Inhalt Seite
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1. Einleitung
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2. Die Kaiserzeit 1831 - 1918
2.1 Lustfahrten auf der Dänischen Wieck und dem Greifswalder Bodden -
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Der Beginn des Segelsports in Greifswald
2.2 Segelnde Korporationen - Die Greifswalder Studentenverbindungen 13
2.3 Der Akademische Seglerverein zu Greifswald 1908-1914 18
3. Das Segeln als Breitensport in Greifswald? - Die Weimarer Republik 1919-1933 23
3.1 Das Groß- und Kleinbürgertum hisst die Segel 23
3.2 Die segelnden Korporationen in der Weimarer Republik 29
3.3 Der A.S.V. zu Greifswald in der Weimarer Republik 36
4. Segeln unter dem Hakenkreuz - Segeln in Greifswald 1933 - 1945 40
5. Greifswalder Segler in der Nachkriegszeit 1946-1949 47
6. Segeln in den Küsten und Boddengewässern Greifswalds 1949 - 1989 51
6.1 Die Organisation des Segelsports in Greifswald 51
6.2 Segeln als Jugendsport in Greifswald 57
6.3 Der Seesegelsport - Die Segelsektionen Greifswalds als Hort potentieller
Republikfl üchtiger? 60
6.4 Republikflucht 64
6.5 Die Wendezeit - Aus Sektionen werden Vereine 69
7. Zusammenfassung 73
8. Quellen und Literaturverzeichnis 78
Anhang 83
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1. Einleitung
Wer in der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald lebt, der ist den Anblick der vielen Segelboote, die im Sommer im Stadthafen, entlang des Flusses Ryck und im Stadtteil Wieck liegen, wohl vertraut. Ebenso die vielen Yachten, die die Wiecker Zugbrücke im Sommer stündlich durchfahren um den Ryck hinauf, zu den städtischen Liegeplätzen zu fahren oder um in entgegen gesetzter Richtung den Greifswalder Bodden auszulaufen. In kaum einer anderen Stadt ist das Segeln als Freizeitbetätigung und Sport so präsent, wie in Greifswald. In anderen Städten liegen die Sportboothäfen oft abseits des alltäglichen Geschehens und entziehen sich den Blicken der Öffentlichkeit. Nicht so in Greifswald, denn hier gehören große und kleine Segelboote im Sommer zum alltäglichen, gewohnten Anblick.
Doch seit wann wird in Greifswald gesegelt? Dass die Fischer und Kaufleute die Kraft des Windes nutzten, bevor die Dampfmaschine und der Verbrennungsmotor erfunden wurden, steht außer Frage. Doch wirkt es heute schon wunderlich, dass einige Fischer bis nach dem 2. Weltkrieg mit ihren Booten segelten.
Der Akademische Seglerverein zu Greifswald e.V. feierte 2008 sein 100-jähriges Jubiläum und der etwas jüngere Greifswalder Yachtclub e.V. blickt auf eine über 80-jährige Geschichte zurück. Diese beiden Vereine und deren Mitglieder waren also Zeugen der wechselhaften politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Blickt man auf das Gründungsjahr des Akademischen Seglervereins 1908, so weiß man, das dem Anschein nach schon zu Zeiten Kaiser Wilhelms II. in Greifswald gesegelt wurde. Doch wer segelte zu dieser Zeit und seit wann wurde überhaupt aus sportlichen Ambitionen oder zur Freizeitbetätigung gesegelt? Es ist damals wie heute kein Geheimnis, dass Segeln ein sehr kostenintensiver Sport ist und daher Viele glauben, dass nur ein gewisses Klientel dieses Hobby leisten können. Im Zuge der Nachwuchsförderung unterstützen viele Segelvereine in der heute Kinder- und Jugendliche, indem sie kostengünstig Material und Übungsleiter zur Verfügung stellen. Doch seit wann erfolgte gezielt die Kinder- und Jugendförderung in Greifswald?
Wie äußerten sich die gesellschaftlichen Umbrüche 1919, 1933, 1945 und 1989 in diesem gesellschaftlichen Mikrokosmos? Lassen sich die gesellschaftlichen Veränderungen des 20. Jahrhunderts überhaupt in diesem Zusammenhang, in einer Mittelstadt wie Greifswald erkennen?
Was geschah nach dem Ende der Kaiserzeit? Wie äußerten sich die schwierigen und unruhigen 1920er Jahre der Weimarer Republik? Was brachten der Nationalsozialismus und
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der 2.Weltkrieg, aber vor allem, was kam danach? Wie fügte sich der Segelsport in das sozialistische Gesellschaftsmodell der DDR ein? Konnte man in den Küstengewässern der DDR überhaupt segeln und wenn ja, wie weit? Oder waren Alle, die segelten, wie es verbreitet die Meinung ist, bei der Staatsicherheit angestellt? Der akademische Seglerverein zu Greifswald drückt durch seinen Namen die Nähe zur Universität aus und sieht sich in seiner Geschichte eng mit ihr verbunden. Schon Generationen Greifswalder Studenten lernten und segelten bereits und immer neue Jahrgänge lernen segeln und segeln auf den Booten des A.S.V. zu Greifswald. Doch kann man von einer Tradition sprechen? Wie hielt es die Universität Greifswald mit dem Segelsport in der Vergangenheit?
Mit dem Fokus auf dem Mikrokosmos ‚Segelsport’, eröffnet die Arbeit Einblicke in die gesellschaftliche Entwicklung Greifswalds und Deutschlands im 20. Jahrhundert. Sie liefert einen umfassenden und wissenschaftlich fundierten Eindruck über die Welt des Segel-sports in der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald von den Anfängen bis in die frühe Gegenwart. Die Thematik der Arbeit gibt eine weitgehend chronologische Vorgehensweise vor. Bei der Betrachtung liegen die Schwerpunkte, je nach Ergiebigkeit und Bedeutung, unterschiedlich gelegt, was sich auf den Umfang der einzelnen Abschnitte auswirkt. Bisher wurde das Thema ausschließlich von Christel Sauer (heute Lubs) 1959 in ihrer Abschlussarbeit ‚Die Geschichtliche Entwicklung des Segelsportes im Bezirk Rostock, Speziell Greifswald und Stralsund’ bearbeitet. Die politischen Bedingungen und die Möglichkeiten der Recherche zu der Zeit der Abfassung lassen die wissenschaftlichen Erkenntnisse aber dürftig und ideologisch überfrachtet ausfallen.
