Widmung
Den Wissenschaftlern gewidmet,
die mich bei meinem Buch »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) bei den Recherchen über Kulturen der Frühbronzezeit besonders unterstützt haben: Dr. Gretel Gallay (heute Callesen), Nidderau Professor Dr. Hans-Eckart Joachim, Bonn Professor Dr. Horst Keiling, Schwerin Professor Dr. Rüdiger Krause, Frankfurt am Main Dr. Friedrich Laux, Hamburg Dr. Peter Schröter, München Dr. Klaus Simon, Dresden
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Rekonstruktion von Kleidung und Schmuck der »Prinzessin von Fallingbostel« (Kreis Soltau-Fallingbostel) in Niedersachsen vor etwa 1600 bis 1500 v. Chr. Rekonstruktion Archäologische Arbeitsgemeinschaft e. V., Landkreis Soltau-Fallingbostel
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Vorwort
R und 800 Jahre Urgeschichte von etwa 2300 bis 1500
v. Chr. passieren in dem Taschenbuch »Deutschland in der Frühbronzezeit« in Wort und Bild Revue. Es befasst sich mit den Kulturen und Gruppen, die in dieser Zeitspanne zwischen Nordseeküste und Alpen existierten: Aunjetitzer Kultur, Straubinger Kultur, Singener Gruppe, Arbon-Kultur, Ries-Gruppe, Neckar-Gruppe, Adlerberg-Kultur, Sögel-Wohlde-Kreis und nordische frühe Bronzezeit. Geschildert werden die Anatomie und Krankheiten der damaligen Ackerbauern und Viehzüchter, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und Religion. Verfasser dieses Taschenbuches ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst. Er hat sich vor allem durch seine Werke »Deutschland in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht. Das Taschenbuch »Deutschland in der Frühbronzezeit« ist Dr. Gretel Gallay (heute Callesen), Professor Dr. Hans-Eckart Joachim, Professor Dr. Horst Keiling, Professor Dr. Rüdiger Krause, Dr. Friedrich Laux, Dr. Peter Schröter und Dr. Klaus Simon gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat bei seinen Recherchen über Kulturen der Frühbronzezeit unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
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Inhalt
Die Bronzezeit
Das goldene Zeitalter der Urgeschichte / 13
Die Frühbronzezeit in Deutschland
Abfolge und Verbreitung der Kulturen
und Gruppen / 53
Bronzegießer, Fürsten und Kannibalen
Die Aunjetitzer Kultur
von etwa 2300 bis 1600/1500 v. Chr. / 57
Heiliges Geld für die Götter
Die Straubinger Kultur
von etwa 2300 bis 1600 v. Chr. / 91
Eine Leibwache im Jenseits
Die Singener Gruppe
von etwa 2300/2200 bis 1800 v. Chr.
und die Oberrhein-Hochrhein-Gruppe / 111
Brotlaib-Idole am Bodensee
Die Arbon-Kultur
von etwa 1800 bis 1600 v. Chr. / 127
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Sie fürchteten ihre Toten Die Ries-Gruppe
von etwa 2300/2200 bis 1800 v. Chr. und die Neckar-Gruppe / Seite 145 Das Gräberfeld vom Adlerberg Die Adlerberg-Kultur
von etwa 2100 bis 1800 v. Chr. / Seite 155 Die »Prinzessin von Fallingbostel« Der Sögel-Wohlde-Kreis von etwa 1600 bis 1500 v. Chr. / Seite 169 Stabdolche als Zeichen der Götter Die nordische frühe Bronzezeit
von etwa 1800 bis 1500 v. Chr. / Seite 185 Anmerkungen / Seite 195 Literatur / Seite 225 Bildquellen / Seite 267
Die wissenschaftliche Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert / Seite 269 Der Autor Ernst Probst / Seite 271 Bücher von Ernst Probst / Seite 273
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Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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Die Bronzezeit
Das »goldene Zeitalter« der Urgeschichte A ls Bronzezeit wird jenes Zeitalter der Menschheits-geschichte bezeichnet, in dem erstmals in größerem Umfang aus einer Verbindung der Metalle Kupfer und Zinn - nämlich Bronze 1 - Werkzeuge, Waffen und Schmuck angefertigt wurden. Nach der vorangegangenen, viel längeren Steinzeit ist die Bronzezeit in Europa mit ihrer verhältnismäßig geringen Dauer von maximal 1500 Jahren das zweitlängste Zeitalter der Urgeschichte.
Die Bronzezeit begann - nach den ältesten Bronze-funden zu schließen - in Mesopotamien, Ägypten, auf der Mittelmeerinsel Kreta, in Troja und Südosteuropa schon um 2500 v. Chr., nahm in manchen Teilen Mitteleuropas etwa 2300 v. Chr. ihren Anfang und setzte in Nordeuropa erst gegen 1600 v. Chr. ein. Die Bronzezeit endete mit dem Aufkommen des Eisens, also bei den Hethitern in Kleinasien schon 1300 v. Chr., in Griechenland etwa 1200 v. Chr., in Italien und auf dem Balkan um 1000 v. Chr., in Teilen Mitteleuropas ungefähr 800 v. Chr. und in Nordeuropa erst um 500 v. Chr. Bronzezeitliche Kulturen haben in Europa, Afrika und Asien existiert.
