Gliederung
1. Einleitung 3
2. Die katholische Kirche Ende des 19. Jahrhunderts 4
2.1 Beweggründe und Arbeit der katholischen Kirche in den deutschen Kolonien 6
3. Die Missionsschulen 8
4. Sklaven 10
5. Die Mission als Wirtschaftsfaktor 11
6. Die Beziehung zwischen katholischer Mission und den deutschen Kolonialherren 13
6.1 Die katholische Mission und der Maji-Maji-Aufstand 14
7. Schlussbetrachtungen 16
8. Literaturverzeichnis 17
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1. Einleitung
Schon seit seiner Entstehung war das Christentum darauf bedacht, sich zu verbreiten. Dieser ‚gottgegebene Missionsauftrag‘ wurde schon von den Aposteln Christi durchgeführt und von der katholischen Kirche, die sich in deren Nachfolge sieht, weiter verfolgt. Sie betrieb in ihrem Fortbestehen viele Aktionen, um die ‚gottlosen Heiden‘ und die Anhänger der ‚falschen Religionen‘ zu missionieren und ihren weltweiten Einfluss zu vergrößern. Dies wurde zum Beispiel im Mittelalter bei den osteuropäischen Slawen und in Mittel- und Südamerika nach deren Entdeckung durch Christopher Kolumbus erfolgreich versucht. Immer arbeiteten hier die Mission und die europäischen Eroberer weitestgehend Hand in Hand. Als in der Hochzeit des Kolonialismus die ‚letzten weißen Flecken auf der Weltkarte‘ (Afrika, Asien und Ozeanien) von den europäischen Großmächten erobert wurden, setzte auch in diesen Gebieten durch die katholische (und auch evangelische) Kirche eine verstärkte christliche Missionierung der indigenen Bevölkerung ein. Den Kolonialmächten kam dieser Umstand sehr gelegen, da sie erkannten, dass die Sicherung ihrer Herrschaft durch die Arbeit der Missionare um ein vielfaches vereinfacht wurde.
Doch warum konnten die Missionsgesellschaften den Kolonialherrn dermaßen hilfreich unter die Arme greifen? War die ‚nachhaltige Eroberung‘ von Kolonien letztendlich sogar nur mit Hilfe der Mission möglich? Am Beispiel der Tätigkeiten der deutschen katholischen Missionare in den Kolonien des Deutschen Reiches, sollen diese Fragen beantwortet werden. Diese Arbeit betrachtet die oben genannten Fragenstellungen im Zeitrahmen vom Beginn des Kulturkampfes im Deutschen Reich bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, der das Ende des deutschen Kolonialreiches und auch größtenteils das Ende der deutschen Mission in diesem Gebiet markiert. Desweiteren werde ich in dieser Hausarbeit vorwiegend die Kolonie Deutsch-Ostafrika betrachten, da hier der Großteil der katholischen Missionskongregationen arbeiteten, während sie in den anderen deutschen Kolonien eine eher geringe Rolle spielten.
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2. Die katholische Kirche Ende des 19. Jahrhunderts
In den 1880er Jahren setzte der ‚Wettlauf um Afrika‘ in Europa ein und dem Deutschen Reich gelang es, sich die afrikanischen Kolonien Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika (1884) und Deutsch-Ostafrika (1885) zu sichern. Mit dem Aufbau eines Kolonialreiches sorgte das Deutsche Reich auch dafür, dass es zu einem Aufschwung der deutschen Mission kam, die bis dahin eher ein Randdasein gefristet hatte. 1
Während die deutsche protestantische Mission sich gleich in die neu erworbenen Kolonien aufmachen konnte, um den christlichen Glauben zu verbreiten, 2 war das katholische Missionswesen des Deutschen Reichs für einen Missionsauftrag eher unvorbereitet. Ohnehin sahen sich die Katholiken im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in ihrer Autorität und als Institution gefährdet. Eine tiefgreifende Schwächung des katholischen Missionswesens erfolgte durch die europäische Aufklärung, den Zusammenbruch der alten kirchlichen Ordnung in Europa (hervorgerufen durch die französische Revolution und Napoleon), eine große Welle der Säkularisation sowie durch den Kulturkampf. 3 Mit den Kulturkampfgesetzen versuchte Reichskanzler Otto von Bismarck die Macht der katholischen Kirche innerhalb des Reiches zu verringern und die der Monarchie bzw. des Kaisertums zu stärken. Im Zuge des Kulturkampfes wurden die deutschen Katholiken der nationalen Unzuverlässigkeit, ja selbst der Reichsfeindschaft bezichtigt 4 , da sie angeblich nur auf die Weisungen des Papstes hörten (Ultramontanismus) und nicht auf die der Reichsregierung bzw. die des Kaisers. Somit sah sich die Reichsregierung dazu ‚gezwungen‘ durch verschiedene Gesetze den Einfluss der katholischen Geistlichen zu schmälern. 5 Durch die Auflösung und den Verbot aller Kloster-, Jesuiten- und ‚jesuitenverwandten‘ Orden (Jesuiten- und Klostergesetz), sorgte Bismarck dafür, dass die Existenz eines katholischen Missionswesens auf deutschem Boden unmöglich war. Deutschen Katholiken, die sich für die Mission in Afrika begeisterten, war zu Beginn der ‚kolonialen Ära‘ des Deutschen Reiches somit nur eine Ausbildung in französischen Anstalten möglich. Dies führte dazu, dass es zu einer starken Prägung der katholischen Mission im Sinne Frankreichs kam. Aufgrund dieses Umstandes und dem Einschwenken der immer stärker werdenden Zentrumspartei als (Für-)Sprecher der katholischen Mission, sah sich die Regierung des Deutschen Reichs dazu