Hans-Joachim Subklew ((), Ortsansässiger und Gründungsmitglied der Segelsektion der ‚BSG Einheit’ veröffentlichte 1991 die Zusammenstellung „Die Boote der Universität Greifswald 1884 -1989“, also die durch die Universität unterhalten wurden. Diese Veröffentlichung liefert wertvolle Informationen bezüglich der zahlreichen Studentenverbindungen Greifswalds, die sich dem Segelsport widmeten und eigene Boote unterhielten. Somit stellte diese Veröffentlichung einen wichtigen Grundstein und Richtungsweiser für die Recherchen zu dieser Arbeit da.
Im Allgemeinen beschäftigte sich Andé Keil mit der Thematik für die Zeit nach 1945 in seinem 2006 veröffentlichten Buch ‚Die Geschichte des DDR-Segelsports’, dass einen guten Überblick und viele Informationen über die Organisation des Segelsports in der DDR gibt.
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Die Festschriften des akademischen Seglervereins zu Greifswald von 1998 und 2008 sind ebenfalls wichtige Informationsquellen. Die abgedruckten Artikel sind weitestgehend Zeitzeugenberichte und daher kritisch zu betrachten, stellen aber für die Zeit nach 1945 neben einigen Dokumenten und Zeitungsausschnitten, die in den Chroniken der BSG Einheit gesammelt sind, die einzigen Informationsquellen dar.
Da der A.S.V. zu Greifswald zwischen 1945 und 1989 durch die Segelsektion der ‚HSG Wissenschaft’ ersetzt wurde, sind reiche Informationsquellen in den Akten des Universitätsarchiv zu vermuten. Während sich die Arbeit in der Zeit vor 1945 hauptsächlich auf Quellen aus dem Universitäts- und Stadtarchiv stützt, sind für die Zeit danach nur noch wenige Quellen zugänglich gewesen. Dies ist dem Umstand geschuldet dass die Akten des Rektorats der Universität Greifswald für die Zeit nach 1945 bisher nur teilweise gesichtet wurden. Da der Umfang der Aktenbestände so groß ist, konnten sie in dem zur Verfügung stehenden Zeitraum nicht komplett gesichtet werden. Die Bestände des Greifswalder Stadtarchivs beherbergen die Akten des Wiecker Hafenmeisters, die bis 1932 sehr aufschlussreiche Informationen liefern. Für die Zeit nach 1945 ist ebenfalls nicht sonderlich ergiebiges Aktenmaterial zugänglich. Eventuell interessante Akten sind dem Stadtarchiv noch nicht zugeführt worden oder wurden noch nicht in die Bestände eingeordnet. Da die Akten und die darin enthaltene Korrespondenz, in beiden Archiven wurden bis in die 1920er Jahre hauptsächlich handschriftlich geführt, was eine längere Einarbeitungszeit er-forderlich machte. Es ist also Möglich, dass einige Informationen übersehen wurden, was sich jedoch nicht wesentlich auf die inhaltlichen Aussagen der Arbeit auswirken dürfte. Um den Fokus auf den Inhalt konzentrieren zu können und diesen nicht unnötig zu überfrachten, wird auf die Nennung von Namen und genauste Anführung von Daten, so weit es nicht unvermeidbar ist, verzichtet. Ebenso wird auf die ausführliche Auflistung der verschiedenen Bootstypen, deren Größen und Eigenschaften verzichtet, da es für einen Laien nur begrenzten Informationsgewinn bedeuten und auch den Umfang dieser Arbeit sprengen würde.
Für die Arbeit war außerdem die Sammlung und Auswertung von Zeitzeugeninterviews geplant, um die Zeit nach 1945 genauer zu beleuchten und die Aussagen der Zeitzeugen für die Nachwelt zu erhalten zu können. Diese Idee wurde von vielen Befragten positiv aufgenommen und eine Bereitschaft, z. T. sogar der Wunsch zur Teilnahme signalisiert. Einige Befragte zeigten jedoch kein Interesse und sogar Abneigung. Dies kann als Zeichen dafür gewertet, dass für viele der Befragten, dieser Teil der Geschichte emotional noch nicht abgeschlossen ist bzw. immer noch Teil der ihrer Gegenwart ist. Da die Befragungen
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bis zum Abgabetermin der Arbeit nicht vollständig durchgeführt und ausgewertet werden. Sie können aber in Zukunft für eventuell weiterführende Arbeiten herangezogen werden. Viele Dokumente, die für diese Arbeit aufschlussreich gewesen wären, befinden sich in privaten Händen und waren deshalb für diese Arbeit nicht zugänglich oder die Besitzer konnten nicht ermittelt werden.
2. Die Kaiserzeit 1831 - 1918
2.1 Lustfahrten auf der Dänischen Wieck und dem Greifswalder Bodden -
Der Beginn des Segelsports in Greifswald
Seit Ende des 16. Jahrhunderts gibt es schriftliche Überlieferungen, dass „Lustyachten“ in England für den königlichen Hof oder für Edelleute gebaut wurden. Ab dieser Zeit wurden auch die ersten Wettfahrten unter sportlichem Aspekt abgehalten. Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ sich mit dem Aufbau der preußisch-brandenburgischen Flotte 1652 eine Yacht für den persönlichen Gebrauch bauen und seine Nachfolger taten es ihm in der Regel gleich. Allgemein erfuhr die Anschaffung und Unterhaltung von „Lustyachten“ durch Fürsten- und Königshäuser ab Mitte des 15. Jahrhunderts in Europa Verbreitung. Seit 1720 entstanden in England Yachtclubs, in denen sich Eigner zu Gemeinschaften zusammenschlossen, um gemeinsam so genannte Geschwaderfahrten und sportliche Wettkämpfe zu unternehmen. 1 Es folgten ab 1811 Segelclubs in den USA, in Frankreich um 1849, in Schweden ab 1830, in Dänemark ab 1866, in Norwegen ab 1878, in Belgien und den Nie-derlanden um 1848 und auch in Russland und Finnland soll es zu dieser Zeit bereits Clubs und Vereine gegeben haben. 2
Im deutschsprachigen Raum wurden seit 1842 Gesellschaften wie der Berliner Tavernengesellschaft 1842 oder Vereine wie der Segelclub Rhe in Königsberg 1855 gegründet. Hamburger Kaufleute etablierten den Segelsport 1868 mit der Gründung des norddeutschen Regattavereins an den deutschen Küsten. 3
Wenn es in Zeit vor 1840 Segelschiffe bzw. Segelboote in Greifswald gegeben hat, die ausschließlich für private Zwecke genutzt wurden, dann handelt es sich um ganz wenige Ausnahmen, die nicht zum organisierten oder bewusst sportlichen Segeln gezählt werden