Der Begriff »Bronzezeit« wurde 1836 in einem Museumskatalog durch den dänischen Prähistoriker Christian Jürgensen Thomsen (1788-l865) aus Kopenhagen
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eingeführt. Statt des Namens Bronzezeit schlug der Prähistoriker Christian Strahm aus Freiburg/Breisgau bei einem Vortrag im April 1991 den Ausdruck »Metallikum« vor, weil man erst seit diesem Abschnitt von einer weitverbreiteten Metallurgie sprechen könne. Strahm bezeichnete die ältere Frühbronzezeit in Mitteleuropa als »Aufbauphase« und die entwickelte Frühbronzezeit als »industrielle Phase« der Metallurgie.
Bis in die Bronzezeit reichen die Anfänge der Antike, also des klassischen oder griechisch-römischen Altertums, zurück. Die Historiker datieren den Beginn der Antike uneinheitlich. Sie lassen die Antike entweder schon mit der frühgriechischen Einwanderung in Hellas vor 1500 v. Chr. beginnen oder erst mit der eigentlichen griechischen Geschichte etwa 500 Jahre später. Auch bezüglich des Endes der Antike war man sich nicht einig. Es wird durch bestimmte historische Ereignisse - wie etwa den Beginn der Alleinregierung Konstantins 324 n. Chr. oder die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus durch den Söldnerführer Odoaker 476 n. Chr. - markiert. Außer den archäologischen Funden geben auch zahlreiche schriftliche Quellen über das bronzezeitliche Leben Auskunft, weil in dieser Periode die Schrift in Ägypten, Sumer und Babylonien bereits bekannt war und auf Kreta, in Phönikien und Griechenland eingeführt wurde. So liegen beispielsweise für Ägypten aus der Zeit nach 2000 v. Chr. die Dauer der einzelnen Herrscherdynastien, die Regierungszeit der Pharaonen, deren Namen sowie Jahreszahlen wichtiger Ereignisse
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vor. Dieses Zahlengerüst liefert manchmal wertvolle
Anhaltspunkte bei Datierungsfragen.
Die Menschen der Bronzezeit kannten vielleicht schon ein altes Maßsystem, das nach neueren Erkenntnissen bereits in der Steinzeit vorhanden war und bis in die Barockzeit galt. Es soll auf der Basis von 33,3 Zentimetern für eine Einheit beruhen. Über dieses »altgermanische Maßsystem« hatte der Archäologe und Numismatiker Robert Forrer (1866-1947) aus Strassburg schon 1907 geschrieben.
Für Skandinavien und Norddeutschland wird die 1885 von dem schwedischen Prähistoriker Oscar Montelius (1843- 1921) aus Stockholm erarbeitete Gliederung der Bronzezeit verwendet. Er teilte die nordische Bronzezeit nach der typologischen Abfolge von Bronzeerzeugnissen (Gewandspangen, Rasiermesser, Schwerter, Gürteldosen) in sechs Perioden ein, die er mit römischen Ziffern von I bis VI kennzeichnete. Das auf seinen Erkenntnissen aufbauende Chronologieschema sieht heute so aus: Periode I (frühe Bronzezeit): etwa 1800 bis 1500 v. Chr., Periode II (ältere Bronzezeit): etwa 1500 bis 1200 v. Chr., Periode III (mittlere Bronzezeit): etwa 1200 bis 1100 v. Chr., Perioden IV und V (jüngere Bronzezeit): etwa 1100 bis 800 v. Chr., Periode VI (frühe Eisenzeit): etwa 800 bis 500 v. Chr.
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Für das südliche Mitteleuropa (Süddeutschland, Österreich und die Schweiz) ist weitgehend die Gliederung von 1902 des damals in Mainz arbeitenden Prähistorikers Paul Reinecke (1872-1958) maßgeblich, der später in München tätig war. Er teilte die süddeutsche Bronzezeit nach Fundkombinationen in vier Stufen von A bis D ein. Auch die folgende Hallstatt-Zeit 2 gliederte er in vier Stufen von A bis D, die er der Eisenzeit zurechnete. Erst später erkannte man, dass das Fundgut der Stufen Hallstatt A und B noch nicht zur Hallstatt-Kultur im eigentlichen Sinne gehört. Aus diesem Grund wurden diese Abschnitte unter dem Begriff Urnenfelder-Zeit zusammengefasst. Die Stufen Hallstatt C und D gelten heute als eigentliche Hallstatt-Zeit beziehungsweise -Kultur im Sinne der frühen Eisenzeit. Bisweilen werden die Stufen A und B je nach Fundgut als früheste Eisenzeit bezeichnet.
