Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 2
2. Historischer Hintergrund bis zur Entstehung der „Zwölf Artikel“ 2-3
3. Quellenkritik 3-4
4. Quelleninterpretation 4-7
5. Schluss 8
6. Bibliographie 9
2
1. Einleitung
Ende Februar 1525 formulierten oberschwäbische Bauern ein in zwölf Punkte gegliedertes Manifest, das dann in kürzester Zeit in ganz Süddeutschland vom Elsas bis nach Tirol einen unwahrscheinlichen Bekanntschaftsgrad erreichte. Den Bauernkrieg von 1525 hätte es in dieser Art ohne die „Zwölf Artikel“ nicht gegeben. Diese Artikel sollen in meiner Arbeit in Verbindung mit dem zeithistorischen Kontext interpretiert werden. Dabei soll untersucht werden, ob die zwölf Artikel die sozial-ökonomische Lage der Bauern widerspiegeln, welche Hoffnungen die Bauern in den Artikeln bündelten und ob die dort beschriebenen Missstände eine Revolution der Bauern rechtfertigen.
2. Historischer Hintergrund bis zur Entstehung der Zwölf Artikel Die nicht privilegierte Bevölkerung verteilte sich im deutschen Lande auf die bis zum 16. Jahrhundert heranwachsenden Städte und auf den agrarischen Sektor. Zahlenmäßig standen die Städter in der Minderheit. Die größte Masse der Bevölkerung lebte auf dem Lande. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren es ihrer etwa 80% 1 . Nur eine Minderheit der Bauern durfte sich zu den uneingeschränkten Herren zählen. Die erdrückende Mehrheit musste sich mit den jeweiligen Grundeigentümern arrangieren: einerseits mit dem Niederadel, andererseits mit den ebenfalls über riesige Areale verfügenden geistlichen Herrscher. Das deutsche Volk war um das Jahr 1525 geprägt vom Verhältnis des Herrn zum Knecht und umgekehrt 2 . Die Grundherren hatten den Bauern, allgemein gesehen, eine Menge Verpflichtungen und nur sehr wenig Rechte zugesichert 3 . Missernten während der Jahre 1500 bis 1503 und 1516 bis 1519 verschärften die Situation zusätzlich, denn die Grundherren versuchten vor allem zu Beginn des 16. Jahrhunderts, die ihnen seitens der Bauern zu leistenden Dienste, noch weiter zu erhöhen. Das Maß bei den Bauern war voll und stand kurz vor’m Überlaufen.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hatten sich im Westen des Reiches Bauern bereits unter dem Namen „Bundschuh“ zusammengerottet und rebellierten einige Male bis zum Jahre 1517 in der oberrheinischen Region. Als Vorläuferaufstand wäre noch der „arme Konrad“ zu erwähnen, der aber ebenfalls wie der „Bundschuh“ keine nennenswerten Erfolge zu verzeichnen hatte. Diesmal sollte alles anders kommen. 1525 brach in der Grafschaft Stühlingen bei Schaffhausen der erste Aufstand los und weitete sich alsbald wie ein Flächenbrand rheinabwärts, nach Westen ins Elsas hinein, nach Osten ins Schwäbische und von dort aus über das Allgäu bis in die Alpenländer. Begünstigt wurde der Aufruhr vor allem in den Regionen, in denen sich auf engem Raum Ritterschaften, niederadlige Sitze, Klöster
1 Gebhard, Armin, Thomas Müntzer, Revolution statt Reformation, Eine Studie, Marburg 2004, S. 5.
2 Gebhard, Armin, Thomas Müntzer, Revolution statt Reformation, Eine Studie, Marburg 2004, S. 5.
3 Der Hauptteil dieser Arbeit konzentriert sich auf die Darstellung dieser Missstände. Ich werde deshalb zu
diesem Zeitpunkt nicht weiter darauf eingehen.