1 Vgl. Stöwer, Willy: Der deutsche Segelsport, Nachdruck der Originalausgabe von 1905, 1. Aufl., Bremen
2009. S. 4f.
2 Vgl. ebd. 25f.
3 Vgl. ebd. S. 285.
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können. Deshalb wurde im Rahmen dieser Arbeit auf eine Überprüfung der Zeit vor 1840 verzichtet.
Bereits 1877 schien es so viele Anhänger des Segelsports bzw. an ihm Interessierte gegeben zu haben, dass sich der Norddeutsche Regattaverein dazu entschloss, die Zeitschrift „Deutscher Ruder- und Segel-Almanach“ ins Leben zu rufen. Es folgte ab 1884 die Zeitschrift ‚"Ahoi" - Zeitschrift für den Wassersport’, welche bis 1887 erschienen ist. Mit der Inthronisierung Kaiser Wilhelms II., einem begeisterten Segler, begann seit 1888 die Förderung und Etablierung des Segelns als Freizeit und Wettkampfsport im deutschen Reich.
STÖWER vertritt in seinem Buch „Der deutsche Segelsport“ von 1905 die Ansicht: Mit sicherem Blick hatte Wilhelm II. schon zu einer Zeit, die noch gar nicht lange verflossen ist, wo die deutsche Nation seinen Plänen zur Entwicklung einer Seemacht noch nicht folgen wollte, erkannt, daß ihm der Wassersport ein sehr wirksames Hilfsmittel zur Erweiterung von Interesse für das Seewesen unter den leitenden Klassen an die Hand gäbe. 4
Wilhelm II. verfolgte also neben seinen persönlichen Interessen, vor allem auch politische bzw. militärische Interessen bei der Unterstützung des Segelsports, was auch die Etablierung des Segelns als Sport innerhalb der Kriegsmarine erklärt. 5 Die beginnende Organisation von Seglern in Vereinen ging ende des 19. Jahrhunderts im gesamten Reich von statten. Das Segeln wurde selbst auf Alpenseen und Talsperren populär und viele „Segler“ wurden nur Mitglied eines Segelclubs, weil es sie aus sportlichem Ehrgeiz oder Faszination auf das Wasser zog, sondern weil es sich für einen ‚Gentlemen’ zu dieser Zeit eben schickte. Dies zeigt sich auch an dem Umstand, dass viele Eigner von Segelyachten ihre Boote von bezahlten „Kapitänen“ segeln ließen, da die Mehrheit der Angehörigen eines Vereins oder Clubs häufig gar nicht segeln konnte. 6 Im Jahr 1903 gab es im deutschen Reich offiziell 43 Segler-Vereinigungen mit 7766 Mitgliedern und 1234 Yachten. Dazu kamen geschätzt 400 Yachtsegler und 200 Segelyachten, von denen 36 im 1888 gegründeten Deutschen Segler Verband (DSVb) organisiert waren. 7
4 Zt. Stöwer, S. 61.
5 1883 erfolgte die Gründung des Segelsportlichen Offiziersvereins Kiel, 1887 des Marine Regattavereins
(seit 1891 Kaiserlicher Yachtclub) durch den die Kieler Woche ins Leben gerufen wurde.
6 Vgl. Schuhmacher, Joachim: Die Anfänge des Segelsports am Bodensee, Die ersten Segelclubs, 1998,
URL:http://www.segeln21.de/anfaenge-des-segelsportsc.pdf (Stand: 16.09.2011).und Stöwer S. 97-99.
7 Vgl. Stöwer, S. 281.
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Der „Deutsche Kreuzeryachtverband“ wurde 1911 gegründet und der Schwerpunkt auf das Fahrtensegeln und die Veröffentlichung von Segelhandbüchern, Hafenbeschreibungen und Ausschreibungen für Fahrtenwanderpreise gelegt, bis sich der Verband 1917 dem DSVb anschloss. 8
Quasi als Pendant zum DSVb, dem meistens elitäre Vereine angehörten, wurde 1901 der Berliner Wettsegelverband gegründet und 1921 in Freier Segler Verband (FSV) umbenannt wurde. Der FSV war eine Unterorganisation des Arbeiter- Turn- und Sportbund (ATSB), dem bis 1931 über 42 Vereine mit 2.683 Mitgliedern beitreten sollten. 9 Mit dem Deutschen Seglerbund (DSB) wurde 1912 der dritte Segelverband in Deutschland gegründet. Die Gründer wollten weder dem großbürgerlich geprägten DSVb noch dem sozialdemokratisch Arbeitersport ausrichtenden Berliner Wettsegelverband beitreten. Sie wollten auch, im Gegensatz zum DSVb, eine offene Bootsklassenpolitik betreiben und es so jedem Vereinermöglichen beizutreten. 10
Auch wenn es um die Jahrhundertwende Handwerker und Arbeiter gab die segelten, entwickelte sich das Segeln in der Kaiserzeit nicht zu einer Massensporterscheinung und hatte wohl auch nicht die Aussicht darauf eine zu werden, da der DSVb den Schwerpunkt seiner Arbeit auf den Yachtsport legte und große staatliche Unterstützungen erfuhr. 11 Es steht außer Frage, dass das Segeln zu diesem Zeitpunkt eine sehr elitäre, sportliche bzw. Freizeitbetätigung gewesen ist.