Im südlichen Mitteleuropa gilt heute - etwas abweichend von Reineckes Schema - folgende Einteilung der Bronzezeit:
Die Stufe Bronzezeit A entspricht der Frühbronzezeit. Sie wurde zeitweilig nach der vorherrschenden Bestattungsart auch Hockergräber-Bronzezeit 3 genannt (etwa 2300 bis 1600 v. Chr.). Die Stufen Bronzezeit B und C werden als Mittelbronzezeit bezeichnet. Wegen der charakteristischen Bestattungsart heißt diese auch Hügelgräber-Bronzezeit (etwa 1600 bis 1300/1200 v. Chr.). Die Stufe Bronzezeit D (etwa 1300 bis 1200 v. Chr.) markiert sowohl das Ende der Mittel- als auch den Beginn der Spätbronzezeit. An manchen Fundstellen
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weist sie noch Merkmale der Hügelgräber-Bronzezeit auf, an anderen bereits solche der Urnenfelder-Zeit, meistens aber beides. Diese Übergangszeit oder Zeit eines fassbaren Kulturwandels, die Bronzezeit D, wird heute häufig als ältester Teil der Urnenfelder-Kultur betrachtet. Die Hauptphasen der nach ihrer typischen Bestattungsart in weiten Gebieten als Urnenfelder-Kultur definierten Spätbronzezeit umfassen die Stufen Hallstatt A und B (etwa 1200 bis 800 v. Chr.) nach der Terminologie von Reinecke.
Das Klima der Bronzezeit fiel weitgehend in die Späte Wärmezeit (auch Subboreal 4 genannt), die schon in der Jungsteinzeit begonnen hatte und bis etwa 800 v. Chr. dauerte. Es war eine Zeit des Übergangs, in der in Europa gebietsweise Eichenmischwälder, aber auch Buchen-, Buchen-Tannen- oder reine Fichtenwälder wuchsen.
In den Wäldern Mitteleuropas lebten unter anderem Braunbären (Ursus arctos), Wölfe (Canis lupus), Rotbeziehungsweise Edelhirsche (Cervus elaphus), Auerochsen beziehungsweise Ure (Bos primigenius) und Wildschweine (Sus scrofa). Funde von Löwenknochen, in einem Fall sogar mit Schnittspuren, Darstellungen der Mykenischen Kultur sowie die Sage von Herakles (Herkules) und dem Nemeischen Löwen zeigen, dass im bronzezeitlichen Griechenland noch wildlebende Löwen (Panthera leo) gejagt und verzehrt wurden. Im Mittelmeergebiet ereignete sich um 1500 v. Chr. eine der verheerendsten Naturkatastrophen der Bronzezeit: Bei einem Vulkanausbruch wurde die griechische Kykladeninsel Thera (das heutige Santorin) so stark
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verwüstet, dass man dieses Ereignis sogar mit dem Untergang des sagenhaften Atlantis in Verbindung brachte.
Die Menschen der Bronzezeit waren im Durchschnitt etwas größer als diejenigen der Steinzeit. Bei den frühbronzezeitlichen Angehörigen der Aunjetitzer Kultur in Tschechien und der Slowakei, in Mittel-deutschland und Niederösterreich erreichten die Männer eine Körperhöhe von 1,60 bis maximal 1,78 Metern, die Frauen von 1,55 bis 1,66 Metern. Die Männer der nordischen Bronzezeit in Skandinavien und Norddeutschland waren häufig mehr als 1,70 Meter groß, wie aus Skelettfunden in Baumsärgen ersichtlich wird.
Für Jungen und Mädchen endete die Kindheit wohl im Alter von etwa 14 bis 15 Jahren. Dieses Ereignis wurde mit einem großen Fest (Initiationsfeier) begangen, bei dem die Jugendlichen Aufnahme in den Kreis der Erwachsenen fanden. Nach der Zeremonie, die möglicherweise vom Häuptling oder Priester durchgeführt wurde, galten Jungen als Männer, die Mädchen als Frauen und konnten nun heiraten. Bei der Feier erhielten die Jungen vermutlich eine Waffe und die Mädchen bronzene - oder sogar goldene - Schmuckstücke. Um den Gesundheitszustand der bronzezeitlichen Bevölkerung war es meistens schlecht bestellt. In manchen Kulturen hatte mehr als die Hälfte der Menschen irgendwelche körperlichen Missbildungen und Krankheiten.
Mehr als drei Viertel der Männer und Frauen litten unter Parodontose, über 25 Prozent an Karies. Auch
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Kiefererkrankungen waren recht häufig. Weniger als ein Fünftel der Männer wurde älter als 40 Jahre. Bei den Frauen, die häufig wegen mangelnder Hygiene nach einer Entbindung starben, überlebte nur jede zwanzigste das 40. Lebensjahr. Schädelverletzungen und -krankheiten versuchte man gelegentlich durch Operationen (so genannte Trepanationen) zu heilen. Die bronzezeitlichen Bauern, Handwerker und Krieger in Mitteleuropa lebten in Einzelgehöften, kleinen Dörfern und befestigten Siedlungen (»Burgen«). Letztere wurden auf Bergen mit zum Teil steil abfallenden Hängen errichtet sowie mit Gräben, Wällen und Palisaden befestigt, was unruhige Zeiten vermuten lässt. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz gab es - wie zuvor in der Jungsteinzeit - auch Seeufersiedlungen (»Pfahlbauten«). Spuren von ihnen kennt man aus der Früh- und Spätbronzezeit. In der Mittelbronzezeit waren die Seeufer offenbar wegen ungünstiger klimatischer Verhältnisse und steigender Wasserspiegel kein idealer Platz für Siedlungen. Die Wände und Dächer der Wohnhäuser und Nebengebäude hatte man überwiegend in Holzbauweise errichtet. In manchen Gebieten baute man sehr große Häuser, mehrheitlich viele kleinere. Aus Angelsloo-Emmerhout bei Emmen in der holländischen Provinz Drenthe sind Grundrisse einer Siedlung mit etwa 50 Lang- und Kurzbauten sowie Speichern bekannt. Die Langbauten hatten eine Breite zwischen fünf und sechs Metern sowie eine Länge bis zu 65, in einem Fall sogar bis zu 80 Metern. Die riesigen Häuser waren in je einen Wohn-
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und Stallteil gegliedert. In Elp, ebenfalls in der Provinz Drenthe, existierte eine Siedlung, die aus sechs Lang-und vier Kurzhäusern sowie drei Stallgebäuden bestand. Das größte Gebäude mit 40 Meter Länge konnte im Stallteil etwa 20 bis 30 Rinder aufnehmen. Die Wohnhütten der Aunjetitzer Kultur in Tschechien und der Slowakei mit Grundrissen von sechs mal vier beziehungsweise neun mal sechs Metern gaben sich wesentlich bescheidener.