3
Abteien und noch obendrein Städte und Reichsstädte wechselseitig bedrängten 4 . Als Beispiel wäre da besonders Oberschwaben zu nennen. Der Bauernkrieg ging weiter in Hegau über den Schwarzwald hinweg, in den Breisgau und die Ortenau bis nach Speyer und dehnte sich über Baden, wie über die Pfalz aus und fand ebenfalls viele Anhänger außerhalb der Bauern. So zählten zu der so genanten Erhebung des „Gemeinen Mannes“ ebenfalls verarmte Stadtbürger und Bergknappen. In folge bildeten sich aus den anfänglich kleineren örtlichen Gruppierungen drei Große Bauernhaufen: „der Allgäuer Haufen“, „Der Baltringer Haufen“ und „der Bodenseehaufen“, die sich wiederum am 6./7. März zu der „Christlichen Vereinigung“ aller Bauern zusammenschlossen 5 . Aus dieser gingen die „Zwölf Artikel“ hervor, die nun im nächsten Abschnitt näher untersucht werden.
3. Quellenkritik
Die Formulierung und Ausarbeitung der „Zwölf Artikel“ wurden vom Kürschnergesellen Sebastian Lotzer 6 und dem Prediger Christoph Schappeler vorgenommen. Vermutlich stellte dabei Lotzer als Feldschreiber des Baltringer Haufens die Artikel zusammen 7 und formulierte sie aus, während Schappeler die Präambel schrieb und die Artikel mit Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament ergänzte. In den Artikeln selbst werden die Verfasser namentlich nicht genannt, da man 1. der möglichen Verfolgung Lotzers entgegenwirken wollte und 2. sollten sich die Artikel bewusst als gemeinsamer Wille und kollektive Äußerung aller beschwerdeführenden Untertanen nach Außen hin repräsentieren 8 . Schappeler stand in enger persönlicher Beziehung zum Schweizer Reformator Huldrich Zwingli und war seit 1516 in Memmingen als Prediger tätig. Er gab der reformatorischen Bewegung in der oberschwäbischen Reichsstadt Memmingen 9 entscheidende Impulse und fand mit seinen aufrührerischen Predigten enormen Zulauf bei der Bevölkerung 10 .
Mit großer Wahrscheinlichkeit sind die „Zwölf Artikel“ zwischen dem 28. Februar und dem 3. März in der schon erwähnten oberschwäbischen Reichsstadt Memmingen
4 Gebhard, Armin, Thomas Müntzer, Revolution statt Reformation, Eine Studie, Marburg 2004, S. 12.
5 http://www.historicum.net/themen/bauernkrieg/einfuehrung/, 22.08.2006, 22:53.
6 Lotzer war schon vor der Verfassung der zwölf Artikel mit einigen Flugschriften hervorgetreten. Sie zeichneten
ihn als einen glühenden Anhänger der Reformation aus. Vgl.: Blickle, Peter, Der Bauernkrieg, Die Reformation
des Gemeinen Mannes, 3. Auflage, München 2006, S. 20.
7 H. Böhmer hat Lotzer als Verfasser philologisch und historisch einwandfrei bewiesen.
8 Buszello, Horst: „Legitimation, Verlaufsformen und Ziele“ in Buszello, Horst (Hg.): Der deutsche
Bauernkrieg, 3. bibliogr. erg. Aufl., Paderborn; München; Wien; Zürich, 1995, S. 282.
9 Ihm wird eine maßgebliche Beteiligung an der Durchsetzung einer öffentlichen Abstimmung in Memmingen
zugesprochen. Memmingen wurde daraufhin zur ersten reformierten Reichsstadt erhoben. Vgl.: Blickle, Peter
(Hg.), Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten, Eine Geschichte der Freiheit in Deutschland, München
2003, S. 87f..
10 Hamm, Joachim, Servilia bella, Bilder vom deutschen Bauernkrieg in neulateinischen Dichtungen des 16.
Jahrhunderts, Wiesbaden, 2001, S. 22.
4
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Andrej Wolf de Oliveira, 2006, Rechtfertigte der sozial-ökonomische Hintergrund der „Zwölf Artikel“ die frühbürgerliche Revolution von 1525?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit: Rechtfertigte der sozial-ökonomische Hintergrund der „Zwölf Artikel“ die frühbürgerliche Revolution von 1525? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit: neuer Titel erschienen: Rechtfertigte der sozial-ökonomische Hintergrund der „Zwölf Artikel“ die frühbürgerliche Revolution von 1525?
Andrej Wolf de Oliveira hat einen neuen Text hochgeladen
Bauern und Großgrundbesitzer auf ihrem Weg ins Dritte Reich
Der Brandenburgische Landbund ...
Rainer Pomp
Die rechtlichen Folgen des Bauernkrieges von 1525
Sanktionen, Ersatzleistungen u...
Malte Hohn
0 Kommentare