Zusammenfassung
Die vorliegende Studie untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Networking sowie zwischen Networking und Berufserfolg besteht und ob ein Zusammenhang zwischen Networking und Berufserfolg dahingehend, dass Networking Berufserfolg vorhersagt, auf Networking zurückzuführen ist oder durch Persönlichkeit beeinflusst wird. Grundlage bilden dabei die Daten der zweiten, vierten, fünften und sechsten Erhebung einer prospektiven Längsschnittstudie zur beruflichen Laufbahnentwicklung von Akademikerinnen und Akademikern der Universität Erlangen-Nürnberg. Die Ergebnisse zeigen, dass Networking durch Extraversion, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrung vorhergesagt wird und mit subjektivem Berufserfolg sowie Arbeits- und Karrierezufriedenheit zusammenhängt. Im Hinblick auf objektiven Berufserfolg fungiert Networking nur für eine Teilstichprobe der juristischen, wirtschaftswissenschaftlichen und technischen Fakultät als Prädiktor, nicht jedoch für die Gesamtstichprobe. Ein Zusammenhang zwischen Networking und Berufserfolg lässt sich zum Teil auf Networking selbst zurückführen, wird aber ebenso durch Persönlichkeit beeinflusst, da die Varianz, die Networking bezüglich Berufserfolg aufklärt, zum Teil auch durch Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Verträglichkeit gebunden wird. Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass sich Networking durchaus förderlich auf die eigene Berufslaufbahn auswirken kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 06
2 Theorie. 07
2.1 Networking. 07
2.2.1 Definition. 07
2.2.2 Messung. 07
2.2 Berufserfolg. 08
2.2.1 Definition. 08
2.2.2 Messung. 09
2.3 Persönlichkeit. 10
2.3.1 Definition. 10
2.3.2 Messung. 11
3 Empirische Studie. 12
3.1 Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Networking. 12
3.2 Zusammenhang zwischen Networking und Berufserfolg. 15
3.3 Zusammenhang zwischen Networking, Persönlichkeit und Berufserfolg. 19
4 Hypothesen. 20
5 Methode. 21
5.1 Überblick. 21
5.2 Stichprobe und Vorgehensweise 22
5.3 Fragebogen und Operationalisierung der Konstrukte. 23
5.3.1 Persönlichkeit (t2 und t4) 23
5.3.2 Networking (t5) 24
5.3.3 Berufserfolg (t5 und t6) 24
6 Ergebnisse. 25
6.1 Deskriptive Statistik. 25
6.2 Inferenzstatistik. 28
6.2.1 Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Networking. 28
6.2.2 Zusammenhang zwischen Networking und Berufserfolg. 28
6.2.3 Zusammenhang zwischen Networking, Persönlichkeit und Berufserfolg. 33
6 Diskussion. 39
7.1 Diskussion der Hypothesentestungen. 39
7.2 Einschränkungen der vorliegenden Studie und Implikationen. 42
7 Literatur. 44
8 Anhang 48
1 Einleitung
Bereits Johann Wolfgang von Goethe kam zu der Erkenntnis, dass „der isolierte Mensch […] nicht ans Ziel [kommt]“, woran sich bis heute wenig geändert hat. Im Gegenteil, heutzutage ist die Bildung und Unterhaltung sozialer Netzwerke wichtiger denn je. In diesem Zusammenhang empfiehlt daher beispielsweise auch Alfred J. Kremer, geschäftsführender Gesellschafter der Mulitconsult GmbH und ehemaliges Vorstandsmitglied des Hamburger Emissionshauses Rothmann & Cie AG: „Knüpfen Sie Beziehungen als hinge ihr Leben davon ab - denn es tut es!“.