Auf Kreta, in Griechenland, auf Sardinien, den Balearen (Mallorca, Menorca), in Spanien, Frankreich und im Karpatenbecken (Ungarn) wurden in der Bronzezeit bereits steinerne Wohngebäude oder -anlagen mit teilweise kolossalen Ausmaßen errichtet. Zu den erstaunlichsten Leistungen der bronzezeitlichen Baukunst zählten die prachtvollen Paläste von Herrschern der Minoischen Kultur 5 auf Kreta. Hier sind vor allem die Anlagen von Knossos, Phaistos und Hagia Triada zu nennen. Deren Glanz steht in auffälligem Kontrast zu dem Elend der Hütten in weniger entwickelten, gleichzeitigen Kulturen Mitteleuropas. Der Palast von Knossos aus dem 16. Jahrhundert v. Chr., der ältere Vorgänger hatte, umgab einen 28 mal 60 Meter großen zentralen Hof, der von zahlreichen mehrstöckigen Gebäuden mit vielen Räumen, Pfeilersälen und Lichthöfen umrahmt wurde, die durch enge Korridore und Treppen verbunden waren. Fresken mit Alltagsszenen schmückten viele Wände. Der Palast verfügte über Warmwasserheizung, Badezimmer mit Sitzwannen und Toilette mit Wasserspülung. Diesem Komplex schloss sich eine Stadt mit ungefähr 50.000 Einwohnern an.
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Weniger prunkvoll fielen die wehrhaften Burgen der Mykenischen Kultur 6 (1600 bis 1100 v. Chr.) auf dem griechischen Festland und einigen Mittelmeerinseln aus. Das berühmteste Beispiel dieses Baustils findet sich in Mykene (auch Mykenä oder Mykenai genannt), nach dem jene Kultur bezeichnet ist. In den Epen des griechischen Dichters Homer residierte Fürst Agamemnon auf Mykene. Besonders trutzig wirkte die auf einem Hügel thronende Burg in der zweiten Hälfte des l4. Jahrhunderts v. Chr., nachdem sie mit »kyklopischen« Mauern verstärkt worden war.
Auch andere Kulturen beziehungsweise Stämme errichteten in der Bronzezeit schon burgenähnliche Befestigungsanlagen mit steinernen Mauern und mitunter sogar Türmen. Derartige Bauwerke kennt man von der El-Argar-Kultur 7 in Spanien, aus dem mediterranen Frankreich und aus dem Karpatenbecken (Ungarn).
In Mitteleuropa gab es überwiegend »Burgen« mit Mauern, deren Holzkonstruktionen man mit Erde und Steinen füllte. Solche Befestigungen sind häufig durch Brände, die durch ungeschicktes Hantieren mit offenem Feuer verursacht oder durch Angreifer gelegt wurden, zerstört worden.
Für die Bauern, Handwerker und Krieger der Bronzezeit war die Jagd nicht mehr lebenswichtig, weil die Ernährung durch Ackerbau und Viehzucht weitgehend gesichert wurde. Dennoch dürfte gelegentlich der Speisezettel durch zur Strecke gebrachte Wildtiere oder Fische bereichert worden sein.
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Zeichnung auf Seite 23:
Auf einem Lebensbild von 1921 wurden die Menschen der Bronzezeit als Jäger und Viehzüchter dargestellt. Diese Zeichnung stammt aus einem Buch von Karl Schumacher (1860-1934), dem damaligen Direktor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz.
