Thema: Das Japanbild im nationalsozialistisch geprägten
Deutschland von 1933 - 1945
1. Einleitung
Ziel der historischen Untersuchung
2. Hauptteil
2.1 Das Japanbild der Nationalsozialisten 2.1.1 Japan in Mein Kampf
2.1.2 Heinrich Himmler, Japan und die SS - Die Samurai als
geistiges Vorbild
2.2 NS-Ideologie, Kulturaustausch und die Japanforschung 2.2.1 Kulturaustausch zwischen West und Ost - Publikationen im »weltpolitischen Dreieck« 2.2.2 Die Japanforschung unter dem Hakenkreuz
3. Schlussbetrachtung
Das nationalsozialistische Japanbild 1933 - 2011
1
1.
Einleitung
Ziel der historischen Untersuchung
Das Jahr 2011 steht in Japan, sowie in Deutschland für die mittlerweile 150 Jahre alten deutsch-japanischen Beziehungen. Am 24.1.1861 begann die geschichtsträchtig Beziehung mit dem Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag, der zwischen dem Königreich Preußen und dem Tokugawa Shōgunat geschlossen wurde. Großereignisse, wie der Erste Weltkrieg und die darauf folgende politisch instabile Phase der Zwischenkriegszeit, der Zweite Weltkrieg und die damit verbundene Niederlage der beiden Bündnispartner im Jahr 1945, sowie der Wirtschaftsboom der Nachkriegsjahre, umfassen 150 Jahre deutschjapanische Beziehungen. 1
In dieser historischen Untersuchung liegt der Fokus auf der deutschjapanischen Kulturbegegnung der Jahre 1933 bis 1945. Der kulturelle Austausch und dessen Verwendung für die Propaganda des dritten Reichs steht hier im Vordergrund und soll näher erläutert werden. Innerhalb der Arbeit soll auf das bewusst glorifizierte Japanbild der Nationalsozialisten erklärend eingegangen werden. Durch Hinzuziehen von deutschen und japanischen Quellen und Publikationen der Zeitspanne von 1933 bis 1945 soll dieses NS-Bild Japans kritisch erforscht und hinterfragt werden. Hitlers Mein Kampf, sowie weitere Primärliteratur aus der NS-Zeit werden verwendet, da mit Hilfe dieser Publikationen das politische und propagandistische Japanbild der NSDAP skizziert werden kann. Durch Einbezug von Quellen und Veröffentlichungen aus der damaligen Japanforschung und dem daraus folgenden Kulturaustausch soll die zeitgenössische Kritik an dem oben beschriebenen Japanbild NS-Deutschlands in diese Arbeit einfließen. Es wird Forschungsliteratur hinzugezogen, welche den aktuellen Forschungsstand der allgemeinen Geschichtsforschung, sowie der Japanforschung beinhaltet und die Bearbeitung des Themas stützen.
