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Ernst Probst
Die Aunjetitzer Kultur
in Deutschland
Eine Kultur der Frühbronzezeit
von etwa 2300 bis 1600/1500 v. Chr.
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Widmung
Den Wissenschaftlern gewidmet,
die mich bei meinem Buch
»Deutschland in der Bronzezeit« (1996)
bei den Recherchen über Kulturen
der Frühbronzezeit
besonders unterstützt haben:
Dr. Gretel Gallay (heute Callesen), Nidderau
Professor Dr. Hans-Eckart Joachim, Bonn
Professor Dr. Horst Keiling, Schwerin
Professor Dr. Rüdiger Krause, Frankfurt am Main
Dr. Friedrich Laux, Hamburg
Dr. Peter Schröter, München
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Vorwort
E
ine Kultur, die zwischen etwa 2300 und 1600/1500
v. Chr. zunächst in Thüringen, Sachsen und
Sachsen-Anhalt sowie später auch im östlichen
Niedersachsen und in Brandenburg existierte, steht
im Mittelpunkt des Taschenbuches »Die Aunjetitzer
Kultur in Deutschland«. Die nach dem Fundort Aun-
jetitz (Únetice) in Böhmen bezeichnete Aunjetitzer
Kultur gilt als eine der wichtigsten Kulturen der
Frühbronzezeit. Sie war gebietsweise in Tschechien, der
Slowakei, in Deutschland, Polen und Österreich ver-
breitet. Geschildert werden die Anatomie und Krank-
heiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und
Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck,
ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere,
ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und
Religion.
Verfasser ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst
Probst, der sich vor allem durch seine Werke »Deutsch-
land in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit«
(1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen
Namen gemacht hat. Das Taschenbuch »Die Aunjetitzer
Kultur in Deutschland« ist Dr., Gretel Gallay, Professor
Dr. Hans-Eckart Joachim, Professor Dr. Horst Keiling,
Professor Dr. Rüdiger Krause, Dr. Friedrich Laux und
Dr. Peter Schröter gewidmet, die den Autor mit Rat
und Tat bei seinen Recherchen über Kulturen der
Frühbronzezeit unterstützt haben.
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Inhalt
Vorwort / Seite 5
Bronzegießer, »Fürsten« und Kannibalen
Die Aunjetitzer Kultur
von etwa 2300 bis 1600/1500 v. Chr. / Seite 11
Anmerkungen / Seite 45
Literatur / Seite 53
Bildquellen / Seite 65
Der Autor Ernst Probst / Seite 67
Bücher von Ernst Probst / Seite 69
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Der dänische Archäologe
Christian Jürgensen Thomsen (17881865)
hat 1836 die Urgeschichte
nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff
in drei Perioden eingeteilt:
Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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KAREL BUCHTELA,
geboren am 6. März 1864 in Nový Pavlov,
gestorben am 19. März 1946 in Prag.
Er war Finanzoberrat
und hatte von 1924 bis 1938
das Amt des Direktors
des Staatlichen Archäologischen Instituts
in Prag inne.
Bei seinen Forschungen arbeitete Buchtela
mit dem tschechoslowakischen Archäologen
Lubor Niederle aus Prag zusammen.
Buchtela und Niederle haben 1910
im »Handbuch der Tschechischen Archäologie«
den Begriff Aunjetitzer Kultur
verwendet und populär gemacht.
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Bronzegießer
»Fürsten« und Kannibalen
Die Aunjetitzer Kultur
A
ls Dr. med. Cenek Ryzner (18451923) in den
1870-er Jahren im böhmischen Únetice (Aunjetitz)
ein urgeschichtliches Gräberfeld untersuchte, ahnte er
nicht, welche Bedeutung dieses einmal erlangen würde.
Denn nach jenem Fundort mit 31 Gräbern hat man
später eine der wichtigsten Kulturen der Frühbronzezeit
benannt. Ryzner, der Distriktsarzt von Roztoky bei Prag
und Heimatforscher war, publizierte 1880 seine Ausgra-
bungsergebnisse und verzichtete dabei auf einen
Kulturbegriff.
Ungeachtet dessen sprachen einige Prähistoriker am
Ende des 19. Jahrhunderts spontan von Funden
oder Gräbern des Typs Únetice. Der Name »Úne-
ticer Kultur« tauchte erstmals in dem 1910 erschie-
nenen »Handbuch der Tschechischen Archäologie«
auf. Das Werk wurde von den Prager Prähistorikern
Karel Buchtela (18641946) und Lubor Niederle
(18651944) verfasst. Der Ausdruck Úneticer Kultur
ist heute noch in Tschechien und in der Slowa-
kei gebräuchlich. In Deutschland und Österreich
dagegen verwendet man den deutschsprachigen
Begriff »Aunjetitzer Kultur« oder »Aunjetitz-Kul-
tur«.
