0. Planungsüberblick und Lerngruppenanalyse Lerngruppenanalyse
Die Klasse E 01 besteht aus 20 Schülerinnen und Schülern 1 der unterschiedlichen ehemaligen neunten und zehnten Klassen 2 und setzt sich aus 9 Schülerinnen und 11 Schülern zusammen. Die Lerngruppe wird von mir seit Beginn des Schuljahres eigenverantwortlich im Fach Politik & Wirtschaft 3 unterrichtet, jeweils montags in der 6. und mittwochs in den ersten beiden Stunden. Die SuS entstammen zwei unterschiedlichen Klassenverbänden (E 01 und E 02) und sind nur im PoWi -Unterricht in dieser Konstellation zusammen.
Hinsichtlich der Homogenität fällt bei dieser Lerngruppe als erstes der hohe Anteil der SuS mit Migrationshintergrund auf 4 . Als zweites offensichtliches Gruppenmerkmal sind die Altersunterschiede zwischen den einzelnen SuS erwähnenswert (teilweise bis zu 3 Jahre Unterschied 5 ).
Das Verhältnis der SuS zueinander ist noch recht zurückhaltend, da sie sich noch in der Kennenlernphase befinden. Es bilden sich jedoch bereits die Sympathie- und Kooperationsgruppen, beispielsweise bevorzugen viele SuS bei der Partnerarbeit bereits bestimmte SuS als Arbeitspartner und in den Pausen entstehen auch immer dieselben Gesprächsgruppen. Das SuS - Verhalten ist tolerant und freundlich, die SuS haben eine faire Umgangsweise miteinander, Streit und verbale Aggressionen sind sehr selten 6 .
Das Verhältnis zwischen mir als Lehrperson und den SuS ist respektvoll-wertschätzend. Die SuS werden von mir wahrgenommen und ernst genommen, wissen aber gleichzeitig, wo ihre Grenzen hinsichtlich ihres Störverhaltens, welches ich teils toleriere, liegen. Sie akzeptieren meine unterrichtsleitende Stellung in der Gruppe und suchen mich auch bei Bedarf in den Pausen auf, um fachliche Fragen zu klären 7 .
Bezogen auf das Fach PoWi ist das Interesse und das Vorwissen der SuS überraschend hoch. Während der selbstständigen Arbeitsphasen weisen die SuS eine gut entwickelte und lang anhaltende Konzentrationsfähigkeit auf. Wenn sich einige SuS überfordert fühlen, zeigen sie dies sofort an, noch bevor ein Zustand der Frustration eintreten kann. Allgemein ausgedrückt, haben die
1 Diese Wendung wird im Folgenden durch SuS abgekürzt.
2 Die Zusammenlegung kommt durch die Umstellung vom Hessischen Lehrplan G8 auf G9 zusammen, sodass nun SuS unterschiedlicher ehemaliger Schuljahrgänge gemeinsam in der Einführungsphase und den darauffolgenden Qualifikationsphasen unterrichtet werden müssen.
3 Diese Wendung wird im Folgenden durch PoWi abgekürzt.
4 11 SuS entstammen Familien mit Migrationshintergrund. Es ist mir noch nicht gelungen, herauszufinden wessen Eltern welchem Kulturkreis entstammen. Ebenfalls ist mir nicht bekannt in welcher Generation die SuS bzw. deren Eltern sich in Deutschland befinden. Lediglich zwei SuS fallen durch ihre unsichere Sprechweise im Unterrichtsgespräch auf.
5 Diese Information habe ich aus den Unterrichtsgesprächen, die zum Thema Jugend geführt wurden.
6 Die gilt für den Unterricht und für die Pausenzeiten.
7 Der Beratungs- bzw. Erklärungsbedarf ist unterschiedlich verteilt, es sind also nicht „immer die gleichen“, die mit Fragen zu mir kommen.
SuS eine positive Einstellung zum Lernen und empfinden der PoWi - Unterricht als gemeinsames Erarbeiten von Neuem.
Hinsichtlich der fachlichen Leistung gibt es in dieser Lerngruppe deutlich hervortretende Unterschiede zwischen den SuS. Bezogen auf die mündliche Mitarbeit gibt es 3 Schüler und 5 Schülerinnen, die den Unterricht durch häufige und qualitativ gute Beiträge voranbringen. 1 Schüler und ebenfalls eine Schülerin verhalten sich sehr zurückhaltend und nehmen selten mündlich am Unterricht teil. Die restlichen 10 SuS arbeiten themen- und interessenbestimmt eher unregelmäßig in den mündlichen Unterrichtsphasen mit.
Die schriftliche, bzw. selbstständige Mitarbeit zeigt ein anderes Leistungsbild. Hier konnte ich bei wiederholten Heftdurchsichten, die ich in Gruppen- oder Partnerarbeitsphasen vornehme, feststellen, dass die mündliche Beteiligung das Leistungsbild nur teilweise repräsentiert. So erwies sich die Mitschrift zweier Schüler der mündlichen Leistungsspitze als lückenhaft, bei den selben 2 SuS brachten auch kooperative Arbeitsformen nicht die Ergebnisse, die die mündliche Beteiligung erwarten ließ. Jedoch hatten von den 10 SuS, die eher unregelmäßig mündlich mitarbeiten, in schriftlichen und kooperativen Arbeitsformen 8 5 SuS gute Arbeitsergebnisse. Eine exaktere Leistungsbeurteilung ist mir noch nicht möglich, da ich noch keine Tests bzw. Kurzkontrollen durchgeführt habe.
