Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Vorgeschichte der NATO 2
3. Gründung der NATO 4
4. Ursachen, Beweggründe und Folgen des NATO-Beitritts 5
4.1 Norwegen 6
4.2 Dänemark 11
4.3 Island 16
5. Fazit 21
6. Literaturverzeichnis 23
6.1 Quellenangaben 23
6.2 Literaturangaben 23
6 3 Internetangaben 25
1. Einleitung
Über den Kalten Krieg, dessen Verlauf und Folgen, gibt es reichlich Literatur. Vieles wurde geschrieben, diskutiert und verstanden. Doch wie kam es zu einer Formierung der Blöcke? Welche Umstände trugen dazu bei? Wann begann der Kalte Krieg wirklich? Auf politischer und militärischer Sicht muss die Situation nach Kriegsende in Deutschland und Berlin, welche die Gegensätze zwischen den Alliierten offen hervor trugen, angeführt werden. Jedoch stellte ein wichtiger Einschnitt in eine künftige Zusammenarbeit - oder zu mindestens Akzeptanz des Ostblocks - durch die westlichen Alliierten die Gründung der NATO 1949 da. Denn der transatlantische Pakt der Westmächte formte eine Einheit, die sich aufgrund der Gefahr die aus dem Osten, in Form der UdSSR, drohte, zum Schutz und zur Sicherheit gegen den ideologischen Gegner. Die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten war nicht nur auf das Militärische beschränkt. Auch die Wirtschaft und der Handel spielte eine entscheide Rolle in der Kooperation der Westmächte.
Doch wie kam es dazu, dass drei Länder des Nordens - Norwegen, Dänemark und Island - die vor dem zweiten Weltkrieg in außenpolitischen Angelegenheiten irrelevant waren und zudem über kaum militärische Ressourcen verfügten, da sie einer strikten Neutralitätspolitik folgten, in einem so mächtigen Bündnis mitwirkten und dort eine so bedeutende Rolle einnahmen? Um dieser Frage zu beantworten, muss geklärt werden, welche Ursachen und Beweggründe es für die drei skandinavischen Länder gab und welche Folgen sich aus dem NATO-Beitritt für die Länder Nordeuropas sowie für die anderen Mitglieder der NATO ergaben. Diese Arbeit wird sich zunächst mit der Vorgeschichte der NATO (2.), sowie mit der Gründung der NATO (3.) beschäftigen, um herauszuarbeiten, wie es zu dem transatlantischen Bündnis gekommen ist, welche Faktoren es beeinflussten und welche Konflikte und Problem, sowie Chancen und Alternativen besprochen wurden.
Die Staaten Nordeuropas waren jedoch, obwohl Dänemark, Norwegen und Island als Gründungsmitglieder angegeben werden, zu den Vorverhandlungen nicht eingeladen. Deshalb soll im Verlauf der Arbeit geklärt werden, welche Faktoren, Beweggründe und Ursachen den Beitritt beeinflussten (4.) und welche Bedeutung die Länder Nordeuropas für die beratenden Parteien und insbesondere der USA hatten. Wenn in dieser Arbeit darauf eingegangen wird, welche Wünsche und Vorstellungen die Vereinigten Staaten von Amerika von den skandinavischen Bündnispartner hatte, dann geschieht dass aus dem Grund, dass die USA bezüglich ihrer materiell-technischen und finanziellen sowie militärischen Dominanz durchaus ein Recht darauf hatte, Ansprüche an Nordeuropa und andere Bündnispartner zu stellen. Bewiesen werden kann dieser Fakt aus dem einfachen Grund, dass auch die skandinavischen
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Länder ebenso wie Westeuropa sich ein Bündnis nur in der Zusammenarbeit mit der USA vorstellen konnten, da sie aufgrund ihrer militärischen Dominanz den Ländern Schutz und Sicherheit gewährleisten konnte.
2. Vorgeschichte der NATO
Nachdem der zweite Weltkrieg beendet worden war und die Diskussionen und Verhandlungen um das weitere Verfahren mit dem besiegten Deutschland begannen, traten die Gegensätze 1 Auf der zwischen den ehemaligen Teilnehmermächten der Anti-Hitler-Koalition klar zu Tage. einen Seite war die UdSSR und auf der anderen Seite die westlichen Siegermächte USA, 2 Großbritannien und Frankreich.
