1. Allgemeine Informationen zur globalen Wasserkrise
1.1. Wasservorkommen und -nutzung
Sieht man sich die Erde auf einem Satellitenbild an so erweckt es den Anschein, als wäre das Wasser auf dem „blauen Planeten“ im Überfluss vorhanden. Doch Tatsache ist, dass jedes Jahr Millionen von Menschen an Wassermangel sterben, riesige Seen und Flüsse austrocknen, sich Feuchtgebiete in Wüsten verwandeln und blutige Kriege um das wertvolle Nass geführt werden. Wie es zu dieser verheerenden Wasserkrise kommt wird im Laufe dieser Arbeit untersucht. „Auf etwa 1,4 Mrd. km³ wird die auf unserem Planeten vorhandene Wassermenge geschätzt.“ 1 Jedoch muss man beachten, dass nur ein geringer Teil davon genutzt werden kann. Wie in Abbildung 1 zu erkennen ist, sind nur 2,5% des global vorhandenen Wassers Süßwasser. Dieses Süßwasser ist zu 68,75% in Gletschern und ewigem Eis gebunden. Über 30 % des Süßwassers teilen sich zudem auf Wasser aus Bodenfeuchtigkeit, Dauerfrost und Sumpfwasser sowie Wasser aus Seen und Flüssen und sauberes Grundwasser auf. Lediglich 0,27% des gesamten Süßwassers sind als erneuerbares Wasser aus Seen und Flüssen vorhanden. Damit wäre jedoch trotzdem genug Wasser für alle 6 Milliarden Menschen vorhanden, allerdings ist es ungleich verteilt und verknappt weltweit immer mehr, woraufhin auch Streit um die lebenswichtige Ressource entflammt bis hin zum Ausbruch von Kriegen. 2
1 Böhn, Dieter; Rothfuss, Eberhard (Hrsg.), 2007, S. 231
2 Vgl. Böhn, Dieter; Rothfuss, Eberhard (Hrsg.), 2007, S. 231
4
Abbildung 1 - Das Wasser der Erde
3
Der Mensch nutzt das Wasser generell für drei verschiedene Bereiche: die Landwirtschaft, die 69% des globalen Wasserverbrauchs ausmacht, die Industrie mit 23% und die Haushalte, die 8% des globalen Wasserverbrauchs beanspruchen. 4 Hierbei stellt die landwirtschaftliche Bewässerung eine bedeutende Ursache der Wasserkrise dar, denn sie ist der größte Wasserverbraucher, allerdings spielen auch die Industrie und die Haushalte vor allem in den Industrieländern eine Rolle in der Wasserkrise. Diese Faktoren werden später näher beleuchtet.
1.2. Aktuelle Situation der Wasserknappheit und Prognosen
Zu Beginn ist es notwendig zu klären, wann ein Land unter Wasserknappheit bzw. Wassermangel leidet. Hierbei ist es sinnvoll den Wassermangel- und Wasserknappheitsindex der schwedischen Hydrologin Malin Falkenmark herbeizuziehen. Demnach hat ein Land, in dem pro Kopf jährlich mehr als 1700 m³ erneuerbares Süßwasser gegeben ist eine ausreichende Wasserversorgung. Bei 1700 m³ bis 1000 m³ erneuerbarem Süßwasser jährlich pro Kopf herrscht
3 verändert nach Böhn, Dieter; Rothfuss, Eberhard (Hrsg), 2007, S. 231
4 Vgl. http://berlin-institut.org/online-handbuchdemografie/umwelt/wasser.html
5
Wasserknappheit und bei unter 1000 m³ Wasser im Jahr pro Kopf beginnt chronischer Wassermangel. 5
„Heute leiden 26 Länder mit einer Gesamtbevölkerung von 505 Millionen Menschen unter Wasserknappheit oder Wassermangel.“ 2025 werden bereits 39 bis 46 Länder betroffen sein und damit je nach Wachstum 2,4 bis 3,3 Milliarden Menschen. 6 In Deutschland oder ähnlich gut entwickelten Ländern stößt es oft auf Unverständnis in der Gesellschaft, wenn man von einer Wasserkrise spricht. Doch in vor allem ärmeren Ländern ist es eine Tatsache, dass ein großer Mangel an Wasser existiert. Die nachfolgende Abbildung 2 zeigt, dass nicht nur in Entwicklungsländern oder Ländern, die sowieso an Trockenheit leiden, die Wasserverfügbarkeit abnimmt, sondern auch in Industrieländern.
