Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis 3
Abbildungsverzeichnis 3
Abkürzungsverzeichnis 5
Textteil 6
1. Einleitung und Fragestellungen 6
2. Vom streng mathematischen Beweis zum Beweis im Unterricht der Sekundarstufe 1 8 2.1 Definition des streng mathematischen Beweises 8 2.2 Die Eignung des streng mathematischen Beweises zum unterrichtlichen Einsatz 10 2.3 Definition des schulischen Beweises 12 2.4 Aufgaben des Beweisens im Unterricht 12 2.5 Funktionen des Beweisens im Unterricht 13 2.6 Kompetenzen und Rahmenlehrplan 14 2.7 Reduktion der fachlichen Strenge durch „lokales Ordnen“ 15 2.8 Einsatz des Schulbuches im beweisenden Mathematikunterricht 16
3. Satzgruppe des Pythagoras 18 3.1 Der Satz des Pythagoras 19 3.2 Der Kathetensatz 21 3.3 Der Höhensatz 21
4. Kriterien zur Beweisanalyse 22 4.1 Niveaustufen eines Beweises 22 4.2 Funktionen 24 4.3 Ausführlichkeit eines Beweises 24 4.4 Beweis- und Aufgabentypen bei der Satzgruppe des Pythagoras 24 4.5 Beweiskontexte 27 4.6 Beweismethoden 28 4.7 Zusammenfassung: Kriterien zur Beweisanalyse 28
1
5. Vorstellung und Analyse ausgewählter Beweise zum Thema der
Satzgruppe des Pythagoras aus drei gymnasialen Lehrbüchern 29
5.1 Vorstellung der Lehrbücher und betroffenen Kapitel 29
5.1.1 Elemente der Mathematik 9 30
5.1.2 Lambacher-Schweizer 9 31
5.1.3 Mathematik Plus 9 32
5.2 Vorstellung von ausgewählten Aufgaben und Beweisen 34
5.2.1 Elemente der Mathematik 9 34
5.2.1.1 BEP 34
5.2.1.2 BEK 35
5.2.1.3 BEH 37
5.2.2 Lambacher-Schweizer 9 38
5.2.2.1 BLP 38
5.2.2.2 BLK 38
5.2.2.3 BLH 38
5.2.3 Mathematik Plus 9 39
5.2.3.1 BMP 39
5.2.3.2 BMK 39
5.2.3.3 BMH 39
5.3 Analyse der ausgewählten Beweise hinsichtlich ausgewählter Kriterien 41
5.4 Zwischenfazit 51
5.5 Kurzanalyse der Beweise aus dem Anhang 52
6. Ergebnisse und Diskussion 56
7. Zusammenfassung und Ausblick 66
Anhang 67
Literaturverzeichnis 83
2
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 Analyse des Beweises vom Satz des Pythagoras Seite 42
(Elemente)
Tabelle 2 Analyse des Beweises vom Kathetensatz Seite 43
(Elemente)
Tabelle 3 Analyse des Beweises vom Höhensatz Seite 44
(Elemente)
Tabelle 4 Analyse des Beweises vom Satz des Pythagoras Seite 45
(Lambacher-Schweizer)
Tabelle 5 Analyse des Beweises vom Kathetensatz Seite 46
(Lambacher-Schweizer)
Tabelle 6 Analyse des Beweises vom Höhensatz Seite 47
(Lambacher-Schweizer)
Tabelle 7 Analyse des Beweises vom Satz des Pythagoras Seite 48
(Plus)
Tabelle 8 Analyse des Beweises vom Kathetensatz (Plus) Seite 49
Tabelle 9 Analyse des Beweises vom Höhensatz (Plus) Seite 50
Tabelle 10 Kurzanalyse der Beweise aus dem Anhang Seite 53
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Rechtwinkliges Dreieck mit Bezeichnungen Seite 19
Abbildung 2 1 Beweisfigur 1 zum Satz des Pythagoras Seite 20
Abbildung 2 2 Beweisfigur 2 zum Satz des Pythagoras Seite 20
Abbildung 3 Beweisfigur zum Satz des Pythagoras (Elemente) Seite 35
Abbildung 4 Beweisfigur zum Kathetensatz (Elemente) Seite 35
Abbildung 5 Beweisfigur zum Höhensatz (Elemente) Seite 37
Abbildung 6 Beweisfigur zum Satz des Pythagoras (Lambacher) Seite 38
Abbildung 7 Beweisfigur zum Kathetensatz (Lambacher) Seite 38
Abbildung 8 Beweisfigur zum Höhensatz (Lambacher) Seite 38
Abbildung 9 Beweisfigur zum Satz des Pythagoras (Plus) Seite 39
Abbildung 10 Beweisfigur zum Kathetensatz (Plus) Seite 39
Abbildung 11 Beweisfigur zum Höhensatz (Plus) Seite 40
Abbildung 12 Beweisfigur zu A1 1 Seite 67
Abbildung 13 Beweisfigur zu A1 2 Seite 68
3
Abbildung 14 Beweisfigur zu A1.3 Seite 68 Abbildung 15 Beweisfigur zu A1.4 Seite 68 Abbildung 16 Beweisfigur zu A1.5 Seite 69 Abbildung 17 Beweisfigur zu A1.6 (1) Seite 70 Abbildung 18 Beweisfigur zu A1.6 (2) Seite 70 Abbildung 19 Beweisfigur zu A1.7 Seite 70 Abbildung 20 Beweisfigur zu A1.8 Seite 71 Abbildung 21 Beweisfigur zu A1.9 Seite 71 Abbildung 22 Beweisfigur zu A1.10 Seite 72 Abbildung 23 Beweisfigur zu A1.11 Seite 72 Abbildung 24 Beweisfigur zu A1.12 Seite 73 Abbildung 25 Beweisfigur zu A1.13 Seite 73 Abbildung 26 Beweisfigur zu A1.14 Seite 73 Abbildung 27 Beweisfigur zu A1.15 Seite 74 Abbildung 28 Beweisfigur zu A1.16 Seite 74 Abbildung 29 Beweisfigur zu A1.17 (1) Seite 75 Abbildung 30 Beweisfigur zu A1.17 (2) Seite 75 Abbildung 31 Beweisfigur zu A1.18 Seite 75 Abbildung 32 Beweisfigur zu A1.20 Seite 77 Abbildung 33 Beweisfigur zu A1.21 Seite 78 Abbildung 34 Beweisfigur zu A1.22 Seite 79 Abbildung 35 Beweisfigur zu A1.23 Seite 79 Abbildung 36 Beweisfigur zu A1.24 Seite 80 Abbildung 37 Beweisfigur zu A1.25 Seite 80
