SE Mehrsprachigkeit Sara Kerschbaumer
SS 2009
Inhaltsverzeichnis
I. Statt einer Einleitung :
Statistik und Erfassung von Mehrsprachigkeit 3
II. Unterrichtsprinzipien im Bezug auf Mehrsprachigkeit
und Interkulturalität (AHS, BHS Sekundarstufe I) 6
II.I Förderung und Individualisierung 6
II.II. Leistungs- und Beurteilungsgrundlagen 9
III. Mehrsprachigkeit zwischen Ideal und Wirklichkeit 12
III.I Förderunterricht als „Lösung“? Erfahrungsbericht 14
IV. Informieren, Individualisieren, Integrieren 18
IV.I Herausforderung in einem Konzept der Vielfalt 19
Bibliographie Links 21
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I. Statt einer Einleitung :
Statistik und Erfassung von Mehrsprachigkeit
Dass ein Thema relevant ist merkt man auch daran, dass es erforscht, kommentiert und statistisch erfasst wird. So wurden erstmals 1991 die Anzahl der SchülerInnen mit „nichtdeutscher Umgangssprache“ dokumentiert, allerdings besonders im Pflichtschulbereich, die Situation in den höher bildenden Schulen wurde erst in Folge (und nicht alle Schultypen erfassend) untersucht. Diese neue Vorgehensweise beim Erfassen von Schülern mit anderen Erstsprachen als Deutsch stellt eine fundamentale Wende dar, die mit einer Sensibilisierung im Bereich Interkulturalität und Mehrsprachigkeit einhergeht.
Davor galten Statistiken der (ausländischen) Staatsbürgerschaft als „ausreichend“ um den Anteil der nicht deutschsprachigen Kinder zu erfassen- was natürlich der Sprachwirklichkeit nicht gerecht wurde- denn z.B. ein deutsches Kind ist- obgleich „Ausländer“- ja durchaus Muttersprachler; und ein Kind mit österreichischer Staatsbürgerschaft und Migrationshintergrund spricht oft eben eine andere Erstsprache als Deutsch (und des weiteren gibt es selbstverständlich auch die anerkannten Sprachminderheiten!). Ein weiterer Fortschritt in der Erfassung der Sprachhintergründe der SchülerInnnen ist das Bildungsdokumentationsgesetz, durch welches nunmehr die vielen verschiedenen Zweit- und Drittsprachen erfasst werden konnten (unabhängig von der Staatsbürgerschaft!), indem die Tabellen eben nicht nur eine „Sprachangabe“ vorsehen und zudem nach der Alltagssprache der Kinder gefragt wurde.
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Es zeigt sich als schon in der Form der Umfrage ein Umdenken- weg von einer Monolingualen Klassifizierung, die zudem kontrastiv vorgeht (also entweder-oder statt der Zwei-, Drei- und Mehrsprachigkeit) hin zu einer lebensweltlichen Mehrsprachigkeit. Gleichzeitig ist die Statistik ein wichtiges Instrument um Tendenzen, Fortschritte und auch Mängel in der Bildungspolitik aufzuzeigen, weil die Zahlen es ermöglichen, sich zu positionieren und entsprechend zu reagieren. (Statistiken Abb. 1 & 2 1 )
Wenn man sich beispielsweise die Zahlen für Wien vor Augen führt, wird klar dass die Mehrsprachigkeit im Unterricht nicht nur berücksichtigt werden kann, sondern muss und soll weil der Anteil der SchülerInnen mit anderen Erstsprachen als Deutsch insgesamt steigend ist (von 33,6% im Jahr 2004 auf 39,6% im Jahr 2008) Gleichzeitig scheinen aber unverhältnismäßig viele dieser SchülerInnen die Hauptschulen, Sonderschulen und Polytechnischen Schulen zu besuchen die als weniger „anspruchsvoll“ gelten. Nun muss man sich aber die Frage stellen warum
1 Die Abbildungen der beiden Statistiken stammen aus: SchülerInnen mit anderen Erstsprachen als Deutsch. Statistische Übersicht Schuljahre 2000/2001 bis 2007/2008. -In: Informationsblätter des Referates für Migration und Schule. Nr 2/2009. (Hrsg.) bmukk. S. 23 & 24.
