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Caesar hatte seinem Großneffen schon sehr früh einen ersten öffentlichen Auftritt ermöglicht. Bei Sueton lesen wir weiter, dass er Octavian zu sich in die spanischen Provinzen kommen ließ, wo Caesar gegen die Söhne des Pompeius kämpfte. 7 Wenig später wurde Octavian - nun im Alter von 18 Jahren - von Caesar nach Apollonia geschickt, damit er dort auf seinen Großonkel warte und sich gleichzeitig intellektuell weiterbilde. Caesar bereitete in der Zwischenzeit einen Feldzug gegen die Parther vor, fiel aber dem berühmtesten Attentat des Altertums an den Iden des März zum Opfer. Der neue Caesar Erzähler
Octavian entschied sich dagegen, die in Apollonia stationierten sechs Legionen um Hilfe zu bitten. Stattdessen reiste er allein nach Rom zurück. In Caesars Testament wurde verfügt, dass Octavian von Caesar adoptiert worden war und drei Viertel seines Vermögens erben sollte.
Octavian entschied sich, die Adoption und das Erbe Caesars anzunehmen. Fortan nannte er sich C. Iulius Caesar Octavianus. Die politische Lage in Rom nach den Iden des März lässt sich folgendermaßen charakterisieren: die eine „Fraktion“ bildete Konsul Antonius und sein Amtsgenosse Dolabella zusammen mit einigen überzeugten Caesaranhängern. Die zweite bestand aus den Caesarmördern, die panikartig Rom verlassen hatten, selbsternannte „Liberatoren“, an ihrer Spitze Cassius und Brutus. Eine dritte, nicht minderwichtige Konstante bildeten Cicero und die Konstitutionalisten, kurzum: der Kern des römischen Senats. Welche Ziele verfolgte der neue Caesar? Wem sollte er sich anschließen? Zitator
„Nichts hielt er für angemessener, als die Ermordung seines Onkels zu rächen.“ Sueton. 8
Erzählerin
In erster Linie dachte Octavian daran, als ultor Caesaris, als Rächer Caesars also, Rache für seinen Adoptivvater zu nehmen. Caesar, seinen Großonkel, nannte er programmatisch pater, so verpflichtete ihn die pietas, die „Sohnesliebe“ also, an den Mördern Caesars Rache zu nehmen. Wollte er dies anfangs gemeinsam mit Antonius tun, merkte er bald, dass Antonius in ihm keinen gleichrangigen Partner sah und sich sogar bemühte, Octavians Popularität einzudämmen und diesen nach Kräften zu behindern. Zitator
„Der Bevölkerung in Rom habe ich pro Kopf dreihundert Sesterzen auf Grund des Testaments meines Vaters zuteilen lassen.“ Augustus. 9
Erzählerin
Neben der Auszahlung des Geldes an das römische Volk veranstaltete Octavian Spiele zu Ehren Caesars. Mit dem Geld seines verstorbenen Adoptivvaters finanzierte er eine Armee. Doch wer eine Privatarmee zu Felde führt, läuft Gefahr, zu einem hostis, also zu einem „Staatsfeind“, erklärt zu werden und das gleiche Ende zu nehmen wie Catilina. Deshalb brauchte Octavian die Legitimierung des Senats und musste zunächst mit den Aristokraten zusammenarbeiten. Er schmiedete ein
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Bündnis mit Cicero. In einem Brief an Atticus war Cicero zunächst etwas skeptisch und wog die Lage ab: Zitator
„Und wem sollen wir uns anschließen? Bedenke seinen Namen, sein jugendliches Alter!“ 11
Erzählerin
Cicero willigt ein. Er glaubt, den jungen Octavian steuern und für seine Zwecke einsetzen zu können. Cicero unterschätzte ihn offenbar und bemerkte nicht, dass er später die Kontrolle über ihn verlor. Im Senat setzte er sich stark für den Caesarerben ein, wie wir folgender Rede entnehmen können: Zitator
