Inhalt
„Absturz oder Sinkflug des Adlers“ - Die USA, eine fallende
Hegemonialmacht oder ein zusammenstürzendes Imperium? 3 -
I. - Hegemonie vs. Imperium - Begriffserläuterungen 4
I.1.Hegemonie. 4
I.2. - Imperium. 6
II.Die Decline-Debatte um die USA 8
II.1. - Die USA als Hegemon 8
II.2.„American Empire“ 10
III.„The Fall of the US - And Then What?“ 12
III.1.China - „ein heißer Anwärter auf den Thron“ 12
III.2. - Ein weiterer Ausweg: die Regionalisierung? 13
III.3.Die USA, tatsächlich ein sinkendes Schiff? 14
Schlussfolgerung 16
Literaturnachweis 18
2
„Absturz oder Sinkflug des Adlers“ 1 - Die USA, eine fallende
Hegemonialmacht oder ein zusammenstürzendes Imperium?
Der 25. Dezember 1991 - ein symbolisches Datum. Anfang und Ende zweier Supermächte, die sich während einem halben Jahrhundert bekriegt haben. Mit der Auflösung der Sowjetunion erreichen die USA den Zenith ihrer alleinigen, weltweiten Macht - laut George Modelski und William R. Thompson. 2
1991 gelang es den Vereinigten Staaten von Amerika, sich ein zweites Mal an die weltweite Führungsspitze zu setzen. Warum ein zweites Mal? Nun, Modelski zufolge kann man den gesamten Geschichtsverlauf in verschiedene Hegemoniezyklen, oder auch Long cycles (LC), einteilen. 3 Jeder dieser Zyklen umfasst die Spanne des Aufstiegs, des Gipfels und des Niedergangs einer Macht, die für diesen Zeitraum eine weltweite Führungsposition einnimmt. Um die Art Letzterer genau festzulegen, braucht es einer weiteren Erläuterung die im Verlauf dieser Arbeit folgen wird. Anhand empirischer Studien konnte Modelski in Zusammenarbeit mit Thompson bis dato zehn solcher Zyklen belegen. Demzufolge befänden wir uns momentan im zehnten Hegemonialzyklus, das heißt im LC USA II. Dieser begann 1973 und soll in den 2030er Jahren enden. 4
Doch spätestens seit 9/11 und dem „Kampf gegen den Terror“ stellt sich immer wieder die Frage um die Beschaffenheit der Macht der USA. Handelt es sich wirklich um eine Hegemonie oder sind sie nicht doch eher eine Imperialmacht? Des Weiteren werden seitdem immer mehr Stimmen lauter, die behaupten, dass die Vereinigten Staaten sich in der Phase des Niedergangs befänden. Doch ist dem in der Tat so? Und was käme nach LC10?
1 WALLERSTEIN, Immanuel, Absturz oder Sinkflug des Adlers? Der Niedergang der amerikanischen Macht. Hamburg 2004.
2 MODELSKI, George; THOMPSON, William R., Leading sectors and world powers: the coevolution of global economics and politics. Columbia, University of South Carolina Press, 1996, S.154. 3 MODELSKI, George, Long cycles in world politics. Seattle, Presse universitaire Washington, 1987.
4 MODELSKI; THOMPSON, op. cit., S. 154.
Um diese Fragen beantworten zu können, werden wir uns in einem ersten Teil der Erläuterung der Begriffe „Hegemonie“ und „Imperium“ widmen. Dies ist nötig, da die Begriffe auch in der wissenschaftlichen Literatur oft Konnotationen haben oder systematisch quasi synonym eingesetzt werden. In einem zweiten Teil werden wir uns mit der Decline-Debatte um die USA beschäftigen. Diese vereint die Fragen um die Machtbeschaffenheit sowie um den möglichen Niedergang der USA und unterteilt sie in verschiedene Strömungen. Im Zusammenhang mit dem Fall der Vereinigten Staaten werden wir uns an dieser Stelle auch mit der Frage auseinandersetzen, wer oder was darauf folgen wird. Im letzten Drittel werden wir uns mit der Frage beschäftigen, ob die USA sich wirklich im „Absturz oder Sinkflug“ befinden.
I.Hegemonie vs. Imperium - Begriffserläuterungen
An der Technischen Universität Braunschweig wurde unter Prof. Dr. Ulrich Menzel ein Forschungsprojekt zum Thema „Imperium oder Hegemonie“ eingerichtet. Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, die von Modelski und Thompson ausgearbeiteten Hegemoniezyklen empirisch zu untersuchen und dabei herauszuarbeiten, ob es sich bei der jeweiligen Führungsmacht tatsächlich um eine hegemoniale oder doch um eine imperiale Macht handelt. 5 In diesem Z u s a m m e n h a n g h a t d a s F o r s c h u n g s t e a m u m M e n z e l g e n a u e Begriffserläuterungen festgelegt, an denen ich mich im Laufe dieser Arbeit orientieren möchte. Im Folgenden werden die vom Projekt festgelegten Definitionen angeführt und kurz erläutert.
I.1.Hegemonie...
Ein Hegemon übernimmt die Führerschaft über andere souveräne Staaten. Unter keinen Umständen unterdrückt er andere Länder. 6 Er übernimmt lediglich eine führende Rolle in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur und Militär. Seine Führerschaft wird von anderen Staaten akzeptiert, da es unter ihr zu
5 MENZEL, Ulrich, «Projekt Imperium oder Hegemonie», http://www-public.tu-bs.de:8080/ ~umenzel/inhalt/dienstleistungen/hegemonie.html (zuletzt besucht am 25 Januar 2011). 6 MENZEL, Ulrich, USA 1990-ca. 2035: Hegemonialmacht mit imperialen Zügen. (Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialwissenschaften n° 99), November 2010, konsultierbar unter: MENZEL, Ulrich, op. cit., http://www-public.tu-bs.de:8080/~umenzel/inhalt/ dienstleistungen/hegemonie.html (zuletzt besucht am 25. Januar 2011).
