Zuschlagskalkulation Sigrun Gindorff
1. Einleitung und Aufbau der Arbeit
1.1. Einführung
Die Kostenrechnung hat die Aufgabe, Informationen über die Leistungsfähigkeit des Unternehmens für Führungsentscheidungen bereitzustellen. Insbesondere zur Wirtschaftlichkeitskontrolle, Preiskalkulation, Erfolgsermittlung und zur Bereitstellung von Informationen sowie Zahlenmaterial ist die Kostenrechnung ein wirksames Mittel. 1 Ganz besonders im Zusammenhang mit dem zunehmenden Kostendruck in den Unternehmen stellt die detaillierte Information über Kostenstrukturen durch die Kostenrechnung ein entschei-dungsorientiertes Instrument dar.
In der Praxis stellen Industrieunternehmen gewöhnlich viele verschiedene Produkte her, deren verursachungsgemäße Gesamtkostenverteilung im Zuge der Zuschlagskalkulation gewährleistet werden soll. 2 Im Unternehmen 4 des AKAD-Planspiels Planspiels „Topsim-Business Development Anlagenbau“ ist das nicht anders: das Unternehmen stellt als produzierender Logistikdienstleister Produkte wie Stapler und Regalsysteme her und bietet Dienstleistungen sowie Beratung für die komplette Intralogistik an.
1.2. Problemstellung
In diesem Assignment wird die Vorgehensweise bei der Zuschlagskalkulation generell vorgestellt und das Verfahren kritisch hinterfragt. Außerdem gilt es, die Strukturen der Selbstkosten im Unternehmen 4 des Planspiels „Topsim-Business Development Anlagenbau“ in ihrer Entwicklung zu untersuchen und deren Veränderungen zu erklären und zu bewerten.
1.3. Ziel der Arbeit und Vorgehensweise
Zunächst wird in den Grundlagen ein allgemeiner Überblick über die Zuschlagskalkulation gegeben sowie deren Verfahren der summarischen und der differenzierten Zuschlagskalkulation erläutert. Anschließend wird zu den Verfahren der Zuschlagskalkulation kritisch Stellung genommen.
1 Vgl. Jung, Hans (2006) S.1113
2 Vgl. Jung, Hans (2006) S.1147
1
Zuschlagskalkulation Sigrun Gindorff
Im Praxisteil werden die Struktur und die Entwicklung der Selbstkosten während des Planspiels vorgestellt sowie deren Veränderungen während der 8 Perioden bewertet und erklärt. Das Assignment endet mit einer Schlussbetrachtung.
2. Grundlagen
2.1. Allgemeiner Überblick über die Zuschlagskalkulation
Innerhalb der Kostenträgerstückrechnung existieren verschiedene Kalkulationsverfahren: Als Oberbegriffe wären zu nennen: Divisionskalkulation (bei Ein-Produkt-Betrieben), die Äquivalenzziffernkalkulation (in der Sorten- oder begrenzen Serienfertigung), die Zuschlagskalkulation (in der Einzel- oder Serienfertigung) und die Kuppelkalkulation (bei Kuppelprodukten). Dabei zeigt sich, dass letztendlich alle genannten Kalkulationsverfahren auf die beiden grundlegenden Verfahren der Divisionskalkulation und der Zuschlagskalkulation zurückzuführen sind. 3 Wie bereits in Abschnitt 1.3. dieses Assignments erklärt, soll hier nur auf die Zuschlagskalkulation eingegangen werden, da das Unternehmen des Planspiels mit seinen Produkten in der Einzelfertigung oder Serienfertigung sowie Dienstleistungen und Services tätig ist.