„Denn er hat sich dem Staat zur Verfügung gestellt, um ihn zu festigen, nicht, um ihn zu zerstören. Nichts ist ihm teurer als unser Staatswesen, nichts wichtiger als euer Ansehen, nichts erwünschter als das günstige Urteil rechtschaffener Männer, nichts süßer als wahrer Ruhm.“ 12
Erzähler
Octavian erhielt ein imperium gegen den zum Staatsfeind erklärten Antonius, der sich zwischenzeitlich D. Brutus im Norden mit seinen Soldaten belagerte. Die Schlacht bei Mutina bedeutete zunächst eine militärische Niederlage für Antonius. Allerdings änderte sich zu dieser Zeit auch die Stimmung im Senat, Octavian schien mehr und mehr überflüssig zu werden. Antonius hatte sich mit einigen Statthaltern verbündet, unter anderem mit dem einflussreichen Lepidus, und konnte dadurch seine Stellung stärken. Octavian erkannte die neuen Rahmenbedingungen und forderte nun für sich das Konsulat. Diese Forderung wurde allerdings vom Senat abgelehnt. Der Caesarerbe erkannte, dass sein Zweckbündnis mit dem Senat seinen ehrgeizigen Zielen nicht mehr nützen würde. Drei Männer - ein Ziel: die politische Macht Erzählerin
Octavian ließ seine früheren Verbündeten, die Partei der Optimaten, fallen, er ließ Cicero fallen, und schloss mit Antonius und Lepidus ein Dreierbündnis. Im Oktober 43 trafen sich die drei Männer in der Nähe von Bononia, dem heutigen Bologna, und formulierten folgende gemeinsamen Ziele: einerseits die Rache an den Caesarmördern, andererseits die Sicherung der eigenen Machtposition. Anders als das erste Triumvirat war dieser Pakt kein privates Bündnis, sondern wurde formell von der Volksversammlung legitimiert. Erzähler
Das Triumvirat brauchte Geld. Ein Krieg zur Rache an den Caesarmördern musste finanziert werden. Andere Personen hatten ähnliche Probleme. Hatte sich nicht auch Sulla zu helfen gewusst? Mit Proskriptionen beschlossen die drei führenden Männer, dieses Problem zu beheben und gleichzeitig einige politische Feinde und Oppositionelle auszuschalten. Die Proskriptionen waren eine Ächtung von zahlreichen Rittern sowie Senatoren und mündeten in einem unbeschreiblichen Blutbad: Rund 300 Senatoren und 2000 Ritter wurden laut Cassius Dio proskribiert. 13 Skrupellos akzeptierte Octavian, der spätere Friedenskaiser, dass der Name seines
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früheren Verbündeten Cicero auf dieser Todesliste ganz oben notiert wurde. Wie ist ein solcher blutiger Weg zur Macht moralisch zu verkraften? Wie lassen sich diese Taten rechtfertigen? Zitator
„Dabei widersetzte er sich zwar eine Zeitlang den geplanten Proskriptionen seiner Kollegen; als diese aber begonnen waren, übte er sie rücksichtsloser aus als die anderen beiden.“ Sueton. 14
Erzählerin
Nachdem das Triumvirat bereits seine Feinde in Senat und Ritterstand liquidiert hatte, sollte anschließend mit den Caesarmördern abgerechnet werden. Octavian hatte von Anfang an Rache für seinen Adoptivvaters geschworen und dadurch viel Sympathie beim Volk gewonnen, diese pietas war durchaus ein Grund für seine Beliebtheit. Jetzt mussten allerdings Taten folgen! Zitator
„Dies war die Tat, dies war die Pflicht, dies der Anfang der Leistungen Caesars. Mit gerechten Waffen hat er seinen Vater gerächt.“ Ovid. 15
Erzähler
In der Schlacht von Philippi unterlagen die so genannten Liberatoren. Bei Sueton wird überliefert, dass Brutus‘ Kopf nach Rom geschickt und der Caesarstatue zu Füßen gelegt wurde. Bei Cassius Dio wurde sein Kopf hingegen ins Meer geworfen. Ungeachtet dessen steht fest: den meisten Prestigegewinn erlangte Antonius, der als Imperator ausgerufen wurde. Horaz, der in Philippi noch auf Seiten der Caesarmörder gekämpft hatte, spricht freimütig über die virtus der Republikaner und spottet ironisch über seine eigene Feigheit: Zitator