4
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ebd. ebenda etc. et cetera f. folgend ff. fortfolgend folg. folgende Hrsg. Herausgeber hrsg. herausgegeben i. d. R. in der Regel K Kompetenz lt. laut m. E. meines Erachtens NCTM National Council of Teachers of Mathematics o. g. oben genannt S. Seite sog. so genannt u. a. unter anderem usw. und so weiter vgl. vergleiche v. u. Z. vor unserer Zeit z. T. zum Teil z. B. zum Beispiel
Die Wörter müssen je nach Satz in Numerus und Casus angepasst werden.
5
1. Einleitung und Fragestellungen
Dem Beweisen kommt in der Mathematik bei der Begründung, Entwicklung und Systematisierung von Wissen eine zentrale Bedeutung zu. Erinnere ich mich jedoch an meine eigene Schulzeit, weiß ich, dass dieses Thema von vielen Lehrerinnen und Lehrern stiefmütterlich behandelt wurde. Mein eigener Mathematikunterricht bestand in der Sekundarstufe 1 gar nicht und in der gymnasialen Oberstufe nur zu einem geringen Anteil aus Beweisen. Als Student der Mathematik weiß ich aber, dass diese eine beweisende Wissenschaft ist. Betreibt man Mathematik auf akademischer Ebene, beantwortet man nicht selten die Frage nach dem Warum. Das Suchen und Finden von Beweisen mathematischer Behauptungen sind neben den zahlreichen Anwendungen der Mathematik die eigentliche Kunst des Mathematikers. Doch warum wird dem Beweisen in der Schule so wenig Bedeutung beigemessen? Reiss (2002, S. 2) argumentiert, dass insbesondere in den 70er und 80er Jahren eine Überbetonung formaler Aspekte häufig mit einem zu bedauernden Verlust an inhaltlicher Bedeutung interpretiert wurde. Beispielsweise findet man in der Rahmenkonzeption des National Council of Teachers of Mathematics (NCTM) 1 von 1989 das Thema „Beweisen und Begründen“ kaum wieder. Erst in den 90er Jahren gab es eine Gegenbewegung. Danach sollte jedoch der mathematische Formalismus in einem flexiblen Rahmen und vordergründig das rationale Argumentieren behandelt werden. Heute hat das NCTM „Beweisen und Begründen“ fest in seine Rahmenrichtlinien etabliert. Auch in den deutschen Lehrplänen und Bildungs-standards finden sich diese wichtigen Kompetenzen wieder. In den meisten Lehrplänen wird das Beweisen in der Sekundarstufe 1 thematisiert. Diese Thematisierung findet schwerpunktmäßig bei der Behandlung der Geometrie statt. Beweisen wird zwar bspw. im Berliner Rahmenlehrplan (vgl. Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe 1, Berlin, Mathematik, 2006) in seiner aktuellen Fassung nicht als prozessbezogene mathematische Kompetenz formuliert, wohl aber das sog. „Argumentieren“. Das Argumentieren ist, wenn man so will, als eine Vorform oder im schulischen Kontext als ein Überbegriff des mathematischen Beweises verstehbar. Bei der Formulierung der einzelnen Standards und Feinkompetenzen taucht aber sehr oft und vor allem im geometrischen Bereich das Wort „Beweisen“ auf. Die aktuellen Bildungsstandards für das Fach Mathematik, die 2003 von der Kultusministerkonferenz herausgegeben wurden, beinhalten den Beweiskontext ebenfalls.
1 US-amerikanischer Fachverband für Mathematikdidaktik mit internationaler Tragweite.
6
Hier werden u.a. die Kompetenzen „Mathematisch argumentieren“ (K1), „mit symbolischen, formalen und technischen Elementen der Mathematik umgehen“ (K5) und „Kommunizieren“ (K6) genannt (vgl. Bildungsstandards Mathematik 2004, S. 8ff.). Jedoch unterliegen mathematische Beweise einem strengen und axiomatischvollständigen Formalismus. Wie ist den strengen mathematischen Beweisen im Unterricht zu begegnen und welche spezifischen Aufgaben sind ihnen zugeschrieben? Dazu soll in dieser Arbeit auf erster Ebene eine theoretische Einführung in das Thema erfolgen.
