Das Titelbild zeigt den Mosbacher Löwen (Panthera leo fossilis), der im Eiszeitalter vor etwa 700.000 bis vor 300.000 Jahren in Europa lebte. Diese Raubkatze ist nach dem ehemaligen Dorf Mosbach zwischen Wiesbaden und Biebrich in Hessen benannt, wo zahlreiche fossile Reste von Tieren aus dem Eiszeitalter entdeckt wurden. Der Mosbacher Löwe erreichte mit einer Gesamtlänge von maximal 3,60 Metern nicht ganz die imposanten Maße des Amerikanischen Höhlenlöwen (Panthera leo atrox), der vor ungefähr 100.000 bis 10.000 Jahren in Amerika existierte. Aus dem Mosbacher Löwen ging vor rund 300.000 Jahren der Europäische Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea) hervor. Zeichnung von Shuhei Tamura, Kanagawa, Japan
Inhalt
Dank
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Vorwort
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L öwenfunde
in Deutschland
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L öwenfunde
in Österreich
73
L öwenfunde
in der Schweiz
89
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Eiszeitliche Raubkatzen Seite 95 Der Mosbacher Löwe 96 Der Europäische Höhlenlöwe 99 Der Europäische Jaguar 101 Die Säbelzahnkatze 103 Der Leopard 111
Dank
Für Hilfe bei der Entstehung dieses Taschenbuches danke ich: Dr. Alain Argant, Institut Dolomieu, Grenoble Michel Blant,
Institut suisse de spéléologie et de karstologie (ISSKA), La Chaux-de-Fonds Dr. Robert Darga, Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf Dr. Cajus G. Diedrich, Paläontologe, PalaeoLogic, Halle/Westfalen Thomas Engel,
geologischer Präparator, Naturhistorisches Museum Mainz / Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz Fritz Geller-Grimm, Kurator, Museum Wiesbaden Ulrich H. J. Heidtke, Niederkirchen (Pfalz) Prof. Dr. Helmut Hemmer, Mainz Dr. Brigitte Hilpert, Geozentrum Nordbayern, Fachgruppe PaläoUmwelt, Erlangen Markus Höneisen, Kanton Schaffhausen, Kantonsarchäologie
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Dr. rer. nat. habil. Ralf-Dietrich Kahlke, Leiter der Forschungsstation für Quartärpaläontologie der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, Weimar Dr. Thomas Keller, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Archäologische und Paläontologische Denkmalpflege, Wiesbaden
Dr. Peter Lanser, LWL-Museum für Naturkunde, Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium, Münster Prof. Dr. Dietrich Mania, Jena Dr. Lutz Maus,
Forschungsstation für Quartärpaläontologie der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, Weimar ao. Prof. Dr. Mag. Doris Nagel, Universität Wien, Institut für Paläontologie o. Univ.Prof. Mag. Dr. Gernot Rabeder, Institut für Paläontologie,Universität Wien Thomas Rathgeber,
Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Klaus Reis, Deidesheim Dr. Wilfried Rosendahl, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Georg Sack,
Leiter des Heimatmuseums Biebrich, Wiesbaden
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Dr. Oliver Sandrock, Paläontologe Hessisches Landesmuseum Darmstadt Dr. Ulrich Schmölcke, Zoologisches Institut Haustierkunde, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Dieter Schreiber, Dipl.-Geologe,
Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe Marion Schütz, Geschäftsstellenleiterin, Homo heidelbergensis von Mauer e. V., Mauer bei Heidelberg Shuhei Tamura, Kanagawa, Japan Silvan Thüring, Naturmuseum Solothurn Martin Walders,
Museum für Ur- und Ortsgeschichte (Quadrat Bottrop) Kurt Wehrberger, stellvertretender Direktor, Ulmer Museum, Archäologische Sammlung, Ulm Dr. Stefan Wenzel, Forschungsbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Mayen
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VORWORT Mosbacher Löwe
und Europäischer Höhlenlöwe