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das so ist- man kann wohl kaum davon ausgehen dass Kinder mit anderen Muttersprachen als Deutsch weniger lernfähig und interessiert sind. Und warum sie selbst beim Durchlaufen der gesamten Pflichtschulzeit in Österreich diese sprachliche Benachteiligung nicht aufholen können!?! Tatsächlich haben Quereinsteiger aus dem Ausland oft bessere Chancen den sprachbedingten Leistungsabstand aufzuholen, als jene Kinder, die von Anfang an die österreichische. Schullaufbahn absolvieren. Besonders frappierend erscheinen die Zahlen in den Sonderschulen in denen der Anteil der SchülerInnen mit anderen Erstsprachen als Deutsch von 36,7% (2001) auf 49,0% (2008) gestiegen ist. Das bedeutet: die Hälfte der Sonderschüler in Wien sind Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist! 2 Dies wirft die Frage auf, ob sie nur deshalb in Sonderschulen landen, weil sie auf Grund von Kommunikationsschwierigkeiten ein auffälliges Verhalten an den Tag legen (was sich ja durchaus nachvollziehen lässt): Ein Schüler, der nichts versteht, langweilt sich und ist frustriert, er wird sich dementsprechend „auffallend“ benehmen- und kann zudem nicht kommunizieren worin sein Problem besteht!
2 Österreichweit sind es immerhin noch 27,2 %, wohingegen der Anteil jener SchülerInnen mit anderer Erstsprache als Deutsch, welche die Pflichtschule besuchen, bei 20,7% liegt. Es landen also unverhältnismäßig viele SchülerInnen im Sonderschulbereich!
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Angesichts dieser Zahlen wird die Wichtigkeit des Deutschunterrichts offensichtlichdenn die Sprachbeherrschung wirkt sich wie unschwer abzulesen ganz massiv auf die übrigen Leistungen und die Schullaufbahn aus 3 . So schaffen von den 20,7 % der SchülerInnen mit einer anderen Erstsprache als Deutsch (Österreichweit, 2008) die die Pflichtschule besuchen, nur etwa die Hälfte den „Sprung“ auf eine höher bildende (12,5%) oder berufsbildende Schule (10,2%), selbst wenn der Anteil zwischen 2001 und 2008 gestiegen ist (was aber an der insgesamt höheren SchülerInnenzahlen der Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch liegt und nicht an einer „Verbesserung“ der Aufstiegschancen!).
Um diesem Zustand entgegen zu wirken sind Gesetzte und Verordnungen interkulturelles Lernen und besondere Sprachförderung betreffend erlassen worden und sollen keineswegs nur im Deutschunterricht ihre Berechtigung haben. Vielmehr sollen Bildungsstandards erreicht und verschiedene Techniken und Fertigkeiten erworben werden. Dieses Loslösen von bestimmten (literarischen, etc.) Inhalten hin zu den Fertigkeiten bietet insbesondere hinsichtlich der Förderung anderssprachiger SchülerInnen Vorteile, wie im folgenden Kapitel gezeigt werden soll.
II. Unterrichtsprinzipien im Bezug auf Mehrsprachigkeit und
Interkulturalität (AHS, BHS & Sekundarstufe I)
II.I Förderung und Individualisierung
Im Grunde sind die didaktischen Prinzipien die dem „Deutsch als Zweitsprache“-Unterricht zu Grunde liegen oft die Selben welche auch im „normalen“
3 Und das obwohl im Unterrichtsgesetzt verankert steht: „Eine noch unzureichende Kompetenz in der Unterrichtssprache rechtfertigt nicht die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs […]!“ Siehe: Gesetzliche Grundlagen schulischer Maßnahmen für SchülerInnen mit anderen Erstsprachen als Deutsch. Gesetze und Verordnungen. -In: Informationsblätter des Referates für Migration und Schule. Nr 1/2008. (Hrsg.) bmukk. S. 10.
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Arbeit zitieren:
Sara Claire Kerschbaumer, 2009, Zur Bedeutung von Mehrsprachigkeit und Interkulturalität im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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