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Verkohlte Getreidekörner aus Siedlungen, Gräbern und an Opferstellen sowie Getreidekörnerabdrücke auf Tongefäßen und Hüttenlehm belegen, welche Getreidearten in der Bronzezeit angebaut wurden. Wie in der Jungsteinzeit gab es weiterhin Nacktgerste (Hordeum vulgare var. nudum), mehrzeilige Gerste (Hordeum vulgare), Saatweizen (Triticum aestivum), Emmer (Triticum dicoccon, früher auch Triticum dicoccum genannt) und seltener das ertragsarme Einkorn (Triticum monococcum). Hinzu kamen Rispenhirse (Panicum miliaceum), Dinkel beziehungsweise Spelt (Triticum spelta), der sogar in Gebieten mit niederschlagsreichem und rauem Klima gedeiht, und im südlichen Mitteleuropa auch Kolbenhirse (Setaria italica). Außerdem säte und erntete man allerlei Gemüse, wie Kohl (Brassica oleracea) und vielleicht auch Möhren (Daucus carota). Eiweißhaltige Hülsenfrüchte wie Linsen (Lens culinaris), Erbsen (Pisum sativum) und vor allem Ackerbohnen (Vicia faba), auch Pferde- oder Saubohnen genannt, wurden immer beliebter. Man verwendete sie vermutlich zur Herstellung von Brei. Schlafmohn (Papaver somniferum) und Flachs (Linum usitatissimum) dienten - wie schon in der Jungsteinzeitzur Gewinnung von pflanzlichem Öl. Der Flachs (Lein) wurde außerdem zur Herstellung von Fasern für Leinengewebe verwendet. Ab der Spätbronzezeit stellte man häufig aus Leindotter (Camelina sativa) Öl für technische und Speisezwecke her. Als essbare Sammelpflanzen sind Wildäpfel (Malus sylvestris), Wildbirnen (Pyrus pyraster), Schlehen (Prunus spinosa), Trauben von Wildem Wein (Vitis sylvestris), Kornelkirschen (Cornus mas), Himbeeren (Rubus idaeus), Brombeeren (Rubus
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fruticosus), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Haselnüsse (Corylus avellana) und Eicheln (Quercus robur, Quercus petraea) bekannt. Dicht bei den Einzelgehöften oder Dörfern dürften gartenartige Flächen gelegen haben, etwas weiter davon entfernt die Felder, auf denen Sommer- und Wintergetreide Hülsenfrüchte angebaut wurden. Zum Schutz der Saat und der Frucht auf den Äckern vor Wild- und Haustieren waren Zäune beziehungsweise dichte Hecken erforderlich. Neben Feldhacken aus Holz oder Hirschgeweih wurden zum Auflockern des Ackerbodens auch hölzerne Pflüge mit Rindern und später auch Pferden als Zugtieren eingesetzt. Bronzezeitliche Hakenpflüge, welche die Erde aufrissen, aber noch nicht wendeten, sind aus Italien (Lavagnone) und eventuell auch aus Deutschland (Walle bei Aurich) bekannt. Außer den parallel gezogenen Pflugspuren unter Grabhügeln ist der Einsatz des Pfluges durch spätbronzezeitliche Felszeichnungen nachgewiesen.
Die Getreideernte erfolgte in der Frühbronzezeit wohl überwiegend mit Sichelschäften aus Holz oder Hirschgeweih, in die scharfkantige Feuersteinklingen eingeklemmt wurden. Schlagartig mit Beginn der Mittelbronzezeit setzte sich paneuropäisch die aus Bronze gegossene Sichel als Neuheit durch. Es fällt auf, dass dieses Erntegerät erst jetzt in Bronze ausgeführt wurde, obwohl der Werkstoff Bronze schon seit Generationen bekannt war. Sicheln sind fast ausschließlich in Depots (früher Horte genannt) gefunden worden. Sie lösten das frühbronzezeitliche Randleistenbeil als Hortungsgut ab.
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Die mittelbronzezeitlichen Sicheln weisen als einziger Gegenstand im bronzezeitlichen Inventar ein komplexes Zeichensystem auf, die so genannten Sichelmarken. Es spricht einiges dafür, dass diese Sichelmarken ein mit kalendarisch-vegetationszyklischen Begriffen ver-bundenes Mitteilungssystem beinhalten. Die mondförmige, heilige Gestalt der Sichel, ihr massives und plötzliches Auftreten in Depots, verbunden mit der Beobachtung, dass zwei Drittel aller Markensicheln nie benutzt wurden, lassen die Bronzesichel als Hortgut erscheinen.
