Inhaltsverzeichnis
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Einleitung. 1
Einleitung. 1
1. Die Begriffsdefinitionen 2
1.1 Was ist eine „Reform“? 2
1.2 Wann ist von einer „Reorganisation“ zu sprechen? 3
1.2 3
2. Alte und neue Sichtweisen auf Roons Modernisierungsprogramm. 3
2.1 Die ältere Historiografie 3
2.2 Die aktuellen Forschungsansätze. 5
2.2 5
3. Die konkreten Inhalte der „Reform“ bzw. „Reorganisation“ 7
3.1 Die Veränderungen in der Landwehr 7
3.2 Die politischen Auswirkungen 11
3.2 Die Bewertung 13
4. Zusammenfassung. 14
5. Literaturverzeichnis 16
Einleitung
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Themenkomplexe, die die „Roonsche Heeresre-form“ näher erläutern und den Leser in die Lage versetzen sollen, selbst beurteilen zu können, ob es sich um eine „Reform“ oder „Reorganisation“ handelt. Dazu wird im ersten Teil eine kurze Begriffsklärung der beiden Termini vorgenommen, um mit diesen arbeiten zu können. Danach folgt die Darstellung des alten und neuen Forschungsstandes. Hierbei werden verschiedene Beurteilungen und Perspektiven eröffnet, die den Wandel in der Bewertung der „Heeresreorganisation“ aufzeigen sollen. Zuletzt werden die konkreten Veränderungen im preußischen Militär unter der Ära Albrecht von Roons aufgezeigt und die Rolle der Landwehr im „Reformprozess“ näher herausgearbeitet. Da Veränderungen in der Armee nicht wirkungslos auf die Zivilgesellschaft bleiben, wird die politische Seite der „Reorganisation“ - in Form des Preußischen Verfassungskonflikts - in ihren Grundzügen dargestellt, da diese eng verwoben ist mit den „Reformen“ unter Roon. Abschließend erfolgt eine eigenständige Bewertung des Verfassers, welcher Terminus für die Modifizierung des preußischen Heeres zu Beginn der 1860er Jahren eher zutreffend ist.
Dabei setzt der Autor die Begriffe „Reform“ und „Reorganisation“ bewusst in Anführungszeichen, um zu Beginn offen zu lassen, welche Position er vertritt. So verschafft er dem Leser die Möglichkeit, sich ein eigenständiges Bild zu machen und ihn nicht für eine bestimmte Sichtweise zu vereinnahmen.
Die in der Arbeit verwendeten Zitate wurden sämtlich in ihrer ursprünglichen Form belassen, d.h. dass keine Übersetzungen genutzt und die Rechtschreibung nicht verändert wurde, wobei die zitierten Quellen durch kursive Schriftweise hervorgehoben sind. Um den aktuellen Forschungsstand in puncto „Roonsche Heeresreform“ auch nur annähernd nachvollziehen zu können, ist es unabdingbar, auf das Standardwerk „Preußische Heeresre-formen 1807-1870. Militärische Innovation und der Mythos der „Roonschen Heeresreform“ von Dierk Walter zu verweisen, das einen sehr kompakten Überblick über die Veränderungen des preußischen Heeres im 19. Jahrhundert gibt und für das Thema eine völlig neue Perspektive eröffnet, indem es die Begriffe „militärische Revolution“ und „Heeresrefom“ negiert und von einer weniger bedeutenden „Reorganisation“ spricht. In den beiden Aufsätzen „Albrecht Graf von Roon und die Heeresreorganisation von 1859/60“ und „A Military Revolution? Prussian Military Reforms before the Wars of German Unification“ von Walter wird diese Sichtweise kurz und verständlich dargelegt.
1
Des Weiteren sind ältere Arbeiten aus den 1980er Jahren wie der Aufsatz von Winfried Heinemann (Roon, die Heeresreform und das Kaiserreich) und das Buch von Thomas Nipperdey (Deutsche Geschichte 1800 - 1866: Bürgerwelt und starker Staat)) hervorzuheben, die einen gelungen Gesamtüberblick über den Preußischen Verfassungskonflikt und die „Heeresre-form“ geben, aber nicht - im Gegensatz zu Walter - die Frage nach dem wahren Gehalt der „Reform“ stellen.