1 Vgl. Gründer, Horst: Welteroberung und Christentum. Ein Handbuch zur Geschichte der Neuzeit, Gütersloh 1992, S. 503.
2 Falls sie hier nicht schon längst vor der Etablierung der deutschen Herrschaft aktiv war.
3 Vgl. Gründer, Horst: Christliche Mission und deutscher Imperialismus 1884-1914, Paderborn 1982, S. 47.
4 Vgl. Winkler, Heinrich August: Der lange Weg nach Westen, Bd. 1, München 2000, S. 226.
5 u.a. ‚Kanzelparagraph‘ 1871, ‚Jesuitengesetz‘ 1872, ‚Klostergesetz‘ 1875, ‚Brotkorbgesetz‘ 1875.
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gezwungen, ab 1887 den Abbau der Kulturkampfgesetze einzuleiten 6 und machte somit den Weg für die katholische Mission in den deutschen Kolonien frei. 7 Ende 1889 ging die Reichsregierung sogar soweit, dass sie alle katholischen Orden (selbst die Jesuiten!) zur Mission in den deutschen Kolonien zuließ. 8 Im Grunde genommen war es der stark national eingestellten Regierung des Deutschen Reichs egal, welche christliche Konfession in ihren Kolonien missionierte, solang es nur Deutsche waren und sie die unliebsamen ausländischen Missionare aus den deutschen Kolonien verdrängten. In der Folgezeit vollzog sich nun eine Besserung der Beziehung zwischen dem Deutschen Reich und der katholischen Kirche, da sie ihre ‚kolonialen Verdienste‘ und ihre ‚koloniale Zuverlässigkeit‘ unter Beweis stellte. 9 Eine der ersten - auf deutschem Boden (neu-)gegründeten - katholischen Missionsgesellschaften war die ‚Benediktiner-Gemeinschaft von St. Ottilien‘. Sie wurde 1887 von Andreas Amrhein speziell für Deutsch-Ostafrika ins Leben gerufen. Indem Amrhein seine Missionsgesellschaft bewusst als ‚nicht jesuitenverwandt‘ und ‚deutsch-kolonial‘ bezeichnete, tat er nicht nur der Kulturkampfgesetzgebung genüge, sondern zerstreute auch alle Zweifel an der nationalen Zuverlässigkeit der deutschen Katholiken. 10 Auch die enge Bindung der ‚Benediktiner-Mission‘ an die ‚Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft‘ sorgte für diesen Umstand.
Die deutschen Katholiken setzten nun alles darauf, ihre „nationale Gesinnung und bestes patriotisches Handeln unter Beweis zu stellen und sich von beargwöhnten Aus- zu reichstreuen Inländern zu wandeln.“ 11
6 Vor allem unter Reichskanzler Caprivi.
7 Vgl. Brückendorf, Jutta: Schwarz-Weiß-Rot über Ostafrika! Deutsche Kolonialpläne und afrikanische Realität, Münster 1997, S. 325.
8 Vgl. Gründer: Christliche Mission und deutscher Imperialismus, 1982, S. 59.
9 Vgl. ebd. S. 330.
10 Vgl. Loth, Heinrich: Auseinandersetzung im religiösen Gewand. Kirchlicher Kolonialismus und ideologische Formen des Widerstandes, in: Kurt Büttner und Heinrich Loth (Hrsg.): Philosophie der Eroberer und koloniale Wirklichkeit. Ostafrika 1884-1918, Berlin 1981, S. 376.
11 Lemke, Michael: Zu Methoden und Wirkungen der katholischen Missionskongregationen in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika 1885-1918, in: Ulrich van der Heyden und Winfried Brose (Hrsg.): Mit Kreuz und Deutscher Flagge. 100 Jahre Evangelium im Süden Tansanias. Zum Wirken der Berliner Mission in Ostafrika, 3. Auflage, Münster u.a. 2000, S. 127. 5/18
Arbeit zitieren:
Falk Hesse, 2010, Die deutsche katholische Mission in den afrikanischen Kolonien, München, GRIN Verlag GmbH
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