Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
1.1. Ausgangssituation in Deutschland. 4
1.2. Begriffsbestimmungen. 5
1.3. Herangehensweise: Der konflikttheoretische Ansatz. 6
1.4. Hypothesen. 7
2. Methoden. 8
2.1. Datensatz und Operationalisierung. 8
2.2. Empirische Analyse. 10
2.3. Korrelationen. 14
2.4. Ergebnisse. 15
3. Fazit. 16
4. Anhang. 17
4.1. Abbildungen. 17
4.2. Syntax. 21
Literaturverzeichnis. S. 24
2
1. Einleitung
Fremdenfeindlichkeit in Deutschland hat viele Gesichter. Sie zeigt sich in extremen Gewalttaten wie der Hetzjagd auf eine Gruppe indischer Einwanderer im sächsischen Mügeln 2007, aber auch im alltäglichen politischen Diskurs, an dem die rechtsextreme Partei NPD teilnimmt, sowie in den Medien. Aufsehen erregendster Fall war dort in jüngster Zeit die Veröffentlichung des umstrittenen Buches „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin, der Muslime zu einer generell weniger intelligenten, faulen und die meiste Zeit kopulierenden „Volksgruppe“ stilisierte, deren Merkmale innerhalb dieser Gruppe erblich bedingt seien 1 . Und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland zeigt sich auch in der Form, in der ein großer Teil der Bevölkerung nach Veröffentlichung besagten Werkes aufatmend feststellte: „Endlich sagt es mal jemand!“ Lautstark übernommen wurde die Idee Sarrazins, nach Deutschland dürften nur leistungsstarke, also hochqualifizierte, Einwanderer kommen, in der Folge von einigen Politikern wie dem bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer 2 . Hierbei werden verschiedene Aspekte bereits deutlich: In Deutschland wird der Begriff „Einwanderer“ mehr und mehr zum Synonym für „Türke“ oder „Muslim“ (wobei hier im allgemeinen öffentlichen Diskurs keine Differenzierung vorgenommen wird). Zudem wird die Vielschichtigkeit des Problems deutlich, die sich in den diversen Erscheinungsformen von Fremdenfeindlichkeit zeigt 3 . Daher müssen auf der Suche nach den Gründen für Fremdenfeindlichkeit verschiedenste Herangehensweisen berücksichtigt werden, um eine tiefgehende, nicht an der Oberfläche verharrende Analyse eines so komplexen Phänomens zu gewährleisten. Rippl schlägt beispielsweise vor, diesbezüglich auf der theoretischen Ebene vier Herangehensweisen zu kombinieren: Den sozialisationstheoretischen, den konflikttheoretischen und den anomietheoretischen Ansatz sowie die Kontakthypothese 4 . Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich mich vor allem auf den zweiten Ansatz, den konflikttheoretischen, konzentrieren. Der Konflikt entsteht hierbei in der Konkurrenz um ökonomische Ressourcen und die damit einhergehende Teilhabe an der Gesellschaft. Näher erläutern möchte ich diesen Ansatz unter 1.2. In dieser Hinsicht spielt nicht nur das Problem der Arbeitslosigkeit eine Rolle, sondern meines Erachtens auch der gesellschaftliche
1 Ein Überblick zu Sarrazins Thesen findet sich in einem Interview mit der Welt am Sonntag vom 29.08.2010, online abrufbar unter: http://www.welt.de/politik/deutschland/article9255898/Moegen-Sie-keine-Tuerken-Herr-Sarrazin.html?print=true#reqdrucken. Zuletzt geprüft am 21.03.2010.
2 Online abrufbar über den Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de/politik/anzeigen-gegen-horst-seehofer/3937410.html) und die FAZ
(http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E2B5162CD54A14AC09D0B8C 532C2A9E5D~ATpl~Ecommon~Scontent.html). Zuletzt geprüft am 21.03.2011.
3 Butterwegge und Hentges differenzieren beispielsweise in fremdenfeindliche Gesinnung, politische Organisiation/Parteibildung und (gewalttätige) Aktion. Siehe BUTTERWEGGE/HENTGES, 2008: 17.
4 RIPPL, 2008: 491.
3
Umbruch, der durch so genannte neoliberalistische Wirtschaftspolitik verursacht wurde. Butterwegge und Hentges bringen diesen Zusammenhang zwischen ökonomischer Situation des Einzelnen und Fremdenfeindlichkeit auf den Punkt, indem sie Rivalität als „Haupttriebkraft“ einer „zunehmend in Arm und Reich gespaltenen Gesellschaft“ identifizieren 5 . Diese Spaltung und die damit einhergehende Unsicherheit und Ungerechtigkeit würden „unter Hinweis auf Globalisierungsprozesse“ legitimiert und trügen zur Entstehung einer Gesellschaft bei, in der gesellschaftliche Gruppen unter anderem aufgrund ihrer Ethnie ausgegrenzt würden. Die negativen Auswirkungen der ent- und bestehenden Konkurrenz fänden ihre „ideologische Rechtfertigung“ in rechtsextremen Orientierungen 6 .
