Spracherwerb ab und weist darauf hin, dass die Sprache von niemandem erschaffen
werden konnte, da sie viel zu „kunstvoll“ (Z.10), komplex, ja „mannigfaltig“ (Z.11) sei.
Schopenhauer erläutert anhand eines Faktenarguments (Z.14/15) die Tatsache des
Übertragens der verbalen Verständigung von Generation zu Generation. Er erklärt
dem Leser, dass die Sprache von Erwachsenen und ihren Kindern bis auf einige
Neuerung kaum voneinander abweiche, wodurch seine Beweisführung verständlich
und leicht nachvollziehbar wird. Der Autor glaubt, dass die Beeinflussung und
Veränderung der Sprache im Laufe der Zeit nicht positiv sei, sondern sie im
Gegenteil „immer einfacher und schlechter“ (Z.20/21) mache. Somit greift er seine
These vom Anfang des Textes wieder auf und führt sie weiter. Mit einem
Gedankenstrich leitet er ein analogisierendes bildhaftes „Gleichnis“ (Z.29) vom Leben
einer Pflanze ein, welches für die Dauer und Qualität der Sprache steht. Er stellt fest,
dass nach dem Erblühen der Pflanze unwiderlegbar deren „Verfall“ (Z.27) folge.
Diesen natürlichen Prozess vergleicht er mit der Sprache. Nach dem Höhepunkt der
lexikalischen Vielfalt verliere sie ihre Ausdruckskraft und ihren Wert. Aus
philosophischer Sicht lässt sich der Sprachverfall leichter erklären als der eigentliche
Spracherwerb, was die rhetorische Frage „… wir aber hätten… nicht…. vom früheren
Wachstum Kunde?“ (Z. 26-28) ausdrückt. Nun weist er darauf hin, dass die
menschliche Sprache „instinktiv… ohne Reflexion und bewusste Absicht“ (Z. 31- 35)
gebraucht werde. Sie sei nur „Werkzeug und Organ“ (Z. 34), also etwas rein
Funktionelles. Arthur Schopenhauer ist ein früher Vertreter der Theorie des
Nativismus, was durch seine Ansicht bekräftigt wird, dass Sprache angeboren sei.
Selbst Gegenwartsphilosophen greifen Schopenhauers Meinungen auf. So zum
Beispiel plädieren Noam Chomsky und Steven Pinker in ihren Texten für die
Instinkthaftigkeit der menschlichen Sprache und positionieren sich gegen deren
Eigenerwerb.
Schopenhauers Text beschreibt weiterführend die Vergänglichkeit dieses
Sprachinstinktes. Er verliere sich „allmählich im Lauf der Generationen“ (Z. 38),
nachdem der Mensch der Sprache mächtig sei. Indem er analogisierend das
instinkthafte Verhalten anderer Lebewesen wie „Bienen… Wespen [oder]… Biber“ (Z.
40/41) mit dem des Menschen vergleicht, möchte der Autor den Rezipienten von
seiner Spracherwerbstheorie überzeugen. Er betont abschließend die „hohe
Vollkommenheit aller Werke des Instinkts“ (Z. 42/43), also der Sprache, wie sie
ursprünglich war und fordert den Leser indirekt auf, diese Sprachqualität
wiederzuerlangen („nachzuspüren“, Z. 43/44). Indem er jeweils am Anfang und am
Ende seines Textes mindestens eine Form des Wortes „vollkommen“ (Z. 2, 38, 42)
verwendet und damit seine Bewunderung für das von der Natur in seiner
Ursprünglichkeit Geschaffene ausdrückt, schließt Schopenhauer den gedanklichen
Rahmen.
Analysiert man vergleichend den philosophischen Text von Friedrich Nietzsche, so
fällt dem Leser zuerst der anspruchsvolle Titel „Vom Genius der Gattung“ auf,
welcher im Gegensatz zu Schopenhauers Betitelung nicht sofort auf den Inhalt des
Textes verweist. Als „Genius“ wird die schöpferische Geisteskraft eines Menschen
bezeichnet und das Nomen „Gattung“ steht in diesem Fall für die Gattung des
Menschen. Erst nach dem Erschließen des Lexik kann der Rezipient die Bedeutung
des Titels herausfinden und den hohen Anspruch des Textes an den Leser
erkennen.
Nietzsche leitet seinen sprachwissenschaftlichen Text mit einigen Philosophien über
die Bedeutung des menschlichen Bewusstseins ein. Indem er eine
Spiegelmetaphorik verwendet („Spiegel“, „Spiegelung“, „Bilde“, Z. 5, 6, 8),
verdeutlicht der Autor, wie wenig Einfluss unser Bewusstsein auf das alltägliche
denkende, fühlende, wollende Leben (vgl. Z. 9/10) habe. Mit einer rhetorischen
Frage (Z. 11/12) drückt er seine Ansicht aus, dass dieses Bewusstsein demzufolge
„überflüssig“ (Z. 12) sei. Die fast ausschließliche Verwendung des Konjunktivs II in
diesem Abschnitt („könnten“, „wäre“, „sähe“, Z. 1, 5, 6) betont das Gedankenspiel
Nietzsches und schafft beim Leser eine Vorstellung einer unrealen Situation. Am
Anfang gebraucht Nietzsche, wie auch Schopenhauer, das Personalpronomen „Wir“
(Z. 1, 2), um eine Vertrauensbasis zwischen Sprecher und Rezipienten zu schaffen
und die Argumentation überzeugender zu gestalten. Im folgenden Gedanken (Z. 12
ff.) entwickelt der Autor seine eigenen Hypothesen zur Bedeutung des Bewusstseins,
was mit dem finiten Personalpronomen „mir“ (Z. 13) und der Wiederholung des Verbs
„scheint“ (Z. 13, 24) verdeutlicht wird. Er stellt einen Bezug zwischen dem Denken,
der „Mitteilungsfähigkeit“ (Z. 16) und der „Mitteilungsbedürftigkeit“ (Z. 18/19) eines
Menschen her. Je nach Geschlecht oder „Rasse“ (Z. 25) sieht er einen mehr oder
weniger großen Mitteilungswunsch. Er schreibt diesem „Bedürfnis“ (Z. 26), mit
anderen Menschen zu kommunizieren, „sich mitzuteilen [und einander]… zu
verstehen“ (Z. 27/28) den Hauptgrund zu, warum Sprache entstand. Mit der
Alliteration „Kraft und Kunst“ (Z. 29) weist Nietzsche auf die Intensität und
Arbeit zitieren:
Mitsie Sande, 2010, Arthur Schopenhauer „Über Sprache und Worte [Zur Entstehung der Sprache]“ und Friedrich Nietzsche „Vom Genius der Gattung“, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
German Philosophers: Kant, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche
Roger Scruton, Peter Singer, Christopher Janaway
Nietzsche für Anfänger: Also sprach Zarathustra
Eine Lese-Einführung
Rüdiger Schmidt, Cord Spreckelsen
0 Kommentare