Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis
Verzeichnis Tabellen
1. Einleitung 1
1.2 Fragestellung und Gang der Untersuchung 2
1.3 Literatur 3
2. Konfliktursachen im Vergleich 4
2.1 Theoretische Ansätze der Konfliktanalyse 4
2.2 Die Konflikte im Kosovo und in Nagorno Karabach 7
3. Zusammenfassung 19
4. Literatur-/ Quellenverzeichnis 21
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Abkürzungsverzeichnis
ArSSR Armenische Sozialistische Sowjetrepublik AsSSR Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik ICG International Crisis Group NATO North Atlantic Treaty Organization KSZE Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa UdSSR Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
Verzeichnis der Tabellen
Tab. 1: Underlying Causes of International Conflict…………………………….5
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1. Einleitung
Der Südkaukasus und der westliche Balkan waren in den letzten Jahren, und sind es nach wie vor, der Schauplatz sicherheitspolitisch bedeutender Ereignisse. Die Konflikte in Georgien und Tschetschenien sowie der Einsatz der North Atlantic Treaty Organisation (NATO) im Kosovo stehen beispielhaft dafür. Doch zunächst muss verdeutlicht werden, von welchem territorialen Verständnis der beiden Regionen diese Arbeit ausgeht. Dies ist notwendig, da der Autor während universitärer Veranstaltungen feststellte, dass zwischen Politologen, Ethnologen und Kaukasiologen zum Teil unterschiedliche Auffassungen bezüglich der geografischen Grenzen bestehen. Die Definition des Südkaukasus folgt Thomas de Waal (2010: 7) und umfasst die heutigen Staatsgebiete Armeniens, Georgiens und Aserbaidschans. Zum westlichen Balkan zählen Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Slowenien, Serbien, Mazedonien und der Kosovo. Die Entwicklung beider Regionen in den letzten 20 Jahren ist eine unmittelbare Folge des Zusammenbruchs der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) sowie der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Die Implosion der beiden Imperien hinterließ einen post-sozialistischen Raum, in welchem die Gesellschaft(en) gefordert war(en) „[…] to redefine the most basic institutions that govern social life.“ (Köhler/Zürcher 2003: 1). Insbesondere Großreichen, deren Bevölkerung aus vielen Ethnien besteht, gelingt es häufig nicht, diese Herausforderungen gewaltfrei zu meistern. Die Ursachen dafür sind vielfältig. So können beispielweise der Anspruch zwischen zwei oder mehr ethnischen Gruppen auf die politische Vorherrschaft, separatistische Bewegungen oder die Aktivitäten ethnischer Unternehmer zu Gewaltausbrüchen führen (vgl. ebd.: 2).
Hinsichtlich dieser Punkte weisen der Südkaukasus und der westliche Balkan einige Gemeinsamkeiten auf. Beide Regionen entstammen einem Imperium, in welchem das wirtschaftliche und politische System auf der Idee des Kommunismus basierte und die im Zuge der der vierten Demokratisierungswelle aufhörten zu existieren (Schmidt 2008: 433f). Eine weitere Gemeinsamkeit besteht in der höchst heterogenen ethnischen Zusammensetzung der UdSSR und Jugoslawiens. Die ethnische Komplexität war sowohl für Konflikte im Südkaukasus (vgl. Zürcher 2007: 5) als auch im Westbalkan ein wesentlicher Grund, allerdings nicht der einzige (vgl. Köhler/Zürcher 2003: 3). Zeigen sich in den Entwicklungsvoraussetzungen beider Regionen Parallelen, lassen sich diese auch in der Zeit nach dem Kollaps Jugoslawiens 1989 und der Sowjetunion 1991 feststellen. In beiden Territorien können jeweils vier gewaltsame Konflikte benannt werden, welche
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bis heute großen Einfluss auf die Region hatten und haben. Für den Südkaukasus sind dies der um Nagorno Karabach 1 zwischen Aserbaidschan und Armenien, die Konflikte um Georgiens autonome Provinzen Süd-Ossetien und Abchasien sowie die Kriege in Tschetschenien. Im Unterschied zum westlichen Balkan sind an diesen Auseinandersetzungen verschiedene Akteure beteiligt. In den Konflikten Post-Jugoslawiens kann hingegen ein zentraler Akteur benannt werden, der in allen Fällen beteiligt war. Sich selbst als Nachlassverwalter Jugoslawiens betrachtend, versuchten die Serben, die Unabhängigkeitsbestrebungen von Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina sowie dem Kosovo gewaltsam zu unterdrücken, was jeweils zu Unabhängigkeitskriegen führte (vgl. ebd.: 2).