Aus der eigenen Unterrichtspraxis lässt sich berichten, dass das Schulbuch als eines der wichtigsten unterstützenden Hilfsmittel für Lehrkräfte im Mathematikunterricht zu sehen ist. Schulbücher spielen meistens eine zentrale Rolle im Mathematikunterricht. Sie unterstützen Lehrkräfte bei der Unterrichtsvorbereitung und bieten viele didaktische Anregungen und Aufgaben. Auf einer zweiten Ebene widmet sich diese Arbeit der Frage, wie gymnasiale Schulbücher der Sekundarstufe 1 mit dem Thema „Beweisen“ umgehen. Im Detail sollen die folgenden Fragen beantwortet werden: Verwenden Schulbücher eine äußerlich exakte und wissenschaftsorientierte, axiomatische Darstellung oder werden weniger strenge mathematische Beweise verwendet? Wie ausführlich sind die dargestellten Beweise? Sind sie alltagsbezogen und somit anschaulich oder nicht? Wie lassen sich die dargestellten Beweise klassifizieren? Kommen verschiedene Niveaustufen zum Einsatz? Gibt es Unterstützung bspw. durch Abbildungen oder Handlungsanweisungen? Zur Beantwortung dieser Fragen soll auf zweiter Ebene die Analyse dreier gymnasialer Lehrwerke der Jahrgangsstufe 9 für Berlin in ihren neuesten Auflagen und den ausgewählten Beweisen (oder Beweisen in Aufgabenform) daraus erfolgen: T Elemente der Mathematik 9 (hrsg. 2008); T Mathematik plus für Gymnasien Klasse 9 (hrsg. 2007); T Lambacher-Schweizer Mathematik für Gymnasien 9 (hrsg. 2008). Es werden nicht jeweils die kompletten Bücher untersucht. Dabei wird sich auf ein klassisches Kapitel des Geometrieunterrichts beschränkt: auf die Satzgruppe des Pythagoras 2 . Bestandteil der Untersuchung sind Beweise und Aufgaben, die im Kontext des Herleitens, Beweisens, Argumentierens oder Begründens stehen. Um die Erwartungen der Autoren/-innen bei Aufgaben einschätzen zu können, werden
2 Zur Satzgruppe des Pythagoras gehören neben dem Satz des Pythagoras der Höhensatz und der
Kathetensatz. Die Sätze werden in Kapitel 3 erläutert.
7
die Lösungen zu Grunde gelegt, die aus den entsprechenden Lösungsbänden entnommen werden. Es ist indes schwierig, Beweise objektiv zu beurteilen. In einem zum Theorieteil (erste Ebene) gehörenden Kapitel werden Kriterien erarbeitet, die zur Analyse der Beweise und Aufgaben in den Büchern dienen sollen. Für das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nicht nützlich, auf alle didaktischen Fragen des Beweisens einzugehen. Außer Acht gelassen wird wie man Schülerinnen und Schüler zum Beweisen anleitet und motiviert, welche Phasen beim Beweisprozess durchlaufen werden, wie man ein Beweisbedürfnis weckt und wie man methodisch-didaktisch beim Beweisen im Unterricht vorzugehen hat (hier mit Ausnahmen). Im Anschluss an die Analyse werden sich daraus ergebende Fragen formuliert und abschließend diskutiert. Dabei sollen nicht nur die ausgewählten Beweise diskutiert werden. Es ist auch interessant wie in der Breite weiter vorgegangen wird. Werden weitere als die analysierten Kompetenzen geschult und andere Beweisstrategien vermittelt? Dazu sind alle Beweise und Aufgaben, die sich auf das Argumentieren beziehen, im Anhang dieser Arbeit dargestellt. So kann darauf später Bezug genommen werden.
2. Vom streng mathematischen Beweis zum Beweis im Unterricht der
Sekundarstufe 1
Die moderne Wissenschaft Mathematik erfordert ein erhebliches Niveau an Strenge und fachlicher Genauigkeit. Doch wie soll man diese Strenge und Genauigkeit in den Schulunterricht übertragen? Im Schulunterricht der Sekundarstufe 1 ist zu keinem Zeitpunkt eine beweistheoretisch-axiomatische Vollständigkeit gegeben (vgl. Wittmann und Müller 2001). Schüler/-innen können daher keine beweistheoretischaxiomatisch vollständigen Begründungen abgeben, weil die dazu notwendige Strenge im Schulunterricht nicht vorliegt. Dies macht es erforderlich, im Schulunterricht je nach Schulform eher eine gehobene Form der rationalen Begründung zu vermitteln und den streng mathematischen Beweis zugunsten des Verständnisses im Hintergrund zu belassen (vgl. Hanna 1997). Die nun folgenden Kapitel vermitteln zur Anwendbarkeit mathematisch strenger Beweise im Unterricht einige theoretische Grundlagen.