Löwenfunde in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen im Mittelpunkt des gleichnamigen Taschenbuches des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst. Allein in Deutsch-land kennt man mehr als 100 Fundstätten, an denen man fossile Reste von zwei verschiedenen Löwenformen aus dem Eiszeitalter (Pleistozän) barg. Die geologisch ältere und größere dieser beiden Raubkatzen ist der riesige Mosbacher Löwe (Pan- theraleo fossilis). Er wurde nach etwa 600.000 Jahre alten Funden aus dem ehemaligen Dorf Mosbach bei Wiesbaden in Hessen benannt. Dieser Mosbacher Löwe gilt mit einer Gesamtlänge von bis zu 3,60 Metern als der größte Löwe aller Zeiten in Deutschland und Europa. Seine Kopfrumpflänge betrug etwa 2,40 Meter, sein Schwanz maß weitere 1,20 Meter. Von dieser imposanten Raubkatze stammt der Europäische Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea) ab, der im Eiszeitalter vor etwa 300.000 bis 10.000 Jahren in Europa lebte. Letzterer wurde nach einem Fund aus der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Mug-gendorf in der Fränkischen Schweiz (Bayern) erstmals wissenschaftlich beschrieben. Insgesamt kamen dort Reste von mehr als 25 Höhlenlöwen zum Vorschein. Nirgendwo auf der Welt fand man noch mehr Knochen und Zähne von Höhlenlöwen als dort. Ernst Probst erwähnt in seinem Taschenbuch auch Funde von Säbelzahnkatzen, Jaguaren, Leoparden und Geparden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
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Ehemalige Dörfer Mosbach und Biebrich bei Wiesbaden auf
einem Plan von 1819
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Wilhelm von Reichenau (1847-1925) beschrieb 1906 den Mosbacher Löwen (Panthera leo fossilis). Ihm hatten Funde aus Museen in Mainz (linker Unterkieferast und eine Elle aus Mosbach), Wiesbaden (eine Elle aus Mosbach), Darmstadt (linker Unterkieferast aus Mosbach) und Frankfurt am Main (rechter Unterkieferast aus Mosbach) sowie aus der Universität Heidelberg (linker Unterkieferast und ein rechter Oberkiefer-Reißzahn aus Mauer bei Heidelberg) vorgelegen. Diese Funde verglich er mit Resten von Höhlenlöwen aus Steeden an der Lahn sowie von heutigen Löwen und Tigern.
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Funde vom Mosbacher Löwen aus den Mosbach-Sanden von Wiesbaden im Naturhistorischen Museum Mainz / Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz: 20 Zentimeter langer Unterkiefer (oben) und 11,5 Zentimeter langer Eckzahn (unten)
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Löwenfunde in Deutschland
Funde vom Mosbacher Löwen (Panthera leo fossilis): Hessen
Mosbach-Sande von Mosbach im Stadtkreis Wiesbaden: Nach Funden von dort und aus den Mauerer Sanden von Mauer bei Heidelberg ist 1906 der vor etwa 600.000 Jahren lebende Mosbacher Löwe (Panthera leo fossilis) von Wilhelm von Reichenau (1847-1925) beschrieben worden. Von diesem riesigen Löwen stammt der Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea) ab. Reste von Mosbacher Löwen aus den Mosbach-Sanden werden im Naturhistorischen Museum Mainz, in der Universität Mainz und im Museum Wiesbaden aufbewahrt. Auf der Inventarliste des Naturhistorischen Museums Mainz sind etwa 35 Fundstücke vom Mosbacher Löwen erwähnt (einzelne Zähne, Unterkiefer, Knochen des Arm- und Beinskelettes). Ein Eckzahn (Fangzahn) ist 11,5 Zentimeter lang. Aus einem im Natur-historischen Museum Mainz aufbewahrten Unterkieferast des Mosbacher Löwen ragt der Eckzahn fünf Zentimeter aus dem Kieferknochen. Im Museum Wiesbaden liegen ein 1904 in einer Sandgrube von Wiesbaden (Waldstraße) geborgener Eckzahn vom Mosbach-Löwen und ein weiterer aus einer Sandgrube in der Gegend von Hochheim am Main. Baden-Württemberg
Mauerer Sande von Mauer bei Heidelberg: Löwenreste aus Mauer lagen schon 1906 bei der ersten Beschreibung des Mosbacher Löwen vor. Ein etwa 43 Zentimeter langer Oberschädel eines Mosbacher Löwen vom Fundort des etwa 630.000 Jahre alten Unterkiefers des Heidelberg-Menschen (Homo
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Aufschluss der Mosbach-Sande in Wiesbaden (Hessen) im Jahre 2008. In den Mosbach-Sanden wurden zahlreiche fossile Reste von Tieren aus dem Eiszeitalter gefunden.
