Inhalt
Vorwort / Seite 9
Der Sonnenkult der Urgermanen
Die nordische ältere Bronzezeit
von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. / Seite 13
Anmerkungen / Seite 53
Literatur / Seite 57
Bildquellen / Seite 63
Die wissenschaftliche Graphikerin
Friederike Hilscher-Ehlert / Seite 65
Der Autor Ernst Probst / Seite 67
B ücher von Ernst Probst / Seite 69
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Vorwort
E ine Kultur, die vor etwa 1500 bis 1200 v. Chr. in
Schleswig-Holstein, auf den Nordfriesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr, im Küstengebiet von Meck-lenburg-Vorpommern sowie auf der Ostseeinsel Rügen existierte, steht im Mittelpunkt des Taschenbuches »Die nordische ältere Bronzezeit in Deutschland«. Geschildert werden die Anatomie und Krankheiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und Religion. Verfasser ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der sich vor allem durch seine Werke »Deutsch-land in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht hat. Von 1986 bis 2011 veröffentlichte er mehr als 100 Bücher, Taschenbücher, Broschüren und E-Books.
Das Taschenbuch »Die nordische ältere Bronzezeit in Deutschland« ist Dr. Rolf Breddin, Professor Dr. Claus Dobiat, Professor Dr. Markus Egg, Dr. Rudolf Feustel, Dr. Gretel Gallay (heute Callesen), Professor Dr. Hans-Eckart Joachim, Professor Dr. Albrecht Jockenhövel, Professor Dr. Horst Keiling, Dr. Joachim Köninger, Professor Dr. Rüdiger Krause, Dr. Friedrich Laux, Dr. Berthold Schmidt, Dr. Peter Schröter, Dr. Klaus Simon
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und Dr. Otto Mathias Wilbertz gewidmet, die den Autor bei seinem Werk »Deutschland in der Bronzezeit« unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
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Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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Besuch aus dem Nachbardorf auf einer Darstellung von 1936. Eine der beiden ankommenden Frauen überreicht der auf einem Klappstuhl sitzenden Mutter mit ihrem Kind als Gastgeschenk eine Tonklapper in Gestalt einer Gans.
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Der Sonnenkult der »Urgermanen«
Die nordische ältere Bronzezeit
I n Schleswig-Holstein, auf den Nordfriesischen In-
seln Sylt, Amrum und Föhr, im Küstengebiet von Mecklenburg-Vorpommern sowie auf der Ostseeinsel Rügen werden die archäologischen Funde aus der Zeit von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. der nordischen älteren Bronzezeit (Periode II) zugerechnet. Diese Regionen Norddeutschlands gehörten zum Nordischen Kreis, dessen Kerngebiet damals in Dänemark lag, zudem aber Südnorwegen, Süd- und Mittelschweden umfasste. Auch die Stader Gruppe im nördlichen Niedersachsen, die in diesem Taschenbuch nicht behandelt wird, gilt als Teil des Nordischen Kreises. Das Gebiet des in Nordeuropa weit verbreiteten Nordischen Kreises deckt sich nicht mit dem einer zeitlich vorangehenden Kultur der Frühbronzezeit oder der Jungsteinzeit. Dort lebte wohl auch kein Stamm oder Volk mit derselben Sprache. Zu den wenigen Gemeinsamkeiten zählten die Form und der Stil - oder salopper gesagt die Mode - der Bronzeerzeugnisse: also der Werkzeuge, Waffen, Gefäße und Schmuckstücke, die in eigenen Werkstätten hergestellt wurden.
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Nach Erkenntnissen des Hamburger Prähistorikers Friedrich Laux von 1989 lassen sich anhand bestimmter Waffenkombinationen im südlichen Schleswig-Holstein und im westlichen Mecklenburg-Vorpommern einige Lokalgruppen der nordischen älteren Bronzezeit unterscheiden. Dazu gehören die Westholsteinische Gruppe 1 , die Segeberger Gruppe 2 und die Westmecklenburgische Gruppe 3 .
Für die Westholsteinische Gruppe ist - laut Friedrich Laux - die Waffenausstattung mit einem Schwert und einer Lanzenspitze typisch, die vereinzelt durch ein Absatzbeil oder einen Dolch ergänzt wurde. Dagegen gilt für die Segeberger Gruppe die Bewaffnung mit einem Schwert und einem Absatzbeil als kennzeichnend, wozu häufig ein Dolch kommt. Die Angehörigen der östlich benachbarten Westmecklenburgischen Gruppe trugen ein Schwert, ein Absatzbeil und einen Dolch.
Die Menschen der nordischen Bronzezeit werden manchmal als »Urgermanen« bezeichnet, weil sie Vorfahren der ab der Eisenzeit um 500 v. Chr. nachweisbaren Germanen sein sollen. Wie ein Grabfund von Kampen auf der Nordseeinsel Sylt zeigt, gab es damals bereits Männer von erstaunlichem Körperwuchs. Dort hat man unter einem Grabhügel das Skelett eines 1,82 Meter großen Kriegers entdeckt, der offenbar in einem verrotteten Baumsarg bestattet worden ist. Nach der Beisetzung eines Jugendlichen von Freienwill (Kreis Schleswig-Flensburg) zu schließen, war das
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Haar manches »Urgermanen« dunkelblond, bis zu 20 Zentimeter lang und geflochten. In Baumsärgen auf Jütland (Dänemark) wurden häufig blonde Haare ge-funden. Funde aus Dänemark zeigten, dass Frauen sehr kunstvolle Haartrachten mit Perücken, Haarrollen und -netzen trugen. Haarnetze bestanden - wie sich in einem Frauengrab aus Skrydstrup in Nordschleswig (Dänemark) herausstellte - mitunter aus Pferdehaar. Dank ungewöhnlich erhaltener Bestattungen in Baumsärgen aus Dänemark ist die damalige Kleidung gut bekannt. Demnach trugen die Männer einen von der Brust bis zu den Knien reichenden Schurz mit Schulterträgern und quastenverziertem Stoffgürtel. Hinzu kamen an kühlen Tagen ein ovaler Schulterumhang und eine halbkugelige Mütze.
Zur Garderobe der Frauen gehörten ein bis auf die Füße fallender, faltenreicher Wollrock mit Quastengürtel und eine kurzärmelige Bluse im Kimonoschnitt. Mädchen dagegen waren - wie ein Fund aus Egtved in Dänemark belegt - mit einer Bluse und einem kniefreien Fransenrock, der sich zweimal um den Unterleib wickeln ließ, bekleidet. Die Füße von Frauen und Männern wurden mit Binden umwickelt und steckten in ledernen Sandalen.
Mit einer halbkugeligen Mütze auf dem Kopf sowie einem Kittel und einem Umhang - alles aus Wolleangetan lag ein Krieger von Harrislee 4 (Kreis Schleswig-Flensburg) in einem Baumsarg. Er war in eine große wollene Decke gehüllt, von der Fetzen erhalten blieben.
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2011, Die nordische ältere Bronzezeit, München, GRIN Verlag GmbH
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