Abstract
Da die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen einen immer wichtiger werdenden Be-standteil der Regionalpolitik darstellt, befasst sich diese Seminararbeit mit der Analyse der Erfolgsfaktoren von regionalen Clustern und Netzwerken. Dabei wird besonders auf Ansätze zur Erfolgsmessung eingegangen. Ausgehend von Michael Porter’s Definition des Cluster-Begriffs werden aus der Fachliteratur mögliche kritische Faktoren für den Erfolg abgeleitet. Es wird untersucht, inwiefern sich die genannten Aspekte auf den Erfolg des Clusters auswirken. Anschließend wird auf Basis von empirischen Forschungsergebnissen zum Mikroelektronik-Cluster „Silicon Saxony“ in Dres- dendargestellt, wie sich der Erfolg des Clusters in der regionalen Wirtschaftslage widerspiegelt. Betrachtet werden hierzu die Cluster-Ausdehnung, die Entwicklung des Arbeitsmarktes, die Produktivität und die Innovationskraft der Region. Die Ergebnisse zeigen, dass erfolgreiche Cluster im Zeitverlauf wachsen, sich mehr Unternehmen als Partner in ein Cluster einbinden und neue Unternehmen gegründet werden. Des Weiteren erhöht sich die Innovationstätigkeit der partizipierenden Unternehmen, da die Unternehmen von gemeinsamen Forschungsaktivitäten profitieren, wodurch wiederum die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigt.
Diese Feststellungen belegen, dass im Zeitalter der Globalisierung die beste Strategie nicht gezwungenermaßen in globaler Ausrichtung besteht, sondern die lokale branchenspezifische Zusammenarbeit von Unternehmen, Hochschulen und der Politik den nötigen Wettbewerbsvorteil vor der Konkurrenz ausmachen kann. Einschränkend ist allerdings anzumerken, dass sich auch ein Cluster nicht vor internationalem Konkurrenzkampf, z.B. über den Preis der Produkte, schützen kann. Auf dem Gebiet der Erfolgsmessung von Clustern besteht noch erheblicher Forschungsbedarf, um die Auswirkungen von Clustern präziser analysieren zu können.
I
Erfolgsfaktoren von regionalen Clustern
Inhaltsverzeichnis
Abstract I
Inhaltsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
1. EINLEITUNG 1
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN 2
2.1 PORTER’S CLUSTER-ANSATZ 2
2.2 ERFOLGSFAKTOREN. 3
3. FALLBEISPIEL: EMPIRISCHE ERGEBNISSE FÜR OSTDEUTSCHLAND 6
3.1 MIKROELEKTRONIK-CLUSTER „SILICON SAXONY“ 6
3.1.1 Entstehungshistorie 6
3.1.2 Vision und Ziele 7
3.1.3 Unterstützung und Förderer 8
3.2 AUSWIRKUNGEN DES CLUSTERS AUF DRESDEN UND SACHSEN 9
3.2.1 Arbeitsmarkt 9
3.2.2 Produktivität 10
3.2.3 Innovationen 10
3.2.4 Wettbewerbsfähigkeit 11
3.3 ERFOLGSFAKTOREN FÜR SILICON SAXONY: PRAXIS VS. THEORIE 12
3.4 KRITISCHE ANMERKUNGEN 14
4. FAZIT 16
Literaturverzeichnis 17
Anhang 20
II
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AMD Advanced Micro Devices
BIP Bruttoinlandsprodukt
DPMA Deutsches Patent- und Markenamt
e.V. eingetragener Verein
FuE Forschung und Entwicklung
GCIS Global Cluster Initiative Survey
IT Informationstechnologie
KMUs Kleine und mittlere Unternehmen
SIMEC Siemens Microelectronic Center
TU Technische Universität
TZ Dresden TechnologieZentrum Dresden
VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.
