Gliederung:
Einleitung Seite 3
1. Die Entstehung des Gemeinwesens Seite 3
1.1. Die Entstehung der Polis bei Aristoteles Seite 3
1.2. Die Entwicklung des Staates bei Rousseau Seite 7
2. Polis und Staat Seite 11
2.1. Die Autoren im Kontext ihrer Zeit Seite 11
2.1.1. Aristoteles Seite 11
2.1.2. Rousseau Seite 13
2.2. Polis Seite 14
2.3. Staat Seite 17
Zusammenfassung / Schluss Seite 18
Literaturliste Seite 19
2
Einleitung
Untersucht wird in dieser Hausarbeit die Entstehung von Polis und Staat bei Aristoteles und Rousseau. Dabei soll zuerst die Frage nach der Entwicklung des Menschen bei beiden Autoren im Vordergrund stehen. Existiert der Mensch von Anbeginn an nur in der Gemeinschaft oder geht diesem Zustand eine historische Entwicklung voraus. Die unterschiedlichen Positionen Rousseaus und Aristoteles zu dieser Frage werden in einem zweiten Schritt auf ihre epochenbedingten Hintergründe befragt, wobei sich Unterschiede in der Staatlichkeit von Polis und Staat zeigen.
Aufgrund der Weite des Themas kann in dieser Hausarbeit nur auf die „Politik“ des Aristoteles und die „Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ Rousseaus als Quelle eingegangen werden. Dies ist vor allem nötig, da allein die zusätzliche Sichtung der Sekundärliteratur zur „Nikomachischen Ethik“ und dem „Gesellschaftsvertrag“ den Rahmen einer Hausarbeit überziehen würden.
1. Die Entstehung des Gemeinwesens
1.1. Entstehung der Polis bei Aristoteles
Der wohl mit Abstand am häufigsten zitierte Satz der Aristotelischen „Politik“ ist die Aussage der Mensch sei ein ζωον πολιτιικον [I/1253a] 1 , ein politisches Lebewesen, welches sich in der Polis verwirkliche und von Natur aus auf die staatliche Gemeinschaft hin angelegt sei 2 . 3 Ohne an dieser Stelle bereits auf die Kontroverse um die Zeitbedingtheit dieses Satzes einzugehen 4 , ist es doch nötig, in Hinblick auf die zu erörternde Frage nach der Genese des Gemeinwesens bei Aristoteles, diesen Satz in seiner Einbettung in die „Politik“ knapp zu erläutern.
1 Zitiert wird die Politik des Aristoteles im Wesentlichen nach Aristoteles: Politik, hrsg. v. Franz F. Schwarz, Stuttgart 1989.
2 Vgl ebenda I/1278b.
3 Vgl. hierzu vor allem Reinhard Brand: Untersuchungen zur politischen Philosophie des Aristoteles, in: Hermes 102 (1974), Seite 191-206 und Wolfgang Kullmann: Der Mensch als politisches Lebewesen bei Aristoteles, in: Hermes 108 (1980), Seite 419-443.
4 Siehe Kapitel 2.2..
3
Aristoteles beginnt sein Werk mit der Feststellung:
„Da wir sehen, dass jeder Staat eine Gemeinschaft darstellt und jede Gemeinschaft um eines bestimmten Gutes willen besteht - denn eines Guten wegen, dass eben ein solches zu sein scheint, tun alle alles -, ist es klar, dass alle Gemeinschaften nach einem Gut trachten, am meisten aber [5] und zwar nach dem entscheidendsten unter allen Gütern die Gemeinschaft, die von allen die entscheidendste ist und alle anderen Gemeinschaften umspannt. Diese aber ist der Staat und die staatsbürgerliche Gemeinschaft.“ 5
Er definiert damit die Polis zum einen als sittliche Gemeinschaft, die eben um eines bestimmten Zweckes willen besteht und zum anderen bereits an dieser Stelle als entscheidende Gemeinschaft, da sie alle weiteren menschlichen Einheiten umfasst. Um das Wesen der Polis zu verstehen ist es nach Aristoteles nötig das Gemeinwesen in seine kleinsten Teile zu zerlegen. 6 Diese kleinste Einheit ist nach Aristoteles nicht das Individuum, sondern das Haus, welches sich aus der Gemeinschaft von Mann und Frau, sowie von Herrn und Sklaven zusammensetzt. 7 Aus den einzelnen Häusern entsteht nun das Dorf, das „sich wegen eines über den Tag hinaus reichenden Bedürfnisses zusammensetzt“. 8 Die Polis besteht aus
mehreren Dörfern und erreicht fast die Grenze der Autarkie. Sie ist die vollkommene Gemeinschaft, die „nun zwar des Lebens wegen entstanden ist, aber doch um des guten Lebens willen besteht“. 9
Die folgenden Zeilen sind für die Frage nach der Entstehung des Gemeinwesens von besonderer Bedeutung:
„Deswegen existiert jeder Staat von Natur aus, wenn das ebenso die ersten Gemeinschaften tun. Denn der Staat ist das Ziel jener Gemeinschaften, die Natur jedoch bedeutet Ziel. Wie nämlich jedes nach Vollendung seiner Entwicklung ist, so nennen wir dies die Natur eines jeden, etwa die des Menschen, des Pferdes und des Hauses. Ferner ist das Weswegen und das Ziel das Beste. Die Selbstgenügsamkeit ist aber sowohl das Ziel als auch das Beste.“ 10