Anfangs wurde die Sichel überwiegend als »Hortgeld« an numinöse Mächte für Bitten oder Danksagungen hergestellt und geopfert. Erst in der Jung- und Spätbronzezeit, als die Zusammenstellung der Depots mehr auf dem Materialwert anstatt auf dem Symbolwert der Opfergaben basierte, büßte die Bronzesichel ihre streng genormte Form und auch ihre Funktion als »Hortgeld« ein. Von nun an diente sie vor der Deponierung in der Regel als profanes Ernteschnittgerät. Wie in der Jungsteinzeit wurden auch in der Bronzezeit die Getreidekörner mit steinernen Handmühlen zerquetscht. Das auf diese Weise gewonnene Mehl mischte man mit Wasser. Der Teig wurde dann in tönernen Backöfen zu Brot gebacken. Solche Backöfen gehörten zu jedem Haushalt. Neben den schon in der Jungsteinzeit üblichen Haustieren - wie Hund (Canis), Rind (Bos), Ziege (Capra), Schaf (Ovis) und Schwein (Sus) - gewann in der Bronzezeit das Pferd (Equus) immer größere Bedeutung. In der Mittelbronzezeit kam der vom Pferd gezogene
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Streitwagen auf. Ab der Spätbronzezeit fand das Pferd vermehrt als Reittier von Kriegern Verwendung. Die während der Bronzezeit gehaltenen Schafrassen trugen noch dicke Stichelhaaare in der Wolle. Sobald diese beim Spinnen zu Wollfäden zusammengedreht werden sollten, erwiesen sie sich als recht widerspenstig: Sie knickten und spreizten sich mit den Enden aus dem Faden heraus. Das kann man an bronzezeitlichen Kleidungsstücken gut beobachten. Der wichtigste technische Fortschritt in der Bronzezeit war die Verwendung des neuen Metalls Bronze bei der Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Schmuck. Anders als bei Rohkupfer, das man bereits gegen Ende der Jungsteinzeit (auch Kupferzeit 8 genannt) in Europa kannte, ist Bronze wesentlich leichter zu schmelzen, erweist sich dann aber beim Endprodukt als merklich härter. Aus Bronze ließen sich weitaus kompliziertere Geräte anfertigen als aus Stein. Wo und ab wann Bronze zuerst bewusst hergestellt wurde, ist umstritten. Wahrscheinlich wurde diese neue Legierung aus den Metallen Kupfer und Zinn im Vorderen Orient entdeckt. Die ältesten Bronzegeräte sind aus Mesopotamien, Ägypten und von der Mittelmeerinsel Kreta bekannt. Anscheinend konnte dort der enorme Metallbedarf bald nicht mehr ausschließlich durch eigene Kupfer- und Zinnvorkommen gedeckt werden.
Dies führte offenbar bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend zu Expeditionen von Erzsuchern nach Mittel- und Westeuropa, die wohl überwiegend auf dem Seeweg entlang der Mittelmeerküste erfolgten.
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Möglicherweise sind bestimmte befestigte Hügelsiedlungen in Südspanien und Portugal von solchen Erzsuchern als Kolonien erbaut worden. Dieser Theorie zufolge haben Kontakte der Erzexpeditionen mit einheimischen Stämmen und das Abreißen der Verbindung zum fernen Mutterland vielerorts selbständige Kulturen der Frühbronzezeit entstehen lassen. In Mitteleuropa zeigte sich zunächst nur die Bevölkerung weniger Regionen dem neuen Metall gegenüber aufgeschlossen, dessen Kenntnis wahrscheinlich von der Pyrenäenhalbinsel und von Südosteuropa aus durch Wanderhandwerker verbreitet wurde. Hier ist an erster Stelle die gebietsweise in Tschechien und der Slowakei, Mitteldeutschland und Niederösterreich heimische Aunjetitzer Kultur zu nennen. Es wird vermutet, dass von dieser das ideale Mischungsverhältnis von etwa 90 Prozent Kupfer und zehn Prozent Zinn für die Bronze herausgefunden wurde.
Andere frühbronzezeitliche Kulturen in Mitteleuropa waren am nördlichen Oberrhein die Adlerberg-Kultur, südlich der Donau in Bayern die Straubinger Kultur, in Teilen Baden-Württembergs die Singener Gruppe sowie im westschweizerischen und französischen Rhônegebiet die Rhône-Kultur. Um die Zinnvorkommen der Bretagne und Südwestenglands entstand die Wessex-Kultur 9 .
In der Mittelbronzezeit setzte sich die Bronzeherstellung und -verarbeitung in weiteren Gebieten durch. Zum Beispiel war sie nun in der von Ostfrankreich bis nach Ungarn verbreiteten Hügelgräber-Kultur sowie gleichzeitig in der nordischen Bronzezeit Skandinaviens und
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Norddeutschlands üblich. Während der Spätbronzezeit haben bereits alle Kulturen Europas - beispielsweise Urnenfelder-Kultur, Lausitzer Kultur, nordische Bronzezeit - die Bronzegusstechnik beherrscht. Der Abbau der Erze Kupfer und Zinn, der Guss von verschiedenen Geräten, die Weiterverarbeitung von Bronzebarren zu Werkzeugen und Waffen sowie der Handel mit Bronzeerzeugnissen ließen neue Berufe entstehen: zum Beispiel Bergleute, Gießer, Schmiede und Händler. Holzgeräte, Keramikgefäße, Textilien und Lederwaren sind wohl noch meistens von jeder Familie selbst angefertigt worden, wenngleich es mit zunehmendem Tauschhandel auch hier bald Speziali-sten gegeben haben dürfte.
Der Handel in der Bronzezeit erfolgte - mit Ausnahme von Ägypten, Sumer, Babylon, Kreta, Phönikien und erst viel später auch in Griechenland - ohne die Kenntnis der Schrift. Da allgemein noch kein Geld gebräuchlich war, beschränkte man sich auf Tauschgeschäfte. Gehandelt wurde mit den Rohmetallen Kupfer, Zinn, Gold, Silber, außerdem mit Bronze, besonders kunstvoll gearbeiteten Werkzeugen, Waffen, Gefäßen und Schmuckstücken, Bernstein, Salz und mit Überschüssen aus der Landwirtschaft, wie Saatgut und Haustieren. Vielleicht waren gelegentlich auch Kriegsgefangene als Sklaven Tauschobjekte. Ein Teil der Versteckfunde könnte von wandernden Händlern als Depot angelegt worden sein.