vs. Versus
ZMD Zentrum Mikroelektronik Dresden
III
Erfolgsfaktoren von regionalen Clustern
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Die Voraussetzungen für ein Cluster
Abb. 2 Das Cluster Initiative Performance Model
Abb. 3 Silicon Saxony
Abb. 4 Die Netzwerkfunktion
Abb. 5 Die Wertschöpfungskette im Cluster
Abb. 6 Der Arbeitsmarkt in Dresden
Abb. 7 Die Arbeitsproduktivität in Dresden
Abb. 8 Patentanmeldungen nach Bundesländern und Regierungsbezirken
Abb. 9 Patentanmeldungen der Wissenschaft 2005
Abb. 10 Patentanmeldungen nach technischen Gebieten
IV
1. EINLEITUNG
Unternehmen sehen sich in der heutigen Zeit immer größeren Herausforderungen gegenüber. Im Zeitalter der Globalisierung müssen sie schneller und flexibler auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren als jemals zuvor. Die Welt wird turbulenter, komplexer und weniger vorhersehbar und die Kunden anspruchsvoller. Sie fordern von den Unternehmen, höhere Qualität zu geringeren Kosten anzubieten.
In einer Gegenentwicklung zur Globalisierung scheinen jedoch die lokalen Standort-faktoren ebenfalls begehrter zu werden. Dies zeigt sich in der Anzahl der Initiativen in Europa, die den Ausbau von sogenannten Clustern und die Stärkung von Kompetenzen der Regionen zum Ziel haben. Doch wie erfolgreich ist die Strategie der Lokalisierung wirklich um die Einflüsse der Globalisierung abzufedern? Können Mitglieder in regionalen Netzwerken ebenso erfolgreich sein wie global agierende Unternehmen? Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Erfolgsfaktoren von regionalen Clustern und versucht Antworten auf oben gestellte Fragen zu geben.
Der erste Teil beschäftigt sich mit grundlegenden Überlegungen und der Darstellung von Porter’s Clusterkonzept, das den Anstoß für die regionalpolitische Förderung von Clustern gegeben hat. Aus diesem Konzept werden Erfolgsfaktoren für Cluster und Netzwerkinitiativen abgeleitet - ergänzt um weitere erfolgskritische Aspekte aus der Fachliteratur - bevor die dort getroffenen Hypothesen an einem Fallbeispiel aus der Praxis überprüft werden. Herangezogen werden hierfür Daten und Kennzahlen des Mikroelektronik-Clusters „Silicon Saxony“ im Großraum Dresden. Es wird geprüft, in wie weit sich der Cluster tatsächlich positiv auf die Parameter auswirkt, die die Wettbewerbsfähigkeit der Region bestimmen. Zum Abschluss wird die Cluster-Politik an-hand von aktuellen Entwicklungen kritisch reflektiert und die Erfolgsfaktoren in ihrer Bedeutung für den Cluster abgewogen.
1
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Um die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe und Modelle nachvollziehen zu können, sind vorab einige theoretische Grundlagen nötig. Aus diesem Grund wird zunächst der Ansatz des Harvard-Professors Michael E. Porter zu Clustern umrissen, dann die Begriffe „Cluster“ und „Clusterinitiative“ voneinander abgegrenzt und schließlich auf diejenigen Faktoren eingegangen, die einen erfolgreichen Cluster kennzeichnen.
2.1 Porter’s Cluster-Ansatz
Michael Porter forscht seit den 1990er Jahren auf dem Feld der Cluster-Strukturen und hat mit seinen Erkenntnissen starke Impulse für eine clusterorientierte Regionalpolitik gesetzt. Er stellte fest, dass sich besonders wettbewerbsstarke Branchen geographisch konzentrieren, wie z.B. die Schuhindustrie in Norditalien oder das Silicon Valley in den USA. Diese regionale Verdichtung bezeichnet er als „Cluster“, die er genauer als „[...] geographic concentrations of interconnected companies and institu-
tions in a particular field“ 1 definiert. Cluster bilden sich durch den Zusammenschluss von verschiedensten Akteuren: konkurrierenden Unternehmen einer Branche, Unternehmen aus angrenzenden Branchen, spezialisierten Zulieferern, (Finanz)Dienstleistern, Kunden und anderen Organisationen wie Hochschulen und staatlichen Institutionen. Cluster erstrecken sich dabei oft über große Teile der Wertschöpfungskette um in Kooperation den Anforderungen des schnelllebigen Wirtschaftsge-
schehens gerecht zu werden. 2
Die Gründe für eine lokale Konzentration liegen darin, dass es in der heutigen Zeit nicht mehr so sehr darauf ankommt, wo man den günstigen Zugang zu Inputfaktoren hat, sondern dass man mit höherer Produktivität einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Mitbewerbern erwirbt. Dies erfordert permanente Innovation, die durch die Kooperation im Cluster erreicht werden soll. Weitere Ziele sind u.a. die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region, Kostenreduktion durch Synergie-Effekte zwischen den Cluster-Partnern und die Unterstützung von FuE-Projekten um die Innovations-
