige Projekte nach verschieden Kriterien bewertet, ausgewählt und priorisiert werden. 20 Auf Grundlage des
14 Vgl. Francis/Bessant (2005), S. 172; Oke et al. (2007), S. 738.
15 Vgl. Mathews (2010), S. 30.
16 Vgl. Cooper et al. (2002), S. 21; Cooper et al. (2004), S. 43.
17 Vgl. Blau et al. (2004), S. 231.
18 Vgl. Cooper et al. (2002a), S. 47.
19 Vgl. Mathews (2010), S. 30.
20 Vgl. Cooper et al. (1999), S. 2; LaBrosse (2010), S. 75.
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Portfolios werden in der Regel Ressourcen um‐ und neuverteilt, sowie einzelne Projekte beschleunigt, „depriorisiert“ oder sogar aus dem Portfolio herausgenommen. 21 Der Entscheidungsprozess ist durch folgende Charakteristika geprägt: Unsicherheit, wechselnde (zum Teil asymmetrische) Informationen, dynamische Entwicklung von Chancen und Risiken und einer Vielzahl von konkurrierenden Zielen.
Zusätzlich ist zu beachten, dass alle Projekte sich gegenseitig beeinflussen und somit ein Innovationsportfolio vorliegt. 22 Die Zusammenhänge innerhalb dieses Portfolios sind häufig nicht auf den ersten Blick ersichtlich und schwierig, beispielsweis in der IT oder in der Buchhaltung, abzubilden. Eines der Hauptziele des Projektportfolio‐Managements ist daher die Analyse dieser Interdependenzen. 23
Beim Innovationsportfolio‐Management 24 handelt es sich um die Anwendung der Theorie und Praxis des Portfolio‐Managements auf den Prozess der Neuproduktentwicklung. 25 Bei der Literaturrecherche zum Thema zeichnen sich zwei Strömungen zur Einordnung des Innovationsportfolio‐Managements in den Innovationsprozess ab. Die erste, durch die Autoren Cooper, Edgett und Kleinschmidt angeführte, Strömung setzt Innovationsportfolio‐ Management mit Portfolio‐Management innerhalb des Produktentwicklungsprozesses gleich. 26 Ziel des Projektportfolios ist es hier, Projekte zu bewerten und im Einklang mit der Unternehmensstrategie zu priorisieren. 27 Nach Cooper (2002a) stellt Innovationsportfolio‐ Management damit ein wichtiges Entscheidungs‐ und Kontrollwerkzeug an den jeweiligen Toren des Stage‐Gate‐Prozesses dar. 28
21 Vgl. Cooper et al. (1999), S. 2.
22 Vgl. Ahsen/Heesen (2009), S. 608.
23 Vgl. Kunz (2006), S. 368.
24 In der Literatur werden die Begriffe New Product Portfolio Management (Cooper et. al. 1999), Innovation fields (Salomo et al. 2008) oder R&D Portfolio Management (Kirchhoff et al. 2001; Linton et al. 2002) synonym
verwendet.
25 Vgl. Copper/Edgett (2010), S. 33.
26 Vgl. Cooper et al. (2002a), S. 43.
27 Vgl. Mathews (2010), S. 31.
28 Vgl. Cooper et al. (2002a), S. 47.
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Die zweite bekannte Strömung ordnet Innovations‐Portfolio vor, beziehungsweise über, den Prozess zur Neuproduktentwicklung ein. Innovationsportfolio‐Management ist die Fokussierung der Innovationsaktivitäten auf bestimmte vordefinierte Innovationsfelder. 29 Dabei werden verwandte Innovationsprojekte zusammengefasst um Ressourcen gemeinsam zu nutzen. Im Gegensatz zum Projektportfolio‐Management, werden hier Innovationsprojekte bestimmten Innovationsfeldern zugeordnet, welche sich um eine noch eher lose formulierte Strategie bilden. Ziel des Innovations‐portfolio‐Managements nach Mathews (2010) ist daher mehr die Strategieentwicklung und Evaluation des Potenzials eines Innovationsprojekts und weniger die Überwachung und Steuerung seiner Umsetzung. 30 Salomo et al. (2008) stellen hierbei einen positiven Zusammenhang zwischen der Zusammenfassung von Innovationsaktivitäten zu Innovationsfeldern und der Innovationsfähigkeit eines Unternehmens her. 31
Insgesamt kann unter Innovationsportfolio‐Management die Erfassung, Bewertung und Steuerung der Interdependenzen zwischen einzelnen Innovationsprojekten in einem strukturierten und transparenten Evaluationsprozess unter Beachtung zuvor definierter Innovationsfelder und der Unternehmensstrategie verstanden werden.
