Inhalt
1. Einleitung 3
2. Der historische Kontext 3
3. Die zeitgenössischen Quellen 4
4. Die Familien 6
5. Elisabeth 6
a. Geburt 6
b. am Thüringischen Hof 7
c. Ehefrau von Ludwig IV., Landgraf von Thüringen 8
d. als Landgräfin von Thüringen 9
i. Gelebtes Christentum 9
ii. Einsatz für Arme und Schwache 11
e. Der Tod Ludwigs und Elisabeths Rückzug aus der höfischen Welt 13
f. Die Marburger Zeit 14
g. Tod und Heiligsprechung 15
6. Nachleben und Verehrung 17
7. Fazit 18
8. Literatur 19
2
1. Einleitung
Das Bild des Mittelalters ist geprägt von mächtigen Herrschergestalten, hart arbeitenden Bauern, verarmten Bettlern und dem immer stärker werdenden Christentum. Die Heilige Elisabeth von Thüringen vereinigt all diese Aspekte in einer Person: Dem Hochadel entstammend, wählt sie ein Leben in nahezu asketischer Armut und selbstmörderischer Aufopferung für die Verstoßenen der Gesellschaft - Aussätzige, Kranke, Bettler, Waisen und Arme.
Doch wer war diese Frau? Welche Umstände brachten sie zu einem solchen Lebenswandel und wie reagierte ihr Umfeld auf sie? Und welchen Stellenwert haben sie und ihr Tun in unserer heutigen Gesellschaft?
Ich hoffe auf diese Fragen in der vorliegenden Arbeit Antworten geben zu können, zumindest jedoch Anregungen. Dazu werde ich zunächst kurz die historischen Ereignisse zur Zeit Elisabeths beleuchten. Im dritten Abschnitt werde ich darstellen, woher wir heute noch etwas über Elisabeth wissen. Danach widme ich mich ihrem familiären Umfeld, bevor ich zu der Hauptperson der vorliegenden Arbeit selber komme. Im sechsten Kapitel möchte ich einen Überblick über ihre bis heute andauernde posthume Verehrung geben. Zum Schluss fasse ich meine Ergebnisse in einem Fazit zusammen.
2. Der historische Kontext 1
Die Heilige Elisabeth von Thüringen lebte am Anfang des 13. Jahrhunderts. Diese Zeit markiert das Ende des Hohen Mittelalters und den beginnenden Übergang zum Spätmittelalter und stellt eine Zeit des Umbruchs dar. So gab es mannigfaltige rechtliche, wirtschaftliche, soziale und religiöse Neuerungen:
1 Hierzu vor allem Kinder 2004 [3]
Im Mitteleuropa entstanden, vielfach ohne Rücksicht auf die alten Stämme, neue Territorialstaaten mit einer straffen Verwaltung und versachlichten Finanzwirtschaft. Zu diesen neuen Territorien gehörte der Herrschaftsbereich der Landgrafen von Thüringen. Im östlichen und südöstlichen Mitteleuropa riefen die Herrscher Bauern, Handwerker, Mönche und Ritter zum Ausbau und Schutz ihrer Länder aus dem Westen, so z.B. nach Ungarn bzw. Schlesien. Dadurch wurden große Teile Ost- und Südeuropas der abendländischen Kultur erschlossen.
Auch die Kirche machte einige Änderungen durch: Es kam zur Gründung und Blüte der Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner, welche durch die Lande zogen und zahlreiche Kloster gründeten. Gleichzeitig ging die katholische Kirche immer mehr dazu über, „unliebsame“, d.h. nicht nach ihren Regeln und Vorstellungen lebende, Personen und Völker mit Hilfe der Inquisition und der Kreuzzüge dem „einzig wahren Glauben“ zuzuführen. 1184 forderte Papst Lucius III. (1181 - 1185) die Bischöfe auf, ihre Pfarreien zu besuchen und nach möglichen Ketzern zu fahnden. Papst Innozenz III. (1198 - 1216) weitete die Inquisition dann auf die gesamte Kirche aus.
Durch neu gegründete Bildungseinrichtungen weiteten sich die Schreib- und Lesefähigkeit über den Klerus hinaus aus. In der Baukunst vollzog sich der Übergang von der Romanik zur Gotik.
3. Die zeitgenössischen Quellen
Zu den zeitgenössischen Quellen, durch welche wir etwas über Elisabeth und ihre Lebensumstände erfahren, gehören z.B. Urkunden, Briefe, Siegel, Münzen und Kleidungsstücke.