2.1 Definition des streng mathematischen Beweises
Die Mathematik gehört zu den beweisenden Wissenschaften. Ein mathematischer Beweis unterscheidet sich aber deutlich von z.B. dem juristischen Beweis oder dem naturwissenschaftlichen Modell. In einem juristischen Zusammenhang beruhen
8
Beweise bspw. darauf, Tatsachen anzuführen, die nicht im Widerspruch zu einer vorgebrachten Behauptung stehen, sondern mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit oder gar Notwendigkeit mit dieser Behauptung verknüpft sind. Auch die Naturwissenschaften trachten danach, ihre Vermutungen zu beweisen. Diese Beweise können aber nur durch eine endliche Zahl von Experimenten gefunden aber auch widerlegt werden und sind letztendlich nur Empirie. Dagegen gilt ein mathematischer Beweis und das für immer je nach axiomatischer Grundlage. Das Beweisen gilt als das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Mathematik von den empirischen Wissenschaften. Streng mathematisch versteht man „unter einem Beweis eines mathematischen Satzes S dessen logische Reduktion auf andere mathematische Sätze S 1 ,...,S n oder Axiome. Ist S mit Hilfe von S 1 ,...,S n bewiesen, so folgt die Gültigkeit des Satzes S aus der Gültigkeit der Sätze S 1 ,..,S n “ (Holland 1996, S. 33, leicht verändert). Ein Axiom ist dabei ein einleuchtender Grundsatz, aus dem die Sätze bewiesen werden. Axiome sind nicht zu beweisen. Die axiomatische Methode verwandte Euklid vor 2000 Jahren zum ersten Mal in der Geschichte der Mathematik - genauer der Geometrie - und legte in seinen „Elementen“ 3 ein axiomatisches Fundament, das zum Vorbild für viele andere Wissenschaften, insbesondere auch für die anderen Teilgebiete der Mathematik wurde. Ohne Frage würde Euklids Axiomensystem den Ansprüchen der heutigen Mathematik nicht mehr genügen, doch machte er den ersten bedeutenden Versuch der Axiomatisierung. Die Entwicklung der mathematischen Korrektheit und Strenge ist als ein historischer Prozess zu betrachten. Die Mathematik ist kein fertiger Formalismus, sondern die Gedankenarbeit von Menschen über Jahrtausende. So wurde das euklidische Axiomensystem erst im Jahre 1899 teilweise ersetzt und erweitert. In diesem Jahr veröffentliche David Hilbert sein Werk „Grundlagen der Geometrie“ und legte damit ein Axiomensystem vor, das noch heute gültig ist (vgl. Metzsch 2004). Dieses prominente Beispiel macht deutlich, dass Formalismen und damit auch Beweise, die vor hunderten von Jahren den Ansprüchen der damaligen Mathematik genügten, den heutigen Ansprüchen längst nicht mehr genügen würden. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass historische Beweisideen, die durchaus in Schulbüchern auftauchen, nur mit der heutigen mathematischen Strenge und axiomatischen Grundlage auch als Beweise gelten.
3 Die „Elemente“ des Euklid waren eine mathematische Abhandlung des griechischen Mathematikers
Euklid (ca. 360 bis 280 v.u.Z.), in der er die Arithmetik und Geometrie seiner Zeit zusammenfasste.
9
2.2 Die Eignung streng mathematischer Beweise zum unterrichtlichen Einsatz Entscheidende Merkmale mathematisch korrekter Beweise sind eine argumentative Strenge, die axiomatische Vorgehensweise, deduktive Folgerungen und die notwendige Gewissheit eines Schlusses. Dies im Unterricht zu vermitteln, ist ohne Frage ein wichtiges Lehrziel und curricular z. T. erwünscht (vgl. 2.6). Doch wie sinnvoll ist diese lückenlose Genauigkeit im unterrichtlichen Kontext? Das Ergebnis des vorhergehenden Kapitels ist, dass mathematische Beweise die deduktive Herleitung von Sätzen aus Axiomen sind. Diese Auffassung des mathematischen Beweises wurde mathematikdidaktisch kontrovers diskutiert und legt nahe, dass Beweise lediglich eine verifikative, also eine wahrheitsschaffende, Funktion haben würden. Für den Beweis auf akademischer Ebene ist dies sicherlich zutreffend. Beweise dienen hier in erster Linie dazu, zu verstehen, warum die betreffende Behauptung gilt. Doch im schulischen Kontext kommen dem Beweisen weitaus mehr Funktionen zu. Der Beweis dient hier nicht nur zur Findung und Begründung wahrer Aussagen. Nach Knipping (2004, S. 22) kommt insbesondere für den Mathematikunterricht eine wissensentwickelnde Dimension des Beweisens hinzu. Dabei sind vordergründig die Generierung mathematischer Be- griffe und die Herstellung inhaltlicher und theoretischer Zusammenhänge von Bedeutung (vgl. ebd.). Ferner ist nach Holland (1996, S. 33) die Beweisfindung selbst eine wichtige Aufgabe des Beweisens in der Schule, da hier heuristische Problemlösestrategien zur Anwendung kommen. Das Lernen heuristischer Strategien und die Wissensentwicklung sind für den akademischen Beweis kaum, für den schulischen Beweis dafür um so mehr von Belang. Der Beweis als Prozess ist demnach mathematikdidaktisch bedeutsamer als der Beweis als Resultat. Während der Mathematiker ein axiomatisch-deduktives 4 Vorgehen beim Beweisen verwendet, können im Schulunterricht Beweise auf strenger axiomatischer Grundlage nicht geführt werden. Zum einen wird dies durch den „Mammutcharakter“ des Axiomensystems und zu lange Beweiswege bis zu einigermaßen interessanten Aussagen erschwert (vgl. Becker 1980, S. 102). Zum anderen liegt das daran, dass im Schulunterricht zu keinem Zeitpunkt ein strenger und axiomatischer Aufbau der Mathematik vorliegt. Ein solcher Aufbau der Mathematik ist aus didaktischer Sicht im Unterricht nicht sinnvoll, da entwicklungspsychologisch der Lernprozess des einzelnen Schülers im Vordergrund steht. Jahnke (1978, S. 212) schreibt, man könne
4 Axiomatisch-deduktive Theorien sind gekennzeichnet durch eine Menge an Sätzen, die sich aus
einem Grundfundament (den Axiomen) durch logisches Schließen (Deduktion) gewinnen lassen.
