Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Wissenschaftlicher und politischer Werdegang Seite 1
2.1 Studium und erste Anstellung bis 1929 Seite 1
2.2 Propaganda und Machtwachstum 1929-1936 Seite 3
2.3 Terror und Abkühlung 1936-1948 Seite 6
2.4 Der Höhepunkt des Lyssenkoismus 1948-1952 Seite 7
2.5 Lyssenkos Abstieg Seite 8
3. Fazit Seite 9
4. Literatur- und Quellenverzeichnis Seite 10
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit soll einen kurzen Überblick über den sowjetischen Agronom Trofim Denissowitsch Lyssenko, sowie über Phänomen des Lyssenkoismus - einerseits als Lyssenkos neolamarckistische Theorie der Vererbung von durch Umweltbedingungen erworbenen Eigenschaften, anderseits als die ideologisch gefärbte und systematische Unterdrückung anderer wissenschaftlicher Meinungen und Interpretationen - liefern. Dazu sollen Lyssenkos politischer und wissenschaftlicher Werdegang im historischen Kontext der Sowjetunion aufgezeigt werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Lyssenko-Debatte bis 1948.
Die theoretischen und praktischen Wegbereiter Lyssenkos, Kliment Arkadjewitsch Timirjasew und Iwan Wladimirowitsch Mitschurin, sowie Lyssenkos wissenschaftlicher Mitstreiter Prezent können im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt werden. 1 Ein Fazit soll die Ergebnisse zusammenfassen.
Trofim Denissowitsch Lyssenko wurde 1898 im ukrainischen Karlowka als Bauernsohn geboren und schlug früh die Laufbahn eines Agronomen ein. So besuchte er zunächst bis 1921 die Landwirtschaftsschule in Poltawa und danach einen zweijährigen Kurs über Selektion in der Belaya-Tscherkow-Selektionsstation. 2 3
1925 gelang es ihm am Landwirtschaftlichen Institut in Kiew zu graduieren, woraufhin er unmittelbar bis 1929 eine erste wissenschaftliche Anstellung als Agronom an der Experimentellen Selektions-Station im damaligen aserbaidschanischen Gandscha erhielt, wo er teilweise Erfolge bei Experimenten mit Erbsen verzeichnen konnte und an seiner ersten wissenschaftlichen - wenngleich nicht sehr originären - Theorie arbeitete. Diese veröffentlichte er auf dem im Januar 1929 in Leningrad abgehaltenen Genetikerkongress als
1Zur Lektüre über diese drei für Lyssenkos Entwicklung wichtigen Personen empfiehlt sich u.a.: Regelmann,
Johann-Peter: Die Geschichte des Lyssenkoismus, Frankfurt am Main 1980. 2Vgl. Regelmann, Johann-Peter: Die Geschichte des Lyssenkoismus, Frankfurt am Main 1980, S. 26. 3Es war in den 1920er Jahren der Sowjetunion nicht ungewöhnlich, dass Bauernsöhne sich zu Agronomen
ausbilden ließen; vgl. hierzu: Joravsky, David: The Lysenko Affair, Cambridge 1970, S. 54-55.
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„Theorie der Stadienentwicklung der Pflanzen“. 4 Da Lyssenko dort dafür kritisiert wurde, dass er „Anspruch darauf erhob, eine bedeutende Entdeckung mitzuteilen“ 5 , kann man dem damals 30-Jährigen eine gewisse Geltungssucht attestieren.
Obwohl Lyssenko bereits durch seine Versuche mit Erbsen und einem Leitartikel in der Prawda von 1927 Aufmerksamkeit auf sich und viele wissenschaftliche Besucher nach Gandscha zog, 6 gelang ihm sein öffentlichkeitswirksamer und wissenschaftlicher Durchbruch erst durch die Verbindung seiner Theorie mit der Vernalisation - der Kältebehandlung von Wintergetreide vor der Aussaat - woraus er die Methode der Jarowisation ableitete. 7 Diese Methode sollte - gerade vorm Hintergrund heftiger Missernten in den letzten Winternfür deutliche Ertragssteigerungen sorgen. Durch anfängliche Erfolge und großangelegte Pressepropaganda erhielt Lyssenko ab nun den Ruf eines „fähigen Wissenschaftlers und tatkräftigen Helfers und Lenkers beim Aufbau des Sowjetstaates“ 8 , hinzu kam, dass sein Vater im Frühjahr 1929 eine erfolgreiche Ernte eines Wintergetreides einfuhr, die dieser allerdings in der ersten Veröffentlichung übertrieben darstellte. 9 Lyssenko selbst nutzt diesen Erfolg seines Vaters mit seiner Methode bestmöglich, um selbige noch werbewirksamer und sensationeller anzupreisen. 10
Der ukrainische Bauernsohn, der sich bereits jetzt als ideal für Propaganda erwies, erhielt noch im gleichen Jahr eine Anstellung am All-Unions-Institut für Genetik und Züchtung in Odessa, wo zeitgleich eine „Abteilung für das Jarowisieren durch das Volks-Komissariat für Landwirtschaft der Ukraine und der Sowjetunion“ 11 eingerichtet wurde, woran sich abmessen lässt, was für einen Stellenwert Lyssenko schon zu diesem Zeitpunkt bei der Führung der Sowjetunion genoss.
4Vgl. Regelmann, S.26-27.
5Medwedjew, Shores A.: Der Fall Lyssenko. Eine Wissenschaft kapituliert, New York 1969,S. 29. 6Vgl. ebenda, S. 27-28. 7Vgl. Regelmann, S. 27. 8Regelmann, S. 27.
9Vgl. Medwedjew, S. 30: Lyssenkos Vater gab an, mehr als 30 Zentner statt der tatsächlichen 24 Zentner pro
Hektar geerntet zu haben. 10Vgl. ebenda. 11Ebenda, S. 30.
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Arbeit zitieren:
Robert Pilgrim, 2011, Lyssenko und Lyssenkoismus, München, GRIN Verlag GmbH
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