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LUBOR NIEDERLE,
geboren am 20. September 1865 in Klatovy,
gestorben am 14. Juni 1944 in Prag.
Er habilitierte sich 1891
und war 1898 bis 1929
Professor der vorgeschichtlichen Archäologie
und Ethnologie an der Universität in Prag.
Später wurde er Rektor
der Universität Prag
sowie Begründer und erster Direktor
des Archäologischen Instituts in Prag.
Niederle verwendete 1910
zusammen mit Karel Buchtela
im »Handbuch der Tschechischen Archäologie«
den Begriff Aunjetitzer Kultur.
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Es gab aber auch Versuche, noch andere Namen in die
Fachliteratur einzuführen. Doch der nach dem mäh-
rischen Fundort Menín (Mönitz) geprägte Name
»Mönitzer Kultur«
1
konnte sich auf Dauer ebensowenig
durchsetzen wie der auf einem mitteldeutschen Fundort
fußende Ausdruck »Leubinger Kultur«
2
.
Die Aunjetitzer Kultur ist gegen Ende der Jungstein-
zeit aus der Glockenbecher-Kultur
3
und der Schnur-
keramischen Kultur
4
hervorgegangen. Weil die Aun-
jetitzer Leute die Gewinnung sowie die Verarbeitung
von Kupfer und Bronze beherrschten, markiert ihre
Kultur den Beginn der Frühbronzezeit.
Nach heutiger Kenntnis existierte die Aunjetitzer Kul-
tur von etwa 2300 bis 1600/1500 v. Chr. Sie war wäh-
rend der Frühstufe in Böhmen, Mähren, der Südwest-
slowakei, Schlesien, Niederösterreich, Thüringen,
Sachsen und Sachsen-Anhalt verbreitet. In der Spätstufe
gab es sie auch im östlichen Niedersachsen sowie in
Brandenburg und im Südwesten Großpolens.
Die ältesten Funde aus der Frühstufe in Mittel-
deutschland (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt) sind
etwas jünger als die ältesten Hinterlassenschaften in
Mähren, dem Kerngebiet der Aunjetitzer Kultur. Nach
Ansicht der meisten Prähistoriker sind die Aunjetitzer
in Mitteldeutschland aber nicht etwa geschlossen aus
Mähren oder Böhmen eingewandert. Vielmehr machte
sich im wesentlichen die einheimische Bevölkerung die
Errungenschaften der Aunjetitzer aus dem Gebiet des
heutigen Tschechien zu eigen.
Im östlichen Niedersachsen sind die typischen Erzeug-
nisse dieser Kultur erst in deren Spätstufe nachweisbar.
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Verbreitung der Kulturen und Gruppen während der älteren
Frühbronzezeit (etwa 2300 bis 1800 v. Chr.) in Deutschland
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In ihrer Nachbarschaft behaupteten sich noch Be-
völkerungsgruppen, die auf dem Niveau der späten
Jungsteinzeit standen. In Teilen von Sachsen (Ober-
lausitz), Sachsen-Anhalt (Altmark), Brandenburg (Nie-
derlausitz, Uckermark) wurden die Metallurgie, Töpferei,
Bestattungssitten und Religion der Aunjetitzer erst in
beziehungsweise gegen Ende der Spätstufe über-
nommen.
Dank der Untersuchungen von zahlreichen Skelett-
resten aus Gräberfeldern weiß man einiges über das
Aussehen der Aunjetitzer. In Mitteldeutschland waren
sie im Vergleich zu den jungsteinzeitlichen Bauern relativ
hochwüchsig. Dort erreichten die Männer einer Stich-
probe zufolge eine Körperhöhe von durchschnittlich
1,71 Metern und die Frauen von 1,60 Metern. Der bisher
größte Mann maß 1,78 Meter, die größte Frau 1,66
Meter. Ansonsten ähneln die Skelette am ehesten
denjenigen der Schnurkeramiker.
Der Berliner Anthropologe Herbert Ullrich beschrieb
1963 die Schädel der Aunjetitzer Lokalgruppe von
Großbrembach (Kreis Sömmerda) in Thüringen als
ungewöhnlich lang, sehr schmal und extrem hoch. Das
Kinn war höher als bei heutigen Menschen. Der zweite
Backenzahn brach früher durch, als es jetzt allgemein
der Fall ist.
Diesen Menschen war meistens kein langes Leben
beschieden. In Mitteldeutschland lag das durchschnitt-
liche Sterbealter der Männer bei 37 Jahren und das der
Frauen bei 35,8 Jahren. Das entspricht den ungünstigen
Verhältnissen in heutigen Entwicklungsländern. Als
Ursachen für den gemessen an unseren Erwartungen
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