Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zentrale Momente der Identitätsfindung nach Mead 4
2.1 Gesten und Sprache 4
2.2 Spiel, Wettkampf und der (das) verallgemeinerte Andere 5
2.3 Entstehung des Selbst 6
3. School of lost Borders 8
3.1 Projekt 8
3.2. Film 9
3.2.1 Analyse zur Entstehung des Selbst 10
3.2.2 Analyse zum Selbstfindungsprozess in der Einsamkeit 11
4. Eigene kritische Überlegungen 12
4.1 Mead 12
4.2 Projekt School of lost Borders 13
5. Schluss 15
Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
Viele Identitätstheoretiker prägten die Pädagogik mit ihren Werken und persönlichen Einflüssen enorm. So sind zum Beispiel Erik Erikson, Jean Heiner Keupp und George Mead mit ihren jeweiligen Theorien und pädagogischen Grundgedanken herausragende Persönlichkeiten, die sich aber doch zumindest in einem grundlegenden Punkt alle ähneln: Dem unbändigen Interesse für das Individuum, dessen Sozialisation, und welchen Einfluss darauf die Gesellschaft, aber auch das Denken und der Geist des einzelnen Menschen haben. George Herbert Mead war ein äußerst engagierter und intelligenter Mann. Pragmatiker bezogen auf die Philosophie, Sozialpsychologe bezogen auf die Wissenschaft, wird er als „Kronzeuge für gegensätzliche Positionen im sozialwissenschaftlichen Diskurs herangezogen …“ (Baumgart 2008, S. 119). Tätig war Mead zuerst an der Universität Michigan, wo er mit John Dewey zusammentraf. Aus der Begegnung beider Wissenschaftler und Philosophen entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, die Mead sogar soweit prägte, dass er, als Dewey nach Chicago berufen wurde, ihm folgte und dort bis zu seinem Tode 1931 lehrte und die Professor für Philosophie und Sozialpsychologie an der Universität innehatte. Mead „legte seinen Standpunkt und die Ergebnisse seiner Forschungen nie in systematischer Form dar“ (Mead 1969, S. 9). Das Werk Geist, Identität und Gesellschaft: Aus der Sicht des Sozialbehaviorismus stellt sich der Aufgabe der Strukturierung durch Studentenmitschriften, unveröffentlichten Skripten Meads und anderen Aufzeichnungen. Es stellt in meiner Arbeit demnach die Hauptliteratur dar. Doch was verstand Mead nun unter Identität? Wie ist der Titel meiner Arbeit richtig zu interpretieren?
Diese Arbeit umfasst Meads Auffassung von der Identitätsbildung und deren Komponenten, also Sprache und Gesten, das „impulsive Ich“ und das „reflektierte Ich“, sowie Spiel, Wett- kampfund der (das) verallgemeinerte Andere. Da ich mich bereits in mehreren Referaten intensiv mit Mead auseinandergesetzt habe und er mich als Persönlichkeit stark fasziniert, wählte ich das Thema gezielt aus. Da mir eine bloße, sowieso nur auszugsweise mögliche, Darstellung seiner Identitätstheorie im Sinne des sehr abwechslungsreichen Seminars nicht genügt, wende ich seine zentralen Momente im dritten Teil der Arbeit auf den Film School of lost Borders an. Des Weiteren werden die Ziele, Aufgaben und bisherigen Erfolge des Projekts vorgestellt. Ferner werden eigene kritische Überlegungen bezüglich der Identitätstheorie von Mead und des Projekts School of lost Borders geäußert. Zum Schluss erfolgt eine Zusammenfassung.
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2. Zentrale Momente der Identitätsfindung nach Mead
Meads gebündelte, aber nie systematisch aufgeschriebene Gedanken sind weit mehr als eine Identitätstheorie. Der Anspruch ist über den Sozialbehaviorismus hinweg nicht viel beschei- denerals der der Hegelschen Logik, welche versucht „die soziale Welt als Ganzes im Rahmen einer Theorie zu explizieren“ (Jörissen 2000, S. 59). So steht für Mead in erster Linie im Vor- dergrund,inwieweit sich Identität in Abhängigkeit von dem Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft, eingebettet in der Welt als Ganzes, entwickelt und welche Interaktionsformen dazu beitragen, eine Identität zu bilden.
Da eine umfassende und ausführliche Erläuterung dieser soziologischen Identitätstheorie nach Mead den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde, beschränke ich mich auf die zentralen Momente der Identitätsfindung gemäß seiner Theorie. Demnach entsteht die Identität durch drei Formen: durch Sprache, Spiel und Wettkampf, der Übernahme von allgemeinen Positionen und dem Zusammenspiel aus Me und I.
2.1 Gesten und Sprache
Der Verweis auf die Hegelsche Logik macht schon deutlich, dass es sich bei Mead nicht nur um ein einfaches Reiz-Reaktion-Modell handelt, sondern er den Zwischenablauf zwischen Reiz und Reaktion näher zu analysieren versucht. Entwicklung und Form dieses Zwischenablaufs bezeichnet er als handlungssteuernd und koordiniert. Den Ausgangspunkt bildet hierbei die Kommunikation durch Gesten (vgl. Garz 2008, S. 43).