„Mit dir habe ich Philippi und die hastige Flucht erlebt, als ich verlor unrühmlich meinen Schild, und als die Tugend gebrochen wurde.“ Horaz. 16
Zitator
„Ach, ach, wir schämen uns für die Narben und die Verbrechen, die wir unseren Brüdern zugefügt haben. Was hat unsere brutale Generation ausgelassen? Was war uns Verbrechern heilig?“ Horaz. 17
Von der Eintracht zur Zwietracht
Erzählerin
Keiner der Triumvirn wollte seine neue Machtstelllung wieder abgeben, jeder beanspruchte die Herrschaft für sich allein. Das imperium Romanum wurde unter den drei Männern aufgeteilt: Octavian bekam den Westen, verbunden mit der undankbaren Aufgabe der Veteranenansiedlung, während Lepidus Afrika erhielt, den „Getreidespeicher“ und die „Kornkammer“ Roms, und Antonius der reiche Osten zugeteilt wurde. Die erste Herausforderung für Octavian stellten die Hetzreden von Antonius‘ Frau Fulvia und seinem Bruder L. Antonius dar. Dies führte zur blutigen Belagerung von Perusia, bei der Octavian die Aufrührer zur Kapitulation zwang. Auf das Bitten und Flehen der Besiegten soll Octavian nur mit dem brutalen Befehl
„Moriendum est!“- „Man muss sterben!“ 18 geantwortet haben. Properz beklagt die auf
„Wenn du des Heimatlands Grabhügel, Perusia, kennst, nenn es Italiens Grab...“ 19
Wenn sich Augustus also in seinem Tatenbericht rühmt, er habe „als Sieger allen um Nachsicht bittenden Bürgern Schonung gewährt“, so ist hier offenbar nicht von
Nach dem bellum Perusinum, den „Krieg in Perusia“, hatte Sextus Pompeius, der Sohn von jenem berühmten Caesargegner, die See beherrscht und die Getreidezufuhr blockiert. Ihn militärisch zu besiegen stellte die nächste große Herausforderung für Octavian dar. Dies war ihm dank seines Strategen und Weggefährten Agrippa gelungen. Er habe das Meer von der Seeräuberplage befreit, Darauf benutzte er die günstige Gelegenheit, um einen seiner zwei Triumviratskollegen auszuschalten. Lepidus hatte sich selbst überschätzt und forderte nach seinem positiven Hervortun im sogenannten „Seeräuberkrieg“ für sich Sizilien. Für seine Soldaten waren die Bestechungssummen von Octavian allerdings attraktiver als die geschuldete Loyalität gegenüber ihrem imperator, sie liefen zu Octavian über. Wie hätte Lepidus ohne Heer eine Chance haben können? Politisch spielte der daraufhin verbannte Lepidus keine Rolle mehr, lediglich sein Oberpriesteramt als pontifex maximus durfte er behalten. Dass das Triumvirat - die „Dreierherrschaft“ - fortan nur aus zwei Männern bestand, mag zwar ironisch klingen,
Von einer schlechten Ausgangslage aus hatte der Adoptivsohn Caesars seine Stellung festigen und konsolidieren können. Außerdem befand er sich selbst in Rom, Antonius im Osten, und somit weit weg und ohne größeren Einfluss. Antonius hatte einige taktische Fehler begangen: sein geplanter Partherfeldzug erwies sich als eine Katastrophe, die Feldzeichen waren verloren gegangen und zahlreiche Römer umgekommen. Außerdem gab er sich Kleopatra hin, einer orientalischen Königin, die er provokativ als „Königin der Könige“ bezeichnete. Horaz bezeichnete Antonius als einen emancipatus feminae 20 , einen Weiberknecht also. Nachdem sich Antonius auf Cleopatras Wirken von Octavians Schwester Octavia, die er als Zeichen der Eintracht im Triumvirat bereits 40 v.Chr. geheiratet hatte, scheiden ließ und diese zurück nach Rom schickte, war für die Propaganda ganz klar, dass Antonius inzwischen gewissermaßen ein „Ägypter“ geworden war, gelenkt durch eine ägyptische Königin.
