Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Keine Weltausstellung in Berlin - oder doch? 2
2. Warum eine Kolonialausstellung im Rahmen einer Gewerbeausstellung? 6
3. Zwischen Wissenschaft und Unterhaltung - die Völkerschauen 7
4. Warum eine Völkerschau im Rahmen der Kolonialausstellung? 11
5. Schluß 13
Literaturverzeichnis 18
Einleitung
Die erste deutsche Kolonialausstellung fand 1896 im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung, welche später auch als verhinderte Weltausstellung bezeichnet wurde, auf dem Gelände des heutigen Treptower Parks statt. 1 Wie es im Amtlichen Bericht heißt, „...mußte der Versuch, dem deutschen Volke das Kolonialwesen in seinen mannigfachen Verzweigungen vorzuführen, verdienstlich sein“. 2
Dies sollte u.a. durch eine sog. Völkerschau geschehen, zu der Einwohner aus den deutschen Kolonien angeworben worden waren.
Diese Arbeit strebt an, die Funktion der Völkerschau auf der ersten deutschen Kolonialausstellung im Hinblick auf die von den Organisatoren gesteckten Ziele zu untersuchen.
Dabei möchte ich zunächst den Charakter der Gewerbeausstellung klären mit der Intention, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum im Rahmen der Gewerbeausstellung eine Kolonialausstellung ihren Platz fand. Im einem nächsten Schritt soll die Verankerung der Völkerschauen im öffentlichen Leben Deutschlands darstellt werden, um klären zu können, was die Veranstalter dazu bewegt haben könnte, eine Völkerschau in die Kolonialausstellung aufzunehmen. Im letzten Abschnitt soll die Funktion der Völkerschau im Rahmen der Kolonialausstellung hinsichtlich der durch die Organisatoren gesteckten Ziele anhand der bisher ermittelten Ergebnisse geprüft werden.
Neben dem 1897 herausgegebenen Amtlichen Bericht zur Kolonialausstellung als Quelle lag mir verschiedene neuere Literatur vor, die im einzelnen dem Literaturverzeichnis entnommen werden kann. Besonders hinweisen möchte ich jedoch bezüglich des ersten Abschnitts auf die Veröffentlichung des Bezirksamts Treptow von Berlin, bezüglich der zweiten Frage auf Hilke Thode-Arora und Andrew Zimmerman. Gemein ist vielen Texten, daß sie auf eine bisher unzureichende Erschließung der Quellen, bzw. schlichtweg auf ihr Nichtvorhandensein hinweisen. Dies gilt in besonderem Maße für den Bereich der Rezeption im weitesten Sinne kolonialer Veranstaltungen seitens des Publikums. 3
1 So anläßlich des 100. Jahrestages z.B.: BA Treptow: Verhinderte Weltausstellung.
2 G.Meinecke: Einleitung; in: Arbeitsausschuß der Dt. KA: Amtlicher Bericht; S.1.
3 So weist Thode-Arora am Beispiel des `Amazonencorps` und der Beduinentruppe darauf hin, daß zur Verfügung stehende Presseberichte keineswegs die Meinung des Publikums repräsentieren mußten, was über den wirtschaftlichen Erfolg einer Ausstellung zwar indirekt erschlossen werden kann, sich aber
1. Keine Weltausstellung in Berlin - oder doch?
Bereits zur Londoner Gewerbeausstellung des Britischen Empires 1851 waren Ausländer eingeladen, als Aussteller teilzunehmen, und 1853/54 sprach man in New York schon von einer Industrieausstellung aller Nationen. 4 Spätestens seit 1851 beinhalteten diese Ausstellungen künstlerische und kunsthandwerkliche Teile, welche von den Besuchern auch stark frequentiert wurden. Ganz allgemein dienten die Ausstellungen der Dokumentation des Industrialisierungsprozesses, verbunden mit der Darstellung des politischen und kulturellen Selbstverständnisses des Ausrichterlandes, wozu auch die Präsentation der Kolonien zählte, waren Messe und Vergnügungsort.
Die Berliner Gewerbeausstellung hatte Vorgänger, die auch den schrittweisen Einigungsprozeß im Deutschland des 19. Jahrhunderts widerspiegeln, so sechs Jahre nach der preußischen Zollunion die erste preußische Industrieausstellung und 1842, also acht Jahre nach Gründung des deutschen Zollvereins, die erste deutsche Industrieausstellung. Zudem hatte bereits 1879 eine Berliner Gewerbeausstellung stattgefunden, die im wesentlichen der Vorstellung neuer Produkte diente und mit hohem Reingewinn abschloß.