In der näheren Umgebung Greifswalds wurde 1866 der ‚Verein Stettiner Segler’, 1884 der Rostocker ‚Großherzoglich Mecklenburgische Yachtclub’ sowie der ‚Stralsunder Segelverein’ im Jahr 1907 gegründet. 12
In der Stadt Greifswald gab es bis 1908 keinen Segelverein, obwohl die Stadt seit ihren Anfängen sowohl über einen Hafen und die Anbindung an die Ostsee als auch über ‚Gentlemen’, die an der Universität lehrten oder studierten und eine kleinere Schicht von wohlhabenden Kaufleuten verfügte.
SUBKLEW schreibt in seiner Veröffentlichung „Die Boote der Universität Greifswald 1884 - 1989“, dass zu dieser Zeit Hochschullehrer und studentische Verbindungen begannen mit „alten und neuen Schiffs- und Fischerbooten, Ruder- und Segelbooten“ und mit
8 Vgl. Sauer, Christel: Die Geschichtliche Entwicklung des Segelsportes im Bezirk Rostock, Speziell
Greifswald und Stralsund, Hausarbeit für die Abschlussprüfung an der Philosophischen Fakultät der
Ernst Moritz Arndt-Universität Greifswald, Greifswald 1959., S. 9.
9 Vgl. Stiller, Eike: Der Segelsport der Arbeiterbewegung - Zur Geschichte des Freien Segler-Verbandes
(FSB) 1901-1933, Berlin 2002. S. 15
10 Vgl. ebd. S. 20-21.
11 Vgl. ebd. S. 12-13.
12 Vgl. Sauer, S. 5.
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„Lust- und Kaffeefahrten“ den Wassersport in Greifswald zu etablieren. 13 Bei seinen Angaben stützt er sich einerseits auf Mitteilungen von Seglern und persönliche Erinnerungen und anderseits auf die Auswertung der „verstreuten“ Literatur und der Archive der Stadt Greifswald und der Universität. 14 Es finden sich aber in seinem Werk keinerlei Angaben zu Segelbooten oder deren Eignern für die Zeit vor 1904, so dass der Beweis für die Existenz ausschließlich privat genutzter Segelboote/Schiffe vor 1904 offen bleibt. SUBKLEW führt in der Chronik auf der Internetseite des Greifswalder Yachtclub e.V., den Unternehmer Paul Degner an, der bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts über eine Lustyacht, so der damals offizielle Name für ein Sportboot verfügt haben soll. Bei dem Boot soll es sich um eins seiner Fangschiffe gehandelt haben, dass für den Freizeitgebrauch ausgebaut und ausgerüstet war, während der Heringssaison im Frühjahr und im Herbst Fangschiff und im Sommer als Lustyacht genutzt wurde. 15 Der Name Paul Degner findet sich in den Akten des Hafenmeisters, jedoch kein expliziter Beweis für das von SUBKLEW beschriebene Boot.
Der früheste Hinweis auf einen Segelbootbetrieb der zu Sport- und Vergnügungszwecken diente, findet sich in den Akten der Universität. In einem Schreiben, das auf den 29. Dezember 1899 datiert ist, lehnt der Rektor die Beihilfe zur Anschaffung eines Segelboots durch den neuphilologischen Verein zunächst ab, bewilligt dann aber im Mai 1900 einen Zuschuss in Höhe von 275 Mark. 16 Aus den Akten geht aber nicht hervor, ab wann der neuphilologische Verein ein Boot in Betrieb genommen hat.
Ein Zeitungsartikel des Greifswalder Tageblatts aus dem Oktober 1903 (der über das Hafenwesen berichtet) spricht von 8 Yachten die den Hafen anliefen, bei denen es sich aber anscheinend um kleinere Frachtschiffe handelte. 17
Die Überprüfung der Akten über die Hafenabgaben der Wiecker Fischer, in denen u. a. die Namen der Bootseigentümer verzeichnet sind, ergab keine direkten Hinweise auf Boote, die von einer studentischen Verbindung unterhalten wurden. Allerdings findet sich für 1865 im Schriftverkehr des Hafenmeisters ein Brief eines Bootseigners, der den Hafenmeister darauf hinweist, dass er sein Boote ausschließlich zu privaten Zwecken nutzt und deshalb von den regulären Hafengebühren befreit werden möchte. 18
13 Vgl. Subklew, Hans-Joachim: Die Boote der Universität Greifswald, Greifswald 1991, S. 5 und S. 14.
14 Vgl. Subklew, S. 24.
15 Vgl. Subklew, Hans-Joachim: Chronik des Greifswalder Yachtclub, Greifswald [o.J.],
URL: http://yachtclub.greifswald-online.de/Support/chronik.html (Stand: 16.09.2011).
16 Vgl. Akte UAG Kurator K644: Institut für Leibesübungen, 1897 - 1903, Blatt 102 und Blatt 136.
17 Vgl. Greifswalder Tageblatt vom 14.10.1903, S. 3.
18 Vgl. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6180: Hafenwesen in Wieck, Vol. II., 1838-1905, Blatt 44.
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Aus den Akten geht hervor, das bei den jährlich zu zahlenden Hafenabgaben immer der gleiche Betrag von 3 bzw. 6 Mark abgerechnet wurde und sporadisch lassen sich Einträge, in denen zwischen „kleinen“ oder „große“ Booten unterschieden wird, finden. Eine Überprüfung der aufgeführten Namen sowie die Sichtung der Akten über „Aufnahme der Bollwerksrechnung“ 19 und der „Bollwerks- und Hafengelder“ 20 lieferten auch keine verwertbaren Hinweise auf privat genutzte Segelboote. Die Akten über das „Hafenwesen in Wieck“ 21 liefern bis 1905 auch keine Beweise für die Existenz von Sport- bzw. Vergnügungsbooten. Ab 1908 wurde durch den Hafenmeister eine neue Akte mit der Bezeichnung „Hafengelder“ begonnen in der die Namen von Booten, Eignern und die Schiffsgrößen verzeichnet sind. 22
Die Änderung der Aktenbezeichnung deutet auf eine veränderte Wahrnehmung der Hafennutzung hin und so finden sich in den Akten „Hafengelder“ für den Zeitraum 1908 - 1920 die ersten Differenzierungen zwischen großen und kleinen Fischerbooten, Dampfern Segelyachten, Motor- und Ruderbooten. Die, für privat genutzte Boote, berechneten Hafengelder waren in der Anfangszeit Pauschalsummen, die vom Hafenmeister festgelegt wurden und sich jeweils an gleichen oder ähnlichen Bootstypen orientierten. Man kann davon ausgehen, dass für Freizeitzwecke genutzte Boote bis 1908 eine Randerscheinung darstellten.