3. Innovationsportfolio‐Management in Theorie und Praxis
3.1 Überblick über theoretische Modelle und Methoden des Innovationsportfolio‐ Managements
Bereits in den 1960er Jahren entwickelten Unternehmen erste Geschäfts‐/ Produktportfolio‐ Konzepte, woraus strategische Optionen abgeleitet werden können, um diese wiederrum zu optimieren. 32 Diese Konzepte wurden im darauffolgenden Jahrzehnt in vielen Unternehmen etabliert. 33
Doch auch im FuE‐Bereich wurden erste betriebswirtschaftliche Modelle zur Unterstützung von Entscheidungsträgern in Unternehmen eingesetzt. Mittels betriebswirtschaftlicher Kennzahlen sollten die in der Regel auf individuellen Erfahrungen beruhenden
29 Vgl. Laurie et al. (2006), S. 2.
30 Vgl. Mathews (2010), S. 30f.
31 Vgl. Salomo et al. (2008), S. 569.
32 Vgl. Roussel et al. (1991), S.93.
33 Ebenda.
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Entscheidungen gestützt werden. 34 Roussel et al. (1991) stellten in ihrem Buch Third Generation R&D: Managing the link to corporate strategy fest, dass „R&D portfolio analysis and planning will grow in the 1990s. “ 35
In den folgenden Jahren entwickelten Wissenschaftler insbesondere quantitative Methoden für das Projektmanagement in Unternehmen. 36 Diese Methoden zur Unterstützung der Projektauswahl waren aber vorwiegend mathematische Programmierungstools, die vor allem dazu dienen sollten, ein Portfolio aus bereits bestehenden und neuen Projekten zu erstellen und dieses anhand einer Zielfunktion zu optimieren. 37 Da diese mathematischen Instrumente jedoch zahlreiche Beschränkungen aufweisen, sollten Unternehmen, Kennzahlen wie den NPV (Net Present Value) oder ROI (Return on Investment) zwar zur Informationsgewinnung verwenden, dennoch sollten diese nur mit einer subjektiven Beurteilung einhergehend, verwendet werden. 38
Wie sich bereits hier erkennen lässt, reichen rein finanzielle Kennzahlen nicht aus, um Entscheidungen bezüglich der Projektauswahl zu treffen. Es stellt sich daher die Frage, welche und wie viele Variablen und Indikatoren in die Evaluierung von Projekten einbezogen werden müssen, um eine sinnvolle Projektbeurteilung im Rahmen des Portfoliomanagements gewährleisten zu können. 39
In der nachfolgenden Abbildung werden überblicksartig verschiedene Ansätze mit beispielhaften Methoden des Portfoliomanagements dargestellt, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben:
34 Vgl. Stummer/Günther (2002), S. 289f.
35 Roussel et al. (1991), S. 93.
36 Vgl. Liberatore/Titus (1983), S. 962.
37 Vgl. Cooper et al. (1999), S. 335.
38 Vgl. Mechlin/Berg (1980), S. 99.
39 Vgl. Mikkola (2001), S. 423.
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Abbildung 1: Ansätze des Portfoliomanagements
Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Cooper et al. (1999), S.335f.; Abkürzen vgl. Abkürzungsverzeichnis
Alle Modelle ziehen in die jeweilige Evaluierung der Entscheidung verschiedene kritische Erfolgsfaktoren in die Betrachtung mit ein. Linton et al. (2002) ordnen diese in finanzielle und strategische Kategorien, sowie Qualitäts‐, Umwelt‐, Markt‐ und Technologiekategorien ein. 40
Hierbei zeigt sich die Problematik, die mit der Evaluierung und Beurteilung eines un‐ ternehmerischen Portfolios einhergeht. Die Identifikation der kritischen Erfolgsfaktoren kann nicht unternehmensübergreifend vereinheitlicht werden, denn sie sind stark unternehmens‐ und technologieabhängig. Zudem muss die jeweilige Industriestruktur, sowie die Wettbewerbssituation des Unternehmens in die Analyse einbezogen werden. 41 Vor allem den neueren Modellen ist aber gemein, dass nicht nur rein finanzielle, sondern verschiedene Faktoren aus unterschiedlichen Kategorien analysiert und in die Evaluierung von Innovationsprojekten einbezogen werden.
3.2 Empirische Erkenntnisse zum Innovationsportfolio‐Management
Zur Anwendung betriebswirtschaftlicher Modelle bei der Auswahl von FuE‐Projekten existieren zahlreiche empirische Erhebungen und Best Practice Studien. Die ersten entstanden in den 1960er Jahren, parallel zu den Methoden und Werkzeugen. Sie stellten insbesondere eine geringe Verbreitung betriebswirtschaftlicher Modelle bei der Auswahl
