INHALT
1. Arbeit als Kulturthema 2
2. Historisch- philosophische Grundlagen 4
2.1. Arbeit - philosophisch gesehen. 4
2.2. Zum Arbeitsbegriff in der Antike 5
2.3. Zum Arbeitsbegriff im Mittelalter. 6
2.4. Zum Arbeitsbegriff in der Neuzeit 7
2.5. Zum Arbeitsbegriff im 19. und 20. Jahrhundert 10
3. Philosophische Aspekte der Arbeit in der modernen Gesellschaft 11
3.1. Die Hinfälligkeit des Körpers. 11
3.1.1. Die digitale Bohème - der klassische Arbeiter verliert an Bedeutung 12
3.2. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verwischt. 16
3.2.1. Googleplex - Der goldene Käfig. 17
4. Fazit. 19
5.Literaturangaben 20
5.1. Sekundärliteratur. 20
5.3. Internetrecherche. 21
6. Anlagenverzeichnis 24
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1. ARBEIT ALS KULTURTHEMA
Zuallererst stellt sich die Frage nach der Legitimation des Themas Arbeit für die vorliegenden Arbeit und die Interkulturellen Germanistik per se. Wierlacher selbst schreibt:
„Besonders geeignet für eine interkulturelle Germanistik sind jene Kulturthemen,
die in den öffentlichen Diskursen zugleich auf universelle Probleme verweisen, in
der interkulturellen Fremderfahrung konstitutive Bedeutung haben und weltweit Anknüpfungsmöglichkeiten bieten.“ 1
Weiterhin nennt er dafür Beispiele: das Verhältnis von Eigenem und Fremdem, den Lebensunterhalt, die Toleranz, die Arbeit, das Wohnen, das Essen, die Gesundheit, die Religion sowie die Bedeutung der Höflichkeit und der menschlichen Stimme. Das heißt Wierlacher selbst nennt Arbeit als Thema, um genau zu sein als Kulturthema, mit dem sich die Interkulturelle Germanistik optional beschäftigen kann. Des Weiteren ist die Definition, nach Wierlacher, von Kulturthemen zu erwähnen:
Als ‚Kulturthema’ bezeichnet das Institut [IIK Bayreuth] im Anschluss an die
interkulturelle Germanistik ein Thema, das im öffentlichen Selbst-‐ und
Weltverständnis einer oder mehrerer Kulturen zu einem bestimmten Zeitpunkt
besondere Bedeutung gewinnt. Kulturthemen können sich entwickeln, weil
Kulturen begrenzte Themenhaushalte besitzen, die aufgrund ihrer
geschichtlichen Entwicklung und unterschiedlichen Wirklichkeitskonzepte zu
verschiedenen Zeiten unterschiedliche kulturelle und universalistische
Lebensfragen und -‐bereiche ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit rücken, ihre
Gegenthemen haben und erst in dieser Spannung - zum Beispiel des Fremden und des Eigenen - wirksam werden. 2
Nach modernen Vorstellungen ist Arbeit ein basaler Bestandteil - und ein auf mehreren Ebenen und unter verschiedenen Aspekten zu betrachtendes Thema -
1 Wierlacher, Alois und Andrea Bogner (Hg.): Handbuch interkulturelle Germanistik. Stuttgart: Metzler 2003. S. 14.
2 Wierlacher, Alois: Interkulturelle Germanistik. In: Wierlacher, Alois (Hg.): Kulturthema Kommunikation. Konzepte Inhalte Funktionen. Möhnesee: Résidence 2000. S. 77.
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menschlichen Lebens. 3 Zum Beispiel ist Arbeit wichtig für gesellschaftliche Integration, da sie innergesellschaftliche Grenzen zwischen der arbeitenden Bevölkerung und Arbeitslosen zieht. Wer nun auf längere Sicht einen Verlust des Arbeitsplatzes zu verzeichnen hat, läuft Gefahr, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden oder ganz aus ihr herauszufallen. Beim Verlust der Arbeit schwingt demnach nicht nur eine ökonomische Komponente mit, sondern er wird begleitet vom Zerfallen eines zwischenmenschlichen Beziehungsnetzes, welches jenseits der Familie liegt und ebenso für außerfamiliäre soziale Anerkennung sorgt. Außerdem bedeutet ein Wegfall der Berufstätigkeit eine raumzeitliche Umstrukturierung des alltäglichen Lebens. So kann dieser Wegfall zu psychischen Beeinträchtigungen führen, die es dem Arbeitslosen erschweren, wieder den Weg in die Arbeit zu finden.