Hinsichtlich der verschiedenen Kompetenzen des Faches PoWi 9 ist eine erste Einschätzung der Lerngruppe 10 jedoch bereits möglich. Die Analysekompetenz ist soweit entwickelt, dass die SuS Informationen unterschiedlicher Art erkennen, problemorientierte Fragen dazu stellen und teilweise bereits Teilaspekte dieser identifizieren können. Sachinformationen werden jedoch noch nicht klar von Meinungen und Wertungen getrennt. Nur wenige SuS können argumentierend begründen, das Erkennen von Strukturen und Zusammenhängen bereitet ebenfalls noch Schwierigkeiten. Hieraus folgt direkt die noch zu entwickelnde Urteilskompetenz, da die SuS sich und Sachverhalte noch nicht kritisch reflektieren. Die Defizite in der Analysekompetenz führen dazu, dass Sach- und Werturteile nicht ausreichend begründet, hinterfragt und aus verschiedenen Perspektiven heraus betrachtet und geprüft werden.
Die Handlungskompetenz, als Fähigkeit erworbenes Fachwissen in politischen und ökonomischen Prozessen anzuwenden, ist noch auf der Ebene der Meinungs- und Interessenformulierung. Dieses Niveau muss noch gefestigt werden, bevor die Ebene des Erkennens von Handlungsfolgen und systemischer Wechselwirkungen bis hin zu nachhaltigem politischen und wirtschaftlichen Agieren
8 Die kooperativen Arbeitsphasen endeten in der Regel mit einer Kurzpräsentation, sodass der Lernzuwachs auf diese Art beobachtet und von mir beurteilt werden konnte.
9 Hessisches Kultusministerium (Hrsg.), Bildungsstandards und Inhaltsfelder, Das neue Kerncurriculum für Hessen, Sekundarstufe I (II) - Gymnasium, (Entwurf) Politik und Wirtschaft, In: http://www.iq.hessen.de/irj/IQ_Internet? cid=dc0acae7616326e11527e9084e3b1fe9 (Download, Stand: 21. 09. 2010)
10 Zu bedenken ist hierbei, dass die Einschätzung lediglich einen Querschnitt der Lerngruppe abbildet.
betreten werden kann.
Bezogen aus die Methodenkompetenz konnte ich in dieser Lerngruppe die Beobachtung machen, dass der Umgang mit Quellenmaterial bereits zum festen Repertoire mindestens der Hälfte der SuS gehört. Die Auseinandersetzung mit Grafiken und die Erstellung solcher ist zwar zeitintensiv, jedoch ist dieses haptisch - visuelle Lernen bei den SuS sehr beliebt und deswegen gut zur Einübung kooperativer Lernformen geeignet. Ebenfalls wird das Erstellen kurzer grob strukturierter Texte, sowie das kurze mündliche (teils mediengestützte) Präsentieren von Arbeitsergebnissen sicher und selbstbewusst von den SuS durchgeführt. Die Komplexität und die Qualität dieser Beiträge macht jedoch deutlich das lerngruppeninterne Leistungsgefälle sichtbar.
Planungsüberblick
Mithilfe einer verkürzten Karikaturanalyse und Karikaturinterpretation und einer anschließenden Textanalyse werden die SuS einige aktuelle Entwicklungen im Lebensbereich Arbeit, bezogen auf den Hauptbegriff Flexibilität, erarbeiten. Dies soll in den Sozialformen Unterrichtgespräch und angeleitete Partnerarbeit erfolgen. Die Zusammenfassung der verschiedenen Entwicklungsaspekte und deren Auswirkungen erfolgt mittels einer tabellarischen Struktur an der Tafel (und auf den SuS
- Arbeitblättern), die eine erste mögliche Unterscheidung abbilden soll. Die Tabelle und der zum Ende der Stunde wiederholte Einsatz der Karikatur bilden die Grundlage für die abschließende erörternde Diskussion um die Veränderungen des Bereichs Arbeit, in der von den SuS bereits unterschiedliche perspektivische Sichtweisen ausprobiert werden sollen.
1. Lernperspektiven und Lehrplanbezug Lehrplanbezug
In den vorangegangenen Unterrichtsstunden beschäftigten sich die SuS mit den Themen Sozialisation von Jugendlichen und Individualisierung. Diese Reihenfolge bietet eine Betrachtung der gesellschaftlichen Entwicklung im Bereich Arbeit an, da das Thema Flexibilität und berufliche Mobilität an das Teilgebiet der gesellschaftlichen Erwartungen an Jugendliche anknüpft. Der Hessische Lehrplan 11 verortet zwar das Unterrichtsthema im Unterrichtsinhalt Von der Industrie zur Dienstleistungsgesellschaft, jedoch scheint mir meine Plazierung aus dem eben genannten Grund schülerorientierter.
Lernerperspektiven
Durch die Auseinandersetzung mit dem Text erweitern die SuS ihre Wissenskompetenz zum Thema
11 Lehrplan Politik und Wirtschaft, Gymnasialer Bildungsgang, Jahrgangsstufen 7G bis 9G und gymnasiale Oberstufe, In: http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/HKM_Internet?cid=ac9f301df54d1fbfab83dd3a6449af60 (Download, Stand: 21. 09. 2010)
Arbeit zitieren:
Anton Roos, 2010, Entwurf zum 4. Unterrichtsbesuch in Politik und Wirtschaft (Gymn.), München, GRIN Verlag GmbH
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