[4]
Den wichtigsten Posten innerhalb der Quellen nehmen jedoch die Schriften ein, die im Zuge ihrer Heiligsprechung in Auftrag gegeben wurden. Für die Kanonisation, deren Verfahren seit
alters her in der römisch-katholischen Kirche festgeschrieben ist 2 , war es von Nöten, nachzuweisen, dass der zu Erhebende ein tugendhaftes, frommes, eben „heiliges“ Leben geführt hat. Dies wird durch Befragungen der Lebensgenossen, Biographien usw. erreicht. Da der Beichtvater Elisabeths, Konrad von Marburg, das Verfahren direkt nach ihrem Tode angestrengt hat, sind die angeforderten Berichte über ihr Leben noch sehr zeitnah und noch nicht allzu sehr von Legende und zu einseitiger Überlieferung durchdrungen. Es existieren heute vier Schriften aus jener Zeit, die die Grundlage jeder Elisabeth-Biographie bilden: Als erstes ist die „Summa Vitae“ des Magisters Konrad von Marburg selbst zu nennen. Er berichtet über die Jahre 1226 - 1231, in denen er Elisabeth persönlich kannte. Ein weiteres wichtiges Dokument ist das „Libellus de dictis quatuor ancillarum sanctae Elisabeth confectus“ („Büchlein über die Aussagen der vier Dienerinnen“), kurz „Libellus“. Die vier Dienerinnen waren Guda, Elisabeths Gefährtin seit ihrer Zeit am Thüringischen Hof; Isentrud von Hörselgau, Hofdame Elisabeths seit ihrer Hochzeit; sowie die Marburger Spitalschwestern Irmgard und Elisabeth.
1236/37 erschien das „Elisabethleben“ des Caesarius von Heisterbach unter dem Titel "Das Leben der heiligen Elisabeth, Landgräfin".
1289 schrieb Dietrich von Apolda seine „Vita sanctae Elisabeth“. Sie enthält Einzelheiten über Ortsangaben, Zeiträume und Personen im Umfeld der Heiligen sowie eine erneute Befragung der Zeitgenossen Elisabeth, deren Erinnerungen inzwischen allerdings schon 50 Jahre zurückliegen.
2 Literatur zur Kanonisation:
x Marcus Sieger: Die Heiligsprechung. Geschichte und heutige Rechtslage, Würzburg 1995 [5]
4. Die Familien
Die Heilige Elisabeth stammt, wie in der Einleitung bereits kurz erwähnt, dem Hochadel ab. An dieser Stelle möchte ich ihre Familien vorstellen.
Ihr Vater war Andreas II. aus dem Geschlecht der Arpaden 3 , König von Ungarn 1205-1235. Sein Reich umfasste das gesamte Karpatenbecken sowie große Teile der ehemaligen Tschechoslowakei, Russlands, Jugoslawiens und stellte eine europäische Großmacht dar. Ihre Mutter Gertrud entstammte dem Hause Andechs-Meranien 4 , welche im Süden Deutschlands, besonders dem heutigen Franken, saßen.
5. Elisabeth
a. Geburt
Elisabeth wurde 1207 in der Königspfalz Sárospatak geboren, unweit des heutigen Dreiländerecks Ungarn-Slowakei-Ukraine. Die Burg wurde Mitte 11. Jh. erbaut, ist heute jedoch völlig verschwunden.
Der Sage nach soll der Zauberer und Sänger Klingsor während des Sängerkrieges auf der Wartburg die Geburt Elisabeths prophezeit haben. Diese Weissagung ist in der Heidelberger Liederhandschrift überliefert: "Ich sehe einen Stern, der leuchtet von Ungarn bis nach Marburg und von Marburg über die ganze Welt. Ihr sollt daher wissen, dass dem König von Ungarn in dieser Nacht eine Tochter geboren wurde. Die wird Elisabeth heißen und heilig werden, und man wird sie dem Sohn dieses Fürsten zur Frau geben. Ihre Heiligkeit wird das
3 Literatur zum Geschlecht der Arpaden:
x G. Kristó und F. Marc, Die ersten Könige Ungarns. Die Herrscher der Arpadendynastie, 1999
4 Literatur zum Herzogtum Andechs-Meranien:
x Bernd Ulrich Hucker: Die Andechs-Meranier in Franken - europäisches Fürstentum im Hochmittelalter, Bamberg 1998
x Herzöge und Heilige - Das Geschlecht der Andechs-Meranier, Katalog zur Landesausstellung im Kloster Andechs 1993, ISBN 3-927233-29-3 [6]
Arbeit zitieren:
Jana Sperling, 2011, Die heilige Elisabeth von Thüringen (1207 – 1231), München, GRIN Verlag GmbH
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