Vor allem internetbasierte Netzwerke wie Facebook oder XING stellen in der heutigen Zeit beliebte Mittel zur sozialen Kommunikation dar. Das selbsterklärte Ziel von Facebook (www.facebook.com) ist es, den Nutzern das Teilen von Inhalten zu ermöglichen und die Welt zu vernetzen. Nach Angaben der Homepage nutzen täglich Millionen von Menschen Facebook, um mit ihren Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben, eine unbegrenzte Anzahl an Fotos hochzuladen, Links und Videos auszutauschen und mehr über Personen in Erfahrung zu bringen, denen sie begegnen. Die XING AG (www.xing.com) wirbt auf ihrer Homepage mit dem Slogan „XING - Professionelles Networking weltweit“ und verbucht es als Erfolg, dass bereits über 8 Millionen Geschäftsleute und Berufstätige mit XING ihre Geschäftskontakte managen und die Website als Business-Netzwerk verwenden. Ziel der XING AG ist es, mit maßgeschneiderten Networking-Funktionen und Services die Vernetzung, wie auch die professionelle Kontaktpflege von Menschen zu unterstützen. Weiterhin macht XING die Verbindungen zwischen Menschen sichtbar - nach deren Einschätzung eine wichtige Ressource zur Generierung wertvoller Kontakte. Kontakte können gerade im Berufsalltag extrem hilfreich sein, so stellte unter anderem Carol Kleiman, ehemalige Kolumnistin der Cicago Tribune, fest, dass „Netzwerke […] dazu da [sind], jedes Problem mit drei Telefonaten zu erledigen“. Das Konstrukt des Networking ist aufgrund seiner Bedeutung besonders im beruflichen Kontext mittlerweile auch in den Fokus der Wissenschaft gerückt und wurde bereits auf verschiedene Art und Weise untersucht. So existieren zum Beispiel einige Studien, die den Zusammenhang zwischen Networking und Berufserfolg betrachten. Die Frage, ob Networking beruflich erfolgreich macht, soll auch in der vorliegenden Studie aufgegriffen und getestet werden. Weiterhin wird in der vorliegenden Studie der Frage nachgegangen, welche Eigenschaften Menschen auszeichnen, die gut „networken“ können, und geprüft, ob Networking auf persönlichkeitsspezifische Voraussetzungen zurückgeführt werden kann
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sowie ob ein Zusammenhang zwischen Networking und Berufserfolg dahingehend, dass Networking Berufserfolg vorhersagt, tatsächlich auf Networking basiert oder möglicherweise durch Persönlichkeit beeinflusst wird.
Im Folgenden werden nun zunächst die Konstrukte Networking, Berufserfolg und Persönlichkeit definiert sowie verschiedene Möglichkeiten der Messung thematisiert, anschließend die Fragestellung anhand empirischer Studien spezifiziert, Hypothesen generiert und das methodische Vorgehen vorgestellt sowie abschließend die Ergebnisse erläutert und diskutiert.
2 Theorie
2.1 Networking
2.1.1 Definition
Wolff und Moser (2006) definieren Networking als Verhaltensweisen, die dem Aufbau und der Aufrechterhaltung informeller Beziehungen dienen und deren potenzieller Effekt es ist, den Zugang zu arbeitsbezogenen Ressourcen zu erleichtern. Nach Forret und Dougherty (2001) stellt Networking die proaktiven Bestrebungen von Individuen dar, persönliche und berufliche Beziehungen mit anderen zu entwickeln und aufrechtzuerhalten, wobei ein gegenseitiger Nutzen für die eigene Arbeit oder Berufslaufbahn bezweckt wird. Dies kann bei der Arbeitssuche und Arbeitsplatzsicherung von Vorteil sein, kann Zugang zu benötigten Informationen oder Ressourcen verschaffen und kann förderlich sein, Orientierungshilfe, Beratung sowie finanzielle und soziale Unterstützung zu bekommen (de Janez & Forret, 2008). Insgesamt wird Networking also als wesentliche Fertigkeit zur Steigerung des Sozialkapitals und Berufserfolgs eingeschätzt.
2.1.2 Messung
Networking wird in der Regel anhand spezifischer Items erfasst, welche sich von Studie zu Studie unterscheiden. Bozionelos (2003) entwickelte beispielsweise eine Networking-Skala auf Basis einschlägiger Literatur (z.B. Brass, 1984, 1992; Ibarra, 1993; Kram & Isabella, 1985; Lin, 1992), die instrumentelle und expressive Networking Ressourcen innerhalb der Organisation (jeweils 3 Items) misst. Instrumentelle Networking Ressourcen zielen auf Beziehungen ab, deren primäre Funktion es ist, die beruflichen Interessen der
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Betroffenen zu fördern, expressive Networking Ressourcen betreffen dagegen Beziehungen, die primär als sichere Anlaufstelle für Besorgnisse und emotionale Belange dienen. Ebenso existiert eine Networking-Skala von Wolff und Moser (2006) bestehend aus sechs Subskalen mit insgesamt 44 Items, die aus der kombinierten Messung der Facetten (a) internes versus externes Networking und (b) Aufbau versus Pflege versus Nutzung von Kontakten resultieren. Die erste Facette unterscheidet zwischen internem und externem Networking und differenziert laut den Autoren zwischen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern der eigenen Organisation, wohingegen die zweite Facette eine funktionale Gliederung in Aufbau, Pflege und Nutzung von Kontakten vornimmt, die auch in den allgemeinen Definitionen von Networking enthalten ist (z.B. Forret & Dougherty, 2001). Die Networking Behavior Scale von Forret und Doughery (2001) betrachtet insgesamt fünf Arten von Networking: Aufrechterhalten von Kontakten (5 Items), gesellschaftliches Engagement in der Organisation (7 Items), Engagement bei beruflichen Aktivitäten (8 Items), Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten außerhalb der Organisation (4 Items) und Intensivieren der „Sichtbarkeit“ in der Organisation (4 Items). Wanberg et al. (2000) konstruierten dagegen eine eher spezifische Networking-Skala mit 9 Items bezüglich der Intensität von Networking, definiert als Häufigkeit und Gründlichkeit, mit der Personen andere kontaktieren, um Informationen, Führung oder Rat im Hinblick auf Beschäftigungsaussichten und den Prozess des Arbeitssuchens zu bekommen. Die deutsche Übersetzung (Blickle et al., 2008) der Networking-Skala des Political Skill Inventory (PSI, Ferris et al., 2005) erfasst wiederum ganz allgemein das Protégé Networking anhand von 6 Items (Beispielitem der Originalskala: “I have developed a large network of colleagues and associates at work who I can call on for support when I really need to get things done“).