Das Dorf Mosbach bei Wiesbaden auf einem Bild von 1815
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Etwa 43 Zentimeter langer Oberschädel eines Mosbacher Löwen aus Mauer bei Heidelberg. Original im Urgeschichtlichen Museum der Gemeinde Mauer
Lebensbild des Mosbacher Löwen (Panthera leo fossilis)
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Der Geologe, Paläontologe und Prähistoriker Dietrich Mania entdeckte 1969 die berühmte Fundstelle Bilzingsleben. Dort kamen vor allem Fossilien von Frühmenschen zum Vorschein, aber auch Reste von Löwen.
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erectus heidelbergensis oder Homo heidelbergensis) wird im Urgeschichtlichen Museum der Gemeinde Mauer aufbewahrt. Nordrhein-Westfalen
Dechenhöhle im Stadtteil Grüne von Iserlohn (Märkischer Kreis) im Sauerland: In der nach dem Bonner Geologen und Bergmann Ernst Heinrich Carl von Dechen (1800-1889) benannten Höhle kamen auch der Oberkiefer und Skelettreste eines Löwen zum Vorschein, die aus dem „Altpleistozän“ stammen sollen. Doch die Datierung dieses Fundes ist unsicher. Der Berliner Paläontologe Wilhelm Otto Dietrich (1881-1964) hat diesen Fund als neue Unterart namens Panthera leo brachygnathus beschrieben. Seine Aufsatz hierüber erschien 1968einige Jahre nach seinem Tod. In der Dechenhöhle wurden 1994 bei der Bergung eines Schädels vom Waldnashorn (Dicerorhinus kirchbergensis) - vermutlich aus der Holstein-Warmzeit (etwa 330.000 bis 300.000 Jahre) - ein Eckzahnfragment und der dritte linke Mittelfußknochen eines Löwen gefunden. Alain Argant, Jacqueline Argant, Marcel Jeannet (Frankreich) und Margarita Erbajeva (Russland) erwähnten die Dechenhöhle 2007 als Fund-ort des Mosbacher Löwen. Die Dechenhöhle gilt als eine der schönsten und meistbesuchten Schauhöhlen Deutschlands. Sie wurde 1868 von zwei Eisenbahnarbeitern entdeckt, denen ein Hammer in einen Felsspalt gefallen war, der sich als Zugang zu einer Tropfsteinhöhle entpuppte. Bereits im Entdeckungsjahr diente sie als Schauhöhle. Neben der Höhle befindet sich seit 2006 das Deutsche Höhlenmuseum. Thüringen
Bilzingsleben am Rand des Wippertals (Kreis Artern), weltberühmter Fundort zahlreicher Fossilien des Frühmenschen Homo
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Lager von Frühmenschen im Eiszeitalter vor etwa 370.000 Jahren bei Bilzingsleben (Kreis Artern) in Thüringen. Zu ihren Beutetieren gehörte auch der Löwe.
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erectus bilzingslebenensis aus der Zeit vor etwa 370.000 Jahren: Die Fundstelle Bilzingsleben wurde im August 1969 von dem damals 31-jährigen Aspiranten Dietrich Mania vom Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Halle/Saale entdeckt. Als er auf der Sohle des westlichsten Travertinsteinbruches von Bilzingsleben grub, um für seine Habilitationsarbeit über die Klimaentwicklung des Eiszeitalters einige Molluskenproben entnehmen zu können, stieß er nach Wegräumen von etwa drei Meter Gesteinsschutt auf eine Schicht voller Mollusken und einen Spatenstich tiefer auf den Fußwurzelknochen eines Elefanten und Abfallsplitter aus Feuerstein, wie sie bei der Werkzeugherstellung durch Frühmenschen entstehen. Bei Ausgrabungen von Dietrich Mania im ehemaligen Steinbruch „Steinrinne“ entdeckte man unter anderem Jagdbeutereste bzw. Speiseabfälle von Frühmenschen, zu denen auch Reste von Löwen gehören. Bei den Löwenresten handelt es sich um zwei Oberkieferfragmente erwachsener Tiere, einige Milcheckzähne junger Tiere sowie Skelettfragmente erwachsener Löwen. Volker Töpfer bezeichnete die Fossilien als Reste von Höhlenlöwen. Alain Argant, Jacqueline Argant, Marcel Jeannet (Frankreich) und Margarita Erbajeva (Russland) dagegen erwähnten Bilzingsleben 2007 als Fundort des Mosbacher Löwen. Weimar-Süßenborn: In den Kieslagern von Weimar-Süßenborn sind zahlreiche Reste von Säugetieren - wie Elefanten, Nashörner, Hirsche, Wildpferde, Raubtiere - aus dem Eiszeitalter gefunden worden. Bei den Kiesen handelt es sich um Ablagerungen der Ilm, die nach Angaben des Weimarer Paläontologen Lutz Maus etwas älter als 600.000 Jahre sind. Alain Argant, Jacqueline Argant, Marcel Jeannet (Frankreich) und Margarita Erbajeva (Russland) erwähnten Süßenborn 2007 als Fundort des Mosbacher Löwen und des Europäischen Jaguars (Panthera onca gombaszoegensis).