40 Vgl. Linton et al. (2002), S. 140.
41 Vgl. Mikkola (2001), S. 424.
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von FuE‐Projekten fest. 42 Auch in den beiden folgenden Jahrzenten blieben die meisten Unternehmen dabei FuE‐Projekte jeweils gesondert, meist anhand weniger finanzieller Kennzahlen (z.B. NPV), zu beurteilen. 43 Erst in den 1990er Jahren wurden vermehrt auch alternative Verfahren und Kriterien zur Beurteilung herangezogen. Zur Identifizierung und Bewertung von Innovationsprojekten im Sinne eines Innovationsportfolio‐Management Ansatzes existieren zwar - wie in Kapitel 3.1 gezeigt - Modelle, 44 jedoch kaum empirische Studien über deren Anwendung und Nutzen in der Praxis. 45
Im Folgenden soll ein Überblick über einige der vorhandenen empirischen Studien gegeben werden, welche sich mit Innovationsportfolio‐Management befassen. Die Studien stellen die Anwendung des Innovationsportfolio‐Managements direkt oder indirekt dar, gehen auf Steuerung von Innovationsportfolios ein und beleuchten die Auswirkungen des Innovationsportfolio‐Managements auf den Unternehmenserfolg. Dabei werden einerseits klassisch wissenschaftliche Erkenntnisse dargestellt, in Ergänzung dazu aber auch Studien von privatwirtschaftlichen Unternehmen und Verbänden. Diese werden in dem sich anschließenden Kapitel 3.3 und in Abbildung 2 zusammenfassend dargestellt. Diese Auflistung erhebt explizit keinen Anspruch auf Vollständigkeit, im Rahmen einer Metaanalyse kann diese in Zukunft erweitert werden.
Cooper et al. (1999) befragten 205 Unternehmen verschiedener Branchen in Nord‐Amerika. Ziel der Studie war es festzustellen, welche Portfoliomanagement‐Methoden Unternehmen im Zuge des NPD‐Prozesses anwenden und welche Ergebnisse sie mit den entsprechenden Methoden erzielen. Dazu wurden die teilnehmenden Unternehmen mittels Fragebögen befragt und durch Multi‐Diskriminanzanalyse in vier Gruppen gebündelt: Benchmarks, Crossroad Businesses, Cowboy Businesses und Duds. Die Studie ergab, dass sich die befragten Unternehmen auf finanzielle Methoden (z.B. NPV), Strategietools (z.B. Bubble Diagramme), Strategieorientierung und Scoring Modelle verlassen. Wobei nur die Benchmarks mehrere Methoden gleichzeitig anwenden und sich nicht nur, wie die Duds auf finanzielle Methoden
42 Vgl. Stummer/Günther (2002), S. 291.
43 Vgl. Allen (1970), S. 167.
44 Vgl. Ahsen/Heesen (2009), S. 598.
45 Vgl. Salomo et al. (2008) S. 562.
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konzentrieren. Hervorzuheben ist zudem, dass ein gut funktionierender Portfolioma‐ nagement‐Prozess, auch wenn es Widerstände seitens des Managements gibt, effiziente Ergebnisse liefert und zum Erfolg der Innovationsaktivitäten beitragen kann. 46
Stummer und Günther (2002) gingen in ihrer Studie der Frage nach, welche Anforderungen Unternehmen an entscheidungsunterstützende Werkszeuge zur Auswahl von FuE‐Projekten haben. Sie befragten in teil‐strukturierten Interviews 34 österreichische Industrieunternehmen. Es zeigte sich, dass die Befragten tendenziell einfache Methoden (z.B. Checklisten, Punkteverfahren) zur Bewertung einzelner FuE‐Projekte einsetzten. Das große Potenzial eines Portfolioansatzes, welcher zusätzlich Abhängigkeiten zwischen den Projekten in die Bewertung mit einbezieht, wird jedoch nur von der Hälfte der Unternehmen gesehen. Bezüglich der Anforderungen an ein Entscheidungsunterstützungssystem kommen Stummer und Günther (2002) zu dem Ergebnis, dass grafische Darstellungen, kurze Rechenzeiten, einfache Handhabung, Möglichkeit zum Import schon vorhandener Daten und technischer Support sowie eine intuitive Benutzerschnittstelle die größte Bedeutung für die Unternehmenspraxis haben. 47
Eine 2005 veröffentlichte Studie der Autoren Lin und Chen (2005) untersuchte 78 Unternehmen, mit Sitz in den USA auf die Auswirkung verschiedener Technologieportfolio‐ Strategien auf die FuE‐Performance. Dabei untersuchten sie die Patentportfolios und Finanzkennzahlen aus den Jahren 1976 bis 1995. Ohne genauer auf die Technologieportfoliostrategien einzugehen, kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass eine Konzentration auf wenige Technologiefelder sich zwar positiv auf den Shareholder Value des Unternehmens auswirkt, aber negative Effekte unter anderem auf die Effektivität und Effizienz der FuE hat. Zudem leiden Großunternehmen unter erhöhten Bürokratiekosten, haben aber gegenüber kleineren Unternehmen den Vorteil über mehr Ressourcen verfügen zu können. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass gut organisierte Portfolios Synergien innerhalb des Unternehmens erzeugen können, so dass das Gesamtportfolio aus Shareholdersicht besser beurteilt wird, als die einzelnen Projekte. Des Weiteren haben die Zusammensetzung des unternehmerischen Technologieportfolios und