2.2. Berufserfolg
2.2.1 Definition
„Berufserfolg ist ein unscharfes Konstrukt mit vielfältiger Bedeutung“ (Abele, Spurk & Volmer, in press) und wird als akkumuliertes Resultat der eigenen Arbeitserfahrung angesehen, wobei sowohl tatsächliche als auch wahrgenommene Errungenschaften eine Rolle spielen (Judge, Higgins, Thorensen & Barrick, 1999). Judge, Cable, Boudreau und Bretz (1995) definieren Berufserfolg als positive psychische oder
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arbeitsbedingte Folgen oder Errungenschaften, die als Resultat der eigenen Arbeitserfahrung kumuliert wurden.
Häufig wird eine Unterscheidung zwischen objektivem und subjektivem Berufserfolg vorgenommen (vgl. Ng, Eby, Sorensen und Feldman, 2005). Huges (1937) definiert objektiven Berufserfolg als direkt beobachtbar, messbar und von einer unabhängigen dritten Partei nachprüfbar, subjektiven Berufserfolg dagegen als die Reaktionen von Individuen auf ihre wachsende Berufserfahrung. Weiterhin wird subjektiver Berufserfolg auch als die individuelle Wahrnehmung von Erfolg definiert, welcher sich in Leistung, Zukunftsperspektive, Anerkennung und Zufriedenheit widerspiegelt (Nabi, 1999). Laut Abele, Spurk und Volmer (in press) ist subjektiver Berufserfolg die Bewertung des eigenen Berufserfolgs entweder in Bezug auf eigene Standards oder in Bezug auf den Vergleich mit anderen. Somit betrifft objektiver Berufserfolg tatsächliche, subjektiver Berufserfolg dagegen nur wahrgenommene Errungenschaften, wobei bei subjektivem Berufserfolg noch zwischen selbstbezogenem subjektivem Erfolg (Zufriedenheit) und auf Andere bezogenem subjektivem Erfolg (Vergleichsurteile) unterschieden werden muss.
2.2.2 Messung
Objektiver Berufserfolg ist beobachtbar und wird daher meistens durch Parameter wie Einkommen, hierarchische Position oder Beförderungen erfasst (z.B. Forret & Dougherty, 2001; Bozionelos, 2008; Abele & Wiese, 2008; Blickle, Witzki & Schneider, 2009; Wolff & Moser, 2009; Abele & Spurk, 2009a, 2009b).
Mit der Messung von subjektivem Berufserfolg verhält es sich dagegen weniger einheitlich, überwiegend werden jedoch die Konstrukte der Arbeits- und Karrierezufriedenheit als Kriterium zugrunde gelegt (z.B. Abele & Wiese, 2008; Blickle, Witzki & Schneider, 2009; Wolff & Moser, 2009; Abele & Spurk, 2009a, 2009b). Als Messinstrumente stehen unter anderem Skalen von Gattiker und Larwood (1986), von Greenhaus, Parasuraman und Wormley (1990) oder von Weymann (2001) zur Verfügung. In Tabelle 1 wird die Erfassung von objektivem und subjektivem Berufserfolg in verschiedenen Studien zusammengefasst.
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Tabelle 1: Erfassung von objektivem und subjektivem Berufserfolg in verschiedenen Studien
2.3 Persönlichkeit
2.3.1 Definition
Der Begriff Persönlichkeit beschreibt „die einzigartigen psychologischen Eigenschaften eines Individuums, die eine Vielzahl von charakteristischen (offenen und verdeckten) Verhaltensmustern über verschiedene Situationen und den Lauf der Zeit hinweg beeinflussen“ (Zimbardo & Gerrig, 2004, S. 601).
In der Alltagspsychologie wird unter der Persönlichkeit eines Menschen ganz allgemein „die Gesamtheit aller seiner Eigenschaften (Dispositionen und Gestalteigenschaften) verstanden, in denen er sich von anderen Menschen unterscheidet“ (Asendorpf, 2007, S.5).
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Arbeit zitieren:
Simone Pfeifle, 2010, Macht Networking erfolgreich?, München, GRIN Verlag GmbH
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