1.2 Fragestellung und Gang der Untersuchung
Nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo von Serbien und der Anerkennung des Staates durch einen großen Teil der internationalen Gemeinschaft, wird dieses Recht auch für die Region Berg-Karabach diskutiert und gefordert (vgl. Manutscharjan 2009a; vgl. Manutscharjan 2009b; vgl. Krüger 2009). Daraus ergibt sich die dieser Arbeit zugrunde liegende Frage, ob die Konflikte um den Kosovo und Berg-Karabach Gemeinsamkeiten aufweisen, welche die Forderung nach Unabhängigkeit Berg-Karabachs mit dem Verweis auf den Kosovo rechtfertigen. Die Arbeit ist als vergleichende Konfliktanalyse mit Fokus auf die Konfliktursachen angelegt und gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Abschnitt. Im theoretischen Teil wird der Untersuchungsgegenstand zunächst in einen wissenschaftlichen Kontext eingeordnet und das Analyseraster vorgestellt. Anhand dessen erfolgt im Anschluss der empirische Vergleich der zwei Fallbeispiele. Die Erkenntnisse werden im letzten Kapitel zusammengefasst und führen zu einer abschließenden Bewertung und Beantwortung der Forschungsfrage.
Die zwei ausgewählten Fallbeispiele zeichnen sich durch eine sehr hohe Komplexität aus. Allein die Diskussionen der beiden Regionen unter den Aspekten des Selbstbestimmungsrechts der Völker, des Sezessionsrechts und dem Prinzip der territorialen Integrität eines Staates sind Gegenstand jahrelanger und umfassender Forschung. Diese Arbeit stellt aufgrund der Rahmenbedingungen nicht den Anspruch, alle zu berücksichtigenden Aspekte, bedeutende Fakten und relevante Faktoren vollständig und erschöpfend zu behandeln. Die Auswahl des theoretischen Zugangs sowie die Gegenüberstel-
1 DieBegriffe Nagorno-Karabach und Berg-Karabach werden simultan verwendet.
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lung empirischer Fakten sind lediglich exemplarisch und stellen nicht mehr als eine Möglichkeit von vielen dar. In diesem Sinne soll die vorliegende Analyse Ideengeber und Anstoß für weitere systematische Vergleiche dieser beiden Konflikte sein, zumal, nach bisheriger Recherche des Autors, eine vergleichende Konfliktanalyse dieser beiden Fälle nicht existiert.
1.3 Literatur
Zu beiden Fällen besteht eine unüberschaubare Anzahl an Literatur. Insbesondere nach Gewaltausbrüchen in beiden Regionen schnellte die Literaturproduktion in die Höhe. Aus diesem Grund werden an dieser Stelle nur die für diese Arbeit wichtigsten Werke genannt. Die entsprechenden Kapitel in der hier genannten Literatur sowie die Quellen-und Literaturverzeichnisse bieten darüber hinaus zusätzliche und umfangreiche Recherchemöglichkeiten.
Neben dem Grundlagenwerk von Noel Malcom (1998), welches sehr weit in die Geschichte zurückreicht, eignet sich der Wegweiser zur Geschichte Kosovo (Chiara 2006) sehr gut um einen ersten Überblick zum Kosovo zu bekommen. Der Sammelband von Reuter/ Clewing (2000) zum Kosovo Konflikt bietet detaillierte Analysen desselben. Neben der Konfliktgeschichte an sich, werden u.a. die Bedeutung der Nachbarn und der Internationalen Gemeinschaft sowie kulturelle, völkerrechtliche und wirtschaftliche Aspekte näher untersucht. Last but not least, stützt sich diese Arbeit auf die Habilitationsschrift von Rafael Biermann (2006). Sie thematisiert den Kosovo Konflikt im Spiegel der internationalen Krisenprävention und analysiert dabei die Entstehung und den Verlauf sowie die Beilegung und die Folgen des Konflikts.
Einen überblicksartigen Einstieg in Geschichte, Kultur, Politik und Struktur der Kaukasusregion bieten der Wegweiser zur Geschichte Kaukasus (Chiari 2008), de Waals (2010) The Caucasus sowie Der Kaukasus ( von Gumppenberg/ Steinbach 2010). Christoph Zürchers (2009) The Post-Soviet Wars konzentriert sich auf Konflikte der Region und stellt detaillierte Informationen u.a. auch zu Berg-Karabach zur Verfügung. Neben Monografien, welche ausschließlich den Konflikt aus verschiedenen Sichtweisen analysieren, existieren eine Reihe von Sammelbänden zur Kaukasusregion, in denen Berg-Karabach eigene Beiträge gewidmet sind. Krügers (2009) juristische Analyse, Raus (2007) und Avsars (2006) geschichtliche Betrachtung sowie Dehdashtis (2000) Untersuchung zur Rolle der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Konflikt stehen exemplarisch für die Vielzahl der Monografien. Stellvertretend für die Sammelbände sei Reiters (2009) Der Krieg um Berg-Karabach genannt.
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Eine vergleichende regionale Analyse der Konflikte im Kaukasus und dem ehemaligen Jugoslawien bietet Jan Köhlers und Christoph Zürchers (2003) Potentials of disorder.
