Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Tugenden im Panegyrikus Plinius’ des Jüngeren 3
3. Das Forum Traiani in Rom. 5
3.1. Die Lage des Forum Traiani. 5
3.2. Architektur und Bestandteile des Forums. 7
3.3. Architektur als Propaganda im Forum und den Märkten. 9
4. Fazit. 15
5. Quellen-, Literatur- und Abbildungsverzeichnis 17
6. Anhang 19
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit sich die Tugenden, die dem Kaiser Traian im Panegyrikus PLINIUS’ DES JÜNGEREN zugesprochen werden, im größten Bauprojekt des Kaisers, dem Forum Traiani, wiederfinden. Der Arbeit liegt die These zugrunde, dass Traian als erster Adoptivkaiser, der zudem aus den Provinzen stammte, verschiedene propagandistische Möglichkeiten zur Legitimation seiner Herrschaft nutzte und nutzen musste. Insbesondere der Titel optimus princeps stand für große Leistungen Traians und war gleichzeitig eine Verpflichtung, diese auszubauen.
Die Arbeit setzt mit dem Panegyrikus PLINIUS’ DES JÜNGEREN an. Zuvor wurde Traian durch den kinderlosen Nerva adoptiert, der nach dem gewaltsamen Ende der flavischen Dynastie ins Amt des Kaisers erhoben wurde. Insbesondere im Heer sowie im Senat erntete Nerva Widerstand, weshalb er den in Germanien äußerst erfolgreichen sowie im Senat beliebten Traian im Jahre 97 n. Chr. adoptierte. Nach Nervas Tod blieb Kaiser Traian zwei weitere Jahre in Germanien, bevor er schließlich 99 n. Chr. nach Rom zurückkehrte. Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass Traian ein gutes Verhältnis zum Senat hatte. So hielt PLINIUS DER JÜNGERE eine Dankesrede, in der er die Tugenden Traians hervorhebt und der tyrannis Domitians gegenüberstellt. Traian selbst konnte in den beiden Dakerkriegen 101/102 sowie 105/106 große Erfolge verbuchen. In seinem Siegjahr über die Daker begann er mit dem Bau des Forum Traiani.
Ob der Panegyrikus PLINIUS’ DES JÜNGEREN als Aufforderung des Senats 1 oder als selbstgewählter Leitfaden Traians aus einem tatsächlichen Lob 2 (vgl. Beutel, F.: Vergangenheit als Politik) aufzufassen ist, wird in der aktuellen Forschung kontrovers diskutiert. Im Mittelpunkt dieser Kontroversen stehen die Persönlichkeit des PLINIUS’ sowie die Frage, ob dieser plump einschmeichelnde Worte für seine eigene Karriere und zur Selbstdarstellung wählte. Auch wird die Zerstrittenheit des Senats angeführt 3 , der sich womöglich auf kein einheitliches Programm für den Kaiser, als das der Panegyrikus ebenfalls aufgefasst werden kann, einigen
1 Vgl. Martin Fell: Optimus Princeps?, München u. a. 1995.
2 Vgl. Frank Beutel: Vergangenheit als Politik, Frankfurt/M. u. a. 2000.
3 Vgl. Karl Strobel: Kaiser Trajan, Eine Epoche der Weltgeschichte, Regensburg u. a. 2010.
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konnte. RONNING hingegen versteht den Panegyrikus als Wiedergabe von Tugenden, die Traian akzeptieren und anschließend ohne weiteres umsetzen konnte. 4 Die vorliegende Arbeit schließt sich der Position STROBELS an, der davon ausgeht, dass der „Panegyricus […] die militärische und zivile Rolle des Princeps zu einer Einheit zusammen[setzt].“ 5 . Ausgehend von dieser These stehen einerseits die Tugenden virtus, pietas und clementia sowie andererseits die civilitas Traians in der Analyse im Vordergrund. Dazu werden diese exemplarisch mithilfe des Panegyrikus in Kapitel 2 herausgearbeitet. Aufgrund der genretypischen Benutzung von Stilmitteln und Übertreibungen kann sich die Ableitung von fundierten Kriterien als schwierig erweisen. Da jedoch Sachpunkte im Panegyrikus überprüfbaren Tatsachen entsprechen, kann unter quellenkritischen Gesichtspunkten der Panegyrikus als Quelle für geltende Ideale während der Regierungszeit Traians herangezogen werden.