Im Gefolge der Reichseinigung und des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde der Wunsch, nun auch eine Weltausstellung auf deutschem Boden auszurichten, stärker. Zu diesem Zweck gründeten sich zwei Vereine mit dem Ziel, diesem Wunsch Nachdruck zu verleihen. Ein erster Vorstoß, für das Jahr 1885 eine Weltausstellung zu organisieren, führte allerdings noch 1881 zur Ablehnung durch die Reichsregierung unter Verweis auf die hohen Kosten und die Auseinandersetzungen um den Freihandel. Der Versuch, 1888 zumindest eine nationale Gewerbeausstellung in Berlin stattfinden zu lassen, scheiterte im wesentlichen am Widerstand des Centralverbands Deutscher Industrieller. Ermuntert durch die von Caprivi in Aussicht gestellte neue Handelspolitik ergriffen die Berliner Industriellen 1892 die Gelegenheit, den Plan für eine Weltausstellung erneut zu forcieren. Caprivi hielt die Initiatoren jedoch hin mit der Begründung, daß zunächst die erfolgreiche Präsentation Deutschlands auf der Chicagoer Weltausstellung 1893 im Vordergrund stehen und eine Doppelbelastung
aufgrund kaum vorhandener privater Quellen nur schlecht verifizieren läßt. Thode-Arora: Für fünfzig Pfennig; S.142,148.
4 Die Darstellung der Vorgeschichte der Berliner Gewerbeausstellung stützt sich im wesentlichen auf E.Crome: Die verhinderte Weltausstellung, Betrachtung eines Jahrhundertstücks; in: BA Treptow: Verhinderte Weltausstellung; S.11-27.
hinsichtlich der Vorbereitungen darauf vermieden werden müsse. Auch die Haltung der deutschen Handelskammern war uneinheitlich. Sowohl politische wie auch wirtschaftliche Partikularismen sorgten letztlich dafür, daß die Reichsregierung im August 1892 den Antrag ablehnte.
Daraufhin entschlossen sich die Initiatoren noch 1892, zumindest eine große Berliner Gewerbeausstellung für 1896 ins Auge zu fassen. Dabei wollten sie sich zunächst nur auf die Möglichkeiten der Berliner Industrie stützen, drückten aber ihre Hoffnung aus, daß sich die Ausstellung zu einer nationalen entwickeln könnte. Hierbei unterstrichen sie die friedensfördernde Rolle von Handel und Gewerbe.
Wie jedoch kam es dann im Rahmen der Gewerbeausstellung nicht nur zu einer Kolonial-, sondern auch zu einer Flottenausstellung mit staatlicher Beteiligung? Von Crome wird darauf hingewiesen, daß an der beschlußfassenden Sitzung auch „die Vetreter von Behörden und einschlägigen Vereinen und Körperschaften teilnahmen“ 5 , leider ohne diese genauer zu identifizieren. Staatliche Förderung erfuhr die Ausstellung anscheinend ab 1894 6 , dem Jahr, in dem sich abzeichnete, daß der Garantiefonds gut gezeichnet worden war und sich bereits über 3000 Aussteller gemeldet hatten. Bezüglich der Flottenpolitik lag der Grund auf der Hand. 1891 hatte in London eine äußerst erfolgreiche Flottenschau der Royal Navy stattgefunden, woraufhin auch die freiwilligen Meldungen zur Marine signifikant gestiegen waren. Kolonialpolitik wurde in herrschenden Kreisen meist als vonnutzen für das eigene Land angesehen, als Kulturaufgabe des Abendlandes verstanden und, bei der vorherrschenden Vorstellung vom Lebenskampf der Völker, als schlichtweg notwendig empfunden. 7 Dies mag zunächst die regierungsseitigen Beweggründe für ein staatliches Engagement verdeutlichen.
5 E.Crome: Die verhinderte Weltausstellung, Betrachtung eines Jahrhundertstücks; in: BA Treptow: Verhinderte Weltausstellung; S.16.
6 So beschlossen die Berliner Stadtverordneten im April 1894, das Gelände des Treptower Parks kostenlos zur Verfügung zu stellen, außerdem die Bereitstellung von 300.000 Mark, die allerdings bei Gewinn zurückzuzahlen waren. Das Innenministerium genehmigte im Dezember 1894 den Verkauf von vier Mio. Losen á 1 Mark zu Finanzierungszwecken. Auch der amtliche Bericht zur Kolonialausstellung spricht davon, daß im Jahre 1894 der Plan einer Berliner Gewerbeausstellung “eine festere Gestalt angenommen“ hatte. Arbeitsausschuß der Dt. KA: Amtlicher Bericht; S.1.
7 Gemeint ist die Einteilung in sog. Natur- und Kulturvölker. Im 2. Abschnitt wird noch auf die Herangehensweise der Anthropologen eingegangen. Auf darüberhinausgehende Betrachtungen, hinsichtlich der Begriffe Fremdheit und Rasse etwa, verzichte ich bewußt, da der Kulturkontakt nicht vorrangiger Untersuchungsgegenstand meiner Arbeit ist.
Arbeit zitieren:
Norbert Schmidt, 2005, Kolonialmetropole Berlin, München, GRIN Verlag GmbH
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