In diesem Zusammenhang muss auch angeführt werden, dass die Universität größere Land-und Wasserflächen entlang des Flusses Ryck, westlich der Wiecker Brücke und im Gebiet des Hafens, sowohl auch der Wiecker, als auch auf der Eldenaer Seite, besaß, die sie 1910 der Stadt Greifswald überließ. 23 Segel- und Ruderboote der Studentenverbindungen, die bis dahin auf diesen Flächen ihren Liegeplatz hatten, können also bis 1910 nicht durch Hafengelder erfasst worden sein.
Im Vergleich mit anderen Hafenstädten in der Region findet sich z. B. in den Angaben über die „Wismarschen Hafenabgaben“ von 1887 der klare Vermerk, dass Schiffe aus Wismar „und fremde Dampfschiffe für bloße Passagierfahrten ohne Gütertransport einschließlich der Lustfahrten zur See“ und „legendlich zu Lustfahrten eingerichtete Fahrzeuge von Yachtclubs oder einzelnen Personen“ von Hafengeldern befreit sind. 24 Eine ähnliche Bestimmung findet sich auch in den Verordnungen über die Hafenabgaben in Rostock
19 Vgl. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6159: Hafenabgaben der Wiecker Fischer mit Listen der Bootseigentümer
1841-1894.
20 Vgl. StAG Rep. 5 Nr. 6161: Akte Erhebung von Bollwerks und Hafengeld Vol. I, 1898-1909.
21 Vgl. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6180.
22 Vgl. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6156: Hafengelder Vol. I, 1908-1920.
23 Vgl. Akte Kurator K4534, Blatt 130 vom 31.03.1914.
24 Zt. Wismarsche Hafenabgaben, Extrabeilage No. 272, S. 4 §3, Punkt 1 und 2, [o.O.] 1887.
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und Warnemünde von 1902 25 sowie für Stettin 1908 26 . Die Stadt Greifswald plante ab 1914 eine Änderung bzw. Anpassung ihrer Hafengeldtarife und zog zur Ermittlung der Gebühren als Vergleich die Tarife anderer Hansestädte heran. In einem Entwurf findet sich handschriftlich die Verbesserung, dass anstelle von „Booten und sonstigen kleinen Fahrzeugen […] Motorboote und Yachten bis 4 cbm Nettoraumgehalt“ 27 verwendet werden sollte, welche zur Zahlung von Hafengeldern herangezogen werden sollten. In einem Schreiben an den Regierungspräsidenten in Stralsund heißt es: Die kleinen Motorboote und Segleryachten bis 4 cbm, welche bisher frei waren, sollen künftig zur Zahlung herangezogen werden, da diese hauptsächlich als Sport-und Vergnügungsfahrzeuge in Frage kommen. 28
Die Broschüre ‚Vorschläge der Hafen=Inspektion btr. Abänderung des Hafengeldtarifs vom 25. März 1875’ der Stadt Stralsund von 1904 beinhaltet den Vermerk, dass Lustyachten von der Zahlung des Hafengelds befreit sind. Dazu heißt es: Was endlich die Ausdehnung der Hafengeldbefreiung auf Lustjachten […] anbelangt, so ist damit nichts neues geschaffen, sondern legendlich die bisher geübte Praxis im Hafengeldtarif auch zum Ausdruck gebracht worden. 29 Auch der Zusatz, dass die zur Ausbesserung oder zur Ergänzung von Ausrüstung oder Proviant unseren Hafen anlaufenden Fahrzeuge als ‚Nothafner’ anzusehen sind entsprach laut Hafeninspektion einer Anregung der königlichen Staatsregierung und der bisherigen Praxis 30 Diesem Vorschlag stimmte, laut Broschüre die Hafenverwaltung Greifswald zu. Inwieweit diese Bestimmung aber auch für Dauerlieger galt, ist aus dieser Quelle nicht ersichtlich.
In späteren Akten findet sich ein Schreiben an den Hafenmeister, in dem es um die Liegeplatzgebühren für Segelyachten geht, die an einer Regatta teilnahmen. In diesem Schreiben wird der Hafenmeister gebeten den teilnehmenden Yachten die Liegeplatzgebühren zu erlassen, da „Yachten in keinem deutschen staatlichen Hafen Liegegeld, mit Ausnahme Greifswalds, zahlen.“ 31
25 Vgl. Verordnung über Hafenabgaben der Stadt Rostock und Warnemünde, Rostock 1902.
26 Gesetz die Schifffahrtsabgaben betreffend und Abgabentarif für den Hafen der Stadt Stettin, Stettin 1908.
27 Zt. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6140: Hafenabgaben-Tarife 04.07.1873 - 16.09.1921, Blatt 168.
28 Zt. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6140, Blatt 171
29 Zt. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6143: Hafengeld-Tarif Vol. II, 1904-1909, Blatt 122 dort S. 39.
30 Vgl. ebd. S. 43.
31 Vgl. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6156, Blatt 107.
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Die älteste aufgefundene gedruckte Fassung der Tarife für die Erhebung von Hafenabgaben in Greifswald stammt aus dem Jahr 1908, in der sich aber keine Anweisung für ausschließlich privat genutzte Boote findet. 32
ANDREA LANGENHEINRICH untersuchte in ihrer Diplomarbeit 1982 u. a. den Schiffbau in Greifswald im 19. Jahrhundert. Aus ihrer Arbeit ist ersichtlich, dass in Greifswald seit 1783 Bootsbauer ansässig waren, und es auch mehrere Werften gab, in denen aber dem Anschein nach keine Segelyachten für den Privatgebrauch gebaut wurden. LANGENHEINRICH erwähnt, dass unter der Leitung des Schiffbaumeisters Spruth zwischen 1869 und 1893 eine Yacht von 22 Lasten gebaut wurde. Ob es sich dabei um eine Privatyacht oder einfach nur ein schnelles und kleines Frachtschiff handelte, ist unklar. 33 Die erste Werft, die wieder hölzerne Segelyachten bauen bzw. instand setzen sollte, war die Werft Buchholz, die sich 1919 auf Betreiben des Akademischen Seglervereins und mit der Unterstützung der Universität Greifswald in der Stadt niederlassen konnte. 34 Auch verschiedene Werbungen und Angebote von auswärtigen Yachtausrüstern, die sich in den Akten zu Förderung des Ruder- und Segelsport der Universitätsverwaltung finden lassen deutet darauf hin, dass es in Greifswald bis 1908 nicht die entsprechende Nachfrage gegeben hat.