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einer gewissen Ordnung und somit zu Frieden und Wachstum kommt. Des Weiteren gewährt der Hegemon den Zugang zu öffentlichen Gütern, das heißt zu Gütern, an deren Beteiligung jeder Recht hat. Der Hegemon beschützt diese und stellt sie den anderen Ländern kostenlos zur Verfügung. Diese nehmen dann als free rider daran Teil. 7
Seine Macht übt er nicht über Waffengewalt, also über hard power aus. Er bedient sich soft power, das heißt seiner Ausstrahlungskraft um sich als Anführer zu behaupten. Um als Hegemon gelten zu können muss er jedoch über beide verfügen. 8
Zbigniew Brzezinski, früherer Sicherheitsberater Bill Clintons, verfasste 1997 vier Merkmale, die einen modernen Hegemon ausmachen. 9 So muss der heutige Hegemon zum Ersten weltweit militärische Präsenz zeigen. Dies deckt sich mit der Voraussetzung Modelskis, laut der eine hegemoniale Macht über mehr als 50% der weltweiten Flotte verfügen muss. Damit die Flotte als Indikator dienen kann, werden in dieser Berechnung nur die Hauptkriegsschiffe der jeweiligen Epoche, wie etwa heutzutage Destroyer oder Flugzeugträger, beachtet. 10 Des Weiteren soll die Hegemonie größte Volkswirtschaft sein. Das heißt sie verfügt über 50% des Welteinkommens. Ein weiteres zu erfüllendes Kriterium ist der technische Vorsprung in den innovativen Branchen, vor allem in der Informationstechnik. Dies stimmt in etwa mit dem überein, was Modelski a l s P h a s e d e r I n n o v a t i o n b e s c h r e i b t . U m s i c h v o n a n d e r e n führungsanstrebenden Mächten zu unterscheiden, muss ein Staat sich durch eine bestimmte Innovation hervorheben. 11 Hierin liegt auch der Grund seines Untergangs. Letzterer definiert sich durch den Nachlass der Innovationskraft.
7 MENZEL, Ulrich, «Die Hierarchie der Staatenwelt», in: Imperium oder Hegemonie, (Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialwissenschaften n° 95). März 2010, S. 22, konsultierbar unter: MENZEL, Ulrich, op. cit., http://www-public.tu-bs.de:8080/~umenzel/inhalt/ dienstleistungen/hegemonie.html (zuletzt besucht am 25. Januer 2011). 8 Idem, S. 9.
9 BRZEZINSKI, Zbigniew, Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Frankfurt 1999.
10 MODELSKI, George; THOMPSON, William R., Seapower in Global Politics, 1494-1993. Houndmills 1998; Idem, Leading sectors. op. cit., S. 194; MENZEL, «Die Hierarchie der Staatenwelt», op. cit., S. 27.
11 MODELSKI; THOMPSON, Leading Sectors. op. cit., S. 52-53.
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Auf diese Weise kann sich dann eine innovativere Macht als Führungsmacht durchsetzen. 12 Als letztes Merkmal nennt Brzezinski die kulturelle Ausstrahlungskraft, die sowohl die populäre Massenkultur wie auch die Hochkulturen betrifft. 13
Menzel hat anhand Modelskis Forschungen noch weitere Merkmale ausgearbeitet. So kontrolliert der Hegemon die für die Gesellschaft wichtigen Ströme und Netzknoten. Des Weiteren verfügt er über eigene Ressourcen und finanziert sich somit selbst über internationalen Handel. 14
Halten wir also fest: der Hegemon ist Anführer unter Gleichen. In einem Weltsystem kann keine finale Entscheidung ohne die hegemoniale Macht durchgesetzt werden. Bei einer Entscheidung liegt es in ihrer Verantwortung, diese zu leiten, nicht die eigene Entscheidung durchzusetzen. Auf diese Weise ist eine Hegemonialmacht mit dem aktuellen internationalen Staatensystem , das aus autonomen, souveränen Ländern besteht, die alle über Rechtsgleichheit verfügen, kompatibel. Es handelt sich also um eine globale, offene, leitende Macht. 15
I.2.Imperium...
Anders das Imperium. Hierbei handelt es sich um eine Herrschaft über andere Länder. Im Gegensatz zur Hegemonie verfügt ein Imperium über eine stattliche Landmacht. Sein Ziel ist es, sein Territorium weitläufigst auszudehnen und somit Macht über die peripheren Staaten zu erlangen. Somit reicht seine Macht „nur“ bis zu seinen Staatsgrenzen. Sie umfasst also einen eher regionalen, geschlossenen Raum.
Des Weiteren manifestiert ein Imperium seine Macht über hard power beziehungsweise über deren Organe aus Armee, Geheimdienst, Polizei und
12 MENZEL, « Die Hierarchie der Staatenwelt», op. cit., S. 41. 13 DERS., S. 9. 14 DERS., S. 41.
15 SCHROEDER, Paul W., «Is the U.S. an Empire?». Unter: http://hnn.us/articles/1237.html (zuletzt besucht am 25. Januar 2011).
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Arbeit zitieren:
Danielle Wilhelmy, 2011, „Absturz oder Sinkflug des Adlers“ - Die USA, eine fallende Hegemonialmacht oder ein zusammenstürzendes Imperium, München, GRIN Verlag GmbH
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