Auch hierbei ist zu beachten, dass Fremdenfeindlichkeit diverse Nuancen durchlaufen kann, bis sie als rechtsextreme Gesinnung bezeichnet werden kann. Auf diese eventuell vorzunehmende Abstufung möchte im Rahmen der Analyse der Einstellungsfragen des vorhandenen Datenmaterials eingehen. Im Folgenden möchte ich vorab den theoretischen Ansatz eingehender vorstellen, der meiner Untersuchung zugrunde liegt, und wichtige Begrifflichkeiten definieren; im Anschluss daran werde ich die zu prüfende Hypothese formulieren. Dann erläutere ich kurz das mir zur Verfügung stehende Datenmaterial, ebenso wie meine Vorgehensweise, bevor ich mit der eigentlichen Datenanalyse beginne.
1.1. Ausgangssituation in Deutschland
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zur Zeit des „Wirtschaftswunders“ in den Sechziger Jahren ungelernte Arbeitskräfte vor allem aus Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und der Türkei nach Deutschland, um als „Gastarbeiter“ Geld zu verdienen. Diese Bezeichnung führte dazu, dass die Einwanderer als „Mitbürger auf Zeit“ wahrgenommen wurden, die nach getaner Arbeit wieder in ihre Heimat zurückkehren würden. Die Tatsache, dass es sich hierbei um eine Fehlwahrnehmung handelte, ist einer der vielen Faktoren, die den Umgang mit Einwanderern in Deutschland auf verschiedensten Ebenen bis zum heutigen Tage beeinflussen. Hoffmann und Even analysierten zur Zeit der Wirtschaftskrise in den achtziger Jahren, als der Anteil der Arbeitslosen auf zu diesem Zeitpunkt erschreckende Zahlen anwuchs, Zeitungsberichte und stellten fest: In Zeiten der Krise wurde die Forderung laut, die „Gastarbeiter“ sollten sich ihres Status bewusst werden und in ihre Heimatländer zurückkehren 7 . Wie bereits erwähnt kann Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt nicht als
5 BUTTERWEGGE/HENTGES, 2008: 24.
6 Ebd.
7 HOFFMANN/EVEN, 1984: 72f. Aus dem Westfalen-Blatt vom 18.05.1982: „Was ist in unserer Situation bei
4
alleiniger erklärender Faktor für Fremdenfeindlichkeit gelten, dennoch wird an diesem historischen Beispiel deutlich, welche Auswirkungen eine Wirtschaftskrise haben kann und zu welchen Reaktionen der Gesellschaft den rechtlich schwächeren Einwanderern gegenüber sie führt. An diesem Beispiel lässt sich auch eine Problematik zeigen, die auf den heutigen Kontext bezogen ist, der in dieser Arbeit untersucht werden soll: Heute besteht die Möglichkeit nicht mehr, in einer Konkurrenzsituation als Konkurrenten wahrgenommene Einwanderer aufzufordern, zu gehen. Viele Migrantenkinder in der zweiten und dritten Generation verfügen über die deutsche Staatsbürgerschaft, sodass sie rechtlich gleichgestellt sind. Dass der Begriff des „Gastarbeiters“ unangebracht ist, wurde mittlerweile auch erkannt. Die Angst, der „Andere“ können in der Konkurrenz um beispielsweise einen Arbeitsplatz als Gewinner hervorgehen, muss also anders kanalisiert werden. Ob und inwieweit es sich hierbei um fremdenfeindliche Ressentiments handelt, wird die Datenanalyse zeigen. Bezüglich der Ausgangslage in Deutschland möchte ich auf einen weiteren Punkt eingehen, der sich auf die wirtschaftliche Situation bezieht. Diese hat seit dem Höhepunkt des Wohlfahrtsstaates in den Siebziger Jahren diverse Veränderungen vollzogen; so wurde zum Beispiel der Sozialstaat abgebaut (man denke an die Einführung von „Hartz 4“), Beschäftigungsverhältnisse wurden und werden zunehmend unsicher, Teil- und Zeitarbeit machen einen immer größeren Teil der Beschäftigungsverhältnisse aus 8 . Der Arbeitsmarkt nennt sich „flexibel“, wobei neue Formen von Armut entstehen. Die dramatische Verkleinerung bzw. der „Wegbruch“ der Mittelschicht in einer Gesellschaft, die beinahe nur noch aus Arm oder Reich besteht, ist ein Beispiel dafür 9 .