Diese Arbeit beschäftigt sich jedoch nicht mit der Thematik Arbeitslosigkeit, sondern will Arbeit anhand zweier Thesen unter philosophischen Aspekten betrachten. Diese beiden Thesen lauten:
1. Der klassische Arbeiter verliert an Bedeutung. 4 2. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verwischt.
Dass diese Thesen nicht direkt zusammenhängen, ist klar, da sie einerseits aufgrund ihrer Differenz ausgewählt wurden, um eine Untersuchungsvielfalt, durch mindestens zwei Aspekte, zu erhalten, sie aber andererseits doch zusammenhängen, da der zweite Punkt auch als ein Unterpunkt interpretiert werden kann. Vorher jedoch soll ein historisch-‐philosophischer Abriss über Arbeit gegeben werden.
3 Dahingehend erhebt die vorliegende Arbeit nicht den Anspruch der Vollständigkeit, da dies jeglichen Rahmen sprengen würde, sondern setzt den Fokus auf philosophische Betrachtungen des Themas Arbeit.
4 „Der klassische Arbeiter“ meint den physisch arbeitenden Menschen.
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2. HISTORISCH-‐PHILOSOPHISCHE GRUNDLAGEN
2.1. ARBEIT - PHILOSOPHISCH GESEHEN
Philosophisch betrachtet, gehört Arbeit ganz grundsätzlich zum menschlichen Handeln. Handeln ist, nach dem Wörterbuch philosophischer Grundbegriffe, ein „jedes Sichbetätigen des Menschen, an dem sein Organismus beteiligt ist und für das er sich verantwortlich fühlt“. 5 Handeln ist eine praktische Tätigkeit, die mit dem Menschen zugehörigen zentralen Werkzeugen, - physisch gesehen - der menschlichen Hand und - psychisch gesehen - dem menschlichen Geist, in Kombination ausgeführt wird. Sobald sich eine Handlung auf die Außenwelt richtet, definiert die Philosophie sie als Arbeit. 6 Dem voraus geht die Vorstellung, dass man mit der geplanten Tätigkeit etwas Nützliches schaffen kann. Etwas Nützliches, welches nicht nur der eigenen Person, sondern der Gesellschaft zugutekommt. 7 „Die Arbeitskompetenz ist ein intellektuelles Moment“, das heißt, „[d]er Weg zur Ausführung der Arbeit geht über die Fähigkeit dazu“. 8 Die Arbeitsmotivation ist der Grund für die Ausführung der Arbeit. 9 Es kann nun konstatiert werden, dass Arbeit - philosophisch gesehen - als Grundgeschehen menschlichen Daseins betrachtet werden kann (, welches nicht nur zur Einkommenssicherung abgetan werden kann). Nun ist diese Einschätzung bei weitem keine lapidare Beobachtung, untersucht man dahingehend gegenwärtige Entwicklungen, welche den Wahrheitsgehalt dieser Beobachtung offenlegen: beispielsweise „durch den Wunsch nach einer Arbeit, mit der man sich identifizieren kann (deutlich an zahlreichen Existenzgründungen)“ 10 oder auch durch die Aufhebung der Trennung von Berufs-‐, Familien-‐ und Freizeitleben, wobei Freizeit auch als Teilbereich des Familienlebens gesehen werden kann. Es kann von zu Hause aus gearbeitet werden, durch moderne Kommunikationstechnik, und Einrichtungen, wie den Googleplex von der Firma Google - auf den später noch näher eingegangen wird. Dieser bietet zudem ein