„Die meisten Unternehmen fertigen verschiedenartige Erzeugnisse in unterschiedlichen Arbeitsabläufen. Dabei fallen Kosten in völlig unterschiedlichem Umfang an sowie Lagerbestandsveränderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen. Hierfür ist die Zuschlagskalkulation “…„ das geeignete Kalkulationsverfahren. Sie bietet sich bei Einzelfertigung oder Serienfertigung verschiedenartiger Erzeugnisse an.“ 4
2.2. Verfahren der Zuschlagkalkulation
Die Verfahren der Zuschlagskalkulation sind dadurch gekennzeichnet, dass vor der Verrechnung der Kosten auf die Kostenträger eine Trennung in Kos-
3 Vgl.:Coenenberg, Adolf G.; Fischer, Thomas M.; Günther, Thomas; (2007) S. 106
4 Olfert, Klaus (2008) S.181
2
Zuschlagskalkulation Sigrun Gindorff
tenträgereinzelkosten und Kostenträgergemeinkosten vorgenommen wird. Diese Unterteilung wird in der Kostenartenrechnung vorgenommen. Die Kostenträgereinzelkosten werden den Kostenträgern direkt zugerechnet, die Zurechnung der Kostenträgergemeinkosten erfolgt indirekt mit Hilfe von Zuschlagsätzen. 5 Voraussetzung hierfür ist das Vorhandensein einer Kostenstellenrechnung, beispielsweise als Betriebsabrechnungsbogen. Die Gemeinkosten werden auf die verschiedenen Kostenträger über kostenstellenspezifische Zuschlagsätze verteilt. Dadurch sollen die Gemeinkosten möglichst verursachungsgerecht auf die Kostenträger verteilt werden. Bei der Zuschlagskalkulation gibt es zwei verschiedene Verfahren, je nachdem ob es sich bei dem Unternehmen um ein Mehr-Produkt-Unternehmen ohne Lagerbestandsveränderungen bei Halb- und Fertigfabrikaten handelt oder um ein Mehr-Produkt-Unternehmen mit mehrstufiger Produktion, also mit Lagerbestandsveränderungen:
2.2.1. Summarische oder kumulative Zuschlagskalkulation
Die summarische (oder kumulative, einfache) Zuschlagskalkulation erfordert keine Kostenstellenrechnung und wird hauptsächlich in Kleinbetrieben verwendet 6 : den oben genannten Mehr-Produkt-Unternehmen ohne Lagerbe-standsveränderungen bei Halb- und Fertigfabrikaten. Hier werden die gesamten Einzelkosten als Zuschlagsbasis für die Gemeinkosten verwendet:
Diese Methode setzt keine Kostenstellenrechnung voraus, sie betrachtet den Betrieb quasi als eine Kostenstelle.
2.2.2. Differenzierte Zuschlagskalkulation
„Bei der differenzierten Zuschlagskalkulation werden die Gemeinkosten nicht mehr pauschal zugerechnet, sondern man verwendet Zuschlagbasen, die sich in ursächlichem Zusammenhang mit dem Entstehen der Gemeinkosten
5 Vgl.: Scherrer, Gerhard; (1999) S.412
6 Vgl. Olfert, Klaus (2008) S. 182
3
Zuschlagskalkulation Sigrun Gindorff
befinden, d.h. es wird eine Trennung der Gemeinkosten in die Bereiche Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb vorgenommen.“ 7 Die Berechnung der Gemeinkosten erfolgt auf Basis der in den einzelnen Bereichen entstandenen Einzelkosten. Für die Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten werden die Herstellkosten als Basis verwendet. 8 Wie bereits in 2.2. erwähnt, werden die prozentualen Gemeinkostenzuschläge im Betriebsabrechnungsbogen ermittelt:
:
:
:
:
Kennzeichnend für das differenzierte Zuschlagskalkulationsverfahren ist eine Differenzierung der Kosten nach Einzelkosten (EK), Sondereinzelkosten (SEK) und Gemeinkosten (GK). Gleichzeitig wird eine Kostenstellenrechnung erforderlich. Die Einzel- und Sondereinzelkosten können den Aufträgen und Produkten und Dienstleistungen direkt und verursachungsgerecht zugeordnet werden. 9 Die Selbstkosten (SK) sind die Summe aller Einzel- und Gemeinkosten, die im Zusammenhang mit der Herstellung oder dem Verkauf eines Produktes anfallen 10 .
Die Tabelle 1 zeigt das Grundschema der differenzierten Zuschlagkalkulation mit Rückgriff auf die Kostenstellenrechnung und die Zusammensetzung der Selbstkosten:
7 Olfert, Klaus (2008) S. 182
8 Vgl.: Olfert, Klaus (2008) S.183
9 Vgl.: Coenenberg, Adolf G.; Fischer, Thomas M.; Günther, Thomas; (2007) S.111
10 Vgl.: Grabe, Jürgen; Böhm, Petra; (2006) S. 81
4
Arbeit zitieren:
Sigrun Gindorff, 2011, Zuschlags-Kalkulation, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern: Zuschlags-Kalkulation ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern: neuer Titel erschienen: Zuschlags-Kalkulation
Sigrun Gindorff hat einen neuen Text hochgeladen
Praxishilfen Kalkulationen und Angebote
Von der Kundenanfrage bis zur ...
Wilfried Kipp-Weike, Jörgen Erichsen
Betriebliches Rechnungswesen 1. Lösungsbuch
Buchführung im Grosshandel. Wi...
Volker Denzau, Klaus Wicher, Norbert Schultze
Möglichkeiten der Kalkulation von sektorübergreifenden Kopfpauschalen ...
Henryk Steinbach, Stefan Sohn, Oliver Schöffski
Technik des betrieblichen Rechnungswesens
Buchführung und Bilanzierung, ...
Wolfgang Eisele, Alois Knobloch
0 Kommentare