kraft zu erhöhen und wettbewerbsfähige Produkte zu erzeugen. 3
1 Porter (1998), S. 78.
2 Vgl. ebd., S. 78.
3 Vgl. Scheer/von Zallinger (2007), S. 5.
2
Auf die Voraussetzungen für die Entstehung eines Clusters soll zur vollständigen Darstellung des Cluster-Ansatzes ebenfalls hingewiesen werden. Das Diamant-Modell 4 (vgl. Abb. 1 im Anhang) stellt die wichtigsten Bestimmungsfaktoren und deren Wirkungsgeflecht zusammenfassend dar.
Zur bewussten Förderung von Clustern werden in vielen Fällen „Clusterinitiativen“ von der Regierung gegründet, die nach Sölvell/Lindqvist/Ketels (2003) folgendermaßen definiert sind:
„Clusterinitiativen sind organisierte Bemühungen zur Steigerung des Wachs- tumsund der Wettbewerbsfähigkeit eines Clusters innerhalb einer Region unter Beteiligung von Clusterunternehmen, öffentlicher Hand und/oder der Forschungsgemeinde“. 5
Es existieren aber auch Initiativen, die aus den Unternehmen heraus nach dem Bootom-up-Prinzip gebildet werden. Die Ziele sind in diesem Fall vorrangig auf die Stärkung von Innovations- und Wettbewerbskraft der Unternehmen ausgerichtet.
Zur Evaluierung von Clusterinitiativen haben Sölvell und Kollegen auf Grundlage der Global Cluster Initiative Survey (GCIS) ein Modell entwickelt, das sämtliche Einflussgrößen auf die Leistung einer Clusterinitiative berücksichtigt und Stärken und
Schwächen der Initiativen verdeutlicht (vgl. Abb. 2 im Anhang). 6
2.2 Erfolgsfaktoren
In diesem Kapitel werden die verschiedenen Erfolgsfaktoren, die in der Forschungsliteratur behandelt werden, dargestellt. Sie wirken sich direkt auf den Erfolg eines Unternehmens oder - in diesem Fall - eines Clusters aus, indem sie die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.
Zu den äußeren Faktoren zählt ein ausgewogenes Gemisch an kompetenten Ak-
teuren: Cluster werden nur entstehen, wenn bereits eine „kritische Masse“ 7 an Unternehmen und Institutionen in der Region vorhanden ist. Die Ergebnisse der GCIS Studie zeigen ergänzend, dass die Präsenz einiger leistungsstarker Unternehmen
4 Vgl. weiterführend Porter (2000), S. 19-21.
5 Sölvell/Lindqvist/Ketels (2003), S. 15.
6 Das Modell kann im Rahmen dieser Arbeit nicht ausführlich erläutert werden. Vgl. weiterführend
Sölvell/Lindqvist/Ketels (2003).
7 Die kritische Masse bezeichnet eine branchenspezifische Firmenpopulation (sowohl in Bezug auf die
Anzahl, als auch auf die Größe der Unternehmen) und lokale Umgebungsbedingungen, wie z.B. Infrastruktur, verfügbares Humankapital und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Vgl. hierzu Brenner/ Fornahl (2003), S. 5-8.
3
Arbeit zitieren:
Katharina Wüllner, 2008, Erfolgsfaktoren von regionalen Clustern – eine Analyse am Fallbeispiel „Silicon Saxony“, München, GRIN Verlag GmbH
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