5 Schwarz (1989), I/1252a.
6 Vgl. ebenda.
7 Vgl. ebenda, I/1252b.
8 Vgl. ebenda.
9 Ebenda
10 Ebenda I/1252b-1253a
4
Der Staat 11 existiert nach Aristoteles von Natur aus, da auch die ersten Gemeinschaften, das Verhältnis von Mann und Frau, sowie von Sklave und Herrn aus denen sich die kleinste Einheit das Haus zusammensetzt, von Natur aus existiert. Die Polis ist das Ziel dieser Gemeinschaften und die Natur einer Sache ist ihr Ziel, da sie die größtmögliche Vollendung dieser Entwicklung darstellt. Die menschliche Gemeinschaft erreicht in der Polis die Autarkie. Die Autarkie wird sowohl als Zweck, wie auch als Ziel der Gemeinschaft benannt und sei somit anzustreben. Aus diesen Prämissen kann Aristoteles nun folgern, „dass der Staat zu den von Natur aus bestehenden Dingen gehört und dass der Mensch von Natur aus ein staatsbezogenes Lebewesen ist und dass ferner der, der seiner Natur nach und nicht dem Zufall gemäß ohne Bindung an einen Staat ist, entweder schlecht ist oder bedeutender als der Mensch“. 12 Der Staat entsteht somit aus einem Mangel an Autarkie des Einzelnen. 13 Deshalb ist der Mensch ein von Natur aus auf die Gemeinschaft und letztlich die Polis angelegtes Wesen. Das Gemeinwesen besteht aus den einzelnen Dörfern, diese wiederum aus den Oikoi. Wenn man nach der Genese des Staates bei Aristoteles fragt, muss durchdacht werden, ob dem Zusammenschluss der Elemente zum Ganzen eine Entwicklung zu Grunde liegt oder ob die Polis, da sie von jeher das Ziel der Gemeinschaft ist, bei Aristoteles von Anfang an besteht. 14 Entsteht der Stadtstaat 15 also aus einem vorstaatlichem Zustand des Menschen oder war er schon immer?
Drei Indizien zur Klärung dieser Frage lassen sich aus dem bisher gesagten bereits folgern. Zum einen gibt uns Aristoteles keinen Hinweis darauf, dass es sich bei der kleinsten genannten Einheit dem Oikos um einen aus der Beziehung Mann-Frau und Herr-Sklave entstandenen historischen Zusammenschluss handelt. Er wird auch in den folgenden Kapiteln das Haus nur auf seine Zusammensetzung hin analysieren, nicht aber auf seine Genese. 16 Zum anderen behauptet Aristoteles, das Gemeinwesen sei um des Lebens willen entstanden. Da das bewusste Ziel demnach
11 Staat sei hier nicht im Sinne des neuzeitlichen Staatsbegriffs gemeint, sondern als Polis oder Bürgerschaft (s.u.).
12 Vgl. Ebenda I/1253a
13 Vgl. Kullman (1980), Seite 421.
14 Vgl dazu und im Folgenden v.a. Kullmann (1980), ebenso Eduard Meyer: Geschichte des Altertums I1, Darmstadt 1953.
15 Der Begriff Stadtstaat ist etwas irreführend, da er eine Herrschaft der Stadt über ihr Umland impliziert, die für die Antike nicht angenommen werden kann. Dennoch wird der Begriff in dieser Arbeit gelegentlich benutzt, um eine zu große Häufung der Begriffe Polis und Gemeinwesen zu vermeiden.
16 Vgl. Schwarz (1989), I/1253b ff.
5
Arbeit zitieren:
Peter Schubert, 2003, Entstehung des Gemeinwesens in Aristoteles Politik und Rousseaus Diskurs über die Ungleichheit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Analyse und Vergleich politischer Systeme: Das Beispiel USA und Bundes...
Politik - Internationale Politik - Region: USA
Hausarbeit, 14 Seiten
Gesellschaftsvertragstheorien im Vergleich: Thomas Hobbes' "L...
Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
Seminararbeit, 17 Seiten
Global Governance: Fallbeispiel UNO
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Zwischenprüfungsarbeit im Anschluss an das Seminar: Immanuel Kant, Gru...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Zwischenprüfungsarbeit, 22 Seiten
Die Friedensarbeit der Vereinten Nationen
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Seminararbeit, 24 Seiten
Die praktische Umsetzung der Anthroposophie Rudolf Steiners in der Wal...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 18 Seiten
Theoriebegriffe der Internationalen Politik - Konstruktion von Wirkl...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Studienarbeit, 15 Seiten
Der Bundestag in der Europäischen Dimension
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Der Darfur-Konflikt - Was waren seine Ursachen und warum sollte die Af...
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Hausarbeit, 25 Seiten
Vergleich des Regierungssystems der Weimarer Republik mit dem der Bund...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit, 29 Seiten
Peter Schubert hat den Text Entstehung des Gemeinwesens in Aristoteles Politik und Rousseaus Diskurs über die Ungleichheit veröffentlicht
Peter Schubert hat einen neuen Text hochgeladen
Diskurs über die Ungleichheit. Discours sur l'inègalitè
Kritische Ausgabe des integral...
Jean-Jacques Rousseau, Heinrich Meier
Die Rezeption der aristotelisc...
Christoph Horn, Ada B. Neschke-Hentschke
Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlich...
oder Stoff, Form und Gewalt ei...
Thomas Hobbes, Lothar Waas
0 Kommentare