Britische und französische Bemühung zur „Dritten Kraft“ zwischen den Blöcken UdSSR und USA zu werden, überlagerten sich dabei mit den Ereignissen im Februar 1948 in der 3 Die mehrheitlich bürgerlich geführte Regierung befand sich in einer Krise Tschechoslowakei.
auf die eine Regierungsumbildung unter dem neuen kommunistischen Premierminister Klement Gottwald folgte. Die neue Regierung in Prag setze in fast allen wichtigen Ministerien 4 Kommunisten ein und wurde in dem durchgeführten Staatsstreich von der UdSSR unterstützt. Historisch, politisch, wirtschaftlich und kulturell sahen die Westmächte die Tschechoslowakei als integrativen Teil Mitteleutopas an und nicht als Teil Osteuropas. Nach Meinung der französischen Botschaft hätten die Sowjetunion damit die Grenze erreicht, was in Europa möglich ist, ohne das die USA sich einschalten würde. Jeder weitere sowjetische Vorstoß nach 5 Westen könnte ab jetzt demnach folgen haben, die bis zum Krieg führen könnten. Durch den Prager Coup und der damit einhergehenden zugespitzten Lage war Frankreich nun bereit auf ein westeuropäisches Bündnis, wie es die Benelux-Staaten forderten einzugehen. Die französische Regierung wollte jedoch zunächst versuchen auch die Amerikaner als Bündnispartner zu gewinnen. Sie beriefen sich dabei in einem Brief vom 4. März 1948 an 6 mit der der amerikanische Präsident den freien Marshall auf Trumans Rede vom März 1947,
Völkern Hilfe gegen die Diktatur und gegen einen kommunistischen Umsturz in Aussicht gestellt hatte. Die Antwort von Marshall, die eine Woche später abgeschickt wurde, besagte, dass 1 Siehe: Falin, Valentin: Zweite Front. Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition, München 1995 2 Siehe: Balbier, Uta Andrea: Der Kalte Krieg, Darmstadt 2010; „Neue tschechoslowakische Regierung“ in Luxenburger Wort vom 26.02.1948: http://www.ena.lu/ (Stand: 04.08.2011); „Lautes Schweigen“ in Süddeutsche Zeitung vom 28.02.1948: http://www.ena.lu/ (Stand: 04.08.2011) 3 Siehe: Schröder, Sibylle: Der Februar 1948 in der Tschechoslowakei, Berlin 1982 4 Vgl. Varwick, Johannes: Die NATO: Vom Verteidiungsbündnis zur Weltpolizei? München 2008, S. 20 5 Vgl. Gersdorf, Gero von: Die Gründung der Nordatlanitischen Allianz (Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses, Bd 7.), München 2009, S. 93
6 Rede von US-Präsident Harry S. Truman am 12. März 1947 vor beiden Häusern des Kongresses: http://www.ena.lu/ (Stand: 04.08.2011)
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Frankreich und seine Partner erst den Brüsseler Pakt abschließen sollte und danach wäre die 7 USA für weitere Gespräche bereit.
Die Benelux-Staaten machten auf dem Weg in den Brüsseler Pakt klare Vorstellungen geltend, welche die Außenminister auf mehreren Treffen bis Mitte Februar 1948 untereinander abgestimmt hatten. Sie wünschten anders als die Briten und Franzosen keine bilateralen Verträge, sondern ein multilaterales politisches Bündnis. Des Weiteren verlangten sie eine Integration Westdeutschlands in die europäische Wirtschaft, sowie effizienzsteigernde militärische Vereinbarungen, sodass auf lange Sicht eine wirkliche europäische Gemeinschaft entstehen könnte. Die Hoffnung auf eine Mitgliedschaft der USA in einem solchen Bündnis sollte 8 weiterhin bestehen bleiben.
Da die französische Suche nach Schutz vor der Sowjetunion bisher bei den Amerikanern ohne Erfolg war, boten sich keine Alternativen zu diesem von den Benelux-Staaten vorgeschlagenen westeuropäischen Bündnis. Die Franzosen und Briten stimmten schließlich mit der Benelux-Regierungen überein, dass sie zu fünft und ohne die USA ein Bündnis schließen und alles tun wollten, um den Amerikanern einen späteren Bündnisbeitritt zu erleichtern, weil die Sicherheit Westeuropas ohne deren Unterstützung aufgrund ihrer militärische und finanziellen Ressourcen 9 nicht gewährleistet werden konnte.