2. Konfliktursachen im Vergleich
2.1 Theoretische Ansätze der Konfliktanalyse
Die Analyse kann anhand verschiedener Kriterien erfolgen. Konfliktgegenstände, Konfliktparteien, Instrumente des Konfliktaustrags, Konflikttypen, Konfliktursachen und Konfliktfolgen sind Beispiele für verschieden Analyseansätze (Biermann 2010). Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Analyse der Konfliktursachen. Diese scheinen aus Sicht des Autors am besten geeignet, um im Rahmen einer Hausarbeit, einen ersten systematischen Vergleich der beiden Konflikte durchzuführen. Doch zunächst eine allgemeine Einordnung. Referenzdokument dafür ist das Konfliktbarometer des Heidelberger Instituts für Konfliktforschung (2010). 2 Dieses (ebd.: 11) wie auch weitere Analysen (Eder 2008: 165; Breitwieser 2006) definieren in beiden Fällen Sezession als Konfliktgegenstand. Daraus folgt, dass es sich um innerstaatliche Konflikte auf den Territorien Aserbaidschans und Serbiens handelt. Des Weiteren wird die Intensität beider Konflikte mit der Stufe 3 beurteilt, was laut Konfliktbarometer „[…] a tense situation in which at least one of the parties uses violent force in sporadic incidents.” (Heidelberger Institute for International Conflict Research 2010: 84) bedeutet.
Die Analyse der Konfliktursachen erfolgt anhand der von Michael E. Brown (2001: 5-13) 3 vorgeschlagenen Systematik. Brown kritisiert, dass viele Konfliktforscher die Ursachen häufig auf die heterogene ethnische Zusammensetzung und alte gewachsene Feindschaften zwischen den Ethnien reduzieren. Im Analyseraster Brown`s werden grundlegende Ursachen, denen sich diese Arbeit widmet, und beschleunigende Faktoren, die nicht betrachtet werden, für innerstaatliche Konflikte unterschieden (vgl. Tab. 1, S. 5).
Tab. 1 Underlying Causes of International Conflict
2 Dies ist eine Datenbank von vielen. Weitere sind: Correlates of War, Data on Armed Conflict, Uppsala Conflict Data Programm und die deutsche Datenbank des Arbeitskreises Konfliktforschung.
3 Die einzelnen Faktoren können an dieser Stelle nur skizziert werden. In den Fußnoten von Browns Text wird auf weiterführende Literatur zu jedem Faktor verwiesen.
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Strukturelle Faktoren
Schwache Staaten kennzeichnet im Wesentlichen, dass sie ihr Gewaltmonopol über ihr Territorium nicht ausüben können. Dies kann verschiedene Auswirkungen haben, welche dann zu Gewalt führen. Beispielsweise können ethnische Gruppen, die lange durch die politische Zentralmacht niedergehalten wurden, fordern, politisch stärker beteiligt zu werden oder/und ihr Recht auf Selbstbestimmung zu verwirklichen. Bei der oder den bis dahin bevorzugten Bevölkerungsgruppe(n) erzeugen diese Forderungen wiederum Ängste, die eigene Macht zu verlieren. Diese gegensätzlichen Interessen sowie der Mangel an Mechanismen und Instrumenten für eine gewaltfreie Konfliktaustragung führen häufig zum Ausbruch von Gewalt. Andere Entwicklungen aufgrund des fehlenden Gewaltmonopols sind der steigende Einfluss der Organisierten Kriminalität sowie mangelnde Grenzkontrollen. Dies erleichtert den Schmuggel von Menschen, Drogen und Waffen sowie das Einsickern paramilitärischer Kräfte, was zu einer weiteren Destabilisierung des Landes führen kann. Diese Entwicklungen sind teilweise für eine steigende Unsicherheit im Land verantwortlich. In Ermangelung staatlicher Sicherheitsgewährleistung beginnen die Bürger für ihre eigene Sicherheit zu sorgen. Problematisch daran ist, dass wann immer eine Bevölkerungsgruppe beginnt sich für die eigene Verteidigung vorzubereiten und zu rüsten, eine andere sich dadurch bedroht fühlt. Hier liegt das klassische internationale Sicherheitsdilemma auf innerstaatlicher Ebene bzw. zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen vor. Ein weiterer struktureller Faktor ist die ethnische Geografie eines Landes. Mit dem Verweis auf Somalia, welches das ethnisch homogenste Land in Subsahara Afrika ist, gilt festzustellen, dass ethnische Homogenität kein Stabilitätsfaktor per se darstellt. Staaten, in denen die Ethnien sehr vermischt miteinander leben, haben seltener das Problem von Sezessionsbestrebungen als die Staaten, in denen ethnische Gruppen innerhalb relativ geschlossener Gebiete und regionaler Grenzen verteilt sind (vgl. ebd.: 5-8). Politische Faktoren
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Arbeit zitieren:
B.A. Marco Kienlein, 2011, Die Konflikte um Berg-Karabach und das Kosovo, München, GRIN Verlag GmbH
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