Aufbauend auf diese Überlegungen wird in der vorliegenden Arbeit analysiert, wie diese Tugenden miteinander verknüpft und mithilfe des Forum Traiani in Rom propagiert wurden. Dazu wird in Kapitel 3 zunächst die Lage des Forum Traiani (Kap. 3.1) untersucht, bevor Kapitel 3.2 die Architektur und Bestandteile des Forums wiedergibt. Sowohl Lage als auch Architektur werden in Kapitel 3.3 auf die oben genannten Tugenden untersucht und auf propagandistische Zwecke hin analysiert. Die Art der Verknüpfung der Tugenden sowie die Propaganda zur Festigung des Titels optimus princeps stehen dabei im Vordergrund der Analyse. Neben dem Panegyrikus, der als einzige Quelle zu Traians frühen Herrscherjahren gilt, werden somit archäologische Quellen wie die Lage, die Architektur sowie Ausstattungen des Forum Traiani herangezogen. Auch Münzen, die zur Verbreitung der Legitimationsmaßnahmen des Forums beitrugen, werden zur Analyse herangezogen.
Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf weitere mögliche Untersuchungsfelder.
4 Vgl. Christian Ronning: Herrscherpanegyrik unter Trajan und Konstantin, Studien zur symboli schen Kommunikation in der römischen Kaiserzeit (Studien und Texte zu Antike und Christen tum, hrsg. v. Christoph Markschies), Tübingen 2007.
5 Karl Strobel: a. a. O., S. 459.
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2. Tugenden im Panegyrikus Plinius’ des Jüngeren
Der Panegyrikus PLINIUS’ DES JÜNGEREN ist eine Neufassung der gratiarum actio, die dieser an Traians 47. Geburtstag im Senat hielt. Anlass für diese Dankesrede ist zudem der Antritt des Suffekt-Konsulats durch den Redner. 6 Die Veröffentlichung der Version, der die folgende Analyse zugrunde liegt, lässt sich auf circa 101 datieren. 7 Die literaturgeschichtliche Weiterentwicklung des klassischen griechischen Panegyrikos zum „lateinischen Prosapanegyrikus“ 8 durch PLINIUS DEM JÜNGEREN betont zudem die Bedeutung dieses Schriftstücks. Auch ist der Panegyrikus die einzige Schriftquelle für Traians erste Regierungsjahre. In dem Panegyrikus PLINIUS’ DES JÜNGEREN gilt es sowohl die direkte Nennung von Tugenden als auch indirekte Verweise auf diese herauszuarbeiten. Den ideologischen Wert und damit die Intention des Panegyrikus’ hält PLINIUS DER JÜNGE- RE dabeiselbst fest: deinde ut futuri principes non quasi a magistro sed tamen sub exemplo praemonerentur, qua potissimum vua possent ad eandem gloriam niti. 9 Einerseits soll somit die Anknüpfung Traians an traditionelle, etablierte Tugenden thematisiert werden, andererseits könne Traian als Vorbild dienen und damit selbst eine neue Tradition als erster Adoptivkaiser und optimus princeps begründen.
Da in der folgenden Analyse insbesondere der Verweis auf Tradition für den ersten Adoptivkaiser Traian ein wichtiger Aspekt zur Legitimation seiner Herrschaft sein wird, soll auch der traditionelle Aspekt des Panegyrikus selbst kurz genauer betrachtet werden. Mit Ciceros caesarischen Reden wie der Rede Pro Marcello gibt es „[e]ine Senatsrede mit der Absicht, einen Mächtigen ins Angesicht zu loben und ihm zu danken“. 10 So sei die Marcellina ein bewusstes Vorbild für den Panegyrikus PLINIUS’ DES JÜNGEREN gewesen. 11 Auch die zentrale Stellung der Tugenden geht auf Cicero zurück, der wiederum an Platon anknüpft. 12 In der folgenden Untersuchung werden insbesondere die Tugenden virtus, pietas, clementia und civilitas im Vordergrund stehen, da PLINIUS DER JÜNGERE mit die-
6 MartinFell: a. a. O., S. 13.
7 Werner Kühn: Plinius der Jüngere, Panegyrikus, Lobrede auf den Kaiser Trajan, herausgegeben, eingeleitet und übersetzt von Werner Kühn (Texte zur Forschung Bd. 51), 2. durchgesehene, bibiliographisch aktualisierte Auflage, Darmstadt 2008, S. 1.
8 Werner Kühn: a. a. O., S. 2.
9 Plin. Ep. III 18,2.
10 Werner Kühn: a. a. O., S. 2.; vgl. hierzu auch: Christian Ronning: a. a. O., S. 26-30.
11 Werner Kühn: a. a. O., S. 2.
12 Vgl. Ciceros „De officiis“, Platons „Politeia“ sowie François Renaud: Art. Tugend, in: Der Neue Pauly online 2011.
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sen sowohl an positive Eigenschaften ehemaliger Kaiser anknüpfen, als auch das Prinzip des optimus princeps aufbauen kann. So lässt sich der Panegyrikus als Legitimation der Herrschaft Traians mit dessen Tugenden als Stütze für das zu etablierende Herrschaftssystem des optimus princeps lesen. Obwohl es zahlreiche weitere Verweise auf die oben genannten Tugenden sowie auf die Etablierung des optimus princeps im Verlauf des Panegyrikus gibt, werden nur exemplarisch einige Belege herausgearbeitet.
