In meinem Vortrag gehe ich von dem Terminus der nonverbalen Kommunikation aus. Sie ist als ein Gebiet des menschlichen Zeichenverhaltens zu verstehen, das von Semiotik, Sozialpsychologie, Kulturanthropologie und Ethologie erforscht wird. Aus den Untersuchungen geht hervor, dass die nonverbale Kommunikation „das Ausdruckspotential des menschlichen Körpers in Zeit und Raum“ umfasst. Sie besteht aber auch teilweise aus der visuellen und der verbalen Kommunikation und lässt sich von diesen zwei Gebieten nicht trennen. Was die linguistischen Ansätze zur Erforschung dieser Kommunikationsart anbelangt, ist Pikes „Unified Theory of Human Behavior“ (1967) zu nennen. Der Forscher unternimmt den Versuch, ein Modell zur Analyse des sprachlichen wie auch des nichtsprachlichen Verhaltens zu entwickeln, wozu er sich der Methode bedient, die Tangemik heißt. Er hält demzufolge Akteme und Behavioreme für Segmente des nichtverbalen Verhaltens, analogisch zu den Phonemen und Äußerungseinheiten der Sprache.
Zur Definition der nonverbalen Kommunikation zurückkehrend, sind zwei Definitionen zu unterscheiden: eine weitere und eine engere Definition. Im weiteren Sinn kann die nonverbale Kommunikation als „Kommunikation minus Sprache“ bezeichnet werden. Manchmal gehört dazu auch das Gebiet der visuellen Kommunikation, also die Kommunikation durch Objekte oder das kommunikative Verhalten der Tiere. Im engeren Sinn wird die nonverbale Kommunikation auf sprachbegleitendes Verhalten beschränkt. Ich möchte mich jetzt auf die Begriffe: verbal, vokal und nonverbal in Bezug auf die Kommunikation konzentrieren, wobei es betont werden soll, dass einige Untersuchungen das Begriffspaar vokal/nonvokal als eine gewisse Alternative zur Opposition verbal/nonverbal darstellen. Man kann sich aber die Frage stellen, ob diese Alternative zustimmt, weil der Begriff „verbal“ ein Synonym von „sprachlich“ ist. Die Sprache wird jedoch nicht nur vokal ausgedrückt, sondern kann auch in Form von Schrift, also visuell geäußert werden. Demzufolge sind die sprachlichen und die körperlichen Zeichen, d.h. die beiden Hauptgebiete der Kommunikationsforschung, folgendermaßen aufzuteilen:
- verbale vokale Kommunikation: ihr Gegenstand sind die Botschaften einer gesprochenen natürlichen Sprache.
- nonverbale vokale Kommunikation: ihr Gebiet ist die Paralinguistik und manche nichtlinguistische Ausdrucksformen, wie z.B. Schreien oder Lachen. - verbale nonvokale Kommunikation: sie beinhaltet Schrift,
Sprachsubstituten und Gebärdensprachen.
- nonverbale nonvokale Kommunikation: sie untersucht die körperlichen Zeichen in Raum und Zeit.
Bei der Erörterung der nonverbalen Kommunikation taucht die Frage auf, wann das menschliche Verhalten als zeichenhaft bzw. kommunikativ zu betrachten gilt. Ich versuche diese Frage zu beantworten, indem ich drei folgende Gesichtspunkte darlege: pansemiotische Sicht, unilaterale Semiose und bilaterale Kommunikation.
Die pansemiotische Sicht besagt, dass jedes nonverbale Verhalten kommunikativ ist. Zu solcher Feststellung kommt man, wenn das metakommunikative Axiom („Es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren.“) akzeptiert wird. In diesem Zusammenhang wird auch dann kommuniziert, wenn man nichts sagt. Die Initiative ergreift die Körpersprache, die ständig gewisse Botschaften sendet.
Was die unilaterale Semiose betrifft, geht sie von der Annahme aus, dass das nonverbale Verhalten nur entweder für den Empfänger oder für den Sender zeichenhaft ist (unilateral - einseitig, nur eine Seite betreffend). Beim Empfänger kommt es nämlich zu Prozessen der Beobachtung, Diagnose und Interpretation, wobei im zweiten Fall, also beim Sender, das Zeichen beabsichtigt wird. Dies wird jedoch von dem Empfänger nicht bemerkt, was zur missglückten Kommunikation führt. Man kann sich hier die Frage danach stellen, in welchem Maße die nonverbalen Zeichen dem Sender oder dem Empfänger bewusst sind. Den Untersuchungen zufolge läuft das meistens unilateral ab, wobei beispielsweise folgende Situationen zu unterstreichen gelten: 1) Der Sender und Empfänger nehmen die Zeichen nicht wahr; 2) Der Sender ist sich der Zeichenhaftigkeit seiner Zeichen nicht bewusst; 3) Die
Zeichen bleiben für beide Seiten der Kommunikation unbewusst, aber der Empfänger wird durch sie beeinflusst; 4) Der Sender ist sich der Zeichenhaftigkeit bewusst, der Empfänger jedoch nicht. Den Prinzipien der bilateralen Kommunikation zufolge, ist das nonverbale Verhalten nur dann kommunikativ, wenn es gerade bilateral abläuft. In diesem Zusammenhang hat die nonverbale Kommunikation folgende Voraussetzungen: 1) Soziale Gemeinsamkeit des Kodes; 2) Es soll der Sender vorhanden sein, der mit Hilfe dieses Kodes etwas öffentlich mitteilt; 3) Auf der anderen Seite soll es einen Empfänger geben, der systematisch auf diesen Kode reagiert. Mit der Bilateralität der nonverbalen Kommunikation geht auch die Interaktion einher. Das Agens ist nämlich nur dann interaktiv, wenn es das Verhalten anderer beeinflusst oder auch modifiziert.
Ich möchte mich jetzt mit einem weiteren Problem des Vortrags beschäftigen, nämlich mit der Körpersprache und der Gestik. In manchen Quellen wird Körpersprache als ein Synonym für nonverbale Kommunikation dargestellt. Es sollen jedoch auch weitere Gebiete berücksichtigt werden, wie z.B.: die Physiologie des Körpers, die Körperhaltung, die nichtgestischen Körperbewegungen und die Körperorientierung im Raum. Was die Gestik angeht, umfasst sie im engeren Sinn „das semiotische Ausdruckspotential des menschlichen Körpers mittels der Arme, der Hände und des Kopfes“. Im Deutschen stehen für den Bereich Gestik zwei Termini zur Verfügung, d.h. Geste und Gebärde, manche Quellen unterscheiden auch zwischen Gesten (Ausdrucksbewegungen) und Gebärden (Zweckbewegungen). Das bedeutet aber nicht, dass die beiden Begriffe nicht unterschiedslos verwendet werden können. Heutzutage ist aber die Tendenz sichtbar, den Terminus „Gebärde“ in Bezug auf die Zeichensprache der Gehörlosen zu gebrauchen (Gebärdensprache).
Im weiteren Sinn hängt Gestik mit den Zeichen der Körpersprache zusammen, worauf viele Quellen und Definitionen hinweisen, z.B.: „Geste sind jede bewusste oder unbewusste Körperbewegung, [...], durch die wir entweder mit uns selbst oder mit anderen kommunizieren“ (Hayes in „Encyclopedia
Arbeit zitieren:
mgr Lukasz Tyczkowski, 2010, Verbale und nonverbale Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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