10
sich nicht auf den Standpunkt eines abgeschlossenen Prozesses stellen, da sich das Wissen beim Schüler stets entwickeln muss. Beweisen kann damit unter dem Gesichtspunkt des dynamischen Wissens verstanden werden (vgl. ebd.). Das macht das Beweisen mit all seinen Vorformen, die im nächsten Kapitel besprochen werden, zu einer Tätigkeit, die stets im Schulunterricht erfolgen kann. Schulische Beweise sind in den Unterrichtskontext eingebettete Begründungen. Damit sind sie genau wie akademische Beweise intersubjektiv (von mehreren Fachleuten) akzeptiert (vgl. Knipping 2004, S. 29). Auf schulischer Ebene sind diese Fachleute Schüler/-innen und Lehrkräfte, auf akademischer Ebene sind es Mathematiker. Dies lässt vermuten, dass das Beweisen auch einem sozialen Aspekt unterliegt. Um dies deutlicher zu machen: während eine Gruppe von Schülern/-innen einen Beweis als gut und schlüssig zu bezeichnen vermag, muss dies nicht bedeuten, dass eine Gruppe Mathematiker das ebenso sieht. Ob ein Beweis akzeptierbar ist oder nicht, ist demnach von den sozialen Rahmenbedingungen abhängig. Der Beweis im Klassenzimmer muss ein anderer sein, als der Beweis im Hörsaal einer Universität. Und selbst Mathematiker unter sich tun sich mit dem einen oder anderen Beweis schwer. So gibt es bspw. auf dieser Welt nur eine Handvoll Mathematiker, die Andrew Wiles’ Beweis von Fermats letztem Satz 5 überhaupt versteht. Das kann von der Spezialisierung des Mathematikers abhängen. Bei den hochkomplexen abstrakten Theorien der höheren Mathematik ist um der begrifflichen Klarheit und Übersicht willen ein entsprechender Grad von formaler Darstellung unerlässlich (vgl. Wittmann und Müller 2001). Nach Becker (1980) ist es dieser nur bedingt Wert, im Unterricht vermittelt zu werden. Die Bandbreite mathematischer Formulierungen reicht von Formen umgangssprachlicher Begründungen bis hin zur Verwendung einer eigens entwickelten Kunst- und Symbolsprache. Die Verwendung mathematischer Symbolsprache innerhalb einer formal-strengen Sprache würde für die Lernenden ein großes kognitives Problem darstellen (vgl. Kuntze 2002). Freudenthal führte daraufhin den Begriff des „Formalisierens“ 6 (vgl. Becker, 1980, S. 97) ein. Dem „Formalisieren“ sei dabei gegenüber der mathematischen Korrektheit der Sprache und Lückenlosigkeit der
5 Fermats letzter Satz ist eine Behauptung des französischen Mathematikers Pierre de Fermat aus
n n n mit a,b,c≠0 und n>2 keine ganzzahdem 17. Jahrhundert, die besagt, dass die Gleichung a +b =c
ligen Lösungen besitzt. Der vollständige Beweis wurde erst 1994 vom Briten Andrew Wiles vorgelegt
(vgl. Singh 2000).
6 Als Formalisieren im Unterricht bezeichnet Freudenthal das „mathematische Ordnen der Sprache“
(vgl. Becker 1980, S. 97).
11
Argumentationen stets Vorzug zu gewähren. Freudenthal sieht darin den Vorteil, dass „das Formalisieren auch lokal geübt werden kann und sich wegen der Beschränktheit der mathematisch-sprachlichen Mittel dabei doch global auswirken kann“ (Becker 1980, S. 97). Die Komplexität der Sprache und der formalen Darstellung von Gedankengängen im Unterricht unterscheidet sich also von jenen der Wissenschaft Mathematik. Sie muss nicht axiomatischer Grundlage sein. Zusammenfassend müssen die Kriterien eines strengen Beweises (vgl. Anfang Kapitel 2) nunmehr für den Schulunterricht abgeschwächt und zugunsten einer umfassenderen und weniger strengen Argumentation in den Hintergrund gerückt werden. Die Lernenden sollen nicht nur das Beweisen lernen, sondern vielmehr im Unterricht eingebettete Zusammenhänge erschließen, verstehen und für sie neue Begriffe lernen. Schupp brachte das mit folgendem Zitat auf den Punkt: „Die statische Auffassung von beweisen können als exakte mathematische Beweise führen können ist aufzugeben zugunsten einer umfassenderen und dynamischeren Sicht zur Sicherung und Widerlegung von Behauptungen...“ (Schupp 1974, S. 40).