46 Vgl. Cooper et al. (1999).
47 Vgl. Stummer/Günther (2002).
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die Konzentration auf bestimmte Technologiefelder unterschiedliche Auswirkungen auf die untersuchten FuE‐ Messgrößen. Dies weist auf die Notwendigkeit hin, den Zielen entsprechende Kriterien zur Bewertung und Messung zu verwenden, um eine falsche Zielsetzung und Orientierung im Portfoliomanagement, zu vermeiden. Aufgrund des engen Zusammenhangs zwischen der Technologieportfoliostrategie und der
Unternehmensperformance, weisen die Autoren darauf hin, die Ressourcen in Einklang mit der Unternehmensstrategie zu verteilen und dementsprechend das Technologieportfolio daraufhin auszurichten. 48
In dem vorangegangenen Product Innovation Agenda Benchmark Report stellte die Aberdeen Group (2006) bereits fest, dass Unternehmen zwar einerseits Wachstumsziele durch eine bessere Anpassung ihrer Produkte an Markt‐ und an die Kundenbedürfnisse, sowie einen steigender Wert der ausgewählten Neuprodukte, anstreben. Andererseits aber Produktportfolio‐Management nur unzureichend im Unternehmen etablieren. Obgleich dies als Werkzeug zur Erreichung der genannte Ziele angesehen wird. Ausgehend von diesem Ergebnis untersuchte die Aberdeen Group (2006) 153, in verschiedenen Branchen tätige, Unternehmen. In einem offenen Fragenbogen wurden Manager unterschiedlicher Ebenen und aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen, unter anderem zur praktischen Anwendung von Portfoliomanagement, den damit verbundenen Herausforderungen und den Methoden, die tatsächlich angewandt werden, befragt. Hierbei zeigen sich mehrere interessante Ergebnisse. Unternehmen, welche Portfoliomanagement‐Strategien gezielt in ihrem Unternehmen bei der Neuproduktentwicklung einsetzen, erzielen wesentlich höhere Gewinnmargen auf ihre Produkte, da diese den Kundenbedürfnissen besser entsprechen oder schneller auf den Markt gebracht werden können. Außerdem zeigt sich, dass Unternehmen, die Portfoliomanagement‐Strategien gezielt und über einen längeren Zeitraum betreiben, bezogen auf die FuE‐ Performance besser abschneiden als die sogenannten Low‐Performer. Standardisierte Prozesse in die mehrere Teilnehmer einbezogen werden und ein zentral koordinierter Innovationsportfolio‐Prozess sind als Erfolgsfaktoren zu nennen. Des Weiteren scheint es ratsam zu sein, die Prozesse durch entsprechende Technologien zu unterstützen und bei der Evaluation und Selektion von Projekten nicht nur finanzielle Kennzahlen,
48 Vgl. Lin/Chen (2005).
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sondern auch Risikofaktoren, sowie Markt‐und Wettbewerberdaten, einzubeziehen. In dieser Studie zeigt sich die gravierende Diskrepanz zwischen den verwendeten (Innovations‐) Portfoliomanagement‐Techniken in Unternehmen und den immensen
Verbesserungsmöglichkeiten, die Unternehmen bei Nicht‐Anwendung ungenutzt lassen. 49
Salomo et al. (2008) untersuchen in ihrer Studie branchenübergreifend 122 börsennotierte Unternehmen aus Europa. Ziel der Studie war es, die Auswirkungen der Konzentration auf Innovationsfelder auf die Innovationsfähigkeit und damit auf die Unternehmensperformance am Wertpapiermarkt zu analysieren. Die Untersuchung beinhaltete schriftliche Fragebögen und eine umfassende Analyse von Geschäftsberichten und Presseartikeln zu 50 der teilnehmenden Unternehmen. Es zeigte sich, dass ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen den vier unabhängigen Variablen, Focus Area Specification, Footprint Focus Area, Organizational Formality und Stimulation of Synergies und der Innovationsfähigkeit einer Unternehmung besteht. Ebenfalls wurde der positive Zusammenhang der Innovationsfähigkeit eines Unternehmens und der Ressourcenkonzentration auf ein Innovationsprojekt mit der Unternehmensperformance bestätigt. Es zeigten sich jedoch negative, wenn auch nicht signifikante, Zusammenhänge zwischen der Stimulation von Synergien sowie der Spezifikation von Schwerpunkten und der Unternehmensperformance. Ein signifikant positiver Zusammenhang wurde aber zwischen der formalen Abbildung der Zusammenhänge zwischen Innovationsprojekten und der Unternehmensperformance festgestellt. Zusammenfassend halten Salomo et al. (2008) fest, dass Unternehmen, welche ihre Innovationsaktivitäten auf einer strategischen Ebene betrachten und nicht auf Einzelprojektebene, bessere Ergebnisse am Wertpapiermarkt erzielen. 50
Auch die Unternehmensberatung Bearing Point (2009) untersuchte 2009 in Zusammenarbeit mit der TU Berlin, IBM und der PDMA 40 deutsche Industrieunternehmen bezüglich der praktischen Anwendung von Portfolio‐management zur strategischen Steuerung und Governance in der Produktentwicklung. Nach Auswertung der Fragebögen, stellte sich heraus, dass der Reifegrad der verwendeten Prozesse und Systeme und der Reifegrad der Governance beziehungsweise der sozialen Aspekte, für die erfolgreiche
49 Vgl. Brown (2006).
50 Vgl. Salomo et al. (2008).
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Neuproduktentwicklung im Zuge des Portfoliomanagements entscheidend sind. Dies zeigt sich darin, dass erfolgreiche Unternehmen formalisierte Projektfreigabeprozesse im Unternehmen etabliert haben, dabei in ihren Projektbewertungsverfahren standardisierte und nicht nur finanzorientierte Kennzahlen zur Analyse und Bewertung von Projekten verwenden und Inputdaten in standardisierte Systeme integrieren, so dass diese für alle relevanten Mitarbeiter in einer hohen Qualität verfügbar sind. Zudem ist die Koordination des (Innovations‐) Portfolios bei den Champions hochrangig und übergreifend im Unternehmen eingeordnet.