Jedoch war für die USA die Situation in Europa, trotz der Vorkommnisse in Prag und in anderen 10 durch die Sowjetunion noch nicht alarmierend genug, Gebieten wie zum Beispiel in Finnland,
um einem transatlanischen Pakt zuzustimmen. Der Senator der Republikaner Arthur H. Vanderberg sah das Vorgehen der Sowjetunion zwar als Bedrohung an, jedoch war er nicht bereit weitere militärische Verpflichtungen in Europa einzugehen. Der amerikanische Geheimdienst verband das sowjetische Vordringen sogar mit der Erwartung, dass die antikommunistischen Kräfte in Westeuropa weiter gestärkt werden. Ausschlaggebend für das transatlantisches Sicherheitsbündnis von Seiten der Amerikaner, war der entscheidende Wille Trumans der, auf Drängen der Engländer, Marshall erlaubte diese und auch die Kanadier nach Washington zu den 11 Pentagon Talks einzuladen.
7 Vgl. Gersdorf, Gero von: Die Gründung der Nordatlanitischen Allianz (Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses, Bd 7.), München 2009, S. 93-94
8 Vgl. Gersdorf, Gero von: Die Gründung der Nordatlanitischen Allianz (Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses, Bd 7.), München 2009, S. 99-100
9 Vgl. Varwick, Johannes: Die NATO. Vom Verteidiungsbündnis zur Weltpolizei? München 2008, S. 20-21; „Der Brüsseler Pakt“ in Le Monde vom 17.03.1948: http://www.ena.lu/ (Stand: 04.08.2011) 10 Siehe: Büttner, Ruth: Sowjetisierung oder Selbstständigkeit? Die sowjetische Finnlandpolitik 1943-1948, Hamburg 2001
11 Vgl. Gersdorf, Gero von: Die Gründung der Nordatlanitischen Allianz (Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses, Bd 7.), München 2009, S. 96-97
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3. Gründung der NATO
Im Pentagon berieten sich die amerikanischen, britischen und kanadischen Unterhändler in zwei Gesprächsrunden vom 22. März bis zum 1. April 1948 geheim und unter Ausschluss der Öffentlichkeit über einen künftigen Nordatlantikpakt. Dabei ging es vor allem um die Friedenssicherung sowie um die Verteidigung gegen die Sowjetunion und dem Kommunismus. Debattiert wurde über eine Erweiterung des Brüsseler Paktes, der zunächst Westeuropa und in Zukunft ganz Europa umfassen sollte sowie über einen Atlantikpakt, der im Gegensatz zum 12 Brüsseler Pakt, auch nicht-europäische Staaten wie die USA und Kanada umfassen konnte. Letztendlich enthielten die Pentagon Proposals vom 1. April 1948, die auf der Grundlage der Verhandlungen verfasst wurden, den Vorschlag, dass der Brüsseler Pakt um die Staaten Norwegen, Schweden, Dänemark, Italien sowie Island erweitert werden soll. Für Verhandlungen zu einem Nordatlantikpakt sollten diese Staaten sowie die USA, Irland, Portugal und Kanada eingeladen werden. Westdeutschland, Österreich und Spanien sollte die Möglichkeit gegeben werden zu einem späteren Zeitpunkt in beide Bündnisse einzusteigen. Zudem wurde als denkbar erwähnt, dass alle nicht-kommunistischen Staaten Europas in einer Erweiterung des 13 Atlantikpakts miteinbezogen werden können. 14 am 11. Juni 1948 vom US-Senat angenommen wurde, konnten Als die Vandenberg-Resolution
die Verhandlungen über einen zukünftige Sicherheitsbündnis beginnen. Dazu trafen sich am 6. Juli 1948 die Botschafter Kanadas und die der Länder aus dem Brüsseler Pakt im State Department mit Unterstaatssekretär Lovett zu den Sieben-Mächte-Gesprächen in Washington. Als diskutabel erklärten die Amerikaner, entgegen der Erwartungen Kanadas und der europäischen Nationen, lediglich Arrangements auf der Basis von Selbsthilfe und gegenseitiger Hilfe. Zu mehr war Washington zu dieser Zeit nicht bereit. Sie wollten weiterhin darüber diskutieren, ob ein solches transatlantisches Bündnis überhaupt zustande kommen soll. Ganz anders sahen dass die Vertreter aus Kanada und Europa: sie hatten gehofft, dass in diesen Tagen darüber gesprochen wird, wie - und nicht ob - eine bündnispolitische Verknüpfung der USA und 15 Am Ende der Verhandlungen kam es, auf Grund Kanadas mit dem Brüsseler Pakt aussehen soll.