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Der Arzt und Naturforscher Georg August Goldfuß (1782-1848) beschrieb 1810 den Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea) an-hand eines Schädelfundes aus der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Muggendorf in der Fränkischen Schweiz.
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Funde vom Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea): Baden-Württemberg
Aufhausener Höhle bei Geislingen an der Steige (Kreis Aalen) auf der Schwäbischen Alb: Aus der Aufhausener Höhle sind Fossilien vom Fellnashorn, von der Höhlenhyäne, vom Höhlenlöwen, Mammut und von anderen eiszeitlichen Tieren bekannt.
Bärenhöhle bei Sonnenbühl-Erpfingen (Kreis Reutlingen) auf der Schwäbischen Alb: 1834 wurde die Karlshöhle entdeckt, 1949 stieß man auf die Verbindung zur Bärenhöhle. Die Karlshöhle gilt als die erste Höhle auf der Schwäbischen Alb, in der Reste von Höhlenbären gefunden wurden. 1949/1950 hat man in der Bärenhöhle den Oberarmknochen eines erwachsenen Höhlenlöwen geborgen.
Bocksteinschmiede im Lonetal bei Rammingen (Alb-Donau-Kreis): Zum Fundgut der Bocksteinschmiede, dem Vorplatz der Höhle Bocksteinloch, gehören einige Zähne und postkraniale Skelettreste, vor allem Fingerknochen (Phalangen) vom Höhlenlöwen. Als postkranial werden alle Skelettteile unterhalb des Schädels bezeichnet. Die Funde von der Bocksteinschmiede werden in der Archäologischen Sammlung des Ulmer Museums aufbewahrt. Der Name Bocksteinschmiede beruht darauf, dass dort eine Steinschlägerwerkstätte nachgewiesen wurde. Brühl (Rhein-Neckar-Kreis): In einer Kiesgrube des Rheintals in der Gemarkung Edingen bei Brühl unweit von Mannheim wurden am 27. September 1979 in etwa 18 Meter Tiefe Fragmente eines großen Höhlenlöwen-Schädels entdeckt. Diese Fragmente stammen aus einer lehmig-tonigen Lage, bei der es sich vermutlich um eine Flussablagerung aus dem Ober-
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pleistozän handelt. Der Originalfund wird im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart aufbewahrt. In der Ausstellung rund um den „Löwenmenschen“ aus der Höhle Hohlenstein-Stadel im Ulmer Museum ist eine Kopie des teilweise rekonstruierten Höhlenlöwen-Schädels zu sehen. Für die Rekonstruktion wurde unter anderem ein bezahnter Oberkiefer aus einer anderen Kiesgrube bei Brühl verwendet. In der Gegend von Brühl sind bereits fünf Kiesgruben bekannt, die Löwenreste geliefert haben.