In der Bestimmung der Hafengelder von 1911 finden sich erstmals die Yachten „Auguste“, ‚Max’ ‚Capella’, und ‚Edith’. 35 Die ‚Capella’ und ‚Edith’ waren Segelboote des 1908 gegründeten A.S.V. zu Greifswald. Bei ‚Auguste’ handelte es wahrscheinlich um die Yacht ‚August’, die unter dem Stander des A.S.V. fuhr. Um was für einen Bootstyp es sich bei ‚Max’ genau handelte und für welchen Zweck es genutzt wurde bleibt unklar. Im Jahr 1912 wird in den Akten die Segelyacht ‚Erika’ und im Jahr 1914 die Segelyacht ‚Frederike’ aufgeführt, die private Eignern zugeordnet werden können. So finden sich 1915 und 1916 Dr. Ansin, Dr. Baitsch und ein Herr Schulz [ehemals Assistent am Zoologischen In-
stitut] die jeweils ein Segelboot unterhielten, wobei Herr Schulz 1916 nicht mehr geführt wird. 36
Dass sich in Greifswald der Segelsport zunehmend seit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte, geht aus den Universitätsakten bei der Frage um einen eventuellen Grundstücksverkauf deutlich hervor: Im Zusammenhang mit dem Grundstück, dass sich im Eigentum der
32 Vgl. Ebd. Blätter 377 - 380.
33 Vgl. Langenheinrich, Andrea: Die Hafen- und Seewirtschaft von Greifswald in der Mitte des 19.
Jahrhunderts, Diplomarbeit zum Erwerb des Fachlehrers, Greifswald 1982, S. 43f.
34 Vgl. Ebd. S. 51.
35 Vgl. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6156, Blatt 61.
36 Vgl. ebd. Blatt 310.
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Universität bzw. Gutes Ladebow befand, äußerte der Universitätskurator, dass sich der Ruder- und Segelsport seit 1904 „in ungeahnter Weise entwickelt“ habe und „auch noch jährlich“ zunehme. Der Wiecker Hafen hätte zu diesem Zeitpunkt schon keinen Platz mehr gehabt, um alle Fahrzeuge aufnehmen zu können, sodass in Folge dessen 26 Ruderboote und mehrere Segelboote ihren Anlegeplatz bereits westlich der Brücke, am Nordufer des Rycks hatten. Eine weitere Ausdehnung des Hafens sei schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen. Die Stadt Greifswald wollte von der Unversität ein Grundstück am Südufer des Rycks kaufen, um einen Hafenanlage daraus zu machen, die „dann in erster Linie der akademischen Jugend dienen“ sollte. Die Universität lehnte einen Verkauf an die Stadt jedoch ab, da man nicht wusste „wofür das Grundstück einmal gut sein könne“ 37
2.2 Segelnde Korporationen - Die Greifswalder Studentenverbindungen
Auf eine detaillierte Auflistung und Beschreibung der einzelnen Boote, der verschiedenen studentischen Verbindungen wird hier verzichtet und auf die Veröffentlichung von SUBKLEWS „Die Boote der Universität Greifswald 1884 - 1989“ von 1991 hingewiesen, in der ein Großteil der von den studentischen Verbindungen unterhaltenen Schiffe, zum Teil mit Abbildungen, verzeichnet sind. SUBKLEWS Recherchen zu Folge besaßen 25 studentische Verbindungen seit 1844 bis zu deren Auflösung im Zuge der der nationalsozialistischen Gleichschaltung jeweils mindestens ein oder teilweise sogar zwei Boote. 38 SUBKLEW nennt als erste Studentenverbindung, welche ein Segelboot besitzt, die Turnerschaft Teutonia, die 1902 ein Gig-Ruder-Segelboot anschafft. 39 Im Jahr 1905 stellen die Verbindungen Sedinia, Wingolf, Cimbria und 1906 die Verbindungen Germania und Guilemia erstmalig Anträge zur finanziellen Unterstützung bei der Anschaffung von Segelbooten an die Universität 40
Für die Zeit vor 1899 finden sich in den städtischen und Universitätsarchiven keine eindeutigen Angaben über ‚Lustyachten’, Segelboote oder -schiffe, die von den Studentenverbindungen unterhalten wurden.
In den Jahren 1884 und 1885 begann das ‚Ministerium der geistigen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten’ mit der finanziellen Förderung sportlicher Betätigungen und
37 Zt. Akte UAG Kurator K4534: Vermittlung von Differenzen mit der Stadt Greifswald wegen der Grenzen
zwischen städtischen und akademischen Anteil in Wieck 1901-1936, Blatt 81 und 82.
38 Vgl. Subklew S. 5.
39 Vgl. ebd. S. 16.
40 Vgl. Akte UAG Kurator K645: Institut für Leibesübungen, 1903 - 1909, Blatt 78, 83, 89, 102 und 103.
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Leibesübungen in Bundesvereinen und an Universitäten. 41 Die studentischen Verbindungen waren offiziell bei der Universität geführt, waren aber in ihrer strukturellen Organisation selbst unabhängig. Die Verbindungen führten in der Regel als Einzige sportliche Betätigungen in organisierter Form innerhalb der Studentenschaft durch, weshalb sie in ihren sportlichen Aktivitäten finanziell von der Universität unterstützt wurden. Aus diesem Grund wurde durch das Ministerium ein Budget zur Unterstützung der sportlichen Aktivitäten der Studierenden eingerichtet. 42 Ebenfalls war der Minister der Ansicht das:
[W]enn nur das Erlernen der Fachwissenschaften das Ziel des Studiums wäre, so lägen die sportlichen Betätigungen nicht im Interesse des Studiums. So ehrgeizig ist aber der Begriff des Studiums bisher nicht aufgefasst worden. […] Nicht verknöcherte einseitige Fachmenschen sondern harmonisch gebildete Menschen auszubilden ist die Aufgabe der Universität. Alle Tätigkeiten, die dazu dienen, entsprechen darum auch den Interessen des Studiums. 43
Dieses Schreiben bezieht sich zwar auf die finanzielle Förderung des Rudersports, doch aufgrund der Sympathien des deutschen Kaisers für den Segelsport und der systematischen Förderung dessen aus militärischen Beweggründen, (siehe Punkt 1.1) sollte mit aufkommender Popularität auch der Segelsport, in nicht unerheblichen Maß finanziell unterstützt werden.