Für den Transport größerer Handelsgüter fanden in der Bronzezeit zunehmend Wagen Verwendung, vor die
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man Rinder oder Pferde spannte, sowie Boote und Schiffe, die von Ruderern fortbewegt wurden. In dieses Zeitalter fällt auch der früheste Einsatz leichter zweirädriger, von Pferden gezogener Streitwagen, die beispielsweise von den um 1650 v. Chr. in Ägypten einfallenden Kriegern der Hyksôs und außerdem von der Mykenischen Kultur in Griechenland bekannt sind. Seit etwa 1800 v. Chr. fertigte man in Europa die im Vergleich zu den vorher üblichen schweren Scheibenrädern viel leichteren Speichenräder an. Als einer der frühesten Belege dafür wird ein Fund aus Balkåkra in Schweden gedeutet, den manche Autoren als ein nach 1700 v. Chr. zu kultischen Zwecken gebautes Wagenmodell mit Vierspeichenrädern betrachteten. Das angebliche Wagenmodell soll eine 42 Zentimeter große, kreisrunde Bronzescheibe als Sonnensymbol getragen haben. Andere Experten deuteten denselben Fund als Trommel oder als Altarschmuck. Ins 16. Jahrhundert v. Chr. werden Abdrücke originalgroßer zehnspeichiger Räder datiert, die in Gräbern (Kurgane genannt) der Andronovo-Kultur 10 von Sintasta im südlichen Transuralien entdeckt wurden. Diese Abdrücke stammen von Speichenrädern, deren Durchmesser bis zu einen Meter aufwies und deren Holz zerfallen war. Darstellungen von Speichenradwagen fand man häufig auf Tongefäßen der jüngeren Ockergrab-Kultur 11 nach 1500 v. Chr. in Russland. So waren in ein Tongefäß aus einem Grab von Suchaja Saratovka im Transwolgagebiet ein zweirädriger Wagen mit Speichenrädern, Deichsel, Joch und zwei Zugpferden eingeritzt
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Besonders häufig finden sich Wagen mit Speichenrädern auf Felsbildern in Südskandinavien und in den Südalpen. Sie wurden zwischen etwa 1800 und 1100 v. Chr. geschaffen. Eine Felsbildgruppe von Frännarp in Schweden zeigt insgesamt etwa ein Dutzend zweirädriger Wagen, die in einer Reihe aufgefahren zu sein scheinen. Sechs davon sind fahrbereit, nämlich mit je zwei Pferden bespannt. Felsbilder von Tanum und aus dem Steinkistengrab von Kivik stellen Zweiradwagen dar, auf denen der Fahrer steht. Andere schwedische Felsbilder wie die von Rished und Langön lassen vierrädrige Wagen erkennen, die lenkbar waren. Zweirädrige Wagen mit Speichenrädern gehören außerdem zum Motivschatz der Felsbilder im norditalienischen Val Camonica, einem etwa 80 Kilometer langen Talabschnitt des Oglio zwischen Tonalepaß und Iseosee. In der Spätbronzezeit ab etwa 1200 v. Chr. waren Wagen in der von Ungarn bis Frankreich verbreiteten Urnenfelder-Kultur im Einsatz, wie Reste hölzerner und bronzener Räder sowie von Wagenbeschlägen in Gräbern belegen. Auch im Leben der Skythen in Transkaukasien spielten Wagen eine große Rolle. Die Frauen und Kinder dieser kriegerischen Nomaden wohnten in von Rindern gezogenen Fahrzeugen mit ein bis drei Räumen und Wänden aus Filz, während die Männer meistens zu Pferde ritten. Tonmodelle solcher skythischer Nomadenwagen sind in Gräbern aus der Zeit nach 1000 v. Chr. gefunden worden, beispielsweise in Mengecaura am rechten Ufer des Flusses Kura. Bei den hochentwickelten Kulturen im östlichen Mittelmeerraum, die zu Beginn der Bronzezeit auf
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dem Seeweg Expeditionen zur Erzsuche nach Westeuropa entsandten, nahm die Schifffahrt zweifellos eine wichtige Stellung ein. Ihre Seefahrer waren schließlich schon fähig, Schiffe mit großer Mannschaft auf einer küstennahen Route im Mittelmeer zu fernen Gestaden zu rudern. Ähnlich tüchtige Seefahrer lebten offenbar ab etwa 1600 v. Chr. auch in Süd-skandinavien. Ohne ihre Aktivitäten sind die völlig übereinstimmenden Funde von Werkzeugen, Waffen und Schmuck beiderseits der Nord- und Ostsee nicht erklärbar. Die auf skandinavischen Felsbildern und bronzenen Rasiermessern jener Zeit dargestellten Schiffe trugen noch keine Segel, wurden also durch Ruder oder Paddel vorwärtsbewegt. Mit ihren hochgezogenen, von Spiralen und Tierköpfen gekrönten Steven erinnern diese Gefährte an die sehr viel später konstruierten Drachenschiffe der Wikinger. Auf den ersten Blick ähneln die Darstellungen manchmal eher einem Schneeschlitten, doch Steuerruder und paddelnde Männer schließen eine solche Vermutung aus.