2.3 Definition des schulischen Beweises
Freudenthal schrieb einmal: „Beweisen beginnt in der Schule schon lange, bevor diese Tätigkeit einen Namen hat.“ (Freudenthal 1978, S. 1-10). Dieses Zitat macht es deutlich und die Überlegungen des vorhergehenden Kapitels machen es notwendig, eine alternative Definition des mathematischen Beweises für den Schulunterricht zu formulieren. In dieser Arbeit wird für den Beweis im Geometrieunterricht der Sekundarstufe 1 folgende Definition zu Grunde gelegt: „Als Beweis im Geometrieunterricht der Sekundarstufe 1 sollte bezeichnet werden […] jede Form einer auf gedanklichen Überlegungen beruhenden Begründung, […] unabhängig davon, ob sie vollständig oder lückenhaft ist, bzw. ob sie die Anschauung mitbenützt oder auf sie verzichtet. Eine nur globale Argumentation soll ebenso wie eine dezidierte formale Schlusskette den Begriff Beweis im Sinne eines primär schülerorientierten Geometrieunterrichts rechtfertigen.“ (vgl. Kratz 1983, S. 283 - 296).
2.4 Aufgaben des Beweisens im Unterricht
Im Folgenden soll zwischen Aufgaben und Funktionen des Beweisens unterschieden werden. Als Aufgaben sollen nunmehr übergeordnete, allgemeine Ziele des Beweisens verstanden werden. Funktionen hingegen sind auf die einzelne Unter-richtsstunde bezogene Feinlernziele des Beweisens (vgl. 2.5). Zu den wichtigsten
12
Aufgaben des Beweisens im Schulunterricht zählt man einerseits im Sinne des Beweises als Prozess die Wissensvermehrung und andererseits die Entwicklung von Schülervorstellungen über das Beweisen (vgl. Kadunz und Sträßer 2008). Bei der Wissensvermehrung sollen die Lernenden z. B. Beweismethoden und neue Begriffe kennen lernen, inhaltliche Zusammenhänge herstellen oder heuristische Strategien zum Problemlösen lernen und anwenden. Das ist zukunftsweisend, da sie diese Kompetenzen im späteren Unterricht auch noch benötigen werden. Die Schülervorstellungen von der Rolle des Beweises in der Mathematik sind aber genau so wichtig. Zur Begründung der Richtigkeit einer Behauptung sind Beweise unumgänglich. Weiterhin soll den Schülerinnen und Schülern klar werden, dass Beweise keine fertigen und unverrückbaren Produkte sind, sondern vielmehr ein in einem langen Prozess des Denkens, Sammelns, Ausprobierens und fortschreitenden Zusammensetzens von einzelnen Gesichtspunkten und Argumenten entstandenes Gedankengebäude sind, wie dies bereits am Beispiel von Fermats letztem Satz deutlich gemacht wurde (vgl. 2.2).
2.5 Funktionen des Beweisens im Unterricht
Neben den übergeordneten Aufgaben des Beweisens sind jetzt noch die Funktionen vorzustellen. Über die Aufgaben und Funktionen von Beweisen im Unterricht haben sich bereits ganze Generationen von Mathematikdidaktikern Gedanken gemacht (z.B. Bell 1976, de Villiers 1990, Hanna 1996 oder Jahnke 1978). Es soll hier nur das Modell von Hanna (vgl. Kadunz und Sträßer 2008, S. 73) vorgestellt werden. Sie
zählt zu den Funktionen F von Beweisen 7 : T Verifizieren (F1); T Erläutern (F2); T Systematisieren (F3); T Entdecken (F4); T Kommunizieren (F5); T Konstruieren von Algorithmen (F6); T Erläutern neuer Begriffe (F7); T Einbetten bekannten Wissens in neue Kontexte (F8). F1 gilt der Prüfung der Wahrheit einer Aussage durch Deduktion ausgehend von bekannten Sätzen. Durch die Vermittlung der Einsicht, warum eine Aussage wahr ist, ist F2 erfüllt. F3 dient der Einbettung einer Aussage in sein mathematisches Umfeld.
7 Die hier verwendeten Abkürzungen für die einzelnen Funktionen sind später von Bedeutung, wenn
es um die Beweisanalyse geht.
13
Die Entdeckung neuer Ergebnisse und Resultate bietet F4. Die fünfte Funktion (F5) dient der Vermittlung mathematischen Wissens durch Beweise. Die Lernenden sprechen entweder untereinander oder mit der Lehrkraft über den Beweis. Manche Beweise unterliegen gewissen Schemata. Diese zu vermitteln meint F6. Sollten in Beweisen neue mathematische Begriffe auftauchen oder für deren Verständnis notwendig sein, können diese erläutert werden (F7). Abschließend kann bekanntes mathematisches Wissen in einen neuen Kontext gestellt werden (F8).
2.6 Kompetenzen und Rahmenlehrplan
Der Berliner Rahmenlehrplan in seiner aktuellen Fassung fordert, dass „Argumentieren“ als prozessbezogene mathematische Kompetenz im
Mathematikunterricht der Sekundarstufe 1 vermittelt wird. Dabei wird unter „Argumentieren“ das Folgende verstanden: „Mathematisches Argumentieren umfasst das Erkunden von Situationen, das Aufstellen von Vermutungen und das schlüssige Begründen von vermuteten Zusammenhängen. In der Sekundarstufe I kommen beim Argumentieren unterschiedliche Grade der Strenge zum Tragen: vom intuitiven, anschaulichen Begründen bis zum mehrschrittigen Beweisen durch Zurückführen auf gesicherte Aussagen." (Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe 1, Berlin, Mathematik, 2006, S. 10). Diese Kompetenz zu vermitteln, wird also von der zuständigen Schulaufsicht gefordert. Dabei werden am Ende der Doppeljahrgangsstufe 9/10 die folgenden Standards erwartet: Die Schülerinnen und Schüler
− erkunden mathematische Situationen und stellen Vermutungen auf, − begründen die Plausibilität von Vermutungen oder widerlegen diese durch Angabe von Beispielen oder Gegenbeispielen,
− entwickeln schlüssige Argumentationen zur Begründung mathematischer Aussagen,
− hinterfragen Argumentationen und Begründungen kritisch, finden und korrigieren Fehler.
(Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe 1, Berlin, Mathematik, 2006, S. 20). Es werden u.a. im Sinne von Kratz’ Definition Beweise und Beweisstrategien erwartet, die auf verschiedenen Niveaustufen operationalisiert werden können. Das Anforderungsniveau kann bspw. durch den Umfang der zu verwendenden Fach- und Symbolsprache oder durch den Grad der Abstraktheit variiert werden, wie dies im Kapitel 2.3 bereits anklang. Dabei wird der Grad der Abstraktheit im Wesentlichen
14
durch die bei einem Beweis zur Begründung notwendigen Beweismittel bestimmt. Hier spielt also die Strenge der Axiomatisierung eine Rolle. Die Behandlung von Beweisen im Schulunterricht lässt sich unter den gegebenen Umständen kontrovers diskutieren. Sie wird einerseits von der Schulaufsicht und den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz gefordert und ist aufgrund der vielfältigen Funktionen auch wünschenswert. Sie wird andererseits durch die in 2.2 vorgestellte nur bedingte Eignung mathematisch strenger Beweise im Schulunterricht erschwert. Folglich muss ein Weg gefunden werden, die fachliche Strenge des Beweisens für den Mathematikunterricht zu reduzieren. Darauf geht das nächste Kapitel ein.
2.7 Reduktion der fachlichen Strenge durch „lokales Ordnen“ Auf der Hand liegende Möglichkeiten, die fachliche Strenge beim Beweisen zu reduzieren, sind u. a. das Verwenden von Umgangssprache, die Abschwächung des Beweisniveaus (vgl. 4.1), die Darstellung von Beweisschritten durch bildhafte Symbole wie Beweisbäume, die Übertragung von Allaussagen auf Spezialfälle und die Verwendung unbekannter und unbewiesener Voraussetzungen. Letzteres sieht Holland jedoch als bedenklich, das sei methodisch-didaktisch nicht förderlich (vgl. Holland 1996, S. 42). Doch wie ist der notwendigen Axiomatisierung im Unterricht zu begegnen?
Will man geometrische Aussagen als wahr erachten, ist es nach Holland (1996, S. 33) nur notwendig, dass der entsprechende Beweis einerseits korrekt, d.h. es ist auf Grund des Beweises nachvollziehbar, dass der zu beweisende Satz aus den benutzten Sätzen folgt, ist und andererseits die zum Beweis benutzten Sätze auch als wahre Aussagen gelten. Dies ist auch mit weniger Strenge und ggf. mit einer auf einzelne Sätze oder Axiome beschränkte Axiomatisierung erreichbar. Der „Mammutcharakter“ des hilbertschen Axiomensystems und zu lange Beweiswege bis zu einigermaßen interessanten Aussagen sind wesentliche Gründe für eine solche lokale Axiomatisierung. Innerhalb des Versuches, komplexere Sachverhalte in relativ eng umgrenzten und abgeschlossenen Teilbereichen (also lokal) zu behandeln, hat sich der nach Freudenthal benannte Terminus „lokales Ordnen“ etabliert. Die Idee des „lokalen Ordnens“ besteht darin, die Frage nach mathematischer Strenge in der Begründung lokal und innerhalb des unterrichtlichen Kontextes zu verstehen. Man beschränkt sich dabei auf einen inhaltlichen Teilbereich. Zum Beweis von Sätzen werden andere Sätze benutzt. Diese Tätigkeit der lokalen Axiomatisierung teilt das bestehende Satzsystem in zwei disjunkte Mengen ein: die Menge der Basissätze und
15
die Menge der Folgesätze. Mithilfe der Basissätze, das sind also Sätze, die die Schüler/-innen in der Regel kennen, als bewiesen anerkennen und als Voraussetzungen verwenden dürfen, werden die Folgesätze bewiesen. Diese Basissätze müssen dabei möglichst unabhängig sein. Beispiele hierfür sind eher rar. Um zwei zu nennen: die Winkelsätze von Griesel (1963) oder Winkel in Dreiecken von Walsch (1975) (vgl. Becker 1980, S. 102 f.). Mathematikdidaktisch versteht man noch heute das „lokale Ordnen“ als die Methode, um dem Beweisen im Mathematikunterricht zu begegnen. Auch im Kontext dieser Arbeit kann das „lokale Ordnen“ angewendet werden. Jeder Satz aus der Satzgruppe des Pythagoras ist aus jedem anderen herleitbar. Das schränkt die Menge der Basissätze ein und macht die Satzgruppe unter dem Kontext „Beweisen“ für den Unterricht praktikabel.
