Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Das „höchste Gut“ in der Kritik der reinen Vernunft 3
2.1 Die Unschärfe des „höchsten Guts“ in der ersten Kritik 3
2.2 Das „höchste Gut“ als moralische Welt 4
2.3 Wollen und Sollen 5
2.4 Die doppelte Konzeption des höchsten Guts 7
3. Resümee 10
4. Literaturverzeichnis 12
4.1 Primärliteratur 12
4.2 Sekundärliteratur 12
1. Einleitung
Sowohl in der antiken als auch in der neuen Ethik wirft der Begriff „höchstes Gut“ die Frage nach menschlichem Glück auf und gibt darauf Antwort. Auf den ersten Blick scheint es, als ob Kants kritische Ethik keinerlei Bezug zum höchsten Gut besitzt, weil sie für formal gehalten wurde und Glückseligkeit, die einen notwenigen Bestandteil des höchsten Guts darstellt, ignoriert wurde. 1 Dennoch sind Moralischer Vernunftglaube, Hoffnung und Gott eng mit dem Begriff des höchsten Guts verbunden. 2 Der Begriff nahm im Altertum sowie im Mittelalter einen hohen Stellenwert ein. Augustinus verstand Gott beispielsweise ontologisch als höchstes Glück und Gut des Menschen. Anselm von Canterbury setzte das höchste Gut mit dem höchsten Wesen gleich und Thomas von Aquin sah das höchste Gut als Seinsgrund aller Dinge an. 3 Das Kanonkapitel 4 in der Kritik der reinen Vernunft, das sich mit dem höchsten Gut beschäftigt, erfuhr seitens der Forschung lange Zeit kaum Beachtung oder wurde als weniger wichtig deklariert, obwohl hier wichtige Bestandteile kant‘scher Philosophie in ihren Grundzügen auftauchen. 5
Erst seit den 70er Jahren finden sich vermehrt Publikationen zu diesem Thema. In Düsings 6 Untersuchung erfolgt eine epochale Trennung des höchsten Guts: Die frühere Lehre des höchsten Guts hält er für das Prinzip zur Ausführung der Ethik, die er zum Zeitpunkt der Kritik der reinen Vernunft sieht, welche ihren praktischen Charakter in der zweiten Kritik entfaltet und später keinen Bestandteil kant‘scher Ethik bildet. Trotzdem muss sie als Konsequenz seiner reifen Ethik angesehen werden, die sich durch die Anwendung von Prinzipien der Sittlichkeit entfaltet. Habichler 7 untersucht, inwieweit der Begriff des höchsten Guts kompatibel oder deckungsgleich mit dem Begriff „Reich Gottes“ ist und kommt zu dem Schluss, dass sich durchaus erste Andeutungen finden lassen, wobei er eine Anspielung auf den christlichen Begriff für
1 Vgl. Phil-Bae PARK: Das höchste Gut in Kants kritischer Philosophie. Eine Untersuchung über den Zusammenhang von kritischer Ethik und Metaphysik, Köln 1999, S. 1f.
2 Vgl. Daniel KELLER: Der Begriff des höchsten Guts bei Immanuel Kant, Paderborn 2008, S. 18.
3 Vgl. Brian HEBBLETHWAITE: Art. Höchstes Gut, 435-441.
4 Vgl. Immanuel KANT: Kritik der reinen Vernunft, Philosophische Bibliothek Bd. 505, Hamburg 1998, A 797 / B 825 - A 819 / B 847; im Folgenden KrV.
5 Vgl. KELLER, S. 66.
6 Vgl. Klaus DÜSING: Das Problem des höchsten Gutes in Kants Praktischer Philosophie, S. 5-42.
7 Vgl. Alfred HABICHLER: Reich Gottes als Thema des Denkens bei Kant. Entwicklungsgeschichte und systematische Studie zur kantischen Reich-Gottes-Idee, Mainz 1991, S. 96-109.
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wahrscheinlich hält. Heidemann 8 beschränkt sich bei ihrer Gesamtinterpretation des Kanonkapitels auf dessen Aufbau sowie dessen Struktur und versucht hieraus das höchste Gut zu rekonstruieren. Wimmer 9 zieht zur Analyse des höchsten Guts schwerpunktmäßig die Religionsschrift zu Rate, wohingegen Krämling 10 der Auffassung ist, dass eine ethische sowie vernunftarchitektonische Untersuchung bzgl. Kants Begriff des höchsten Guts erfolgen müsse.
Im Nachfolgenden soll an ausgewählten Beispielen aus dem Kanonkapitels in der Kritik der reinen Vernunft untersucht werden, welche Problematik das „höchste Gut“ als Begriff mit sich bringt und was das höchste Gut bei Kant ausmacht, bevor die Rolle der Glückseligkeit sowie Sittlichkeit im Zusammenhang mit diesem Begriff erläutert werden sollen.
2. Das „höchste Gut“ in der Kritik der reinen Vernunft
2.1 Die Unschärfe des „höchsten Guts“ in der ersten Kritik
Das höchste Gut ist prima facie ein Gegenstand der kritischen Reflexion reiner Vernunft und wird innerhalb des zweiten Abschnittes der Methodenlehre behandelt. Diese setzt bei empirischen phänomenalen Erfahrungen an und entwirft zunächst eine negative Seinslehre bzw. Ontologie, bevor sie auf die Leistungsfähigkeit der reinen praktischen Vernunft zu sprechen kommt. Der negative Teil, der beispielsweise Mathematik als falsches Fundament kritischer Philosophie beiseite räumt und Recht als positives Fundament deklariert, stellt ein positives Gegenstück zum hier behandelten Kanonkapitel über das höchste Gut dar. 11 Kants Interesse an der theoretischen Vernunft ist verhältnismäßig gering. Er begründet dies damit, dass, würde es einen Beweis geben, der Willensfreiheit, Unsterblichkeit der Seele und die Existenz Gotte nachweise, dies keinerlei Auswirkungen auf die Erforschung der Naturphänomene hätte. Somit sind die Kardinalsätze „zum Wissen gar nicht nötig [zumal diese] gleichwohl durch unsere Vernunft dringend empfohlen werden: so wird ihre Wichtigkeit wohl eigentlich nur das Praktische angehen müssen.“ 12 Der zweite Abschnitt des Kanonartikels ist, was
8 Vgl. Ingeborg HEIDEMANN: Das Ideal des höchsten Gutes. Eine Interpretation des zweiten Abschnittes im ,Kanon der reinen Vernunft‘, S. 233-305.
9 Vgl. Reiner WIMMER: Kants kritische Religionsphilosophie, Berlin 1990, S. 57-62.
10 Vgl. KRAMLING, Gerhard: Das höchste Gut als mögliche Welt, S. 273-288.
11 Vgl. KELLER, S. 64.
12 KrV A 799 / B 827 - A 800 / B 828.
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Arbeit zitieren:
Martin Rybarski, 2011, Der Begriff des „höchsten Guts“ im Kanonkapitel der reinen Vernunft und dessen Problematik, München, GRIN Verlag GmbH
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