Hierzu beschreibt Mead eine Situation zwischen zwei kämpfenden Hunden, die sich wechselseitig beeinflussen und aufeinander reagieren. Dieses Beispiel verläuft jedoch noch ohne Sinnstrukturierung. Anders beim Sport, wie zum Beispiel beim Fechten oder Boxen. Dort gibt es ähnliche Interaktionen, die jedoch mit einer Aktionseinschätzung des Gegenübers und einer unbewussten Handlung einhergehen:
„Es handelt sich um eine Reihe von Haltungen und Bewegungen dieser Wesen, die zu den
Anfängen von Handlungen gehören, welche die Reize für die ablaufenden Reaktionen sind.
Der Anfang einer Reaktion wird zum Reiz für das erste Wesen, seine Haltung zu ändern,
anders zu handeln. Der Begriff, ‚Geste‘ kann mit jenen Anfängen gesellschaftlicher Hand-
lungen gleichgesetzt werden, die als Reize für die Reaktionen anderer Wesen dienen“
(Mead 1969, S. 82f).
Funktion der Geste ist also, einfach ausgedrückt, Reaktionen hervorzurufen, die zu Veränderungen im eigenen Handeln führen, bis letztendlich eine gesellschaftliche Handlung verwirk-
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licht wird, so zum Beispiel in der Eltern-Kind-Beziehung. Das Kind schreit, die Eltern ant-worten und der Schrei des Kindes verändert sich. Die gegenseitigen Anpassungen und Interaktionen der Akteure führen zu einer gemeinsamen gesellschaftlichen Handlung, die als Sorge für das Kind wichtig und notwendig ist (vgl. ebd.).
Der Unterschied zwischen Sprache und Gesten ist nicht etwa lediglich der Gebrauch von verbalen Komponenten, sondern, dass das Gesagte die gleiche Bedeutung für den Empfänger wie auch für den Sender hat. Sprache wird somit zu einem „signifikanten Symbol“ (ebd., S. 85). Dieser Gebrauch von Symbolen ist es, was den Mensch nach Mead vom Tier unterscheidet (vgl. Jörissen 2000, S. 60) und den Ausgangspunkt für den menschlichen Geist darstellt (vgl. Garz 2008, S. 44). „Nur durch Gesten qua signifikante Symbole wird Geist oder Intelligenz möglich“ (Mead 1969, S. 86). Auch das „nach innen verlegte oder implizite Gespräch“ (ebd.) ist ein Indikator für Geist und Menschsein, denn wir sagen nicht, dass Tiere denken. Sie besitzen nicht die Fähigkeit der Empathie.
Eine weitere Besonderheit der Sprache ist, dass wir, wenn wir über einen bestimmtem Sachverhalt sprechen, nicht nur bei anderen eine bestimmte Reaktion auslösen, sondern auch bei uns selbst: „Wenn man also zu einer anderen Person über einen Hund spricht, löst man in sich die gleiche Reaktionsreihe aus wie im anderen Menschen“ (Mead, S. 1969, S. 111). Nur dieses wechselseitige Erleben und die empathische Fähigkeit abzuschätzen, inwieweit meine Handlungen Auswirkungen auf die des Gegenübers hat, lassen die Entwicklung eines Geistes und somit Identität zu: „… die gemeinsame Reaktion der eigenen Identität und der anderen Person, die wiederum zum Reiz für die eigene Identität wird“ (ebd., S. 113).
2.2 Spiel, Wettkampf und der (das) verallgemeinerte Andere
Neben der Sprache gelten das Spiel und der Wettkampf als gesellschaftliche Voraussetzungen, um Identität zu bilden. Mead beschreibt den Akt und die Entwicklung des Spiels wie folgt:
Kinder spielen im Kindergarten mit unsichtbaren Spielgefährten, die sie in ihrer Fantasie kre- ieren.„… vage Personen in ihrer Umwelt, die sie beeinflussen und von denen sie abhängig sind“ (Mead 1969, S. 195). Dabei übernehmen sie die unterschiedlichsten Rollen und lernen die bereits angesprochene Empathiefähigkeit, sowie Rollenübernahme und Konformität. Aber eben nur im Rahmen einzelner Personen, den signifikanten Anderen und haben somit noch „keinen definitiven Charakter, keine definitive Persönlichkeit“ (ebd., S. 201). Das macht nach Mead den „Charme als auch die Mängel der Kindheit aus“ (ebd.), denn man kann nie sicher
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Arbeit zitieren:
Jasmin Nicole Schmid, 2011, Darstellung, Vergleich und Kritik der zentralen Momente der Meadschen Identitätstheorie und des Projekts 'School of lost Borders', München, GRIN Verlag GmbH
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