Im Jahr 2000 lag bei den europäischen Ländern noch kein Mangel an Wasser vor, außer einigen gelegentlichen Engpässen. Doch die Prognose von 2025 veranschaulicht, dass viele Länder Europas an Wasserknappheit leiden werden. Der Wassermangel von unter 1000 m³ Süßwasser pro Person, der 1950 noch in keinem Land vorhanden war, wird sich von 2000 auf 2025 von den Ländern Nordafrikas und wenigen anderen auf Indien, Iran, Irak, Sudan, Türkei und viele weitere Länder ausdehnen.
Es lässt sich allgemein erkennen, dass die Wasserverfügbarkeit pro Kopf in den letzten Jahrzehnten in vielen Ländern stark gesunken ist und auch in Zukunft noch weiter sinken wird. Somit wird sich die Wasserkrise voraussichtlich noch weiter verschlimmern.
Doch warum wird das Wasser der Erde immer knapper? Dies ist die zentrale Frage dieser Arbeit und wird im Folgenden beantwortet.
5 Vgl. Engelman, Robert; Dye, Bonnie; Le Roy, Pamela (Hrsg.), 2000, S. 25
6 Vgl. Engelman, Robert; Dye, Bonnie; Le Roy, Pamela (Hrsg.), 2000, S. 30
6
Abbildung 2 - Entwicklung der Verfügbarkeit von Süßwasser
7
2. Ursachen der Wasserkrise
2.1. Klimatische Verhältnisse
2.1.1. Trockengebiete
Abbildung 3 - Die Trockengebiete der Erde
8
7 http://tracto-technik.de/index.cfm?menuID 137 blogID 28 blogGroupID 1
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8 http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Desertifikation Arbeitsblatt 1
7
„Die Verfügbarkeit von Wasser hängt weitgehend vom Klima ab, insbesondere von der zeitlichen und räumlichen Verteilung der Niederschläge und dem ‚Verdunstungsbedarf’ der Atmosphäre, deren Aufnahmefähigkeit für Feuchtigkeit hauptsächlich von der
Durchschnittstemperatur bestimmt wird.“ 9
Das erneuerbare Süßwasser der Erde ist ungleich verteilt. So befindet sich die Hälfte „auf dem Territorium von nur sechs Staaten: Brasilien, Russland, Kanada, Indonesien, China und Kolumbien.“ 10 In den trockensten Ländern, in denen die Menschen nur von einem sehr geringen Süßwasserbestand schöpfen können, herrscht somit auch der größte Mangel an Wasser. Die trockensten Länder mit dem größten Wassermangel sind laut Wassermangel-Index Kuwait, das in der ariden Zone 2 von Abbildung 2 liegt und in dem nur 10 m³ Süßwasser pro Kopf im Jahr vorhanden sind, die Vereinigten Arabischen Emirate mit 61 m³ und Libyen, das nur 107 m³ Süßwasser zur Verfügung hat. 11
So herrschen in ariden Gebieten große Wassernöte, wie man anhand des Beispiels der Sahelzone erkennen kann. Sie befindet sich am südlichen Sahararand und ist wie in Abbildung 2 zu sehen arid bis semiarid. Dort wird die Landschaft von Halbwüsten, Dorn- und Trockensavannen bestimmt. Das Gebiet leidet an sehr niedrigen und unregelmäßigen Niederschlägen, langen Trockenzeiten und ausgeprägten Dürreperioden. Diese Bedingungen sorgen nicht nur für einen starken Wassermangel sondern auch für zahlreiche Hungerkatastrophen in der Sahelzone, die bekannteste davon in den 70er und 80er Jahren, in denen 1 Millionen Menschen verhungerten. 12
9 Engelman, Robert, Dye, Bonnie, Le Roy, Pamela (Hrsg.), 2000, S. 17
10 Pearce, Fred (Hrsg.), 2007, S. 41
11 Vgl. Engelman, Robert; Dye, Bonnie; Le Roy, Pamela (Hrsg.), 2000, S. 106
12 Vgl. http://home.rhein-zeitung.de/~smaedche/Wissen/sahel.htm
8
Arbeit zitieren:
Alexandra Schaffert, 2010, Konfliktstoff Wasser, München, GRIN Verlag GmbH
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