In den Akten betreffend die Förderung des Rudersports (die Segler fanden in der Anfangsphase ihr Zuhause und ihre Rekruten oft bei Ruderclubs) findet sich für das Jahr 1908 in der Korrespondenz des Rektors Anfragen mehrere Studentenverbindungen, welche die Anschaffung von Segelbooten betreffen.
Seit 1908 wurden beim Rektor der Universität verstärkt Bitten von studentischen Verbindungen für finanzielle Zuschüsse, die die Anschaffung von Segelbooten, bzw. Segelyachten betreffen, eingereicht. Die Ursache könnte in der wachsenden Popularität des Segel-sports im Allgemeinen liegen, denn seit 1904 war Segeln eine olympische Disziplin und 1908 fanden die Olympischen Sommerspiele unter großer Beachtung, in England statt. Ein weiterer Hinweis auf die starke Popularität des Segelns ist der Beginn des Erscheinens der Zeitschrift ‚Yacht’, einer illustrierten Zeitschrift für „Yachtwesen, Wassersport, Reisen, Motor- und Schiffsbau“ 44 , die seit 1904 erscheint.
41 Vgl. Akte UAG Rektor R145: Beihilfen zum Segel- und Rudersport der studentischen Verbindungen durch
Rektor und Senat Bd. 1 „Förderung des Rudersports 1894 - 1917, Blatt 1 - 3.
42 Vgl. ebd. Blatt 36.
43 Vgl. Akte UAG Rektor R145, Blatt 14.
44 Untertitel Titel der Zeitschrift ‚Yacht’ von 1904.
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Das hohe Maß der persönlichen Beziehungen und individuellen Betreuung zwischen Studentenschaft, Universitätsverwaltung und Lehrkörper wird anhand des folgenden Vorgangs deutlich. Die Studentenschaft Rugia beantragte im April 1908 beim Rektor einen Zuschuss von 600 - 700 Mark für die Anschaffung eines Segelboots, welcher aber zunächst versagt blieb, weil der Rektor bereits Geld für die Anschaffung eines Ruderboots zur Verfügung gestellt hatte und „gefälligst“ eine Angabe darüber wünschte, „ob Mitglieder der Studentenschaft sich bereits an einem Ruderboot beteiligt haben“ 45 Auch der Kurator der Universität äußerte Bedenken, da es, seiner Meinung nach, den Anschein machte, „als ob es sich hier um die Anschaffung eines mehr zu Vergnügungsfahrten und dergl. als zur Pflege der Leibesübungen handelt“ 46 Noch im gleichen Jahr 1908 erbaten die Verbindung Wingolf und Turnerschaft Teutonia erfolgreiche Unterstützung, um ein Segelboot anzuschaffen. 47 Auffällig ist, dass seit 1908 fast nur noch Zuschüsse für Segelboote beantragt bzw. erbeten wurden und das oft in sehr knapper Form. Es scheint, als wenn die Verbindungen mit ihren Bestrebungen den Greifswalder Bodden und die Ostsee mit Segelbooten zu befahren, große Sympathien seitens der Universitätsverwaltung erfuhren.
Es ist gesichert ist, dass 1909 die Verbindungen Rugia, Germania, der Zoologische Verein, Sedinia, Wingolf, Teutonia, Guilelmia, die mathematisch-naturwissenschaftliche Vebindung, die Alemannia und Segelboote unterhielten und zusammen über mehr als 170 Mitglieder verfügten. 48 An der Universität Greifswald waren zu diesem Zeitpunkt insgesamt 957 Studenten immatrikuliert. 49
Die Verbindungen beteiligten sich bis 1914 an sportlichen Wettkämpfen, wie den vom Akademischen Segler Verein ausgetragenen Fischerregatten oder Studentenmeisterschaften, traten aber ansonsten nicht auf offiziellen Regatten in Erscheinung, da sie keine Vereine waren und damit auch keine Mitglieder eines Dachverbandes waren. Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs kam der Segelsport innerhalb der Verbindungen fast komplett zum Erliegen, da sich viele Verbindungsmitglieder geschlossen und freiwillig zum Militärdienst meldeten oder eingezogen wurden. Trotzdem behielten einige Studentenverbindungen ihren Betrieb aufrecht und auch ihre Boote im Wasser. Laut Akten des Hafenmeisters lagen 1915 die Segelboote des Philologisch Hitsorischen Vereins, des Medizinischen Vereins, der Verbindungen Alemannia und Normannia, der Burschenschaften Armi-
45 Vgl.Akte UAG Rektor R145, Blatt 40.
46 Zt. UAG Kurator K645, Blatt 155.
47 Vgl. ebd. Blatt 171.
48 Vgl. ebd. Blatt 211.
49 Vgl. Woigh Carsten: Die Studierenden-Statistik der Universität Greifswald 1808 - 2006, in Dirk
Alvermann und Karl-Heinz Spieß (Hrsg.): Universität und Gesellschaft: Festschrift zur 550-Jahrfeier der
Universität Greifswald 1456 - 2006, Rostock 2006, S. 572.