der verschiedenen Erwartungshaltungen und Wünschen bezüglich der zukünftigen Zusammenarbeit, zu keinen verbindlichen Festlegungen. Die weiteren 34 Sitzungen in den
12 Vgl. Gersdorf, Gero von: Die Gründung der Nordatlanitischen Allianz (Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses, Bd 7.), München 2009, S. 119-122
13 Vgl. Gersdorf, Gero von: Die Gründung der Nordatlanitischen Allianz (Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses, Bd 7.), München 2009, S. 127-129 14 Vanderberg-Resolution: http://www.ena.lu/ (Stand: 04.08.2011)
15 Vgl. Gersdorf, Gero von: Die Gründung der Nordatlanitischen Allianz (Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses, Bd 7.), München 2009, S. 207-209
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folgenden neun Monaten sind ein Zeichen für die durchaus offene Situation der Diskussion um 16 Der Spiegel schreibt im Dezember 1948 dazu treffend: „So klar diein gemeinsames Bündnis. 17 Idee ist, so verwickelt erscheint ihre Verwirklichung.“
Nichtsdestotrotz wurde der Vertrag zum Nordatlantikpakt nach langen Verhandlungen am 4. April 1949 durch die Gründungsmitglieder - Belgien, Dänemark, Frankreich, Island, Italien, Kanada, Luxenburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal, die USA und das Vereinigte Königreich - unterzeichnet und trat am 24. August in Kraft. Die NATO soll die Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit seiner Mitglieder garantieren, sowie ihre demokratischen Werte und die weitere Entwicklung der europäischen demokratischen Institutionen fördern.
4. Ursachen, Beweggründe und Folgen des NATO-Beitritts
Nach dem Kriegsende stand für die Länder Nordeuropas die bündnispolitische Zugehörigkeit noch nicht fest, denn den Krieg hatten sie unterschiedlich erlebt und verarbeitet. Norwegen und Dänemark hatten die deutschen Besatzung erlebt und darunter gelitten. Schweden hingegen hatte durch die Neutralitätspolitik den Krieg so gut wie unbeschadet überstanden. Island wurde zunächst von den Engländern und dann von der Amerikanern besetzt und Finnland war gezeichnet durch den Winterkrieg, der deutsch-finnischen Waffenbrüderschaft und den 18 Fortsetzungskrieg.
Die unterschiedlichen Voraussetzungen und Erfahrungen führten zu einem Umdenken in der Politik der Länder. Für Finnland stand die Zugehörigkeit zu der Einflusssphäre der UdSSR spätestens seit dem FZB-Vertrag fest. Island hingegen lag außerhalb der Sphäre der Sowjetunion und konnte sich ohne Bedenken dem Westen annähern. Für Schweden, Dänemark und Norwegen war der Einfluss der UdSSR, aber auch die Schutzgarantie der Westmächte nach Ende des zweiten Weltkrieges, zu gering, weshalb man sich ab Mai 1948 zu Verhandlungen für ein 19 Bei den Verhandlungen bevorzugte Schweden eine kollektiv skandinavisches Bündnis traf.
bewaffnete Neutralität, die sich auf die beratenden Länder, in Rücksichtnahme auf Finnland, 20 Norwegen hingegen wollte sich einem größeren westlichen Bündnis, gemeinsam beschränkte.
mit den nordischen Ländern anschließen. Auf die Unstimmigkeiten hatte die USA einen großen Einfluss, da sie das entstehende Bündnis nur dann mit Waffen und militärischen Ausrüstungen
16 Vgl. Gersdorf, Gero von: Die Gründung der Nordatlanitischen Allianz (Entstehung und Probleme des Atlantischen Bündnisses, Bd 7.), München 2009, S. 216
17 „Pax durch Pakt“ in Der Spiegel vom 11.12.1948: http://www.ena.lu/ (Stand: 04.08.2011) 18 Vgl. Keßelring, Agilolf: Die Nordatlantische Allianz und Finnland 1949-1961, München 2009, S. 117 19 Vgl. Keßelring, Agilolf: Die Nordatlantische Allianz und Finnland 1949-1961, München 2009, S. 118 20 Vgl. Schieder, Theodor: Handbuch der europäischen Geschichte. Europa im Zeitalter der Weltmächte, Bd 7, Aufl. 3, Stuttgart 1996, S. 818
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Anne Biernath, 2011, Der NATO-Beitritt von Norwegen, Dänemark und Island, München, GRIN Verlag GmbH
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