1. Sachanalyse
Als Mitbegründer des Göttinger Hain, ein Bund aus studentischen Dichtern, gehörte Hölty neben Johann Heinrich Voß und Christian Heinrich Boie zu den Vertretern der Epoche des Sturm und Drang. Mit seinen Volksballaden Die Nonne und Adelstan und Röschen hatte Hölty mit Gottfried August Bürger das Genre der Volksballade neu belebt, womit seine Balladen zu den frühesten deutschen Versuchen dieser Gattung gehören. Seine Vorliebe für schwarze Magie und Gespensterglauben ist nicht nur in Die Nonne zu erkennen.
Bei Höltys Die Nonne handelt es sich um eine Ballade aus dem Jahre 1775. Merkmal von Balladen ist die Vereinigung der drei Gattungen der Poesie. Diese Sonderform der Lyrik weißt episches durch die geschlossene Geschichte sowie das Erzähltempus Präteritum auf. Dramatisch wirkt die Handlung durch die dramatische Gestaltung und den Einbau direkter Rede, während das typisch Lyrische die Verfassung in Reimen ist.
Inhalt der Ballade ist die Liebesbeziehung eines Ritters und einer Nonne, die durch den Ritter beendet wird. Aus Wut auf den Ritter beauftragt die Nonne Meuchelmörder, um den Ritter zu ermorden. Nach der Ermordung dessen übt die Nonne selbst brutale Gräueltaten am Leichnam des Ritters aus. Die Ballade hat einen tragischen Charakter und wirkt auf den Leser vor allem in den letzten Strophen schauderhaft. Inhaltlich ist in der Ballade nicht nur die gescheiterte Liebesbeziehung ein zentrales Thema, sondern auch die Schwurthematik.
Sehr gut ist Hölty die Umsetzung seiner Aussageabsicht (darauf soll hier nicht näher eingegangen werden) gelungen, indem er zwei Eide aus verschiedenen Bereichen aufgeführt hat, und diese miteinander in Verbindung gebracht hat. Die Nonne besteht aus elf Strophen mit je acht Versen. Das durchgehende Reimschema ist der Kreuzreim (ababcdcd, efefghgh, usw.). Überwiegend sind die Endreime reine Reime, jedoch sind auch mehrere unreine Reime vorzufinden (Vgl. Strophe 1, V. 6, 8, Str. 2, V. 1, 3, Strophe 3, V. 2, 4, 6, 8, Strophe 5, V. 4, 6, Strophe 6, V. 1, 3, 2, 4, Strophe 9, V. 1, 3, 2, 4, Strophe 10, V. 2, 4, Strophe 11, V. 2, 4). Die Strophen 4, 7 und 8 bestehen ausschließlich aus reinen Endreimen. Als Versfuß wird durchgehend der Jambus verwendet (v -). Stumpfe und klingende Kadenz wechseln sich ab, beginnend im ersten Vers mit stumpfer Kadenz, darauffolgend im zweiten Vers die klingende Kadenz, dann im Wechsel weiter. Daraus ergibt sich als
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Versmetrum ein abwechselnder vier- und dreihebiger Jambus, was für die Verse 1, 3, 5, 7 folgendes Metrikschema ergibt: v - v - v - v - v, für die Verse 2, 4, 6, 8 folgendes: v-v-v-v-. Die Verse mit stumpfer Kadenz setzen sich folglich aus neun Silben zusammen, die Verse mit klingender Kadenz aus acht Silben. Hölty verwendet in seiner Ballade überwiegend Alliterationen, Anaphern, Enjambements und charakterisierende Epitheta, aber auch andere Stilmittel kommen zum Einsatz.
Um zu Beginn dem Leser ein Bild des Ritters zu geben, arbeitet Hölty mit dem charakterisierenden Epitheton „schöner junger Ritter“ (Strophe 1, V. 2.), welches das Äußere des Mannes beschreibt. Durch die Anapher werden die Hauptfiguren vorgestellt und auf eine Ebene gestellt (Vgl. Strophe 1, V. 1f.). Eine weitere Gleichstellung der beiden Hauptcharaktere findet im Verlauf des Gedichtes statt, indem der Autor bei beiden Figuren das Wort „vergaß“ beim Bruch des Schwures einsetzt („sie vergaß der Nonnenpflicht“ (Strophe 3, V. 3), „vergaß der alten Zärtlichkeit“ (Strophe 4, V. 5)).
Die Emotionen und die Leidenschaftlichkeit des Ritters werden zum einen mit der Alliteration „viel von“ (Strophe 1, V. 5) verdeutlicht, zum anderen mit der Verwendung und Wiederholung von Possessiv- und Personalpronomen („seinen“, „sie“, Vgl. Strophe 1, V. 5f.).