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nia und Burschenschaft Rugia, sowie die mathematisch-naturwissenschftliche Verbindung im Wiecker Hafen. 50 Im zweiten Kriegsjahr Jahr 1916 lagen noch Segelboote der Verbindungen Normannia und Wingolf, der Burschenschaft Rugia, des philologisch-historischen Vereins im Wiecker Hafen. 51
Die Erlassung der Hafengelder 1915 und 1916 für die Studentenverbindungen, lässt sich als Zeichen der Anerkennung der im Kriegsdienst stehenden Verbindungsangehörigen und Sympathie für die Ausübung des Segelsports seitens der Stadtverwaltung deuten. 52 Für die Jahre 1917-1919 finden sich in den Akten betreffend die Förderung des Ruder-sports tabellarische Zusammenfassungen der Unterstützungsgesuche verschiedener Studentenverbindungen zum Erhalt ihrer Boote. Sie wurden stellvertretend vom Rektor an den Minister für ‚geistliche- und Unterrichtsahngelegenheiten’ gestellt. Aus den Akten geht hervor, dass alle Mitglieder des Akademischen Turnvereins und der Sängerschaft Guilema im Kriegsdienst standen, somit ihr Boot nicht genutzt und nur Instand gehalten werden musste. Die freie Studentenschaft sah sich aufgrund der fehlenden Mitglieder ebenfalls nicht in der Lage, ihr Boot alleine Instand zu halten. Auch Mitglieder des katholischen Studentenvereins Normannia waren bis Mitte 1915 geschlossen im Kriegsdienst und nicht in der Lage, die am Segelboot entstanden Schäden und die, durch sie Unterhaltung eines Segelboots entstandenen Schulden zu begleichen. Die Verbindung Sedina war 1917 an der Universität wieder durch einige Invaliden vertreten, die den Segelsport betrieben. 53 Da das Boot der Verbindung in einem sehr schlechten Zustand war, wurde seitens des Rektors vorgeschlagen, ein Verkauf des Bootes in Erwägung zu ziehen, da er eine Neuanschaffung nach dem Krieg zu unterstützen würde. 54
Alle 1917 ersuchten Beihilfen, die sich auf eine Gesamtsumme von 2000 Mark beliefen, wurden vom Ministerium gewährt und der Verbindung Sedina eine Unterstützung nach dem Krieg in Aussicht gestellt. Die widerspruchslose Bewilligung der erbetenen Summen, sowie der Umstand, dass der Minister die Verbindungen persönlich benachrichtigen ließ, zeigen, dass der Segelsport auch zu Kriegszeiten gefördert wurde und ebenfalls der Einsatz der Verbindungsmitglieder im Kriegsdienst in Form finanzieller Unterstützung gewürdigt wurde. 55
50 Vgl. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6156, Blatt 310.
51 Vgl. ebd. Blatt 319 und 328.
52 Vgl. Akte StAG Rep. 5 Nr. 6156, Blatt 328.
53 Vgl. Akte UAG Rektor R146: Beihilfen zum Segel- und Rudersport der studentischen Verbindungen durch
Rektor und Senat Bd. 2 „Förderung des Rudersports 1917-1930“, Blatt 7.
54 Vgl. ebd. Blatt 11.
55 Vgl. ebd.
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Für das Jahr 1918 beliefen sich die Kosten für die Anschaffung oder Unterhaltung von sieben Segelbooten des Akademischen Turnervereins, der Katholischen Studentenvereins Normannia, der katholisch-deutschen Verbindung Alemannia, der Studentischen Liedertafel, der deutsch christlichen Studentenvereinigung und den Verein deutscher Studenten auf 5700 Mark, von denen 1245 Mark aus eigener Kraft aufgebracht werden sollten. Das Ministerium konnte aber aufgrund der allgemeinen Situation nur 2000 Mark bewilligen. 56 Das Segeln war bei den studentischen Verbindungen bereits vor der Gründung von allgemeinen Segelvereinen in Greifswald populär, der erste Segelverein wurde erst 1908 gegründet. Seglerisches Können und eine fundierte Ausbildung zur Führung eines Segelboots standen aber bei vielen Verbindungen nicht Mittelpunkt des Interesses, wenn es um die Anschaffung von Segelbooten ging. In der Segelordnug der Akademischen Turnervereinigung „Teutonia“ bzw. des Akademischen Turnerbundes stand z.B. 1931 immer noch, dass der ‚Bestmann’ (Der beste Segler an Bord) über „einfache Segelkenntnisse“ und die „ungefähre Beherrschung des Man-über-Bord-Manövers“ verfügen musste. 57 Das diese, aus heutiger Sicht - sogar für den Laien - eine haarsträubende Formulierung für die geforderten Kenntnisse und Fähigkeiten eines Bootsführers ist, der das Komando über eine, zwölf Meter lange Segelyacht mit sechs Mann Besatzung hat, muss nicht betont werden.
Dass es kaum ausreichend qualifizierte Personen gab, die ein Segelboot sicher beherrschten, wird dem Umstand geschuldet sein, dass es zu bis zum 1. April 1930 keinerlei offizielle Befähigungszeugnisse für die Führung von Sport- bzw. Freizeitbooten gab. Die selbst ausgearbeiteten Prüfungsstandards und die intern vergebenen Patente der verschiedenen Akademischen Seglervereine dienten dem DSVb später bei der Entwicklung offizieller Patente als Vorbilder. 58
In einem Brief des akademisch-neuphilologischen Vereins an den Rektor aus dem September 1909 wird z. B. die Neuanschaffung eines Segelboots damit begründet, dass das alte Segelboot „durch zwei schwere Unglücksfälle, aber nur durch die grobe Fahrlässigkeit eines damaligen Mitglieds […] das Boot in einen so schadhaften Zustand versetzt [wurde], daß es […] als Wrack verkauft werden musste. 59
Um eine Handhabung für die Bootsführung zu finden, verfügte der Rektor der Universität Greifswald im Jahr 1917, dass die studentischen Vereine und Verbindungen, welche eine
56 Vgl. Akte UAG Rektor R146, Blatt 21.
57 Zt. UAG A.T.V. Nr. 144: „Segelbootangelegenheiten“., dort Segelordnung des A.T.V. von 1931.
58 Vgl. 25 Jahre A.S.V; S. 28. Der deutsche Seglerverband führte erst 1930 die Sportboootpatente Yacht
Binnen und Yacht See ein.
59 Zt. Akte UAG Kurator K645 Kurator, Blatt 213.
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Michael Sauer, 2010, Die Geschichte des Segelsports in Greifswald, München, GRIN Verlag GmbH
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