Im Binnenland Europas benutzte man, wie Funde aus Seeufersiedlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beweisen, Einbäume als Wasserfahrzeuge. Sie wurden durch das Aushöhlen von dicken Baumstämmen geschaffen.
Die Bekleidung für den Alltag ist in der Bronzezeit vermutlich fast in jedem Haushalt selbst hergestellt worden. Nur die privilegierten Anführer und Priester ließen sich wahrscheinlich besonders prächtige Gewänder anfertigen. Funde von Spinnwirteln, Web-
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stuhlgewichten und Nähnadeln in Frauengräbern lieferten Hinweise dafür, dass das Spinnen von Wolle und das Weben von Stoffstücken mit Webstühlen wohl zum Aufgabenbereich der Frauen gehörte. Reichbemalte Tonfiguren aus der Mittelminoischen Kultur von Kreta um 2000 bis 1700 v. Chr. führen uns die damaligen Garderoben vor Augen. Demnach begnügten sich die Männer mit einer kurzen Schürze. Die Frauen mit Wespentaille betörten mit einer langen »Krinoline«, die raffinierterweise die Beine bedeckte, jedoch die Brüste unverhüllt zur Schau stellte. Über die in Nordeuropa übliche Garderobe sind die Prähistoriker besonders gut durch die unter günstigen Umständen erhaltenen Kleidungsreste in Baumsärgen der nordischen Bronzezeit unterrichtet. Nach diesen Funden zu schließen, hatten die Männer keine Hosen an. Dieses Kleidungsstück war in der Bronzezeit allgemein unbekannt. Die Männer trugen einen von der Schulter bis zu den Knien reichenden Rock, der die Schultern nicht bedeckte, von Schulterriemen gehalten und in der Hüfte geschnürt wurde. Als Kopfbedeckung gab es verschieden hohe Filzmützen. Die Füße steckten in sandalenartigen Schuhen mit an den Unterschenkeln kreuzweise gebundenen Lederriemen. Die Frauen zogen eine einfache Bluse mit halblangen Ärmeln und einen langen weiten Rock an. Der Rock bestand aus einem einzigen Stück Gewebe. Er wurde um die Hüfte geschlungen und von einem Stoffgürtel zusammengehalten. Ob Unterwäsche üblich war, ist unbekannt. Mädchen waren mit einem sehr kurzen Fransenrock bekleidet, der viel Bein zeigte. Zum Gürtel
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Bild auf Seite 35: So genannte »weise Frau« aus dem mittelbronzezeitlichen Grabhügel 24 im Königswieser Forst (Kreis Starnberg) in Bayern nach einer historischen Trachtenrekonstruktion des Münchener Historienmalers und Altertumsforschers Julius Naue (1832-1907)
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Bild auf Seite 37: So genannter Stammesfürst mit Beil und Schwert bewaffnet aus der mittelbronzezeitlichen Hügelgräber-Kultur nach einer historischen Trachtenrekonstruktion des Münchener Historienmalers und Altertumsforschers Julius Naue (1832-1907)
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Bild auf Seite 39: So genannte »reiche Frau« aus der mittelbronzezeitlichen Hügelgräber-Kultur nach einer historischen Trachtenrekonstruktion des Münchener Historienmalers und Altertumsforschers Julius Naue (1832-1907)
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aus Stoff oder Leder gehörte häufig ein bronzener Gürtelhaken alsVerschluss. Für die wohl unter großem Zeitaufwand zurechtgemachte kunstvolle Frisur wurde ein Netz verwendet. Kämme waren nichts Neues mehr, da diese Toilettegegenstände seit der Jungsteinzeit bekannt sind. Ab der Mittelbronzezeit kamen bronzene Rasiermesser für die Männer und bronzene Pinzetten zum Entfernen lästiger Haare auf.
Wegen der zahlreichen golden glänzenden Bronzeerzeugnisse - darunter auffallend viel Schmuck -, des relativ häufig vorkommenden Goldschmucks sowie einiger anderer Kriterien wird die Bronzezeit zuweilen als das »goldene Zeitalter« der Urgeschichte bezeichnet. In manchen bronzezeitlichen Kulturen waren vor allem die Frauen über und über mit Schmuck behängt. So trugen die Frauen der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur in Tschechien und der Slowakei bronzene oder goldene Ohrgehänge, Halsketten aus Bernstein-oder Bronzeperlen oder mit Röhrchen aus gerolltem Bronzeblech oder -draht, Halsringe, Gewandnadeln, Armringe oder -spiralen, Manschettenarmbänder, Anhänger und Fingerringe aus Bronze- oder Golddraht. Nicht minder geschmückt waren die Frauen der Lüneburger Gruppe in der mittleren Bronzezeit. Damals wurden den Damen die Hals-, Arm- und Beinringe vermutlich angeschmiedet, weil man diese wegen der Sprödigkeit der Bronze nicht wiederholt aufbiegen konnte. In der Spätbronzezeit kam zu all diesem Gefunkel noch klappernder Anhängerschmuck dazu, der wohl weniger dazu gedacht war, Aufsehen bei den
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2011, Deutschland in der Frühbronzezeit, München, GRIN Verlag GmbH
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