1 Schwalbe, Hans (1970): Acht Gesichter Japans - Im Spiegel der Gegenwart. OAG Tōkyō, S. 349 - 352
2
2.1. Das Japanbild der Nationalsozialisten
2.1.1
Japan in Mein Kampf
Hitlers Interesse an Japan und das stereotype Bild einer Kriegernation, welches später unter anderem in der SS-Ideologie wieder zu finden ist, wurde wahrscheinlich in Hitlers Frühzeit entwickelt. Mit dem Friedensvertrag von Portsmouth am 5. September 1905 endete offiziell der russisch-japanische Krieg. Japan hatte das russische Zarenreich besiegt und wurde dadurch zur stärksten nicht-westlichen Kolonialmacht innerhalb Ostasiens. Zu dieser Zeit besuchte der 15-jährige Hitler eine Schule in Steyer und äußerte sich in Mein Kampf wie folgt: »Der Russisch-Japanische Krieg sah mich schon wesentlich reifer, allein auch aufmerksamer. Ich hatte dort bereits aus mehr nationalen Gründen Partei ergriffen und mich damals beim Austrag unserer Meinungen sofort auf Seite der Japaner gestellt. Ich sah in einer Niederlage der Russen auch eine Niederlage des österreichischen Slawentums.« 2 Hitler äußerte weiter, dass Schulkinder slawischer Herkunft geweint haben und die übrigen Kinder deutscher Herkunft sich über den japanischen Sieg freuten. 3 Hier erkennt man einen deutlichen Ausdruck von Anerkennung Hitlers gegenüber dem japanischen Erfolg auf der weltpolitischen Bühne, nicht zuletzt wegen der Niederlage des »Slawentums«. Bei dem späteren Hitler verwandelt sich die jugendliche Euphorie über den japanischen Sieg in eine besondere Form des Rassismus. Eine Stelle in Mein Kampf drückt deutlich die wahre Meinung Hitlers über Japan aus und zeigt, welche Stellung Japan in Hitlers Rassendenken einnahm:
2 Hitler, Adolf (1937): Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band. Ungekürzt. Auflage München 1937, S. 173
3 Hamann, Brigitte (1996): Hitlers Wien - Lehrjahre eines Diktators. Piper München, S. 27-32.
3
»Würde ab heute jede weitere arische Einwirkung auf Japan unterbleiben, angenommen Europa und Amerika zugrunde gehen, so könnte eine kurze Zeit noch der heutige Aufstieg Japans in Wissenschaft und Technik anhalten; allein schon in wenigen Jahren würde der Bronnen versiegen, die japanische Eigenart gewinnen, aber die heutige Kultur erstarren und wieder in den Schlaf zurücksinken aus dem sie vor sieben Jahrzehnten durch die arische Kulturwelle aufgescheucht wurde. Daher ist, genau so wie die heutige japanische Entwicklung arischem Ursprung das Leben verdankt, auch einst in grauer Vergangenheit fremder Einfluß und fremder Geist der Erwecker der damaligen japanischen Kultur gewesen.«. 4 Um die Bedeutung dieses rassistischen Kommentars Hitlers verstehen zu können, muss seine rassenideologische Einordnung erläutert werden. Nach Hitler existieren drei Arten von kulturprägenden »Rassen«: Die »Kulturgründer«, die »Kulturträger« und die »Kulturzerstörer«. 5 Der »Kulturgründer« ist der »Arier«, dessen Pendant der »Kulturzerstörer« ist - Hitlers Synonym für Juden. Betrachtet man das oben erwähnte Zitat unter Berücksichtigung der rassenideologischen Einordnung, so nimmt die japanische Kultur für Hitler eine Stellung zwischen »kulturschaffend« und »kulturzerstörend« ein. Es ist anzunehmen, dass die Japaner in Hitlers Denken eine Art Zwitter zwischen »Ariern« und Juden sind. Zum einen entwickelte sich das japanische Volk »ausschließlich« durch Einflüsse eines »kulturschaffend« Volks und zum anderen würde Japan ohne »arische« Hilfe in Stagnation verfallen und somit für Hitler »kulturzerstörend« wirken. Jegliche Form von Kultur und Wissen wird dem japanischen Volk durch Hitlers Mein Kampf aberkannt, außer die Eigenschaft »alles arische« kopieren zu können. 6 Die Abschottung vom Westen während der Tokugawa-Zeit, versteht Hitler hier als einen Negativpunkt und unterstreicht, dass es Japan an Kreativität und der Fähigkeit einer »Weiterentwicklung« mangelt.
4 Hitler, Adolf (1937): Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band. Ungekürzt. Auflage München 1937, S. 318 - 319
5 Hitler, Adolf (1937): Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band. Ungekürzt. Auflage München 1937, S. 318
6 Koltermann, Till Phillip (2009): Der Untergang des Dritten Reiches im Spiegel der deutschjapanischen Kulturbegegnung 1933-1945. Auflage 1. Harrassowitz Verlag. Wiesbaden, S. 23
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Arbeit zitieren:
Rudolf Richter, 2011, Japan im Spiegel des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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