1. Einleitung
Keine Wesenheit ist in sich böse. Das Böse hat keine Wesenheit. Thomas von Aquin
Kaum ein Begriff hat eine negativere Bedeutung als das Böse. Das Böse wird als das Gegenteil des Guten verstanden. Es scheint überall präsent zu sein. Das Böse fasziniert, während das Gute eher unauffällig und selbstverständlich, vielleicht sogar ein wenig langweilig sein mag. Das Böse ist allgegenwärtig und vieldeutig. Es war vom ersten Tag der Menschheit ihr Begleiter. Sowohl bei Adam und Eva, bei Kain und Abel aber auch in jedem Zusammenleben der Menschen vor tausenden Jahren. Man macht es sich jedoch heute nicht mehr so einfach, die Existenz des Bösen schlichtweg hinzunehmen. Die Entstehung des Bösen wird hinterfragt, erforscht und diskutiert.
Diese Arbeit soll die Herkunft des Bösen von vier verschiedenen wissenschaftlichen Positionen beleuchten. Angefangen mit der theologischen Sicht, übergehend zur Sicht der Bio- und Soziobiologen, der Psychoanalytiker und schließlich mit der Position der Soziologen, soll das Essay einen kurzen Überblick über die verschiedenen Ansichten über die Herkunft des Bösen liefern.
2. Hauptteil
Wie wird die Entstehung des Bösen aus wissenschaftlicher Sicht versucht zu erklären?
Der Sündenfall Adams und Evas von den verbotenen Äpfeln des Baums der Erkenntnis zu essen und somit in Ungehorsam Gott gegenüber zu fallen, wird als der Ursprung des Bösen betrachtet. Mit der Verbannung der Menschen aus dem Paradies wurde der Mensch hartherzig, rachsüchtig, hinterhaltig, boshaft. Der biblische Mensch als Geschöpf Gottes trägt also die Möglichkeit des Bösen in sich.
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Der Grund für die Entstehung und Existenz des Bösen wird jedoch nicht genannt (vgl. Bernhart 1970, S. 224 f.).
Warum aber lässt Gott das Böse zu? Die Theorie besagt, dass Gott das Böse entweder verhindern könnte, dies aber nicht will oder dass selbst Gott das Böse nicht verhindern kann. Gott wäre jedoch im ersten Fall nicht gut und im zweiten Fall nicht allmächtig. Beides widerspricht also den religiösen Grundsätzen (vgl. Lactantius 1974, S. 13).
Die Frage der Herkunft des Bösen bleibt also aus theologischer Sicht unbeantwortet.
Der bekannte Biologe und Verhaltensforscher Konrad Lorenz beschreibt in seinem Buch Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression das Naturgesetz des Aggressionstriebs als zerstörerisch und lebensvernichtend. Aggressives Verhalten wird als böse verstanden. Dient dieses Verhalten jedoch dem eigenen Überleben, kann es nur als das „sogennante Böse“ bezeichnet. Dies Begründet er mit der nicht vorhandenen Freiheit gegenüber den Vitalfunktionen des Menschen (vgl. Lorenz 2004, S.236 ff.). Darauf aufbauend argumentieren auch die Soziobiologen. Menschen gehorchen ihren Genen. Diese sind, auch wenn sie unter gewissen Umständen Religion, Moral und Recht außer Acht lassen müssen, auf ihren Vorteil bedacht. Das Böse wird also im Sinne des Überlebenskampfes egoistischer Gene in Kauf genommen um dadurch den Fortbestand der Gene zu sichern (vgl. Mohr 1987, S. 105). Das Böse wird von den Biologen also aus der genetisch festgelegten Aggression, von den Soziologen aus purem Egoismus der Gene abgeleitet.
Beides würde bedeuten, dass eine natürliche menschliche Moral illusorisch ist. Aufgrund des von den Genen vorgegebenen Verhaltens kann somit niemand der Böses begeht zur Verantwortung gezogen werden.
Aus psychoanalytischer Sicht stehen nicht die Gene, sondern das soziale Milieu und die Gesellschaft im Vordergrund. Laut Sigmund Freud führt die Herausbildung des Gewissens, des so genannten Über-Ichs, auf die „unleugbare Existenz des Bösen“ zurück (Freud 1997, S. 163 f.). Moralische Regelsysteme sollen die eine angeborene Neigung des Menschen zum Bösen und zur Aggression im Zaum halten (vgl. ebd., S. 159).
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Arbeit zitieren:
Vanessa Falkenstein, 2008, Die Herkunft des Bösen - Wissenschaftliche Erklärungsversuche, München, GRIN Verlag GmbH
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