Von Anfang an war klar, dass zwei ehemalige Rivalen und unterschiedliche Persönlichkeiten wie Octavian und Antonius nicht nebeneinander würden herrschen können. Es fehlte nur noch der entscheidende Anlass. Die erwartete militärische
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Auseinandersetzung rückte immer näher. Bei Actium sollte letztlich die Entscheidung fallen. Ein prominenter Überläufer offenbarte Octavian den Inhalt von Antonius Testament: eine Bestattung in Ägypten an der Seite Cleopatras und die Übergabe von römischen Ländern an die Kinder der Cleopatra. Im Senat zitierte Octavian aus dem Testament was einem Sakrileg gleichkam, da das Haus der Vestalinnen, wo dieses aufbewahrt wurde, als sakrosankt galt. Die Empörung im Senat war grenzenlos: nicht aber über diesen Sakrileg sondern über Antonius‘ Ausverkauf von Rom. Er sei kein echter Römer mehr, die ägyptische Königin habe ihn „verhext“. In Berufung auf das Notstandsrecht wurden Antonius alle Vollmachten aberkannt, die offizielle Kriegserklärung ging allerdings an Cleopatra, um das „Odium eines Bürgerkrieges“, wie es der Historiker Bringmann 21 treffend formuliert hat, zu vermeiden. Die Entscheidung fiel dann bei der Seeschlacht von Aktium im Jahre 31 v.Chr. Dank Octavians genialem Strategen Agrippa wurde die feindliche Flotte besiegt. Der Dichter Vergil dichtet über den Zweikampf der ehemaligen Partner. Zitator
„Da stand Caesar Augustus, der seine Römer in den Kampf führte, mit Senat und Volk, den Penaten und mächtigen Göttern. […] Dort drüben führt, unterstützt durch Barbaren in ganz verschiedener Rüstung, Antonius siegessicher die Streitmacht des Orients heran. Ihm folgt, welch ein Gräuel, seine ägyptische Frau!“ 22
Erzähler
Während Vergil den Sieger feiert, sieht Seneca auch das vom Römerblut gefärbte Meer von Actium. Was war das für ein Sieg? Traurig dichtet Properz von den im Meer schwimmenden Leichen. Zitator
„Unsere eigenen Gebeine trieben im Meer von Aktium umher“. 23
Erzählerin
Horaz war aufgewühlt, da Antonius und Kleopatra fliehen konnten. Allerdings schlug der siegreiche Octavian gleich darauf Antonius erneut vor Alexandria. Antonius stürzte sich in sein Schwert. Ägypten wurde zu einer neuen römischen Provinz. Horaz dichtet ein Triumphlied über die Niederlage Cleopatras, wobei er gleichzeitig ihren Selbstmord glänzend hervorhebt. Zitator
„Nun muss man trinken, nun mit dem Fuße frei stampfen die Erde, nun, Zeit war’s, Kameraden, nach Salierart schmücken das Lager der Götter zum Festmahl. […] und Caesar trieb ihren (sc. Cleopatras) Sinn, berauscht vom Nilwein, in wahre Ängste: da sie weit von Italien davonflog, drängte er ihr mit Rudern nach wie der Falke zarten Tauben oder dem Hasen der rasche Jäger.[…] Den grimmen Seglern gönnte gewiss sie es nicht, dass entthront man sie führt zu stolzem Triumphe.“ 24
Erzähler
Der letzte Satz von Horaz nimmt klar Bezug auf den Suizid der Cleopatra. Davor hatte sie Octavian um Gnade gebeten und versucht, sein Mitleid zu erregen, so dass er ihr erlauben solle, den Titel der ägyptischen Königin beizubehalten. Im Gespräch ließ sich Octavian aber keineswegs von ihr verführen, sondern antwortete mit knappen Worten, wobei er sie nicht einmal anschaute. 25
7
Cleopatra: Wann kommt dieser selbsternannte Caesar endlich? Ich werde langsam ungeduldig.