Dennoch zeigt diese Untersuchung auch, dass sich Unternehmen noch immer vorwiegend an Finanzkennzahlen orientieren, kaum interdisziplinär arbeiten und es an eindeutigen Projektabbruchkriterien mangelt. Zudem werden die strategic buckets vornehmlich konservativ, das heißt produkt‐ oder projekttypbezogen, gebildet. Außerdem stellt die Studie fest, dass die Entscheidungsprozesse hauptsächlich kommunikativ, statt analytisch, ablaufen und dabei grafische/visuelle Methoden bevorzugt zum Einsatz kommen. 51
Die Studie des VDMA (2010) untersuchte anhand von 51 Unternehmen des deutschen Maschinen‐ und Anlagenbaus die Verbreitung, den Stellenwert und die An‐ wendungsverfahren des Portfoliomanagements von Innovationsprojekten in der Unternehmenspraxis. Die betreffenden Unternehmen wurden im Jahr 2008 mittels eines Fragebogens befragt. Zusätzlich wurden zehn Experteninterviews mit Führungskräften aus dem Bereich FuE geführt. Es zeigte sich, dass 59% der befragten Unternehmen Innovationsportfolio‐Management anwenden, davon haben 53% dies nach dem Jahr 2005 eingeführt, nur 11% nutzen Portfoliomanagement für Innovationsprojekte schon vor dem Jahr 1998. Insgesamt messen die Unternehmen dem Innovationsportfolio‐Management eine besonders hohe Bedeutung in Bezug auf die Abstimmung der Innovationsaktivitäten auf die Unternehmensstrategie zu. Zur Priorisierung der Projekte innerhalb des Portfolios nutzen die Befragten hauptsächlich finanzielle Methoden und Kriterien (z.B. ROI, EVA). Insgesamt zeigte sich durch die Studie, dass ein hoher Formalisierungsgrad des Innovationsportfolio‐ Managements sich positiv auf seinen Erfolg auswirkt. 52
51 Vgl. Franke et al. (2009).
52 Vgl. Meyer et al. (2010).
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3.3 Evaluation der Studien - Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Die untersuchten Studien decken einen Zeitraum von elf Jahren ab. Es handelt sich um vier wissenschaftliche Studien sowie um drei eher praxisbezogene Untersuchungen. Cooper et al. (1999) nehmen erstmals in der wissenschaftlichen Literatur das Portfoliomanagement im Zuge des Innovationsprozesses in den Fokus ihrer Untersuchung. Jedoch gehen erst Lin, Chen (2005) auf die Bedeutung der Interdependenzen zwischen Innovationsprojekten ein. Die Literatur zum Thema Innovationsportfolio‐Management kann folglich als sehr aktuell und wenig verdichtet angesehen werden.
Auffallend ist, dass in fünf der sieben Studien näher auf die Gestaltung von Prozessen und auf die Koordination des Innovationsprozesses im Zuge der Einführung des Portfoliomanagements eingegangen wird. Cooper et al. (1999) und die Studie des VDMA (2010) stellen zudem noch die Bedeutung des strategischen Bezugs dar. Die drei populärwissenschaftlichen Studien gehen, zusätzlich zu den Prozessen, noch auf die Verwendung von Kennzahlen ein. Es zeigt sich, dass die Betrachtung von Interdependenzen in einer Studie auch immer Betrachtungen zur Ressourcenverteilung mit sich bringt. Salomo et al. (2008) gehen zusätzlich auf die Verknüpfung mit der Unternehmensstrategie ein. Da der Evaluation und Bewertung von Ideen innerhalb des NPD‐Prozesses eine besondere Bedeutung zukommt, wurde in den drei praxisbezogenen Studien den verwendeten Werkzeugen und Methoden gesondert Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei lässt sich festhalten, dass Unternehmen „eindeutig alle Methoden und Verfahren, die sehr kommunikativ und wenig analytisch sind“ 53 bevorzugen.
Sowohl die Erhebung von Bearing Point (2009), also auch des VDMA (2010) und der Aberdeen Group (2006) weisen darauf hin, dass in Zuge des Innovationsportfolio‐ Managements insbesondere Methoden präferiert werden, die es ermöglichen, Ent‐ scheidungen grafisch zu visualisieren. 54
Beide Studien zu Interdependenzen und Ressourcen wenden multivariate Analysemethoden an. Ebenso Cooper et al. (1999), welche eine Multi‐Diskriminanzanalyse durchführen. Die Studie von Stummer, Günther (2002) sowie die Studien von Bearing Point (2009), Aberdeen Group (2006) und die des VDMA (2010) arbeiten deskriptiv. Abbildung 2 zeigt die von den untersuchten Studien abgedeckten Themenbereiche im Überblick.
