Joachim Wulkop
Friedenstheoretische Kernfragen aus der Perspektive der Internationalen Beziehungen
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Friedenstheoretische Kernfragen
aus der Perspektive der Internationalen Beziehungen
1. Einleitung
Kaum ein Tag vergeht, an dem in den Nachrichten nicht über Gewalt berichtet wird. Über
neue Kriege, alte Spannungen, über schwelende Konflikte und verlustreiche Gefechte
wird wortreich und bildhaft informiert: das Ausmaß menschlichen Versagens im Umgang
miteinander ist immer eine Meldung wert. Dadurch sind die Assoziationen zum Begriff
,,Krieg" relativ leicht aufzudecken: Bilder von Toten, Verletzten, zerbombten Städten,
verheerten Landstrichen.
Doch wie lässt sich Frieden definieren?
In der vorliegenden Hausarbeit soll untersucht werden, ob eine Bestimmung des
Friedensbegriffes außerhalb der Negativ-Definition als Gegenteil vom Krieg überhaupt
möglich ist. Darüber hinaus soll erläutert werden, was der Begriff ,,Frieden" beinhaltet.
Des weiteren wird die Frage geklärt ob, global gesehen, Frieden herrschen kann während
andernorts Kämpfe stattfinden, ob es also legitim ist, von einer Teilbarkeit des Friedens
zu sprechen.
Joachim Wulkop
Friedenstheoretische Kernfragen aus der Perspektive der Internationalen Beziehungen
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2. (K)eine Definition von Frieden
Eine endgültige Auslegung des Friedensbegriffs zu finden ist schwierig. ,,Dies ist insofern
nicht verwunderlich, als er einerseits zur Abgrenzung und Begründung des
Gegenstandes der Friedens- und Konfliktforschung genutzt wird und andererseits
unverkennbar einen stärkeren Bezug zur Tagespolitik hat als viele andere
sozialwissenschaftliche Grundbegriffe."
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Darüber hinaus, so konstatiert Peter Imbusch,
sei der Friedensbegriff eine öffentlich debattierte Frage, die aufgrund der ,,lebendigen
fachlichen und offenen Diskussion"
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zu keiner abschließenden Antwort komme.
Um der Definition von Frieden über die Aussage, Frieden sei die Abwesenheit von Krieg,
zu entkommen, hat man sich auf eine Unterscheidung innerhalb des Friedensbegriffs
geeinigt. Es wird differenziert zwischen positivem und negativem Frieden. Darüber hinaus
unterscheidet man zwischen einem engen und einem weiten Friedensbegriff. Dabei ist
der positive Frieden in seiner Beschaffenheit hierarchisch über dem negativen Frieden
einzuordnen. Er geht über das Fehlen kriegerischer Auseinandersetzungen, über den so
genannten OECD-Frieden, hinaus. Mit ihm geht laut Imbusch ein ,,starker Begriff von
Gerechtigkeit [...], ohne die es keinen stabilen Frieden gibt"
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einher.
Lothar Brock vertritt die Auslegung des Friedensbegriffes, welche den Frieden ,,als eine
ins Unendliche fortschreitende Annäherung" definiert
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. Er nennt drei Anforderungen, die
an die Definition gestellt werden müssen: ,,Unser Begriff vom Frieden sollte nicht selbst
eine ideologische Fährte zu neuen Kriegen (als Kriege gegen den Krieg) legen; er sollte
sich der Instrumentalisierbarkeit für die Legitimation bestehender Herrschaft (als
Verwirklichung von Frieden) entziehen und doch reale Entwicklungen in Geschichte und
Gegenwart in sich aufnehmen, um nicht bei bloßem Wunschdenken zu verharren." Diese
Forderungen entsprechen einem Friedensbegriff, der in Abhebung zum positiven, weiten
Begriff ,,an der Transformation gewaltsamer Konfliktaustragung und nicht an den
tieferliegenden Ursachen für Gewalt ansetzt".
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Brock fordert demzufolge einen Friedensbegriff, welcher völlig frei von Keimen ist, die
einen neuerlichen Krieg hervorbringen könnten. Gewalt könne nicht als Legitimation von
1
Torsten Bonacker/ Peter Imbusch: Zentrale Begriffe der Friedens und Konfliktforschung in:
Bonacker/Imbusch: Friedens und Konfliktforschung, Wiesbaden, 2006, Seite 126
2
Bonacker / Imbusch: Seite 130
3
Bonacker / Imbusch: Seite 131
4
Lothar Brock: Frieden, Überlegungen zur Theoriebildung, in: Dieter Senghaas: Friedendenken,
Frankfurt 1995, Seite 318
5
Bonacker / Imbusch: Seite 133
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