Dienerin: Er müsste eigentlich jeden Moment da sein.
Cleopatra: Wenn Antonius tot sei, könne ich auf seine Gnade hoffen, schrieb er mir. Was meinst du? Kann ich darauf vertrauen, dass dieser Octavian mich schonen wird? Dienerin: Ich bete zu Isis, dass er Gnade walten lässt, Herrin. Cleopatra: Ich habe Octavian alles geschildert. Wie sich Antonius im Glauben, ich sei tot, in sein Schwert stürzte; wie er mich dann erblickte und in meinen Armen seine letzte Lebenskraft verloren hat; wie er mit letzter Kraft bat, man möge ihn zum Grabmal hintragen. Dienerin: Er ist da. Caesar ist hier. Octavian: Salve, Cleopatra!
Cleopatra: Sei gegrüßt, Herr! Ein Gott hat dir die Herrschaft verliehen, mir sie genommen. Du weißt sicher, wie dein Onkel mich zur Königin Ägyptens machte. Lies diese Zeilen hier, die er mir einst geschrieben hat.
Octavian: Er war mein Vater, nicht mein Onkel. Das solltest du eigentlich wissen. Cleopatra: Lies doch bitte! Es ist ein hartes Los, erst Julius, dann Antonius zu verlieren. Mein Königreich ist erschöpft vom Krieg. Wir alle haben so viel durchgemacht. Dich lobt man doch immer wegen deiner Milde. Du wirst mir nicht die Würde einer Königin nehmen. Du wirst doch sicherlich Erbarmen gegenüber meinem Volk zeigen. O wäre ich doch mit Caesar damals gestorben! Octavian: Nichts Schlimmes wird dir widerfahren. Sei guten Mutes! Cleopatra: Sende mich zu Antonius, Herr. Lass mich mit ihm zusammen sterben. Octavian: Sei guten Mutes! Ich lasse dir deine Dienerschaft. Cleopatra: Danke, Herr. Ich werde mir nicht das Leben nehmen. Ich vertraue dir. Octavian: Vale.
Cleopatra: Er ist weg. Dieser Heuchler! Ich weiß, er möchte mich auf den Triumphzug durch Rom führen. Er fürchtet nur, ich könnte mich dem durch Selbstmord entziehen. Dieser Mann hat kein Herz und kein Gefühl. Dienerin: Was wirst du nun tun, Königin?
Cleopatra: Bereite alles vor für meinen Tod. Bring mir den Wasserkrug, in dem die Natter ist. So geht es am schnellsten, ohne Schmerz. Gib den Römern diesen Brief, damit ich wenigstens an Antonius‘ Seite bestattet werde. Nun lasse mich bitte allein. Erzählerin
Wie konnte sich ein unadeliger Achtzehnjähriger durchsetzen und ein Jahrzehnt später zum ersten Mann Roms werden? Es lässt sich hier sehr vielschichtig argumentieren: Zunächst hatte er gewiss vortreffliche Berater und Weggefährten, allen voran sein militärischer Stratege und das Universalgenie Agrippa, sowie das politische Genie Maecenas. Des Weiteren wäre sein Erfolg ohne Rückhalt beim Militär ebenso wenig denkbar gewesen wie ohne die Sympathie der römischen Plebs, die er erfolgreich für sich zu gewinnen verstand. Am wichtigsten allerdings waren seine Willenskraft und sein Machtstreben, wobei er auch bereit war, über Leichen zu gehen. Bringmann spricht von „Zweckrationalität“ - kluge Berechnung, Vorsicht, Kühnheit, nicht weniger aber auch Skrupellosigkeit und Bereitschaft zu Brutalität. Seine Bündnisse hatte er je nach eigenem Vorteil geschlossen, gewechselt und wieder aufgegeben, seine früheren Verbündeten opferte er kaltblütig seinem Streben nach Macht, Actium war ein reinstes Blutbad geworden. Rom selbst war erschöpft vom Bürgerkrieg, die Bevölkerung hatte die unruhigen Zeiten satt und wollte den Frieden mit Augustus.
Arbeit zitieren:
Domenic Schäfer, 2010, Augustus und seine Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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