53 Franke et al. (2009), S.20.
54 Vgl. Meyer et al. (2010), S.100; Franke et al. (2009), S.20; Brown (2006), S.16.
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Abbildung 2: Betrachtete Themenfelder der untersuchten Studien
Zusammengefasst stellen sich die Ergebnisse der Studien wie folgt dar:
1. Die Anwendung von Portfoliotechniken in der Unternehmenspraxis im Zuge des Innovationsprozesses hat im letzten Jahrzehnt zugenommen - jedoch wird Innovationsportfolio‐Management in 41% der Unternehmen noch nicht angewendet. 55
2. Unternehmen, die mehrere - meist formalisierte transparente und dynamische - Modelle und Methoden zur Auswahl von Innovationsprojekten einsetzen und darauf achten, dass es sich dabei nicht ausschließlich um finanzielle Methoden handelt, sind erfolgreicher als andere Unternehmen, welche meist nur Kennzahlen wie den ROI oder den NPV verwenden. 56
3. Die Beachtung der Unternehmensstrategie im Zuge der Beurteilung und Priorisierung von Innovationsprojekten wirkt sich positiv auf die Innovationsfähigkeit und somit auf den Unternehmenserfolg aus. 57
4. Interdependenzen zwischen Innovationsprojekten werden in der Forschung erst seit kurzer Zeit betrachtet. In der Praxis finden sie noch fast keine Beachtung, was unter
55 Vgl. Meyer et al. (2010), S. 49.
56 Vgl. Franke et al. (2006), S. 11 u. S. 16; Meyer et al. (2010), S. 135 u. S. 98 u. 101; Cooper et al. (1999), S. 342; Salomo et al. (2008), S. 561.
57 Vgl. Meyer et al. (2010), S. 131., Lin/Chen (2005), S. 167., Salomo et al. (2008), S. 572.
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anderem an den zu komplexen Darstellungsmöglichkeiten beziehungsweise der Identifikation geeigneter Kriterien zu Bewertung von Synergieeffekten 58 liegt. Die Nutzung der Synergien wird jedoch von der Forschung empfohlen. 59 In seltenen Fällen wurden hierzu komplexe, computergestützte Berechnungs‐ und
Optimierungsverfahren eingeführt. 60
5. Aufgrund begrenzter Ressourcen ist die Beschränkung auf und die Einordnung in zuvor festgelegte Innovationsfelder erfolgsversprechend. 61
58 Vgl. Franke et al. (2009), S. 107.
59 Vgl. Lin/Chen (2005), S. 160 u. 167.
60 Vgl. Stummer, Günther (2002), S. 296f.
61 Vgl. . Lin/Chen (2005), S. 166; Salomo et al. (2008), S. 563.
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3.4 Anwendung des Innovationsportfolio‐Managements in der Praxis
Nachdem Airbus im Jahr 1996 den Bau des A380 angekündigt hatte, war die Boeing Company gezwungen ebenfalls ein neues Großraumflugzeug auf den Markt zu bringen. Internes Ziel war es, dies in einem kürzeren Zeitraum und zu niedrigeren Kosten zu schaffen und so die Boeing 747‐X vor dem Airbus A380 auf den Markt zu bringen. Im Zuge dieser Entwicklung erarbeitete Boeing ein Tool zur Einordnung und Darstellung der, rund 80, mit der Entwicklung der 747‐X verbundenen internen Innovationsprojekte. Das Tool ähnelt einem Entscheidungsbaum. Zu jedem Projekt wurde zunächst ein Situation‐Target‐Proposal (STP) verfasst, welches alle nötigen quantitativen und qualitativen Daten enthielt und die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen bildete. So wurde als erstes eine Analyse der finanziellen Aspekte durchgeführt, welche sich auf die Implementierungskosten, die potenziellen Ersparnisse und den NPV fokussierte. Anschließend wurde die Erfolgswahrscheinlichkeit anhand zweier Dimensionen beurteilt. Qualität, welche anhand der Umsetzbarkeit und der Wahrscheinlichkeit mit dem Projekt die gesteckten Ziele zu erreichen gemessen wurde und Akzeptanz, welche auf Grundlage eines Abgleichs mit der Unternehmenskultur und Strategie stattfand. Im Anschluss wurden die Projekte in eine Matrix mit den Achsen Capabilities Change und Process Change eingeordnet. Ein oben links angesiedeltes Projekt war beispielsweise eine neue Kernkompetenz, die jedoch keine pro‐ zessualen Veränderungen mit sich brachte. Zuletzt fand eine Bestimmung der Ab‐ hängigkeiten zwischen den einzelnen Projekten bezogen auf ihren finanziellen Erfolg statt, auf deren Grundlage die optimale Zuteilung der finanziellen Ressourcen stattfand. Am Ende fand Boeing Antworten auf zwei Fragen: „Wenn wir ein Projekt mehr finanzieren könnten, welches würde am besten ins Portfolio passen?“ und „Wenn wir X Dollar mehr zur Verfügung hätten, würde das den NPV unseres Portfolios um den Wert Y steigern?“. 62
Zur Analyse, Priorisierung und Auswahl von FuE‐Projekten, entwickelte das US‐Unternehmen Bell Laboratories eine Methode, mit der mehrere Kriterien in den Entscheidungsprozess einbezogen werden können. Mithilfe der Data Envelopment Analysis (DEA) wurde zunächst das Portfolio aus insgesamt 469 Projekten einer Division anhand der Effizient eines jeden Projekts in die drei Kategorien accept, consider further und reject eingeteilt. Ziel war es einerseits die Projekte der ersten Kategorie in einen automatisierten Prozess zu schleusen