Zukünftig muss sich die Historiografie stärker mit der Person Roons beschäftigen. Die letzten großen Biografien zur Person stammen aus den 1930er Jahren und sind dementsprechend ideologisch durchsetzt. Vielmehr müsste eine kritische und ausführliche Darstellung der wirklichen Bedeutung des preußischen Kriegsministers bei der „Reorganisation“ und dem damit verbundenen Verfassungskonflikt erfolgen.
1. Die Begriffsdefinitionen
1.1 Was ist eine „Reform“?
Die umfassendste Definition der beiden Grundbegriffe dieser Arbeit ließ sich im Brockhaus Lexikon von 2006 finden. Um der zentralen Frage nach den Transformationsprozessen in der preußischen Armee am Anfang der 1860er Jahre nachgehen zu können, ist es unabdingbar, die bedeutenden Termini „Reform“ und „Reorganisation“ zu Beginn zu definieren. Eine Reform ist demnach: „[…] die planmäßige Umgestaltung, Verbesserung, Neuordnung des Bestehenden, bes. (als Gegenbegriff zu Revolution) die gezielte, die Legalität wahrende Umgestaltung polit. und gesellschaftl. Einrichtungen (u.a. Verfassungs-, Verwaltungs-, Rechts[reform] […]).“ 1
Der Reformbegriff wird hier relativ unpräzise gehalten. Auf den militärischen Bereich übertragen kann nur im Falle einer grundlegenden Neuordnung des Militärsystems von einem re-formerischen Akt gesprochen werden. Dies beinhaltet eine Veränderung im Verhältnis zwischen der Zivilgesellschaft und dem Verteidigungssystem, wobei dies auch einen Wandel im Selbstbild und Ethos der Armee mit sich zieht.
1.2 Wann ist von einer „Reorganisation“ zu sprechen?
Die „Reorganisation“ kann als abgeschwächte Form der „Reform“ gesehen werden, wobei es hier keine klaren bzw. scharfen Trennlinien gibt. Doch dazu muss der Begriff zunächst näher erläutert werden, denn bei einer „Reorganisation“ handelt es sich um die „Änderung einer formalen Organisationsstruktur. R.-Maßnahmen werden insbes. bei mangelnder Effizienz
1 Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden. Band 22. Leipzig 2006, S. 657f. 2
erforderlich, weil sich organisationsinterne Gegebenheiten (z.B. höhere Beschäftigungszahlen, erweitertes Leistungsprogramm, Einsatz neuer Technologien) oder die externen Rahmenbedingungen (z.B. Marktverhältnisse, techn. Rahmenbedingungen) geändert haben oder eine Neubestimmung der grundlegenden Organisationsziele […] beschlossen worden ist.“ 2 Hier erfolgt die Definition schon etwas genauer. Es spielen also interne und externe Faktoren eine Rolle, die eine „Reorganisation“ notwendig machen. Dabei bleibt der gesellschaftspolitische Aspekt jedoch außen vor, d.h. die Veränderungen erfolgen nur innerhalb einer Institution bzw. Organisation und zeitigen nicht so große Auswirkungen auf das Zivilleben. Da nun die beiden Begriffe erläutert wurden, die bei der Beurteilung der Veränderungen im preußischen Heer zu Beginn der 1860er Jahre eine wichtige Bedeutung inne haben, erfolgt im weiteren Verlauf die Darstellung der älteren und modernen Sichtweise auf die „Roonsche Heeresreform“.
2. Alte und neue Sichtweisen auf Roons Modernisierungsprogramm
2.1 Die ältere Historiografie
Die Titel zur „Heeresreform“ vor dem Zweiten Weltkrieg beurteilen Roon als Vorkämpfer des monarchischen Gedankens, der treu an der Seite seines Königs stand und dessen Interessen vertrat. Dabei wird jedoch von Anfang an eingeräumt, dass die „Reform“ kein alleiniges Werk Roons gewesen sei, sondern vielmehr ein Produkt verschiedener Entwürfe, die im Kriegsministerium vorgestellt worden waren und der Eingebungen des Königs. 3 Bei Marcks wird ein sehr kämpferisches und idealisiertes Bild von Roon gezeichnet, sein wirklicher Anteil an der „Reorganisation“ war ihm nach „…die Geschlossenheit und feurige Kraft seines Charakters, des unbedingt auf das Ziel gerichteten Willens, die rastlose Mahnung, die über alle Bedenken, die Widerstände am Hofe und im Ministerium, über die zögernde Milde des Regenten hinweg ihr stetes, ungeduldiges, schöpferisches Vorwärts hallen ließ.“ 4 In „Die Reorganisation des preußischen Heeres durch Wilhelm I.“ von Witte werden mit Roon Eigenschaften wie Verantwortungsfreudigkeit und Kampfesmut assoziiert. Des Weite-
2 Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden. Band 23. Leipzig 2006, S. 12.