Göpfelsteinhöhle bei Veringenstadt (Kreis Sigmaringen): In dieser Höhle wurden Reste zahlreicher Raubtiere (Höhlenhyäne, Höhlenbär, Wolf, Vielfraß, Steppeniltis, Höhlenlöwe) und Pflanzenfresser (Wildpferd, Fellnashorn, Rentier, Mammut, Steppenbison, Riesenhirsch, Steinbock) entdeckt. Große Grotte im Blautal bei Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis): Zum Fundgut dieser Grotte gehören neben vielen Resten von Höhlenbären auch drei Fossilien vom Höhlenlöwen. Gutenberg-Höhle bei Lenningen im Ortsteil Gutenberg (Kreis Esslingen) auf der Schwäbischen Alb: Die Gutenberg-Höhle wurde 1888/1889 bei Grabungen in ihrer Eingangshalle, dem so genannten Heppenloch, entdeckt. Der Name der Gutenberg-Höhle erinnert an den Wirkungsort von Pfarrer Karl Gußmann (1853-1928) aus Gutenberg, der Vorstand des im August 1889 gegründeten „Schwäbischen Höhlenvereins“ war. Zur so genannten „Heppenloch-Fauna“ gehören Höhlenbär, Braunbär, Höhlenlöwe, Wildpferd, Steppennashorn, Wildschwein, Rothirsch, Damhirsch, Reh und Affe. Alain Argant, Jacqueline Argant, Marcel Jeannet (Frankreich) und Margarita Erbajeva (Russland) erwähnten das Heppenloch 2007 als Fundort des Mosbacher Löwen.
Heitersheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald): 1922 wurde
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in den „Mitteilungen des Grossherzogtums der Badenischen Geologischen Landesanstalt“ ein Höhlenlöwenfossil aus dem Löss von Heitersheim bekannt gemacht. Hohlenstein-Stadel im Lonetal bei Asselfingen (Alb-Donau-Kreis): In Schichten aus dem Mittelpaläolithikum (etwa 125.000 bis 35.000 Jahre) und dem Jungpaläolithikum (ungefähr 35.000 bis 10.000 Jahre) des Hohlenstein-Stadel befanden sich Zähne und postkraniale Skelettreste vom Höhlenlöwen. Diese Funde werden in der Archäologischen Sammlung des Ulmer Museums aufbewahrt. In diesem Museum ist auch die vor etwa 32.000 Jahren aus Mammutelfenbein geschnitzte Figur des so genannten „Löwenmenschen“ aus dem Hohlenstein-Stadel zu bewundern.
Huttenheim, ein Stadtteil von Philippsburg im Kreis Karlsruhe: In einer Kiesgrube im Rheintal bei Huttenheim kam am 5. Juni 1973 das Teilskelett eines Höhlenlöwen zum Vorschein. Es gilt als einer der besten Skelettfunde von Panthera leo spelaea in Deutschland. Insgesamt sind 36 Knochen aus allen Körperregionen vorhanden. Der Oberschädel dieses Höhlenlöwen ist 36,7 Zentimeter lang. Das Teilskelett aus der Gegend von Huttenheim wird im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart aufbewahrt.
Kogelstein bei Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis): In der Gegend der kleinen Höhle am Kogelstein konkurrierten in der Würm-Eiszeit vor etwa 50.000 Jahren Neandertaler mit Hyänen und anderen Raubtieren um Jagdbeute. Herdentiere wie Rentier, Wildpferd oder Mammut mussten auf dem Weg zur Tränke am Schmiechener See eine Engstelle beim Kogelstein passieren. Vom Fundort Kogelstein soll der Speichenknochen eines Höhlenlöwen stammen. Dieses Fossil könnte aber auch von einem anderen Fundort stammen.
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Rekonstruktion des Steinheim-Menschen (Homo steinheimensis): Dabei handelt es sich um eine Frau, deren etwa 300.000 Jahre alter Schädel 1933 in Steinheim an der Murr entdeckt wurde.
Steinheim an der Murr (Kreis Ludwigsburg): Im Tal zwischen Steinheim und dem Fluss Murr hat man lange Zeit fossilreiche Kiese und Sande abgebaut, die im Eiszeitalter von Murr und Bottwar abgelagert worden sind. Als erster aufsehenerregender Fund kam dort im Sommer 1910 das fast vollständige Skelett eines Steppenelefanten zum Vorschein. Weltweit bekannt wurde Steinheim durch den am 24. Juli 1933 entdeckten etwa 300.000 Jahre alten Schädel des Steinheim-Menschen (Homo steinheimensis). Die Löwenreste aus dem unteren und oberen Teil der Schotter von Steinheim an der Murr könnten von frü-
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hen Höhlenlöwen oder deren Vorgängern stammen. Nach Auskunft von Thomas Rathgeber vom Staatlichen Museum für Na-turkunde Stuttgart handelt es sich bei den Löwenresten aus Steinheim an der Murr um „ein Schädelfragment, zwei Unterkieferäste (darunter das im Urmensch-Museum in Steinheim präsentierte Schaustück), einzelne Eckzähne, wenige Langknochenfragmente, wenige Reste des distalen Extremitäten-Skeletts“. Diese Löwenreste wurden im Gebiet der Kiesgruben von Steinheim an der Murr vor allem in den 1920-er und 1930-er Jahren gefunden, weitere in den 1950-er Jahren. Stuttgart-Bad Cannstatt: Der erste Fund von Löwenresten in Württemberg glückte im Jahre 1700 bei der von Herzog Eberhard Ludwig (1676-1733) befohlenen Mammutgrabung in Cannstatt nahe der Uffkirche. Dabei handelte es sich um einige Zähne und zwei Zehenglieder vom Höhlenlöwen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen einige Löwenfossilien vom Seelberg in Cannstatt dazu. Letztere wurden von Georg Friedrich von Jäger (1785-1866) in seinem Werk über die fossilen Säugetiere Württembergs abgebildet.