62 Vgl. Dickinson et al. (2001).
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und andererseits Projekte der consider further‐Kategorie detailliert zu analysieren. Dadurch wird der Spielraum für subjektive Entscheidungen erheblich reduziert. Dabei können sowohl quantitative als auch qualitative Kriterien mit unterschiedlichen Gewichtungen als Inputs verwendet werden. Diese müssen aber auf das Unternehmen und die individuellen Anforderungen eines Projektportfolios abgestimmt beziehungsweise angepasst sein. Nachdem die Projekte anhand der Input‐ und Outputdaten kategorisiert wurden, verwendete die Advanced Technologies Divison das Value Creation Model (VCM). Das VCM besteht aus mehreren Werkzeugen zur grafischen Entscheidungsunterstützung, wobei sich Bell Laboratories dabei auf zwei Methoden beschränkte: Die sogenannte „Parabox“ ermöglicht zunächst eine Analyse/Darstellung anhand neun verschiedener Variablen. Die Darstellung mithilfe des Nichework‐Tools ermittelt die Beziehungen innerhalb verschiedener Variablen, so dass verschiedene Projekte zu den verantwortlichen Abteilungen verlinkt werden konnten.
Zusammenfassend zeigt das Beispiel von Bell, dass eine Kombination aus objektiven und subjektiven Methoden einem Unternehmen dabei helfen kann, die Entscheidungen bezüglich der Auswahl von FuE‐Projekten zu erleichtern. Auch hier weisen die Autoren darauf hin, dass das Ranking der Projekte in Übereinstimmung mit der Unternehmensstrategie erfolgte, da dies den langfristigen Erfolg des Unternehmens gewährleiste. 63
63 Vgl. Linton et al. (2002).
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4. Implikationen für Forschung und Praxis
4.1 Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Basierend auf den Ergebnissen des Literaturüberblicks, der Evaluation der Studien und den Ergebnissen der Best Practice Beispiele lassen sich für die Unternehmenspraxis folgende zentrale Handlungsempfehlungen ableiten.
Die Einführung eines Innovationsportfolio‐Managements wird generell von allen untersuchten Studien empfohlen. 64 Die Beispiele Boeing Company und Bell Laboratories zeigen in ersten Ansätzen, dass eine erfolgreiche Implementierung möglich ist und zu positiven Ergebnissen führen kann. 65 Dabei sind vier Unterpunkte zu beachten:
1. Ein Unternehmen, welches Innovationsportfolio‐Management einführt sollte im Zuge der Auswahl und Priorisierung der Projekte die Unternehmensstrategie beachten. 66
2. Es sollten verschiedene Kennzahlen und Methoden zur Bewertung der Projekte verwendet werden, diese sollten zudem nicht rein finanzieller Natur sein. 67 Letzt‐ endlich ist es ratsam mehrere Methoden zu kombinieren, welche sowohl quantitative als auch qualitative Entscheidungsfaktoren berücksichtigen. 68
3. Es müssen die zwischen Innovationsprojekten entstehenden Synergien aufgedeckt und genutzt werden. 69
4. Die enorme Bedeutung transparenter und nachvollziehbarer Entscheidungsprozesse ist anzumerken. 70 Unternehmen sollten hier besonders auf grafische Methoden zurückgreifen. 71
Davon ausgehend, dass es keine ultimative Portfoliomanagement‐Methode gibt, sollte folglich ein hybrides Konzept aus mehreren Modellen Anwendung finden.
64 Vgl. Cooper et al. (1999), S. 350f; Stummer/Günther (2002), S. 300; Lin/Chen (2005), S. 168; Salomo et al. (2008), S. 572; Brown (2006), S. 19ff; Franke et al. (2009), S. 49; Meyer et al. (2010), S. 133f.