3 Vgl. Marcks, Erich: Albrecht von Roon: seine Persönlichkeit und seine geschichtliche Stellung. Berlin 1903, S.
213.
4 Marcks, a.a.O., S. 214. 3
ren wird er als „Eckart Roon“ betitel, wobei die Hauptverantwortung für die erfolgreiche „Heeresreform“ allein Wilhelm I. zugeschrieben wird. 5
Die Publikationen aus dem Kaiserreich und dem „Dritten Reich“ weisen eine Gemeinsamkeit darin auf, dass sie ohne Trennschärfe die Begriffe „Reform“ und „Reorganisation“ nutzen. Diese fehlende Infragestellung des wahren Gehalts der „Heeresreform“ findet sich auch in vielen modernen Buchtiteln. Einzig Walter tritt für eine wirkliche Trennung zwischen beiden Termini ein.
Die Werke zu Roon und zur „Heeresreform“ bringen in ihrer Beurteilung der Person noch die Autoritätsgläubigkeit und die Bejahung des Führerprinzips mit hinein. Im Mittelpunkt hierbei steht besonders der „Kampf“ gegen das Parlament respektive die Demokratie. 6 Bei der ausführlichen Roon-Biografie von Elster von 1938 werden ähnliche Stimmen laut. Hier wird der (vermeintliche) „Reformer“ als „Paladin König Wilhelms“, „größter Kriegsminister“, „treuer Vasall“, „treuer Feldwebel seines Königs“ und „Gefolgsmann seines Führers“ bezeichnet, der sich gegen die „Mächte der demokratischen Zersetzung und liberalen Auflösung“ 7 zur Wehr setzte und in seinem Dienst an der Monarchie, dem „Führertum“ und dem „autoritären Prinzip“ diene. 8 Aus Sicht der „Sonderwegsthese“ kann dies so gesehen werden, was jedoch der eigenen Wahrnehmung der Zeitgenossen widerspricht, da sie nicht bewusst eine Militarisierung der Gesellschaft planten.
Der von Walter titulierte „Borussenmythos“ maß der „Heeresreform“ eine politische und militärische Schlüsselrolle für den erfolgreichen Ausgang der „Einigungskriege“ bei bzw. sie wurde als deren Grundlage betrachtet. Gerade die Siege gegen Habsburg und Frankreich rechtfertigten die Umbaumaßnahmen im Heer. Diese „politische Mythologisierung“ ging davon aus, dass die „Reform“ das Feldheer mittels der Ersetzung der Landwehr durch aktive Linientruppen homogenisiert und verjüngt hätte. In der Realität konnte dies allerdings nicht umgesetzt werden, da die Rekrutierungsquote zu niedrig blieb. 9
Unter Eckart Kehr in der Weimarer Republik und Gerhard Ritter im Nachkriegsdeutschland entstand eine neue historiografische Tradition in der Beurteilung der „Heeresreorganisation“. Demnach wird ihr eine weitreichende Wirkung auf die Beziehung von Militär und Gesell-
5 Vgl. Witte, Hermann: Die Reorganisation des preußischen Heeres durch Wilhelm I. Halle an der Saale 1910, S.
118ff.
6 Passim Hübner, Reinhard: Albrecht von Roon. Preußens Heer im Kampf um das Reich. Hamburg 1933.
7 Elster, Hanns Martin: Kriegsminister, General‐Feldmarschall, Ministerpräsident Graf Albrecht von Roon. Sein
Leben und Wirken. Berlin 1938, S. 271.
8 Vgl. ebd., S. 304.
9 Vgl. Walter, Dierk: Albrecht Graf von Roon und die Heeresreorganisation von 1859/60. In: Ehlert, Hans; Ep‐
kenhans, Michael: Militärische Reformer in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert. Potsdam 2007, S. 26f. 4
Arbeit zitieren:
Stefan Rudolf, 2010, Reform oder Reorganisation? – Die Veränderungen im preußischen Militär unter der Ära Albrecht von Roons, München, GRIN Verlag GmbH
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