2.8 Einsatz des Schulbuches im beweisenden Mathematikunterricht Das Schulbuch fungiert im Mathematikunterricht eigentlich seit Beginn des allgemeinbildenden Schulwesens als ein wichtiges Hilfsmittel. Es unterstützt die Lehrkraft bei der Planung und Vorbereitung des Unterrichts. Es bietet Ideen und kann als Richtlinie für den Unterrichtsverlauf dienen. Außerdem dient es als Aufgabensammlung für den Unterricht und Hilfe für die Konzeption von Klassenarbeiten und Klausuren. Historische Studien belegen sogar, dass Schulbücher früher oft nur aus Aufgaben bestanden (vgl. Sträßer 2008, S. 1ff.). Bei der Durchsicht neuerer Bücher gewinnt man aber zunehmend den Eindruck, dass auf eine schülergerechte Darstellung der Inhalte mehr Wert gelegt wird. Man findet Lehrbuchtexte, die häufig so geschrieben sind, dass sie Lernende beim eigenständigen Arbeiten unterstützen und als Selbstlernmaterial dienen. Darüber hinaus kann es eine Visualisierungshilfe sein und dient den Schülerinnen und Schülern zu Hause als Nachschlagewerk und als Übungs- und Hausaufgabenbuch (vgl. Sträßer 2008, S. 8). Studien belegen, dass das Schulbuch den Mathematikunterricht, in dem es eingesetzt wird, mehr oder weniger stark prägen kann. Das ist davon abhängig, wie es eingesetzt wird. Der Schwede Johannson (vgl. 2006) fand in einer internationalen Untersuchung heraus, dass das Schulbuch im Wesentlichen für drei Zwecke eingesetzt wird:
− als Aufgabensammlung; − als Plan und Anregung für Einzelstunden;
− als „Curriculum“, an dem die Lehrkraft den Unterricht entlang plant. Pepin et al. (2001, S. 164 ff.) stellen in ihrer vergleichenden Untersuchung zwischen den Ländern Deutschland, Frankreich und England fest, dass (nur) etwa die Hälfte der Lehrkräfte sich streng am Schulbuch „Seite für Seite“ orientiert.
16
Doch wie geht das Schulbuch mit dem Thema „Beweisen“ um? Wird überhaupt bewiesen? Falls ja, wie präzise, formal und gut sind die Beweise? Bevor die Beweise in den schon erwähnten Lehrbüchern mit den in Kapitel 4.7 noch vorzustellenden Kriterien analysiert werden, muss zunächst die Frage beantwortet werden, wie Beweise in Schulbüchern aussehen sollten. Das Schulbuch dient der Lehrkraft als Hilfsmittel. Der Beweiskontext erfordert von der Lehrkraft viel Fingerspitzengefühl und didaktisches Geschick (vgl. Vollrath 2001). Wie der Einsatz des Buches aussehen kann, hängt von vielen äußeren Faktoren ab und lässt sich kaum pauschalisieren.
Vergleichende Analysen von Schulbüchern (vgl. Kuntze 2002, S. 3f.) haben gezeigt, dass die Behandlung des Bereiches „Begründen, Argumentieren, Beweisen“ in Schulbüchern sehr verschieden ausfällt. In älteren Büchern (nach 1900 bis in die 80er Jahre) wird meist eine äußerlich exakte und wissenschaftsorientierte Darstellung verwendet (vgl. ebd.). Dabei wird die Bedeutung des Beweisens bestenfalls in den Fußnoten erwähnt. Der Schüler bzw. die Schülerin lernt zwar Beweise und kann diese schlimmstenfalls durch Auswendiglernen wiedergeben, begreift aber die Bedeutung des Beweisens nicht. Diese streng wissenschaftliche Aufmachung der Schulbücher lässt sich historisch durch die „Meraner Beschlüsse“ 8 von 1905 und den „Sputnikschock“ 9 von 1957 belegen. Aktuellere Lehrbücher schwanken oft zwischen zwei Extremen hin und her. Einerseits wird durch die Verwendung von Symbolsprache versucht, eine formale Genauigkeit anzustreben, andererseits wird das Thema „Begründen, Argumentieren, Beweisen“ durch schülergemäße Vereinfachungen abgekürzt. Kuntze (2002, S. 4f.) fände eine weniger formal-symbolsprachliche Darstellung, sondern eher eine mit sprachlichen Mitteln aufgebaute Argumentation, wünschenswert, die den zentralen mathematischen Gedanken ausdrückt. Wurde zunächst sprachlich argumentiert, kann das Niveau auch zum Beispiel im Sinne der Binnendifferenzierung durch schriftliche und formalere Begründungen erhöht werden. Nach Kuntze wäre es erfreulich, wenn die Schüler/-innen durch die Lehrbücher lernen würden, mathematisch zu argumentieren, und je nach Anforderungsniveau viele Beweisideen
8 Ihr Wegbereiter war Felix Klein (1849 - 1925). Damals wurde dafür gekämpft, die Mathematik als
wesentliche Säule der Allgemeinbildung zu etablieren. Die „Meraner Beschlüsse“ umfassten eine
Neuordnung des Mathematikunterrichts und neue Curricula.
9 Der „Sputnikschock“ war die überhastete Reaktion der westlichen Welt auf den Start des ersten
künstlichen Erdsatelliten Sputnik durch die Sowjetunion. Dieser belegte den technischen Fortschritt
der Sowjetunion und sorgte u.a. auch für eine stark wissenschaftliche Orientierung der Bildungspolitik.
17
Quote paper:
M.Ed. B.Sc. Daniel Metzsch, 2009, Beweise zur Satzgruppe des Pythagoras, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Mathematics - Didactics: Beweise zur Satzgruppe des Pythagoras is now available as a printed book
Mathematics - Didactics: new text published: Beweise zur Satzgruppe des Pythagoras
Daniel Metzsch has uploaded a new text
Sale-and-lease-back-Analyse und Vergleich nach deutschem Steuerrecht, ...
Analyse und Vergleich nach deu...
Andreas Siebert, Jost W. Kramer, Karl Wolfhart Nitsch
0 comments