65 Vgl. Dickinson et al. (2001), S. 526f; Linton et al. (2002), S. 146.
66 Vgl. Meyer et al. (2010), S.131., Lin/Chen (2005), S.167., Salomo et al. (2008), S.572.
67 Cooper et al (2002a), S. 46; Gama et al. (2007), S. 3.
68 Vgl. Meyer et al. (2010), S.108; Brown (2006), S. 16; Cooper et al. (1999), S. 342; Salomo et al. (2008), S. 561.
69 Vgl. Franke et al. (2009), S.107; Lin/Chen (2005), S. 167.
70 Vgl. Franke et al. (2009), S.11 u. S. 16; Meyer et al. (2010), S. 135 u. S. 98 u. 101.
71 Vgl. Brown (2006), S. 16; Franke et al. (2009) S. 20; Meyer et al. (2010) S. 100.
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4.2 Forschungsimplikationen
Zwischenzeitlich gibt es diverse Beiträge zur Performancemessung 72 und Priorisierung einzelner FuE‐Projekte und einige Veröffentlichungen zum Thema Best Practices in der Entwicklung neuer Produkte. 73 Obwohl sich letzere besonders mit der Auswahl und Priorisierung von Innovationsprojekten befassen, sind Beiträge zum Thema Innovationsportfolio‐Management und besonders empirische Studien zu dessen Anwendungsgrad und Anwendungsform nach wie vor eher selten. 74 Wie bereits erwähnt, lassen Unternehmen die Potenziale, die sich mit einem effizienten Innovationsportfolio‐ Management realisieren lassen könnten, ungenutzt. Unternehmen kritisieren besonders die unzureichenden Möglichkeiten die vorgeschlagenen Methoden und Werkzeuge zu operationalisieren. 75 Beispielsweise fällt es schwer, den Zusammenhang eines potenziellen Innovationsprojekts und der Unternehmensstrategie zu messen.
Ziel der Forschung sollte es daher sein, zunächst die Anforderungen an ein solches Tool zu analysieren, um anschließend eine möglichst transparente und einfache Methode zur Priorisierung und Selektion von Innovationsprojekten, auch unter Einbezug der Unternehmensstrategie zu entwickeln. Dabei muss einerseits eine Vergleichbarkeit der Projekte anhand bestimmter Kennzahlen gewährleistet sein, die einen validen Vergleich verschiedener Projekte erlaubt; andererseits sollte die Methode die Untersuchung von Abhängigkeiten und Synergien mehrerer Innovationsprojekte gewährleisten. Des Weiteren sollte ergründet werden, welche Faktoren sich auf die erfolgreiche Implementierung eines Innovationsportfolio‐Managements auswirken. Umgekehrt fehlt es an Studien, welche die Gründe aufzeigen, warum Innovationsportfolio‐Management in der Praxis nicht flächendeckend eingeführt wird. 76 Dabei sollte insbesondere dem Hang zu kommunikativen Entscheidungsprozessen und damit einhergehend der Tendenz zur Entscheidungsfindung durch interne Politik oder Eigeninteressen, Beachtung geschenkt werden.
72 Vgl. bsp.: Adams et al. (2006); Bremser/ Barsky (2004); Cooper et al. (1999).
73 Vgl. bsp.: Cooper et al. (2002), Cooper et al. (2004); Barczak et al. (2009).
74 Vgl. Salomo et al. (2008), S. 571.
75 Vgl. Stummer/Günther (2002), S. 299f.
76 Vgl. Stummer/Günther (2002), S. 300.
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Letztendlich ist zu erwarten, dass vor dem Hintergrund der aufkommenden Diskussion über die dynamic capabilities, die Bedeutung des Innovationsportfolio‐Managements stark zunehmen wird. 77 Denn es hat sich gezeigt, dass die Fähigkeit eines Unternehmens zur Strukturierung der Innovationsaktivitäten Ressourcen spart beziehungsweise diese effizienter einsetzt und damit Innovationen besonders fördert.
5. Diskussion und Ausblick
Die vorliegende Untersuchung konnte einen Überblick zum Thema Innovationsportfolio‐ Management liefern. Um jedoch eine tiefergehende Analyse der Studien und besonders der Literatur vor dem Jahr 1999 durchzuführen erscheinen weitere Untersuchungen sinnvoll zu sein. Zwei Gründe sprechen insbesondere für eine weiterführende Untersuchung mittels einer Metaanalyse. Zum einen wird die Stichprobe vergrößert und so die Aussagen valider und zum anderen verwenden die in dieser Arbeit betrachteten Studien unterschiedliche Methoden, die es anzugleichen gilt. Ob unter Einbezug der Literatur vor dem Jahr 1999 eine kritische Größe zur Durchführung einer Metaanalyse erreicht wird, muss noch geprüft werden.
Zusammenfassend soll nochmals betont werden, dass die Forschung zum Innova‐ tionsportfolio‐Management, aber auch die Anwendung in der Praxis noch am Anfang stehen. Daher besteht großes Potenzial im Sinne von weiteren empirischen Erhebungen und Best Practice Studien sowie in der effizienteren Auswahl und Steuerung von Innovationsprojekten in der Praxis.
Da der Schwerpunkt der Studien und insbesondere der Best Practice Beispiele in Nord‐ Amerika liegt, wäre beispielsweise, die Entwicklung eines deutschen Fallbeispiels im Zuge eines Praxisprojekts anzudenken. Aus den im Rahmen der Kooperation mit einem Praxispartner gewonnen Erkenntnissen können möglicherweise Ideen für weitere Untersuchungen zum Thema Innovationsportfolio‐Management abgeleitet werden.
77 Vgl. Salomo et al. (2008), S. 562.
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