1.2. Begriffsbestimmungen
Bevor ich näher auf den von mir gewählten Ansatz der Konflikttheorie eingehe, möchte ich als Voraussetzung die für diese Arbeit zentralen Begriffe des Konflikts und der sozialen Teilhabe definieren.
Coser versteht den sozialen Konflikt als „Kampf um Werte oder Statusansprüche, um Macht und knappe Ressourcen, in dem die Ziele der streitenden Parteien sich nicht nur auf die Erreichung der begehrten Werte beziehen, sondern auch auf die Neutralisierung, Verletzung oder Beseitigung ihrer Rivalen. Solche Konflikte können zwischen Individuen, zwischen
2 Millionen Arbeitslosen nicht rechtens, wenn wir die Gastarbeiter, die für freiwillige und gute Arbeit guten Lohn erhielten, jetzt bitten müssen, wieder heimzufahren.“ Aus der Frankfurter Rundschau vom 07.01.1983: „Wir müssen von den Ausländern verlangen, daß sie sich an ihren Gastarbeiterstatus erinnern und allmählich wieder in ihre Abkunftsstaaten zurückkehren.“
8 BUTTERWEGGE/HENTGES, 2008: 7.
9 Für eine detailliertere Aufstellung siehe ebd., S. 80.
5
Kollektiven und zwischen Individuen und Kollektiven ausgetragen werden. Intergruppen- und Intragruppenkonflikte sind dauernde Merkmale sozialen Lebens“ 10 . Dieser Definition lässt sich der Hinweis Bonackers hinzufügen, dass das exakte Verständnis dessen, was ein Konflikt sei, varieere, je nach dem „ob eine Theorie die Ebene der Auseinandersetzung zwischen Individuen oder zwischen Gruppen bzw. Staaten oder geschlechtlich bestimmte Individuen als Akteure wählt. Konflikte können als Machtkonflikte, Interessenkonflikte, Triebkonflikte, als Geschlechterkonflikte oder Systemkonflikte in den Blick kommen“ 11 . Die von Coser benannten Aspekte, um die sich Konflikte entspinnen - also Werte, Statusansprüche, Macht, Ressourcen - können unter den Begriff „soziale Teilhabe“ beziehungsweise Partizipation gefasst werden. Die Landesagentur für Struktur und Arbeit in Brandenburg, kurz LASA, nennt die „Teilhabe am sozialen, politischen und kulturellen Leben“ als Hauptpunkte der Partizipation, wobei ausdrücklich Arbeit als Hauptmittel derjenigen im Alter zwischen 18 und 65 genannt wird 12 . Die LASA erwähnt dabei auch, dass soziale Gerechtigkeit in einer Gesellschaft die gleichen Chancen auf soziale Partizipation beinhaltet und dass sozialer Zusammenhalt nur auf Basis dieser gleichen Chancen entstehen kann. Im Umkehrschluss würde das bedeuten: Je ungleicher die Chancen auf gesellschaftliche Partizipation, desto weniger stark der soziale Zusammenhalt. Butterwegge und Hentges setzen die gesellschaftliche Partizipation mit modernen Arbeitsbedingungen treffend in Verbindung, wenn sie bemängeln, dass "Destabilisierung und Prekarität bedeuten, dass die gesellschaftliche Integration, also Teilhabe und Anerkennung, bedroht oder akut gefährdet sind“. Sie stellen fest, dass Partizipation erst „auf der Basis einer stabilen Erwerbstätigkeit möglich“ ist und zudem „soziale Anerkennung und die Absicherung im Alter für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung an die Erwerbsarbeit geknüpft" sind 13 .
1.3. Herangehensweise: Der konflikttheoretische Ansatz
Grundsätzlich gibt es keinen „Begründer“ der Konflikttheorie; wie bereits im vorangegangenen Abschnitt ersichtlich wurde, deckt die Konflikttheorie diverse Aspekte von Konfliktursachen ab und wurde daher auch von verschiedenen Soziologen des vergangenen Jahrhunderts bearbeitet. So konzentrierten sich Karl Marx und Friedrich Engels vornehmlich
10 KRYSMANSKI, 1971: 232.
11 BONACKER, 1996: 16.
12 Landesagentur für Struktur und Arbeit (LASA) Brandenburg, 2009: Soziale Teilhabe - Soziale Gerechtigkeit; online abrufbar unter http://www.lasa-brandenburg.de/fileadmin/user_upload/MAIN-dateien/veranstaltungen/2009/Soziale_Teilhabe_Protzen/Wahl_-_Praesentation_Soziale_Teilhabe_18._19.11.09.pdf. Zuletzt geprüft am 27.03.2011.
13 BUTTERWEGGE/HENTGES, 2008: 81.
6
Arbeit zitieren:
Marina Schmidt, 2011, Soziale Distanz in einem globalisierten Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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