Der in der ersten Strophe genannte Schwur wird in der zweiten Strophe in direkter Rede wiedergegeben, was dem Schwur eine große Bedeutung zukommen lässt. Um diesen überzeugend zu gestalten, setzt der Autor viele, teilweise miteinander kombinierte, Stilmittel ein. Durch die Anapher und den gleichzeitigen Parallelismus wird dem Schwur mehr Nachdruck verliehen (Vgl. Strophe 2, V. 1f.). Die direkte Anrede an Belinde (Apostrophe) verleiht der Aussage des Schwurs mehr Nachdruck, Leidenschaftlichkeit und Glaubwürdigkeit (Vgl. Strophe 2, V. 4). Die Alliterationen „ganzes Herz geweiht“ (Strophe 2, V. 5) und „Seelen Seeligkeit“ (Strophe 2, V. 8) betonen die Ernsthaftigkeit und die Intensität der Liebe. Auffällig ist die häufige Verwendung von Personal- und Possessivpronomen, womit der Autor eine Verbindung zwischen Ritter und Nonne aufbaut und die Aussage des Ritters personalisiert (Vgl. Strophe. 2, V. 4ff.).
Nach der direkten Rede spielt die rhetorische Frage, unterstützt durch eine Alliteration („Zumal in einer Zelle“ Strophe 3, V. 2) und einem charakterisierendem Epitheton („armes Mädchen“, Strophe 3, V. 1), auf die Gutgläubigkeit des Mädchens
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an (Vgl. Strophe 3, V. 1f.). Weitere charakterisierende Epitheta werden zur Beschreibung ihrer Schönheit und Unschuldigkeit eingesetzt (Vgl. Strophe 3, V. 7). Um die religiöse Seite des Mädchens zu veranschaulichen, greift Hölty auf Periphrasen zurück (Vgl. Strophe 3, V. 5, 7).
Dass die Nonne alles um sich herum vergisst, und sich dem jungen Mann hingibt, wird mit der Alliteration und zugleich Antithese unterstrichen (Vgl. Strophe 3, V. 4). Durch die Metapher „Frevlers Beute“ (Strophe 3, V. 8) werden den zwei Figuren ihre Rollen zugewiesen; die Nonne als Opfer, der Ritter als Täter. Hölty stellt durch seinen Vergleich „wie die Männer sind“ (Strophe 4, V. 1) die Behauptung auf, dass alle Männer gleich sind, und möchte diese Aussage am Beispiel des Ritters bestätigen. Durch den Vergleich klingt dies wie eine Entschuldigung bzw. Rechtfertigung für das Verhalten des jungen Mannes. Der Gebrauch des Enjambements verdeutlicht die Entschlossenheit des Ritters, einen Schlussstrich unter die Beziehung bzw. Affäre zu ziehen (Vgl. Strophe 4, V. 3f.) und verleiht der Beschreibung der Annäherungsversuche einen fließenden, lockeren Charakter (Vgl. Strophe 5, V. 4f.). Wiederholt verwendet Hölty das Adjektiv „arm“ (Vgl. Strophe 4, V. 3) als Eigenschaft des Mädchens (charakterisierendes Epitheton). Die Verse 1 und 2 in der vierten Strophe sind wie die Verse 3 und 4 aufgebaut (Parallelismus).
Bei der Beschreibung der Festlichkeiten, auf die sich der Ritter begibt, werden Epitheta ornans eingesetzt, um die Stimmung und die Rahmenbedingungen zu vermitteln („bunten Galakleid“, „kerzenhellen Saale“, „lauten Traubenmahle“, Strophe 4, V. 7, Str. 5, V. 2, 4).
Die Verführungskünste des Ritters werden durch die Verwendung von mehreren Stilmittel besonders hervorgehoben: Klimax, Anapher und Wiederholung werden miteinander verbunden (Vgl. Strophe 5, V. 7f.). Das charakterisierende Epitheton „schönen Nonne“ (Strophe 5, V. 7) soll verdeutlichen, dass sich der Ritter nur mit äußerlich ansprechenden Frauen begnügt.
Nachdem die Nonne von der Untreue des Ritters erfahren hat, ist diese hasserfüllt und sehr wütend, was durch zwei direkt hintereinander gesetzte Alliterationen in einem Vers stark betont wird (Vgl. Strophe 6, V. 1). Weiterhin werden die Hassgedanken mit der Hyperbel „Und schwamm in lauter Blute“ (Strophe 6, V. 5) aufgeführt. Die Periphrase („der Mann, der treulos geworden war“, Strophe 6, V. 7) erinnert an die Untreue des Ritters, und begründet ihre Wut. Der von den
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Arbeit zitieren:
Anna Bregs, 2010, "Die Nonne" von Ludwig Christoph Heinrich Hölty, München, GRIN Verlag GmbH
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