Bereits im einleitenden Teil des Panegyrikus wird Traian indirekt als primus inter pares bezeichnet: „non enim de tyranno sed de cive, non de domino sed de parente loquimur. Unum ille se ex nobis - et hoc magis excellit atque eminet, quod unum ex nobis putat, nec minus hominem se quam hominibus praeesse meminit.“ 13 Durch diese Einordnung Traians kann diesem gleichzeitig die Tugend civilitas attestiert werden.
Ein direkter Verweis auf Traians Tugenden findet sich nach einem allusorischen Vergleich mit Domitian, nach dem gesagt wird, dass das Volk „huius pietatem abstinentiam mansuetudinem laudat.“ 14 Das Nomen mansuetudo kann hier synonym zur clementia verstanden werden. Dass seine Frömmigkeit (pietas) in einem Atemzug mit Uneigennützigkeit und Milde genannt wird, kann dahingehend gedeutet werden, dass es innerhalb der Tugenden eine Unterteilung zu geben scheint. So wird Traians augenscheinlichste Tugend, die militärische Kraft (vir- tus), zumindestin der Einleitung des Panegyrikus hintangestellt. Für bewusste Entscheidungen in Bezug auf diese Trennung sowie die chronologische Reihenfolge in der Nennung der Tugenden spricht der Kontext. So finden sich hier bereits Anspielungen auf die tyrannis Domitians. Die Nennung der virtus in diesem Kontext könnte als Gemeinsamkeit von Domitian und Traian aufgefasst werden, wenn auch nicht gleichen Ausmaßes. Diese Feststellung von einer Gemeinsamkeit wird PLINIUS DER JÜNGERE vermutlich vermeiden wollen, da er der tyrannis das Prinzip des optimus princeps und damit auch ihre beiden Träger gegenüberstellt. Daher werden die Tugenden Traians erst nach und nach in eine militärische Richtung gebracht. So wird im fünften Vers des neunten Kapitels beispielsweise die disciplina genannt, die als militärische Disziplin zu verstehen ist. Als weitere Hinführung zur Betitelung Traians mit der Tugend virtus kann seine Freude im ersten Vers des 13. Kapitels durch die „virtute militum“ verstanden werden, bevor
13 Plin. Paneg. 2,3f.
14 Plin. Paneg. 2,6.
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schließlich im fünften Vers des 16. Kapitels Traian selbst mit dieser Tugend versehen wird. Hier werden hochmütige Herrscher gewarnt, die sich aufgrund ihrer beispielsweise durch „fluminibus immensis“ 15 geschützte Lage in Sicherheit wähnen. So könne Traian mit seinen „virtutibus“ 16 selbst solche Gebiete einnehmen. Mit einer rhetorischen Frage bringt PLINIUS DER JÜNGERE sein Verständnis des optimus princeps auf den Punkt: „Non totam per civitatem circumferas oculos et hunc tibi proximum, hunc coniunctissimum existimes, quem optimum quem dis simillimum inveneris?“ 17 Gleichzeitig wird mit dieser rhetorischen Frage die Benutzung des Superlativs im Titel optimus princeps begründet, der auf eine fundierte, leistungsgemäße Auswahl des nächsten Princeps beruht. So lautet die logische, prägnante Antwort auf diese Frage: „Imperatus omnibus eligi debet ex omnibus“ 18 .
3. Das Forum Traiani in Rom
Nachdem in Kapitel 2 Traian im Panegyrikus PLINIUS’ DES JÜNGEREN zugeschriebene Tugenden herausgearbeitet wurden, gilt es zu klären, inwieweit sich diese Herrschaftslegitimationen im größten Bauprojekt Traians - dem Forum Traiani wiederfinden. Ergänzend zur Baupolitik wird die Propaganda dieser - beispielsweise mithilfe von Münzen - zur Untermauerung der zu prüfenden Thesen herangezogen.
Da bereits die Lage des Forums von Bedeutung für die Analyse ist, beginnt das Kapitel mit einer allgemeinen Beschreibung der Kaiserfora in Rom (Kap. 3.1), bevor das Forum Traiani selbst textlich durchschritten (Kap. 3.2) und schließlich im Hinblick auf die Tugenden aus Kapitel 2 analysiert wird (Kap. 3.3).
3.1. Die Lage des Forum Traiani
Allgemeiner Bauanlass der Kaiserfora ist die Tatsache, dass Rom gegen Ende der Republik die Hauptstadt eines Reiches geworden war, sodass das alte republikanische Forum als Repräsentations- und Verwaltungszentrum als nicht mehr ausrei-
15 Plin.Paneg. 16,5.
16 Plin. Paneg. 16,5.
17 Plin. Paneg. 7,5.
18 Plin. Paneg. 7,6.
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Arbeit zitieren:
Ingrid Neteler, 2011, Baukunst als Propaganda, München, GRIN Verlag GmbH
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