5 Hoffmeister, Johannes (Hg.): Wörterbuch philosophischer Grundbegriffe. Hamburg: Meixner 1955. S. 287.
6 Meyer, Ursula I.: Der philosophische Blick auf die Arbeit. Aachen: Ein-Fach-Verlag 2003. S. 19.
7 Ebd.
8 Ebd. S. 20.
9 Ebd.
10 Ebd. S. 26.
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großes Freizeitangebot direkt am Arbeitsplatz. 11 Demnach kann Arbeit also nicht nur von der Philosophie als fundamentales menschliches Tun definiert werden. 12 Außerdem ist bei der Untersuchung des Arbeitsbegriffes zu beachten, dass dieser im Laufe der Zeit einige Veränderungen durchlaufen hat. 2.2. ZUM ARBEITSBEGRIFF IN DER ANTIKE
Arbeit, die keine Spuren hinterließ, wurde im klassischen Altertum, das heißt von Aristoteles, noch verachtet, denn die alten Griechen bezogen den Arbeitsbegriff nur auf die Tätigkeiten, die von Sklaven, Kindern und Frauen in den Haushalten, demnach im privaten Raum, stattfanden. Deutlich unterschied man, auch sprachlich, das Werken, weil es Dinge von Bestand hinterließ. „Unter dem Druck der steigenden Ansprüche, die das Leben in der Polis an die Zeit und Kraft ihrer Bürger stellte, griff die Verachtung aller Tätigkeiten, die nicht direkt der Politik galten, um sich und mit ihr die Forderung, sich ihrer zu enthalten.“ 13 Erst mit dem Wandel in der Philosophie und mit Cicero entwickelte sich die Beurteilung der Arbeit, die sich nun nach der Motivation des Tätigen richtete. Das heißt, dass das Tätigsein nur dann geachtet wurde, wenn es der Öffentlichkeit gewidmet war und nicht, wenn es im Privaten verschwendet wurde. Hannah Arendt schreibt dazu:
„Mit dem Aufkommen der politischen Theorien der Philosophie verschwanden
die Unterschiede. Hatten die Differenzierungen bis dahin, zumindest noch
zwischen Tätigkeiten unterschieden, wurden vom Standpunkt der Kontemplation
alle Tätigkeiten zu einem Tätigsein nivelliert. Damit wurden alle Tätigkeiten, auch
das durch die cura rei publicae inspirierte Handeln, auf das Niveau der
Notwendigkeit reduziert. Die cura rei publicae, die den Generalnenner und das
Kriterium für alle der Vita activa zugeordneten Tätigkeiten bedeutete,
unterschied nur noch zwischen der Kontemplation und dem Tätigsein. Diese
Unterscheidung wurde später vom Christentum lediglich übernommen und
raffinierter ausgestaltet, weil ja Religion für alle, Philosophie aber immer nur für
11 http://de.wikipedia.org/wiki/Googleplex
12 Meyer, Ursula I.: Der philosophische Blick auf die Arbeit. Aachen: Ein-Fach-Verlag 2003. S. 26.
13 Nüchter, Norbert: Über die Bedeutung der Arbeit für das menschliche Leben. Marburg: Tectum 2009. S. 32.
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wenige gemeint war. Dadurch hat das Christentum dieser Grundunterscheidung eine allgemeine Geltung verschafft.“ 14
Das heißt die spätantiken Philosophenschulen, wie der Kynismus und der Stoizismus, erkannten die hierarchische Ordnung der menschlichen Tätigkeiten nicht mehr an und sprachen der Arbeit, selbst in ihrer widrigen Form als Mühsal und Not, ein Wert als Tugendmittel zu. 15 Passenderweise ist das Leben des Marcus Tullius Cicero ein Beispiel dafür, da er es schaffte jeweils kürzester Zeit die Ämterlaufbahn bis zum Consul zu durchlaufen, obwohl er nicht aus einer Senatsfamilie stammte. 16 Auch Kaiser Augustus nutzte die Arbeit für sich und zwar als Mittel zur Loyalität und Staatsordnung, indem er ein ständig unter Waffen stehendes Heer bezahlte, welches sich seinem Befehl verpflichten musste und für die Sicherung seiner Macht sorgte. 17 Demnach bedeutete die Arbeit im Heer Aufstiegsmöglichkeiten darin. Hierin liegt auch eine soziale Belohnung. Festzuhalten ist, dass der Arbeit in der Antike eine gewisse Verachtung widerfuhr und erst in der Spätantike ihr eine gewisse Tugend zugesprochen wird. Dieser Betrachtungswechsel des Arbeitsbegriffes im Altertum, der sich auch im Römischen Reich fortsetze, scheint zuerst paradox, doch es war die Philosophie, die den Terminus Arbeit nachhaltig beeinflusste, indem sie dafür sorgte, dass Arbeit gesellschaftliche Anerkennung zukam und zur allgemeinen Tugend erhoben wurde. 2.3. ZUM ARBEITSBEGRIFF IM MITTELALTER
Mit dem Aufkommen des Christentums und der sich ausbreitenden Christianisierung wandelte sich auch die Vorstellung von Arbeit, denn das Christentum gilt als die „Religion der Arbeit“, da Gott die Menschen gern arbeiten sieht und die Arbeit heiligt. So heißt es zum Beispiel in der Bibel: „Auch wer sich lässig zeigt in seiner Arbeit, ist
14 Arendt, Hannah: Vita activa oder Vom tätigen Leben. München: Piper 1971. S. 103. Zitiert nach Nüchter, Norbert: Über die Bedeutung der Arbeit für das menschliche Leben. Marburg: Tectum 2009. S. 34.
15 Vgl. Nüchter, Norbert: Über die Bedeutung der Arbeit für das menschliche Leben. Marburg: Tectum 2009. S. 35.
16 Vgl. ebd. S. 46.
17 Vgl. ebd.
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Arbeit zitieren:
Katharina Ströhl, 2011, Philosophische Betrachtungen zum Thema "Arbeit", München, GRIN Verlag GmbH
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