Stuttgart-Untertürkheim: Im Travertin-Steinbruch Biedermann in Stuttgart-Untertürkheim kamen zahlreiche Knochenreste von Höhlenlöwen aus der Eem-Warmzeit (etwa 127.000 bis 115.000 Jahre) zum Vorschein.
Im Dezember 1928 und im Januar 1929 wurden in der „Steppennagerschicht“ Skelettteile vom Höhlenlöwen geborgen. Weitere Reste vom Höhlenlöwen übergab der Steinbruchbesitzer Hermann Biedermann (1901-1964) am 22. Mai 1929 dem Stuttgarter Museum. An diesen Knochen sind keine Bissspuren von Höhlenhyänen zu erkennen. Sie stammen also nicht vom Hyänenfressplatz aus der „Steppennagerschicht“ von Stuttgart-Untertürkheim.
1929 wurde im Unteren Travertin des Steinbruches Biedermann der „Baumstammschlot S1“ entdeckt. Er hatte eine Höhe von
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etwa 1,50 Metern und einen Durchmesser im oberen Bereich von etwa 0,65 Meter. Unter dem Stamm, etlichen Zweigen, Blättern und Wurzeln befand sich ein großer, waagrechter Hohlraum mit Flussgeröllen sowie mit Tierresten. Die Tierknochen stammen von Amphibien (Erdkröte, Wasserfrosch), Reptilien (Eidechse, Ringelnatter), Vögeln (Gans), Säugetieren (Igel, Maulwurf, Hase, Feldmaus, Erdmaus, Rothirsch, Nashorn, Höhlenlöwe). Vom Höhlenlöwen sind Teile des Schädels, des Unterkiefers, Zähne und ein Schwanzwirbel erhalten geblieben. Es handelte sich um ein Jungtier mit einem Alter von ein bis zwei Monaten, bei dem noch nicht alle Milchzähne durchgebrochen waren. Werkzeuge mit Schlagspuren und ein Rothirsch-Unterkieferbruchstück mit Schnittspuren belegen menschliche Aktivitäten in der Umgebung von „Baumstammschlot S1“.
1930 stieß man in der Nordwestwand des Travertinsteinbruches Biedermann auf den „Baumstammschlot S2“. Er enthielt neben Resten vom Riesenhirsch, Reh, Rothirsch, Auerochsen oder Wisent auch Teile des Beckens und ein Fersenbein von einem Höhlenlöwen. Schnittspuren an einem Fersenbein vom Riesenhirsch verraten, dass Menschen zumindest in der Nähe waren. Unklar ist, ob der Großteil der Knochen größerer Säugetiere durch Menschen oder Tiere in den Baumstamm-Hohlraum gebracht wurden.
Eine Neuinventarisation der Löwenfossilien aus Stuttgart-Untertürkheim in den Jahren 1994 und 1995 im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart erfasste 53 Positionen. Entdecker dieser Höhlenlöwenreste waren der Steinbruchbesitzer Hermann Biedermann und der Stuttgarter Paläontologe Fritz Berckhemer (1890-1954).
Stuttgart-Zuffenhausen: Der Stuttgarter Paläontologe Fritz Berckhemer erwähnte 1927 unveröffentlichte württembergische Löwenfunde aus den Sanden von Renningen und Neckarems sowie aus dem Löss von Zuffenhausen.
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Ernst Probst, 2011, Löwenfunde in Deutschland, Österreich und der Schweiz, München, GRIN Verlag GmbH
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